mini|hochkant=1.8|Delta II, III und IV im Vergleich (Delta I ist nicht auf dem Bild) Delta war eine Serie US-amerikanischer Trägerraketen. Sie wurden von dem Unternehmen Douglas Aircraft Company entwickelt und verwendeten ursprünglich die Thor-Rakete als Grundstufe. Im Laufe der Jahre wurde die Delta immer wieder modifiziert und erweitert, sodass das letzte Modell Delta IV kaum noch etwas mit den ersten Modellen gemeinsam hatte. Die Startmasse stieg von etwa 50 t im Jahre 1960 auf über 700 t im Jahre 2004, die Nutzlastkapazität für den Geotransferorbit (kurz GTO) stieg im selben Zeitraum von 130 kg auf 13130 kg. Nachdem die Douglas Aircraft Company 1997 von Boeing aufgekauft wurde, wurden die Delta-Raketen von Boeing produziert und vermarktet, ab 2006 dann von der United Launch Alliance, einem Joint Venture von Boeing und Lockheed Martin.

Von 1960 bis 2024 starteten insgesamt 388 Delta-Raketen; 371 dieser Starts waren vollständig erfolgreich.Delta. Gunter’s Space Page, abgerufen am 10. April 2024.Delta-4. Gunter’s Space Page, abgerufen am 10. April 2024. Damit gehörte die Delta-Serie zu den erfolgreichsten Raketenmodellen. Da die Delta zuletzt wegen des Preiswettbewerbs durch SpaceX nicht mehr konkurrenzfähig war, wurde das letzte angebotene Modell – die Delta IV – durch die neue Rakete Vulcan ersetzt.

Entwicklung mini|hochkant|Eine Thor-Delta (Nr. 11) startet Telstar 1 (10. Juli 1962, Cape Canaveral) mini|hochkant|Eine Delta D mit einem INTELSAT-I-Satelliten (6. April 1965, Cape Canaveral) mini|hochkant|Delta N6 mit einem ITOS-Satelliten bei den Startvorbereitungen (Oktober 1971, Vandenberg AFB) mini|hochkant|Eine Delta 900 mit dem Wettersatelliten Nimbus E aus einer ungewöhnlichen Perspektive (12. Dezember 1972, Vandenberg AFB) mini|hochkant|Die 112. Delta (Delta 1910) startete mit dem Sonnenobservatorium OSO 8 (21. Juni 1975, Cape Canaveral) mini|hochkant|Start einer Delta 2914 mit dem Ultraviolettsatelliten IUE (26. Januar 1978, Cape Canaveral) mini|hochkant|Delta 3910 mit dem SMM-Satelliten (14. Februar 1980, Cape Canaveral) mini|hochkant|Delta 6920-10 startete mit ROSAT (1. Juni 1990, Cape Canaveral) Im Januar 1959 vergab die damals gerade entstandene NASA der Douglas Aircraft Company einen Auftrag über zwölf Raketen des folgenden Typs: Stufe I: Modifizierte Thor-IRBM mit einem Block-I-MB-3-Triebwerk (676 kN Schub) Stufe II: Modifizierte Able (Delta genannt) mit einem Aerojet-AJ-10-118-Triebwerk (34 kN Schub). Stufe III: Altair mit einem ABL-X-248-Feststoffmotor (12 kN Schub) Die Rakete sollte eine Nutzlastkapazität von 295 kg für einen niedrigen Orbit und 45 kg für einen Geotransferorbit haben und sollte in den Jahren 1960 bis 61 als Übergangslösung dienen, bevor andere, stärkere Raketen einsatzbereit waren. Außerdem sollten mit der Rakete nur wissenschaftliche, meteorologische und Kommunikationssatelliten gestartet werden. Die Rakete bekam den Namen Thor-Delta, später nannte man sie einfach nur Delta, um den nicht-militärischen Charakter des Raketenprogramms zu unterstreichen. Von den ersten zwölf bestellten Raketen waren elf erfolgreich, so dass die NASA entschied, die Delta weiterhin einzusetzen und bereits vor 1962 weitere 14 Raketen bestellte.

Im Laufe der Jahre entstanden viele Versionen der Delta-Rakete, im Folgenden werden die wichtigsten beschrieben.

Delta I Der erste Flug einer Thor-Delta am 13. Mai 1960, bei dem der Satellit Echo 1 ins All gestartet werden sollte, war ein Fehlschlag. Doch schon der zweite Flug mit dem baugleichen Satelliten Echo 1A am 12. August 1960 war erfolgreich. Die Rakete erhielt bald den Namen Delta und wird nun auch oft Delta I genannt.

