miniatur|hochkant=0.8|Curt Goetz mit Leopoldine Konstantin in der Komödie Die Tänzerin, 1917 mini|hochkant=0.8|Berliner Gedenktafel am Haus Fredericiastraße 1, in Berlin-Westend Curt Goetz, eigentlich Kurt Walter Götz (* 17. November 1888 in Mainz, Großherzogtum Hessen, Deutsches Reich; † 12. September 1960 in Grabs, Kanton St. Gallen, Schweiz), war ein deutsch-schweizerischer Schriftsteller und Schauspieler.
Leben mini|hochkant=1.2|Curt-Goetz-Denkmal in Halle von Michael Weihe Goetz’ Eltern waren Selma (geborene Rocco) Goetz und der Kaufmann Bernhard Götz aus Binningen, Kanton Baselland.Geburtsregister Mainz 1888, Nr. 1794 Der Vater starb bereits 1890. Die Mutter ging mit dem zweijährigen Kind zurück in ihre Heimatstadt Halle an der Saale und übernahm dort die Leitung einer Privatklinik.
Nach Privat-Unterricht und einem Jahr am Städtischen Gymnasium legte Götz das Abitur ab. Sein Stiefvater förderte anfangs seine musische Begabung – Curt lernte Cello spielen. Nach Schauspielunterricht bei dem Berliner Schauspieler Emanuel Reicher, ebenfalls durch den Stiefvater gefördert, gab er 1908 sein Bühnendebüt am Rostocker Stadttheater. Dort schrieb er bereits seine ersten Sketche für die Theaterbühne.
Von 1909 bis 1911 spielte er am „Intimen Theater“ in Nürnberg, bevor er 1911 nach Berlin ging. Er hatte Engagements am Kleinen Theater, dem Lessingtheater und dem Deutschen Künstlertheater. Goetz begann eigene Stücke für das Boulevardtheater zu schreiben. Von da an nannte er sich auch – zunächst nur als Schauspieler – Curt Goetz.
Im Jahr 1912 heiratete er die Schauspielerin Erna Nitter, von der er 1917 geschieden wurde. Curt Goetz spielte in vielen Stummfilmen, meist Krimis, u. a. unter der Regie von Harry Piel, oft den Gegenspieler des Hauptdarstellers. Einer seiner Kollegen damals war Max Landa. Er begann erste Drehbücher für Stummfilme zu schreiben.
Im Jahr 1922 gründete er mit der Götz Film Compagnie GmbH eine eigene Filmgesellschaft, mit der er als einzigen Film Friedrich Schiller als Regisseur, Produzent und Drehbuch-Koautor realisierte.Handelsregister Berlin, HRB Nr. 24374.
Goetz heiratete 1923 in Berlin Valérie von Martens, die kurz zuvor in Wien bei der Aufführung seines Schauspiels Ingeborg kennengelernt hatte, in dem beide die Hauptrollen spielten.
Goetz gründete 1927 ein eigenes Ensembles und ging mit seinen Stücken auf Tournee. 1939 ging er nach Hollywood, um „Filmemachen“ zu studieren. Vom Zweiten Weltkrieg überrascht, blieb Curt Goetz mit seiner Ehefrau in den USA.„Fragen Sie Reich-Ranicki:“ Interessanter als die Lustspiele von Oscar Wilde. In: faz.net, 21. März 2012. Abgerufen am 29. November 2013.
Bei Metro-Goldwyn-Mayer unter Vertrag, arbeitete Goetz an diversen Drehbüchern mit. Er und seine Frau kauften eine Hühnerfarm in Van Nuys, Los Angeles, Kalifornien.
