mini|Blick auf Urbach, im Hintergrund Schorndorf Urbach ist eine Gemeinde im Remstal, östlich von Stuttgart in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage Der Ort Urbach liegt knapp 4 km östlich von Schorndorf und knapp 20 km östlich der Kreisstadt Waiblingen in einer breiten Weitung des zwischen den bewaldeten Berglandschaften des Welzheimer Waldes im Norden und des Schurwaldes im Süden westwärts laufenden Remstals. Diese Weitung zählt zum Teilraum Mittleres Remstal und Schorndorfer Becken des alle Teile des Gemeindegebietes umfassenden Naturraums Schurwald und Welzheimer Wald. Der Ort grenzt im Süden an den das fast 21 km² großen Gemeindegebiet durchquerenden Fluss Rems. Das Gebiet Urbachs erstreckt sich im Norden bis in nahe Teile des Welzheimer Waldes, aus welchem der Rems nacheinander die kleineren Gewässer Bärenbach und Urbach zulaufen; der erste mündet aufwärts noch im Gemeindegebiet von Plüderhausen, der namengebende Bach, nachdem er das Siedlungsgebiet von Urbach durchquert hat.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Urbach besteht aus den ehemals selbstständigen Gemeinden Oberurbach und Unterurbach. Zur ehemaligen Gemeinde Oberurbach mit der merklich größeren nordwestlichen Teilgemarkung des Gemeindegebietes gehören das ehemalige Dorf Oberurbach, die Weiler Hegnauhof und Wellingshof und der Wohnplatz Wasenmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Judenburg, Katzenbrunn und Schneckenweiler. Zur ehemaligen Gemeinde Unterurbach mit der kleineren südöstlichen Teilgemarkung gehören das ehemalige Dorf Unterurbach, der Weiler Bärenbach und die Höfe Eulenhof und Ilgenhof.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 536–537.
Die ehemaligen Gemeinden sind heute vollständig zu einem Ort zusammengewachsen. Lediglich die beiden Ortskerne zeugen noch von der früheren Selbstständigkeit der beiden Ortsteile. Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung bestehen nicht. Verwaltungstechnisch bestehen in einigen Bereichen (z. B. Schul- und Wahlbezirke) die Bezeichnungen Urbach-Nord und Urbach-Süd.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Urbach.
Nachbargemeinden An Urbach grenzen im Norden die Stadt Welzheim; von Nordosten über Osten bis Süden die Gemeinde Plüderhausen erst mit der Gemeindeexklave Walkersbach und dann mit ihren Hauptgebiet, zwischen welchen im Osten eine Keilspitze des Urbacher Gebietes bis an den Walkersbach und das Gebiet der Gemeinde Alfdorf reicht; an der gesamten Westseite die Stadt Schorndorf. Alle Nachbargemeinden gehören ebenfalls zum Rems-Murr-Kreis.
Geschichte Mittelalter Urbach wurde im Jahr 1181 erstmals als Uracbach urkundlich erwähnt: Kaiser Friedrich Barbarossa ließ am 25. Mai des Jahres 1181 eine Urkunde ausstellen, in der er das Kloster Adelberg unter seinen Schutz nahm. Unter den hochadeligen, namentlich aufgeführten Zeugen befand sich auch ein Gerundus von Urbach, der sich im Gefolge der Staufer befand. Die Adelsfamilie von Urbach ließ sich von 1181 bis 1513 nachweisen. Es handelte sich zunächst um Ministeriale der Staufer. Seit dem 13. Jahrhundert war Urbach Bestandteil der Grafschaft Württemberg. Als Grundherren spielten auch die Äbte der Klöster Lorch und Elchingen eine Rolle. Die Burg der Herren von Urbach, früher im Volksmund auch Judenburg genannt, stand auf einer Bergnase des Altenbergs. Sie wurde angeblich 1493 durch den Grafen Eberhard im Bart zerstört, was sich jedoch nicht belegen lässt. Im Jahre 1623 waren von der Burg noch Mauerreste vorhanden, doch schon 1692 war von der Burg nichts mehr zu sehen. Heute ist nur noch der Halsgraben im Gelände erkennbar. In einem kleinen Museum können Fundstücke besichtigt werden.
