Die Zebras (Hippotigris) sind eine Untergattung aus der Gattung der Pferde (Equus), die aus drei Arten besteht: Grevyzebra (Equus grevyi), Bergzebra (Equus zebra) und Steppenzebra (Equus quagga). Die Tiere sind besonders durch ihr schwarz-weißes Streifenmuster gekennzeichnet. Alle Vertreter der Zebras kommen ausschließlich in Afrika vor, wo sie zumeist offene Landschaften bewohnen. Die Bestände der einzelnen Arten sind in unterschiedlichem Maße bedroht.

Name Als portugiesische Seefahrer Ende des 15. Jahrhunderts erstmals Zebras bei ihren Entdeckungsfahrten in Afrika sahen, fühlten sie sich an die iberischen Wildpferde erinnert, die sie in Portugal Zebros nannten und die ebenfalls schwarze Streifen zeigten. Fortan nannten sie diese Pferde Zebras.Zebro-Artikel auf www.sorraia.org, abgerufen am 29. November 2014

Merkmale

Habitus mini|Bergzebra (Equus zebra) mini|Grevyzebra (Equus grevyi) Zebras erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 210 bis 300 Zentimetern, der Schwanz wird 40 bis 60 Zentimeter lang und die Schulterhöhe beträgt 110 bis 160 Zentimeter. Das Gewicht variiert zwischen 180 und 450 Kilogramm. Das Grevyzebra ist das größte Zebra und die größte wildlebende Pferdeart. Zebras haben einen generell pferdeartigen Habitus, unterscheiden sich untereinander aber ein wenig. So besitzt das Grevyzebra verhältnismäßig längere Beine als das Steppen- und Bergzebra, die Hufe sind aber weniger breit als bei letzterem. Einigendes Charakteristikum aller Zebras ist die typische Streifenzeichnung. Diese zeigt aber artspezifische Unterschiede, wie etwa in der Streifenanzahl. Während das Grevyzebra etwa 80 Streifen hat, sind es beim Bergzebra nur etwa 45 und beim Steppenzebra nur etwa 30. Die größte Variationsbreite besteht beim Steppenzebra, bei dem einige Formen eine deutlich reduzierte Anzahl aufweisen, was wie beim Quagga zu einem streifenfreien Hinterteil führen kann.C. S. Churcher: Equus grevyi. In: Mammalian Species. 453, 1993, S. 1–9Peter Grubb: Equus burchelli. In: Mammalian Species. 157, 1981, S. 1–9L. B. Penzhorn: Equus zebra. In: Mammalian Species. 314, 1988, S. 1–7Dan I. Rubenstein: Family Equidae (Horses and relatives). In: Don E. Wilson, Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 2: Hooved Mammals. Lynx Edicions, Barcelona 2011, ISBN 978-84-96553-77-4, S. 106–143

Funktion des Streifenmusters mini|Bei mehreren Zebras auf einem Fleck ist es schwer, die Umrisse eines einzelnen Tieres zu erkennen Die entwicklungsbiologische Entstehung der Streifen ist bisher nicht vollständig geklärt. Von verwandten Tieren weiß man, dass die Melanozyten – Pigmentzellen, die das Fell dunkel färben – während der Embryonalentwicklung von der am Rücken liegenden Neuralleiste aus in Richtung Bauch wandern. Unklar ist, warum die Melanozyten nicht in die weißen Bereiche des Felles der Zebras wandern, ob sie in diesen Bereichen abgetötet werden oder ob dort einfach nur die Pigmentproduktion gehemmt ist. Wie die streifenförmige Regulation auf genetischer Ebene bewerkstelligt wird, ist bisher ebenfalls unbekannt.Sean B. Carroll: Evo Devo: Das neue Bild der Evolution. Berlin University Press, 2005, S. 230–235 ISBN=978-3-940432-15-5

Nach einer Hypothese von Jonathan B. L. Bard sind die Streifen zum Zeitpunkt ihrer Entwicklung bei allen Arten etwa 0,4 Millimeter (etwa 20 Zellen) breit. Allerdings findet diese Entwicklung nach Bard bei den drei Arten zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Entwicklung statt, und zwar beim Grevyzebra erst später, nach etwa 35 Tagen, sodass der Embryo dort größer ist und mehr Streifen Platz haben. Beim Bergzebra hingegen bilden sich die Streifen nach 28, beim Steppenzebra schon nach 21 Tagen, was zu einer geringeren Streifenzahl führt.Jonathan B. L. Bard: A unity underlying the different zebra striping patterns. In: Journal of Zoology. 183, 1977, S. 527–539

Für die evolutionäre Entwicklung der Streifen gibt es mehrere Erklärungsversuche; es ist auch eine Kombination mehrerer vorteilhafter Auswirkungen denkbar.