In Kalifornien verfasste Goetz seine Erzählung Tatjana und den Roman Die Tote von Beverly Hills sowie eine Neufassung des Stücks Hokuspokus. Ebenso arbeitete er seinen Einakter Die tote Tante in das Stück Das Haus in Montevideo um, welches er erfolgreich 1945 mit Valérie von Martens am Playhouse Theatre am Broadway präsentierte.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wohnte das Ehepaar ab 1946 in der Schweiz, deren Staatsangehörigkeit Curt Goetz durch seinen Vater besaß. 1951 kam sein Stück Das Haus in Montevideo und 1953 sein Stück Hokuspokus mit großem Erfolg in die Kinos. In seinem Bühnenstück Nichts Neues in Hollywood von 1956 ließ Goetz sich auf satirische Weise über seine Erfahrungen aus, die er in Amerika gesammelt hatte. Sein Talent, Dialoge und Situationen mit jener Leichtigkeit darzustellen, die amerikanischen Screwball-Komödien eigen ist, nutzte er auch hier. Ab Ende der 1950er-Jahre zog sich Goetz zunehmend in sein Haus in Schaan in Liechtenstein zurück. 1958 wurde er Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Kurze Zeit darauf zog er sich aus gesundheitlichen Gründen ins Privatleben zurück.
miniatur|Ehrengrab von Curt Goetz auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend miniatur|Relief von Goetz auf seinem Grab in Berlin Curt Goetz starb 1960 im Alter von 71 Jahren in Grabs in der Schweiz. Die Beisetzung erfolgte auf dem Berliner Friedhof Heerstraße im heutigen Ortsteil Westend. Die Witwe Valérie von Martens wurde 1986 an seiner Seite bestattet.Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1. S. 486, 491.
Vermächtnis Auf Beschluss des Senats von Berlin ist die letzte Ruhestätte von Curt Goetz (Grablage: 16-G-11/12) seit 1984 als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet. Die Widmung wurde 2005 um die übliche Frist von zwanzig Jahren verlängert.Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand: November 2018) (PDF, 413 kB), S. 26. Abgerufen am 10. November 2019. Für die Befristung auf zwanzig Jahre, siehe: Ausführungsvorschriften zu § 12 Abs. 6 Friedhofsgesetz (AV Ehrengrabstätten) (PDF, 24 kB) vom 15. August 2007, Absatz 10. Abgerufen am 10. November 2019.
Valérie von Martens veröffentlichte nach dem Tod ihres Gatten die Bände zwei und drei von dessen Memoiren: Die Verwandlung des Peterhans von Binningen und Wir wandern, wir wandern … Außerdem stiftete sie 1985 den Curt-Goetz-Ring für Personen, die das Werk von Goetz fortsetzen, indem sie „den leichten Ton der Komödie mit Intelligenz und einer humanistischen Grundhaltung verbinden“.
Nach Goetz sind mehrere Straßen benannt, unter anderem in Halle (Saale), Hamburg-Bramfeld, Mainz und Binningen.
In der Reihe Edition Filmmuseum sind fünf restaurierte Originalfilme auf DVD erschienen: Friedrich Schiller – Eine Dichterjugend, Hokuspokus, Das Haus in Montevideo, Frauenarzt Dr. Prätorius und Napoleon ist an allem schuld. Auf den DVDs sind zusätzlich verschiedene Hörspiele (Herbst, Die Rache und Das Märchen) sowie Interviews enthalten (siehe Link).
Im deutschsprachigen Rundfunk sind 71 Hörspiele nach Werken von Curt Goetz oder nach von ihm bearbeiteten Stücken erschienen, davon hat er in sechs Hörspielen als Sprecher mitgewirkt.