Neuzeit 1534 wurde im Herzogtum Württemberg die Reformation durchgeführt, so dass die beiden Dörfer von Urbach seither evangelisch geprägt waren. Oberurbach war Sitz eines Stabsamts des Amts Schorndorf.
Unter den verheerenden Kriegen, die sich auf das Remstal erheblich auswirkten, hatten auch die Bewohner Urbachs zu leiden. Der Dreißigjährige Krieg, insbesondere in den Jahren nach der für Württemberg verlorenen Schlacht bei Nördlingen, der Pfälzische Erbfolgekrieg, der Spanische Erbfolgekrieg und die Koalitionskriege brachten Plünderungen, Brandlegungen, Tod durch gewaltsame Übergriffe und Seuchen mit sich.
Nach der Gründung des Königreichs Württemberg blieb die Zugehörigkeit zum Oberamt Schorndorf weiter bestehen. 1819 wurden die Orte Ober- und Unterurbach in zwei selbständige Gemeinden aufgetrennt. Oberurbach blieb überwiegend landwirtschaftlich geprägt, während sich in Unterurbach im späten 19. Jahrhundert einige Industrie ansiedelte, die Arbeitskräfte vom traditionellen Weinanbau abzog. Auch der nahe gelegene Industriestandort Schorndorf bewirkte, dass viele Bauern ihre landwirtschaftliche Tätigkeit zugunsten einer Tätigkeit in der Fabrik vertauschten.
Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum Landkreis Waiblingen. 1945 gerieten Ober- und Unterurbach mit dem Landkreis Waiblingen in die Amerikanische Besatzungszone und gehörten somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Eingemeindung und Kreisreform Am 1. Januar 1970 wurden Ober- und Unterurbach durch die Gemeindeform wieder zu einer Gemeinde zusammengefasst. Im Zuge der Kreisreform in Baden-Württemberg gelangte Urbach am 1. Januar 1973 zum Rems-Murr-Kreis.
80px|OberurbachOberurbach80px|UnterurbachUnterurbach
Einwohnerentwicklung + Einwohnerentwicklung UrbachsMitteilungsblatt der Gemeinde Urbach vom 1. März 2012. Jahr Einwohnerzahl Frauen Männer 2011 8.711 4.383 (50,3 %) 4.328 (49,7 %) 2010 8.631 4.378 (50,7 %) 4.253 (49,3 %) 2009 8.592 4.345 (50,6 %) 4.247 (49,4 %) 2008 8.530 4.320 (50,6 %) 4.210 (49,4 %) 2007 8.527 4.324 (50,7 %) 4.203 (49,3 %) 2006 8.559 4.340 (50,7 %) 4.219 (49,3 %) 2005 8.541 4.338 (50,8 %) 4.203 (49,2 %) 2004 8.469 4.282 (50,6 %) 4.187 (49,4 %) 2003 8.456 4.276 (50,6 %) 4.180 (49,4 %) 2002 8.339 4.228 (50,7 %) 4.111 (49,3 %) 2001 8.208 4.173 (50,8 %) 4.035 (49,2 %)
Religion Den Kirchensatz der Kirche St. Afra hatten die Staufer 1142 dem Kloster Elchingen geschenkt.
Evangelische Kirche Unter Herzog Ulrich wurden 1536 die Rechte des Klosters durch ein Tauschgeschäft abgelöst und sodann die Reformation durchgeführt. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war die altwürttembergische Gemeinde überwiegend evangelisch geprägt. Eine zweite evangelische Pfarrei entstand 1969 mit der Errichtung der Friedenskirche. Die evangelische Gemeinde Urbach gehört zum Kirchenbezirk Schorndorf.
Katholische Kirche Für die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Urbach gezogenen Katholiken entstand 1949 die Notkirche Maria Heimsuchung. Im Jahre 1974 wurde die katholische Kirche St. Marien erbaut und 1976 eine eigene katholische Pfarrei eingerichtet. Sie gehört zur Seelsorgeeinheit Plüderhausen / Urbach des Dekanats Rems-Murr.
Politik Wappen Seit dem 16. Januar 1979 verfügt die Gemeinde Urbach wieder über ein Gemeindewappen: „Unter goldenem Schildhaupt, darin eine schwarze Hirschstange, in Rot ein silberner Brackenrumpf“ – so die offizielle Beschreibung in der Urkunde. Während die Hirschstange die Zugehörigkeit zu Württemberg symbolisiert, zeigt der Brackenrumpf das Wappentier der Herren von Urbach. Nach dem Zusammenschluss von Ober- und Unterurbach am 1. Januar 1970 erlosch das Recht zur Führung der ehemaligen Wappen.
