mini|hochkant|Jeff Koons, 2009

Jeff Koons (* 21. Januar 1955 in York, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Künstler.

Koons verwendet Zeugnisse der Konsumkultur als Ausgangspunkte und verfremdet oder imitiert sie. Er bearbeitete so auch Objekte aus der Alltagskunst und der Werbung, greift wie letztere immer wieder auf sexuelle und andere Schlüsselreize zurück. Seine Kunstwerke wandeln aufgrund ihrer ironisierenden Wirkung zwischen Kitsch und Kunst.

Im Mai 2019 wurde im Auktionshaus Christie’s Koons’ Skulptur Rabbit für 91 Millionen US-Dollar versteigert. Sie gilt als das teuerste Werk eines noch lebenden Künstlers.Jeff Koons holt sich den Rekord zurück In: Der Spiegel, 16. Mai 2019.Jeff Koons, Rabbit, 1986, polierter Edelstahl, 41 x 19 x 12 in. (104,1 x 48,3 x 30,5 cm.), Exemplar Nummer 2/3. Resultat 91.0750.000 USD

Biographie Frühe Jahre Schon als Kind zeigte Koons reges Interesse am künstlerischen Wirken, bekam wöchentlichen Malunterricht und verfolgte früh den Plan, ein Kunststudium aufzunehmen. Sein Vater war Innenausstatter und Besitzer eines Möbelgeschäfts, in welchem der junge Koons an Wochenenden aushalf. Jeff Koons’ Vater hatte nach heutigen Aussagen seines Sohnes eine prägende Wirkung auf sein ästhetisches Empfinden.Rose-Maria Gropp: Wie halten Sie’s mit der Biologie, Mr Koons? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Juni 2012 (Interview). Er stellte Arbeiten seines Sohnes in seinem Geschäft aus, so dass Jeff Koons bereits als Elfjähriger sein erstes Bild verkaufte. Ab 1972 studierte Jeff Koons am Maryland Institute College of Art in Baltimore, vorübergehend auch an der School of the Art Institute of Chicago (SAIC), wo er im Museum für zeitgenössische Kunst aushalf. 1976 graduierte er zum Bachelor der schönen Künste und zog bald darauf nach New York City. Dort arbeitete er im Museum of Modern Art (MoMA). Er war auch sechs Jahre lang als Warenbörsen-Broker an der Wall Street tätig, vor allem im Baumwollhandel.

1979 bis 1988 Seine erste Einzelausstellung fand 1980 im New Museum of Contemporary Art in New York statt. Bekannt wurde er zunächst durch seine in – mit Leuchtstofflampen beleuchteten – Plexiglas-Vitrinen ausgestellten fabrikneuen Staubsaugern und Poliermaschinen (ab 1979/1980), von der Kritik als „Monumente der Sterilität“ wahrgenommen. Aufsehen erregten ferner seine Wassertanks mit schwebenden Basketbällen (1981–1985). Für die technische Umsetzung seiner Projekte arbeitete Koons auch schon mit Wissenschaftlern, unter anderem mit dem Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman, und mit Kunsthandwerkern zusammen. Der naive Appeal vieler seiner Werke kontrastiert so mit der Aura professioneller Manufaktur. Auch daher kann Koons zu den Neo-Konzept-Künstlern gerechnet werden. Andere bezeichnen ihn als Schöpfer sogenannter postironischer Kunst; in den 1980er-Jahren galt er außerdem noch als Vertreter des Neo-Geo-Stils. Er verwendete fast alle verfügbaren Medien und Formate bildender Kunst: Malerei, Installation, Fotografie und Skulpturen – letztere aus Holz, Marmor, Glas oder rostfreiem Edelstahl. 1985 kaufte der zyprische Kunstsammler Dakis Joannou sein erstes Bild von Koons für 2700 Dollar, später wurde er zum begeisterten Sammler seiner Werke und baute die größte Jeff-Koons-Sammlung auf.