Werke Bühnenstücke Der Lampenschirm (1911) Nachtbeleuchtung (1918, v. 1919) 5 Einakter: Nachtbeleuchtung, Lohengrin, Tobby, Minna Magdalena, Der fliegende Geheimrat Menagerie (1919) 4 Einakter: Der Spatz vom Dache, Die Taube in der Hand, Der Hund im Hirn, Der Hahn im Korb Ingeborg (1922) Die tote Tante und andere Begebenheiten (1924) 3 Einakter: Der Mörder, Das Märchen, Die tote Tante Hokuspokus (Urfassung) (1926) Der Lügner und die Nonne. 1928 Dr. med. Hiob Prätorius, Facharzt für Chirurgie und Frauenleiden. Eine Geschichte ohne Politik nach alten aber guten Motiven neuerzählt. C. Hinstorffs Verlag, Rostock 1929. Frauenarzt Dr. med. Hiob Prätorius (Urfassung, 1934) Das Haus in Montevideo (Bühnenstück, 1945) Dr. med. Hiob Prätorius (Neufassung, 1953) Nichts Neues in Hollywood (1956) Miniaturen (1958) 3 Einakter: Die Rache, Herbst, Die Kommode Seifenblasen (1962) 3 Einakter: Ausbruch des Weltfriedens, Die Bacarole, Die Bärengeschichte
Bearbeitungen: Der Raub der Sabinerinnen nach Franz und Paul von Schönthan Übersetzungen: Fröhliche Geister, aus dem Englischen, Original: Blithe Spirit von Noël Coward Nach Afrika, aus dem Englischen, Original: Present Laughter von Noël Coward (Bühnenstück)
Prosa
Tatjana. Eine Legende, Artemis Verlag, Zürich 1946 Die Tote von Beverly Hills. Satire auf einen Bestseller, F. A. Herbig, Berlin 1951 Verfilmung: Die Tote von Beverly Hills (1964)
Drehbücher Carneval in Paris. Eine seltsame Begegnung (1966)
Memoiren Die Memoiren des Peterhans von Binningen (Memoiren Band 1, 1960) Die Verwandlung des Peterhans von Binningen (Memoiren Band 2, Vorbereitung des Scripts – Vollendung durch Valérie von Martens, 1962, Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste vom 11. April bis zum 8. Mai 1962) Wir wandern, wir wandern … (Memoiren Band 3, Erinnerungen von Valérie von Martens, 1963, der Titel ist der eines Liedes im Film Das Haus von Montevideo)
Weitere Werke Towaritsch (1934) – von Jacques Deval, bearbeitet für die deutsche Bühne 3 mal täglich (1964) Herz im Frack (1966) – Co-Autor 4 mal täglich (1968)
Sammelausgaben
Filme nach Vorlagen von Curt Goetz 1930: Hokuspokus – Regie: Gustav Ucicky, Buchvorlage; gleichzeitig unter dem Titel The Temporary Widow verfilmt, in den Hauptrollen Lilian Harvey und Willy Fritsch/Laurence Olivier 1950: Frauenarzt Dr. Prätorius 1951: People Will Talk – Regie: Joseph L. Mankiewicz, Buchvorlage „Dr. med. Hiob Prätorius“ 1951: Das Haus in Montevideo (Buchvorlage, Hauptrolle) 1953: Minna Magdalena (Fernsehfilm) – Regie: Hanns Farenburg, Buchvorlage 1953: Hokuspokus (Drehbuch, Buchvorlage, Hauptrolle) 1954: Ingeborg (Fernsehfilm) – Regie: Werner Völger, Buchvorlage 1954: Minna Magdalena (Fernsehfilm) – Regie: Paul Lewitt, Buchvorlage 1955: Der Hund im Hirn (Fernsehfilm) – Regie: Fritz Rémond, Buchvorlage 1958: Alte Möbel (Fernsehfilm) – Regie: Ulrich Bettac, (Buchvorlage, Hauptrolle) 1958: Dr. med. Hiob