Frühe Versionen Delta (Delta DM-19) – war die erste Version der Thor-Delta, die man wegen ihrer Thor-DM-19-Erststufe auch oft Delta DM-19 nannte. Sie hatte eine Startmasse von 50 t und konnte 130 kg in einen niedrigen Orbit oder 45 kg in einen Geotransfer-Orbit bringen. Diese Version wurde insgesamt zwölf Mal gestartet, wobei nur ein Start ein Fehlschlag war. Delta A – unterschied sich von der Delta DM-19 durch eine modifizierte Erststufe, die ein verbessertes Triebwerk bekam, und nun die Bezeichnung DM-21 trug. Die zweite Stufe der Rakete wurde ebenfalls modifiziert und erhielt dadurch die Möglichkeit einer Wiederzündung im Orbit. Die Startmasse der Rakete blieb praktisch gleich, die Nutzlastkapazität stieg jedoch auf 181 kg für eine niedrige Umlaufbahn und auf 54 kg für den GTO. Delta A startete nur zweimal, beide Starts waren erfolgreich. Der Erststart erfolgte am 2. Oktober 1962. Delta B – unterschied sich von der Delta A nur durch eine etwas längere zweite Stufe, die dadurch mehr Treibstoff aufnehmen konnte. Die Nutzlastkapazität stieg auf 370 kg für eine niedrige Umlaufbahn und auf 68 kg für den GTO. Die Rakete startete neun Mal, nur ein Start war nicht erfolgreich. Der Erststart erfolgte am 13. Dezember 1962 mit dem experimentellen Kommunikationssatelliten Relay I. Delta C – erhielt eine neue Altair-2-Drittstufe, die die alte Altair 1 ersetzte. Daneben gab es auch eine Delta-C1-Version, die eine FW-4D-Drittstufe einsetzte. Die Nutzlastkapazität der Delta C betrug 410 kg für einen niedrigen Orbit und 82 kg für den GTO. Delta C (zusammen mit C1) wurde insgesamt 16 Mal gestartet, wobei es zwei Fehlstarts gab. Der Erststart erfolgte am 27. November 1963. Delta D – unterschied sich von Delta C durch das Anbringen von drei Castor-I-Feststoffboostern an die erste Stufe der Rakete. Außerdem wurde das Triebwerk der ersten Stufe etwas modifiziert. Die Nutzlastkapazität betrug 450 kg für einen niedrigen Orbit und 104 kg für den GTO. Delta D wurde zweimal gestartet, beide Einsätze waren erfolgreich. Der Erststart erfolgte am 19. August 1964. Delta E – erhielt eine neue Drittstufe, die etwa doppelt so schwer wie die alte war. Zusätzlich wurde der Durchmesser der zweiten Stufe erhöht, so dass ihre Tanks mehr Treibstoff fassen konnten. Außerdem wurden nun drei Booster vom Typ Castor II eingesetzt, die etwas stärker waren als die alten Castor I. Auch hier gab es eine Delta-E1-Version mit einer FW-4D-Drittstufe. Die Nutzlastkapazität der Delta E stieg nun auf 750 kg für eine niedrige Umlaufbahn und auf 150 kg für den GTO. Die Rakete wurde 23 Mal gestartet, nur ein Start war nicht erfolgreich. Der Erststart erfolgte am 6. November 1965. Delta G – dies war eine Delta E ohne die dritte Stufe, da sie nur zum Starten von niedrigfliegenden Satelliten eingesetzt wurde, wofür man eine zusätzliche dritte Stufe nicht brauchte. Die Nutzlastkapazität für eine niedrige Umlaufbahn betrug 735 kg. Delta G hatte zwei Einsätze, beide waren erfolgreich. Der Erststart erfolgte am 14. Dezember 1966. Delta J – war eine Delta E mit einer starken Burner-2-Drittstufe, die etwa doppelt so groß wie die alte Altair 2 war. Delta J konnte 800 kg in einen niedrigen Orbit oder 263 kg in GTO bringen. Die Rakete wurde nur einmal gestartet, der Start war erfolgreich. Der Erststart erfolgte am 4. Juli 1968. Delta L – bekam eine etwas verlängerte Erststufe, die nun 20 t mehr wog als die alte. Als dritte Stufe wurde eine FW-4D-Stufe eingesetzt. Dadurch stieg die Nutzlastkapazität der Delta L auf etwa 300 kg für den GTO. Es gab einen erfolgreichen und einen nicht erfolgreichen Start. Der Erststart erfolgte am 27. August 1969. Delta M – unterschied sich von der Delta L durch den Einsatz der Burner-2-Oberstufe, die schon bei der Delta J verwendet wurde. Außerdem gab es eine Delta-M6-Version, bei der zum ersten Mal sechs Castor-II-Feststoffbooster eingesetzt wurden. Die Nutzlastkapazität für einen GTO betrug 356 kg (454 kg bei der Delta M6). Es gab insgesamt 13 Starts der M-Versionen, davon scheiterten zwei. Der Erststart erfolgte am 19. September 1968. Delta N – unterschied sich von der Delta M nur durch das Fehlen der dritten Stufe, die für Starts in niedrige Orbits, für die Delta N ausgelegt war, nicht gebraucht wurde. Wie bei der Delta M gab es hier eine Delta-N6-Version, die mit sechs Boostern ausgestattet war. Die Nutzlastkapazität für einen niedrigen Orbit betrug 900 kg (1600 kg bei der Delta N6). Von den neun Starts der N-Versionen war einer nicht erfolgreich. Der Erststart erfolgte am 16. August 1968.