Weitere Werke waren dann mit Alkohol befüllte, spiegelnde Edelstahlkaraffen unterschiedlicher gegenständlicher Form. Koons arbeitete hier mit Bourbon Whiskeyproduzenten zusammen. Eines der bekanntesten mit Whiskey gefüllten Werke der 1986 entstandenen Luxury-&-Degradation-Serie ist der Jim Beam – J.B. Turner Train; ein Zug, der aus sieben Waggons besteht und auf einer gerade verlaufenden Schiene platziert wurde. In Anlehnung an die Werkserie Luxury & Degradation entstand im gleichen Jahr Statuary: eine Serie, die aus zehn Edelstahlobjekten besteht. Jede Skulptur wurde in einer Edition aus drei Objekten und einem Artist’s Proof hergestellt. Vorlagen waren Alltagsgegenstände und Nippesfiguren, wie man sie in Souvenirläden oder auf Wohnzimmerregalen finden kann. Mit Statuary behandelt Koons unterschiedliche Gesellschaftsthemen und -schichten. Auf der einen Seite repräsentieren Objekte wie Mermaid Troll, Cape Codder Troll oder Bob Hope die Unterschicht bzw. die breite Masse. Auf der anderen Seite können Louis XIV., Italian Woman und French Coach Couple als Vertreter der Oberschicht gezählt werden. Zur Statuary-Serie gehört auch der bekannte Rabbit. Bei der Ausführung von Rabbit orientierte sich Koons an einem aufblasbaren Kunststoffhäschen aus Vinyl. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um das rosafarbene Häschen aus Inflatable Flower and Bunny (Tall White, Pink Bunny) aus der 1979 entstandenen Inflatables-Serie. Die Runzeln an den langen Ohren und die Nähte, besonders an den Beinen sowie das Luftventil auf der Rückseite des Kopfes erinnern noch an ein aufblasbares Objekt und suggerieren damit Leichtigkeit. Mit rostfreiem Edelstahl als Material überträgt Koons damit das leichte, aber vergängliche Vinyl in ein massiveres, schwereres und dauerhaftes Objekt. Ein wichtiger Aspekt von Rabbit ist die spiegelnde Oberfläche des polierten Edelstahls. Die Spiegelbilder werden durch die konvexen Wölbungen des Kopfes und des Bauches entweder gestaucht oder verzerrt. Außerdem spiegeln sich in Rabbit nicht nur Personen und Objekte, sondern auch die Farben der Umgebung. Unter der Mitarbeit Koons’ wurde die Figur des Rabbit 2007 in einen überdimensionalen Helium-Ballon übertragen und bei der Macy’s Thanksgiving Day Parade durch die Straßen New Yorks gezogen. In den Jahren 2005 bis 2009 entwickelte Koons zusammen mit der britischen Modedesignerin Stella McCartney sowohl eine Halskette als auch ein Armband, an denen jeweils ein „Miniatur-Rabbit“ hängt. Rabbit wurde schon als „Ikone der späteren Moderne“ bezeichnet. Das wurde Anfang Mai 2019 bestätigt, als Christie’s dieses Werk aus der Sammlung des 2017 verstorbenen Verlegers S. I. Newhouse junior für 91,1 Millionen Dollar versteigern konnte,Rabbit by Jeff Koons — a chance to own the controversy. Internetseite von Christie’s New York was den alten Rekord des Balloon Dog weit übertrifft, der 2013 bei Christie’s für 58,4 Millionen US-Dollar versteigert wurde.Post-War and Contemporary Evening Sale, New York, 12. November 2013. Internetseite von Christie’ New YorkHanno Rauterberg: Ein Millionenpudel. In: Die Zeit, 14. November 2013.

Die Serie Statuary brachte Koons nach München.Susanne Hermanski: Wie der Hase läuft. In: Süddeutsche Zeitung, 1. April 2022, S. R12 (Leicht veränderte Version online - Paywall) Nach dem Rabbit aus Edelstahl wollte er mit anderen Materialien arbeiten, fand aber in den USA keine Handwerker. Er lebte in der Folge mehrere Jahre in der Stadt und fand die Vorlagen für seine „Banality“-Serie im bayerischen Kunsthandwerk und vielen kleinen Läden.

Eines von Koons’ Werken dieser Zeit versprach bereits in seinem Titel die „Einführung von Banalität/Alltäglichkeit“ – Ushering in Banality zeigte ein dekorativ-kitschiges Schwein, begleitet von kleinen Putten und vorangetrieben von einem kleinen Jungen. Koons strebte mit seiner Kunst immer nach dem großen Publikum. Beispielsweise gehören seine Arbeiten in China zu den meistkopierten Kunstwerken.

1988 bis 1999 mini|hochkant|Puppy: Jeff Koons’ Hundewelpe vor dem Guggenheim-Museum in Bilbao, 1992 Von italienischen Fachkräften ließ Koons 1988 die Porzellanskulptur Michael Jackson and Bubbles anfertigen. Im gleichen Jahr fertigte ein Bildschnitzer in Südtirol aus Holz die 167 Zentimeter hohe Holzfigur Buster Keaton, die 2011 zur Sammlung Ileana Sonnabend gehörte.

Für seine Werkserie „Made in Heaven“ ging Jeff Koons um 1990 eine Kooperation mit der ungarisch-italienischen Politikerin und Pornodarstellerin Cicciolina (Ilona Staller) ein, 1991 wurde die Heirat des Paares bekannt. Es entstanden Porzellanbüsten der beiden sowie Fotoarbeiten, die intime und explizite Sexszenen zeigen. Die Medienwirkung war immens. Koons hat diesen Abschnitt seines Schaffens auch als „befreiend“ bezeichnet; vielleicht meinte er damit den Abschied vom „braven Buben“-Image, welches ihm in der Kunstszene bis dahin angehangen hatte. Nach den ersten veröffentlichten Aktfotos trainierte er jedenfalls vermehrt in Fitnessstudios und galt bald als „Gym-Dandy“.