Prätorius (Fernsehfilm) – Regie: Paul Verhoeven, Buchvorlage 1959: Minna Magdalena (Fernsehfilm) – Regie: Hanns Farenburg, Buchvorlage 1960: Dr. med. Hiob Prätorius – Regie: Lothar Bellag, Buchvorlage 1960: Ingeborg – Regie: Wolfgang Liebeneiner, Drehbuch mit Willibald Eser, Buchvorlage 1961: Der Lampenschirm (Fernsehfilm) – Regie: Hans-Joachim Mertens, Buchvorlage 1962: Geisterkomödie (Fernsehfilm) – Regie: Otto Tausig, deutsche Bearbeitung 1963: Das Haus in Montevideo – Regie: Helmut Käutner, Buchvorlage 1964: Die Tote von Beverly Hills – Regie: Michael Pfleghar, Buchvorlage 1965: Dr. med. Hiob Prätorius – Regie: Kurt Hoffmann, Buchvorlage 1966: Hokuspokus oder: Wie lasse ich meinen Mann verschwinden...? – Regie: Kurt Hoffmann, Buchvorlage 1966: Ingeborg (Fernsehfilm) – Regie: Peter Borgelt, Buchvorlage 1966: Das Märchen (Fernsehfilm) – Regie: Hans-Joachim Zimmermann, Buchvorlage 1967: Der Lügner und die Nonne – Regie: Rolf Thiele, Buchvorlage 1968: Herbst (Fernsehfilm) – Regie: Kurt Wilhelm, Buchvorlage 1968: Minna Magdalena (Fernsehfilm) – Buchvorlage 1969: Die Kommode (Fernsehfilm) – Regie: Kurt Wilhelm, Buchvorlage 1976: Hund im Hirn (Fernsehfilm) – Regie: Frank Guthke, Buchvorlage 1976: Die Taube in der Hand (Fernsehfilm) – Regie: Ludwig Cremer, Buchvorlage 1976: Das Märchen (Fernsehfilm) – Regie: Denis Seiler und Margot Thyrêt, Buchvorlage 1976: Die Kommode (Fernsehfilm) – Regie: Denis Seiler und Margot Thyrêt, Buchvorlage 1976: Der Lampenschirm (Fernsehfilm) – Regie: Robert Trösch, Buchvorlage 1979: Kleine Gaben – Regie: Herbert Fuchs, Buchvorlage 1981: Ingeborg (Fernsehfilm) – Regie: Valérie von Martens, Buchvorlage 1984: Er-Goetz-liches 1. Der Hund im Hirn, 2. Lohengrin, 3. Der Mörder, 4. Minna Magdalena (Fernseh-Episodenfilm) – Regie: Hans-Jürgen Tögel, Buchvorlage
Filmografie Darsteller, sofern nicht anders angegeben 1912: Schwarzes Blut 1915: Nur nicht heiraten 1916: Der Mann ohne Kopf 1916: Der Hund mit dem Monokel 1916: Fliegende Schatten (auch Drehbuch) 1917: Gefangene Seele 1917: Die Dame in Schwarz 1918: Katinka (Drehbuch mit Paul Otto) 1918: Ich möchte kein Mann sein 1918: Die nach Glück und Liebe suchen 1918/19: Fantasie des Artistide Caré (3 Teile, Drehbuch und Darsteller) 1919: Die beiden Gatten der Frau Ruth 1919: Graf Sylvains Rache 1920: Das Skelett des Herrn Markutius (Drehbuch und Darsteller) 1923: Friedrich Schiller (Regie, Drehbuch mit Max Kaufmann, Produzent) 1923: Tragödie der Liebe (4 Teile) 1923: Alles für Geld 1930: Hokuspokus (Drehbuchvorlage) 1930: The Temporary Widow (Drehbuchvorlage für englische Version von Hokuspokus) 1936: Glückskinder (Dialogbearbeitung) 1936: Les gais lurons (Dialogbearbeitung für französische Version von Glückskinder) 1937: Land der Liebe (Dialogbearbeitung) 1937: Sieben Ohrfeigen (Dialogbearbeitung) 1938: Napoleon ist an allem schuld (Regie, Drehbuch mit Karl Peter Gillmann, Hauptrolle)