Spätere Versionen Da die Benennung der vielen Versionen der Delta zu kompliziert geworden war, entschied man, ein neues Benennungssystem einzuführen. Nun wurde jeder Version eine vierstellige Nummer zugeordnet, wobei die einzelnen Ziffern nach folgendem Schlüssel zugewiesen wurden:

die erste Ziffer entsprach einer wesentlichen Änderung an der ersten Stufe der Rakete oder an den Feststoffboostern. Die gerade im Einsatz stehende (seit Delta L) Thor-LLT-Stufe mit den Castor-II-Boostern erhielt die Ziffer 0. die zweite Ziffer bedeutete die Anzahl der Feststoffbooster, wobei 0 für eine Rakete ohne Booster stand. die dritte Ziffer entsprach der zweiten Stufe. Die gerade im Einsatz stehende Stufe erhielt eine 0. die vierte Ziffer entsprach der dritten Stufe. Eine Star-37D-Stufe erhielt eine 3 und eine Star 37E eine 4

Die folgenden weiteren Modelle der Delta I wurden gebaut: x00er Serie – unterschied sich von der Delta N durch eine etwas modifizierte zweite Stufe und dadurch, dass nun bis zu neun Booster an die Rakete angehängt werden konnten. Von dieser Serie starteten nur die 0300- und die 0900-Versionen, wobei man oft die erste Ziffer weggelassen hat, und diese Versionen nur 300 oder 900 nannte. Es gab insgesamt fünf Starts, davon war einer ein Fehlstart. Der Erststart erfolgte am 23. Juli 1972. 1000er Serie – erhielt eine modifizierte Thor-ELT-Erststufe, die 14 t schwerer war, als die alte. Dadurch wurde die erste Ziffer in der Bezeichnung zu einer 1. Außerdem gab es in dieser Serie eine ebenfalls modifizierte, zweite Stufe der Rakete, der eine 1 an der dritten Stelle der Bezeichnung entsprach. Bei allen Raketen mit der modifizierten zweiten Stufe, wurde der Durchmesser bis zur kegelförmigen Raketenspitze auf den der Thor Erststufe von 8 Fuß (2,44 m) erhöht. Dies wurde durch einen neuen Stufenadapter und eine Nutzlastverkleidung mit jeweils 2,44 m Durchmesser erreicht, die alles oberhalb der ersten Stufe umschlossen. Die zweite Stufe, deren Durchmesser kleiner war als die sie umgebene Verkleidung, wurde von innen in ihrem Zentrum befestigt.Norbert Brügge: Delta ISiehe Fotos: Delta 1410 und Delta 1910 Daneben wurde auch die ältere zweite Stufe ohne die neue Verkleidung eingesetzt (0 an der dritten Stelle). Es wurden folgende Versionen gestartet: 1604, 1410, 1900, 1910, 1913 und 1914. Es gab insgesamt acht Starts dieser Serie, alle waren erfolgreich. Der Erststart erfolgte am 23. September 1972. 2000er Serie – bei dieser Serie erhielt die erste Stufe ein neues RS-27-Triebwerk. Außerdem wurde die Delta nur noch mit dem Durchmesser von 8 Fuß gebaut, womit sie ab der 2000 Serie immer das Aussehen der modernen Delta-II-Rakete hatte. Diese Serie startete viele kommerzielle Nutzlasten und wurde daher in großer Stückzahl gebaut. Insgesamt wurden 44 Starts durchgeführt, wobei lediglich ein Start ein Teilerfolg war. Folgende Versionen wurden eingesetzt: 2310, 2313, 2910, 2913 und 2914. Der Erststart erfolgte am 19. Januar 1974. 3000er Serie – die Änderung der ersten Ziffer erfolgte aufgrund des Umstiegs von Castor II auf Castor-IV-Booster, die erheblich größer und schwerer waren als die alten Booster. Außerdem wurde in dieser Serie neben der bisherigen auch eine neue AJ-10-118K-ITIP-Zweitstufe eingesetzt, die mit einer 2 an der dritten Stelle gekennzeichnet wurde. Darüber hinaus gab es seit dieser Serie eine neue PAM-D-Drittstufe. Im Gegensatz zu anderen Oberstufen wurde PAM-D nicht durch eine Ziffer markiert, sondern wurde hinter die Raketenbezeichnung dazugeschrieben. Von dieser Serie sind 38 Raketen gestartet worden, wobei drei Starts fehlgeschlagen sind. Folgende Versionen wurden eingesetzt: 3910, 3913, 3914, 3910 PAM-D, 3920, 3924 und 3920 PAM-D. Der Erststart war am 13. Dezember 1975.