Koons war inzwischen einer der höchstgehandelten lebenden Künstler geworden, seine Edelstahlskulpturen erzielten bereits Stückpreise von mehreren Millionen Dollar. 1992 überraschte er am Rande der Documenta IX – zu der er nicht offiziell als Künstler eingeladen war – mit dem Werk „Puppy“, einem zwölf Meter hohen „Hündchen“ bestehend aus 17.000 Blumen. Das Werk wurde im Hof des Residenzschlosses Arolsen und vor dem Guggenheim-Museum Bilbao aufgestellt.

Die Ehe mit Ilona Staller wurde bereits im selben Jahr geschieden; aus der Verbindung ging ein Sohn hervor, um dessen Sorgerecht sich ein Rechtsstreit entwickelte, in dessen Folge er als Mitglied bei der International Centre for Missing & Exploited Children mit dem Koons Family Institute on International Law and Policy einen Forschungszweig in der Kinderschutzorganisation aufbaute.

Seit 2000 alternativtext=Jeff Koons auf einem Gymnastikball liegend mit einem seiner Easyfun-Gemälde|mini|Jeff Koons fotografiert von Oliver Mark vor dem Gemälde Lips, Öl auf Leinwand, 304,8 × 427,7 cm, der Easyfun-Serie in der Deutsche Guggenheim, Berlin 2000. Zwischenzeitlich zog sich Koons einige Jahre vom Kunstbetrieb zurück. Die Deutsche Guggenheim in Berlin zeigte im Jahr 2000 Koons neue Werkserie Easyfun-Ethereal: aus Zeitschriftenwerbung zusammengesetzte und mit elektronischer Bildbearbeitung entstandene Collagen, malerisch großformatig und fotorealistisch auf Leinwand übertragen. Laut Kritik zelebrierten die aus Hochglanzabbildungen von Nahrungsmitteln und weiblichen Schlüsselreizen montierten, irritierenden Bilder kindliche Vergnügungen und erwachsenes sexuelles Begehren gleichzeitig. Vor seiner Arbeit Lips (Öl auf Leinwand, 304,8 × 427,7 cm) aus der Easyfun-Serie wurde er von dem deutschen Fotografen Oliver Mark porträtiert. Den Gummiball brachte der Fotograf als Utensil mit, um eine Beziehung zwischen der Arbeit von Koons und dem Gebäude herzustellen. 2003 entstand die Skulptur Monkeys (Chair). Für eine Sammlerausgabe zu Ehren von Muhammad Ali gestalte Koons 2004 die Skulptur Radial Champs, die aus einem Autoreifen, einem aufblasbaren Delfin und einem Holzhocker besteht.Artnet: Goat: A Tribute to Muhammed Ali (Champ's edition) book; with Radial Champs, 2004, abgerufen am 4. April 2016Interview auf Verlagswebsite: GOAT - A Tribute to Muhammad Ali, abgerufen am 4. April 2016 2005 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Zudem war er 2008 neben Sean Penn in dem Film „Milk“ zu sehen, in dem er den kalifornischen Politiker Art Agnos spielte.

Für die Saison 2007/2008 in der Wiener Staatsoper gestaltete er im Rahmen der von museum in progress konzipierten Ausstellungsreihe „Eiserner Vorhang“ das riesige Großbild (176 m²) „Geisha“.

mini|Von Jeff Koons gestalteter BMW M3 GT2mini|Tulips: Jeff Koons’ Tulpenstrauß im Verwaltungsgebäude der Nord/LB in Hannover, 2010Im Jahre 2010 entwarf er für BMW das neueste BMW Art Car, ein BMW M3 GT2BMW Art Car von Jeff Koons. In: studio5555.de, 3. Juni 2010., das mit den Fahrern Dirk Müller, Andy Priaulx und Dirk Werner am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teilnahm; dem Fahrzeug war dabei kein sportlicher Erfolg beschieden.Jeff Koons nach Le Mans 2010: "Diese Rennwagen sind wie Gladiatoren" In: bimmertoday.de, 14. Juni 2010.

Im Dezember 2012 gab Philippine de Rothschild bekannt, dass Koons das Etikett für den Jahrgang 2010 von Château Mouton-Rothschild gestaltet.nikos-weinwelten.de: Jeff Koons versext Mouton Rothschild, aufgerufen am 1. Februar 2014

Im Oktober 2013 gestaltete Koons das Cover für das Album Artpop von Lady Gaga.JeffKoons.com ARTPOP - Lady Gaga