Tarnung vor Beutegreifern Zum einen wurde unter anderem von Charles Darwin und Alfred Russel Wallace vermutet, sie könnten im hohen Gras oder bei heißer, flimmernder Luft als Tarnung wirken. Es ist auch denkbar, dass durch die Streifenzeichnung die Umrisse der einzelnen Tiere nicht mehr so gut erkennbar sind. Da Zebras in Herden leben, könnte es dadurch für Räuber erschwert werden, sich ein einzelnes Beutetier herauszusuchen. Diese Deutung wurde jedoch in einem Aufsatz aus dem Jahr 2016 weitgehend widerlegt, denn in einer Entfernung, in der das Streifenmuster optisch erkennbar wäre, hätten Raubtiere die Beute bereits gewittert und gehört. Eine optisch verminderte Erkennbarkeit der Konturen gäbe es nicht. Im Resultat schlussfolgern die Autoren: In sum, our results do not lend support to stripes being a form of anti-predator crypsis („Insgesamt betrachtet unterstützen unsere Ergebnisse die Vermutung, dass die Streifen eine Art der Anti-Beutegreifer-Tarnung sein könnten, nicht.“).Amanda D. Melin, Donald W. Kline, Chihiro Hiramatsu, Tim Caro: Zebra stripes through the eyes of their predators, zebras, and humans. In: PLoS ONE. 11 (1), 2016, doi:10.1371/journal.pone.0145679

Schutz vor Fliegen und Bremsen mini|Video: Warum hat ein Zebra Streifen? Einer weiteren, experimentell überprüften Hypothese zufolge bildeten sich die Streifen zur Tarnung vor Tsetsefliegen und Bremsen.Tim Caro, Amanda Izzo, Robert C. Reiner, Hannah Walker, Theodore Stankowich: The function of zebra stripes. In: Nature Communications. 5, 2014, S. 3535, doi:10.1038/ncomms4535 Diese Insekten, die die Schlafkrankheit übertragen, könnten dieser Hypothese zufolge mit ihren Facettenaugen die Tiere nicht wahrnehmen. Der Zoologe und Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf widmete 1993 dieser Frage in seinem Buch Das Rätsel der Menschwerdung zwei Kapitel und verweist auf die Tsetsefliege:Josef H. Reichholf: Das Rätsel der Menschwerdung: Die Entstehung des Menschen im Wechselspiel der Natur. dtv, München 1993, ISBN 3-423-30341-7, S. 96 f Die der Schlafkrankheit entsprechende Trypanosomen-Infektion bei Pferden (zu denen Zebras gehören) sei die Nagana-Seuche, und ein Schutz vor dieser oft zum Tode führenden Krankheit sei ein Selektionsvorteil. Allerdings konnte gezeigt werden, dass die Tsetsefliegen Zebras auch wegen des Hautgeruchs meiden. Dieser enthält verschiedene Aldehyde und Ketone als Komponenten, die die Insekten abschrecken. Ein vergleichbarer Effekt ist unter anderem bei verschiedenen Wasserböcken bekannt.Olabimpe Y. Olaide, David P. Tchouassi, Abdullahi A. Yusuf, Christian W. W. Pirk, Daniel K. Masiga, Rajinder K. Saini, Baldwyn Torto: Zebra skin odor repels the savannah tsetse fly, Glossina pallidipes (Diptera: Glossinidae). In: PLoS Neglected Tropical Diseases. 13 (6), 2019, S. e0007460, doi:10.1371/journal.pntd.0007460