Städtepartnerschaften Urbach unterhält eine Gemeindepartnerschaft mit Szentlörinc in Ungarn.
Gemeinderat Der Gemeinderat in Urbach hat 18 Mitglieder.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzendem. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FWFreie Wähler40,2838,37CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands23,6423,94GRÜNEBündnis 90/Die Grünen12,8216,03BLUBürgerliste Urbach9,0211,52JUJunges Urbach7,71−–SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands6,8110,42gesamt100,018100,018Wahlbeteiligung67,3 %63,8 %
Bürgermeister Hauptamtlicher Bürgermeister ist seit 2026 Marcel Schindler Zuvor waren von 2002 bis 2018 Jörg Hetzinger und von 2018 bis 2026 Martina Fehrlen (CDU) Bürgermeister von Urbach.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Die evangelische Afrakirche mini|Urbacher Baptistenkirche Urbach liegt am Stromberg-Schwäbischer-Wald-Weg, einem Hauptwanderweg des Schwäbischen Albvereins.
Bauwerke Die evangelische Afrakirche ist eine gotische Wehrkirche aus dem Jahr 1509. Sie besitzt Renaissance-Wandmalereien im Chor und Emporenbauten aus dem 17., teilweise schon aus dem 16. Jahrhundert. Kanzel und Deckel stammen aus dem Jahr 1721.
Der Neubau der Urbacher Baptistenkirche wurde im Jahr 2003 mit dem Freikirchlichen Architekturpreis ausgezeichnet.
Museen Museum am Widumhof in Urbach-Nord Museum Farrenstall in Urbach-Süd
Remstal-Gartenschau 2019 mini|Turm an der Birke Vom 10. Mai bis 20. Oktober 2019 fand im Remstal ein Grünprojekt des Landes Baden-Württemberg statt, an dem sich auch Urbach beteiligt. Diese Remstal Gartenschau 2019 gehört zu den „kleinen“ Gartenschauen, die sich jährlich mit den Landesgartenschauen abwechseln.
In diesem Zusammenhang wurde ein „Grünes Band“ in der Urbacher Mitte sowie ein Rastplatz an der Rems realisiert. An den „16 Stationen“, dem Architekturprojekt der Gartenschau,Architektur mit 16 Stationen auf remstal.de. Abgerufen am 21. Juni 2019. beteiligte sich Urbach mit dem zwölf Meter hohen „Turm an der Birke“ aus gebogenen Sperrholzstreifen. Er steht in der Nähe des Hegnauhofes und soll an daran erinnern, dass in Baden-Württemberg die Konstruktion von Türmen Tradition habe, nicht zuletzt mit dem Stuttgarter Fernsehturm.
Schutzgebiete Auf dem Gemeindegebiet von Urbach liegen folgende Naturschutzgebiete: Vordere Hohbachwiesen Morgensand und Seelachen Bergrutsch am Kirchsteig bei Urbach: Am 7. April 2001 kamen an einem Obstwiesenhang am Kirchsteig oberhalb von Urbach rund 70.000 Kubikmeter Gestein und Erde auf einer Breite von 240 Metern ins Rutschen, das Gelände sackte um bis zu 17 m tief ein. Dieses Terrain wurde inzwischen als Geotop und Naturschutzgebiet ausgewiesen.
mini|Bergrutsch am Kirchsteig
In den Jahren von 1921 bis 1926 legte ein mächtiger Bergrutsch im Gewann Altenberg unterhalb der ehemaligen Judenburg eine Kieselsandsteinbank frei. Das Gebiet ist heute verwildert. Es ist als Naturdenkmal Bergsturz am Alten Berg und als geschütztes Geotop ausgewiesen.
Ehemaliges Materialdepot der Bundeswehr Nördlich der Gemeinde liegt das Gelände des ehemaligen Teildepots Material Urbach der Bundeswehr . An der südöstlichen Grenze des Areals befindet sich ein kleiner Aussichtsturm , der als „Nasslagerturm“ bezeichnet wird und auf dem die Geschichte des Depots beschrieben ist.