Experimentell wurde im Jahr 2012 gezeigt, dass gestreifte Flächen von Bremsen gemieden werden.Ádám Egri, Miklós Blahó, György Kriska, Róbert Farkas, Mónika Gyurkovszky, Susanne Åkesson, Gábor Horváth: Polarotactic tabanids find striped patterns with brightness and/or polarization modulation least attractive: an advantage of zebra stripes. In: The Journal of Experimental Biology. 215, 2012, S. 736–745, doi:10.1242/jeb.065540 2019 wurde – anhand von Nachbildungen bemalter menschlicher Körper – weitergehend nachgewiesen, dass Pferdebremsen von braunen Modellen zehnmal intensiver angelockt werden als von schwarzen Modellen mit weißen Streifen. Beige bemalte Modelle lockten die Pferdebremsen doppelt so häufig an wie schwarz-weiß gestreifte.Gábor Horváth, Ádám Pereszlényi, Susanne Åkesson und György Kriska: Striped bodypainting protects against horseflies. In: Royal Society Open Science. 6 (1), 2019, doi:10.1098/rsos.181325 Ursache dieser Unterschiede ist offenbar, dass die Streifen bei Bremsen zu erheblichen Irritationen bei der Landung führen und deshalb die Landung häufiger als bei nicht-gestreiften Zielen unterbleibt.Tim Caro, Yvette Argueta, Emmanuelle Sophie Briolat, Joren Bruggink, Maurice Kasprowsky, Jai Lake, Matthew J. Mitchell, Sarah Richardson, Martin How: Benefits of zebra stripes: Behaviour of tabanid flies around zebras and horses. In: PLoS ONE. 14 (2), 2019, S. e0210831, doi:10.1371/journal.pone.0210831 Weitere Untersuchungen erbrachten aber, dass diese Irritation wohl eine weniger große Rolle spielt, da die Pferdebremsen genauso häufig wie gestreifte auch karierte und teilweise auch fleckige Muster meiden.Miklos Blaho, Adam Egri, Lea Bahidszki, Gyorgy Kriska, Ramon Hegedus, Susanne Åkesson, Gabor Horvath: Spottier Targets Are Less Attractive to Tabanid Flies: On the Tabanid-Repellency of Spotty Fur Patterns. In: PLoS ONE. 7 (8), 2012, S. e41138, doi:10.1371/journal.pone.0041138Martin J. How, Dunia Gonzales, Alison Irwin, Tim Caro: Zebra stripes, tabanid biting flies and the aperture effect. In: Proceedings of the Roayal Society B. 287, 2020, S. 20201521, doi:10.1098/rspb.2020.1521

Thermoregulation Der je Lebensraum unterschiedlich starke Kontrast zwischen hellen und dunklen Streifen korreliert am stärksten mit der Temperatur der Umgebung. Welcher physiologische Mechanismus dafür verantwortlich ist, dass in besonders heißer Umgebung der Kontrast besonders ausgeprägt ist, ist ungeklärt.Brenda Larison, Ryan J. Harrigan, Henri A. Thomassen, Daniel I. Rubenstein, Alec M. Chan-Golston, Elizabeth Li, Thomas B. Smith: How the zebra got its stripes: a problem with too many solutions. In: Royal Society Open Science. 2, 2015, S. 140452, doi:10.1098/rsos.140452 Es wird aber vermutet, dass die Streifen der Thermoregulation dienen. Untersuchungen an Tieren in Kenia ergaben, dass sich das Fell der Zebras während der heißen Tagesphase unterschiedlich stark aufheizt, wobei die Oberflächentemperatur der schwarzen Streifen die der weißen um 12 bis 15 °C übertrifft (schwarze Streifen 44 bis 56 °C, weiße Streifen 36 bis 42 °C). Durch das starke Temperaturgefälle entstehen lokal chaotische Luftwirbel. Da Zebras wie alle Pferde schwitzen, erhöht dies möglicherweise die Wärmeableitung durch Verdunstung des Oberflächenwassers. Der Prozess kann zusätzlich dadurch gesteuert werden, dass die Haare der schwarzen Streifen aufrichtbar sind, die der weißen jedoch nicht.Alison Cobb, Stephen Cobb. Do zebra stripes influence thermoregulation? In: Journal of Natural History. 53 (13–14), 2019, S. 863, doi:10.1080/00222933.2019.1607600

Verbreitung und Lebensweise mini|hochkant|Verbreitungsgebiet der drei Zebra-Arten Ursprünglich waren die Zebras in ganz Afrika verbreitet. In Nordafrika wurden sie jedoch schon in antiker Zeit ausgerottet.

Am weitesten verbreitet ist heute das Steppenzebra, das vom südlichen Sudan und Äthiopien bis Südafrika vorkommt. Das Grevyzebra bewohnt ein kleines Gebiet in Ostafrika (Kenia, Uganda, Äthiopien und Somalia). Das Bergzebra bewohnt das südwestliche Afrika vom südlichen Angola bis Südafrika. Das Grevyzebra bevorzugt trockene Halbwüsten, das Bergzebra ist auch an Gebirgsregionen angepasst und kommt bis in 2000 Meter über Meereshöhe vor. Das Steppenzebra lebt in verschiedenen Habitaten wie Grasländern und offenen Wäldern.

Das Sozialverhalten ist unterschiedlich. Beim Grevyzebra etablieren die männlichen Tiere Paarungsterritorien, die über 10 Quadratkilometer groß sein können – eine der größten bekannten Reviergrößen aller Pflanzenfresser. Obwohl sich manchmal Tiere zu Verbänden zusammenfinden, gibt es bei diesen Arten keine dauerhaften Beziehungen zwischen erwachsenen Tieren. Beim Berg- und beim Steppenzebra begleiten die Hengste überwachend eine stutengeführte Herde. In diesem Fall kann es auch zur Bildung größerer Herden mit etablierter Rangordnung kommen.

Zebras sind wie alle Pferde Pflanzenfresser, die vorwiegend Gräser zu sich nehmen.

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