Der Naturpark Hoher Fläming ist mit seinen 827 km² das drittgrößte Großschutzgebiet im Bundesland Brandenburg. Der Hohe Fläming wurde am 28. November 1997 durch Bekanntmachung des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung zum Naturpark erklärt. Träger des Naturparks ist das Land Brandenburg.
Der Fortbestand des Naturparks ist durch die Errichtung von drei Windparks gefährdet, die dem „Sachlichen Teilregionalplan Windenergienutzung 2027 der Region Havelland-Fläming“ zuwiderlaufen. Hinter den Planungen stehen die Investoren JLW Holding AG der westdeutschen Lindhorst Gruppe mit ihrer Tochtergesellschaft Landgut Reppinichen GmbH und die insolvente ABO Energy. Regionale Bürgerinitiativen setzen sich für Erhalt des überregional bedeutsamen Naturparks ein.
Rund 3,5 km² Ackerflächen im Naturpark sollen in Wald umgewandelt werden, derzeit die größte beabsichtigte Umwandlung in Forstflächen in Brandenburg.
Lage und Verkehrsanbindung links|mini|Touristische Hinweistafel an der A 2 Der Naturpark liegt im Landkreis Potsdam-Mittelmark im Südwesten des Bundeslandes Brandenburg und grenzt an den 2005 erklärten Naturpark Fläming in Sachsen-Anhalt. Wichtige Orte im Naturpark sind Bad Belzig, Wiesenburg/Mark und Görzke. Brück, Niemegk, und Ziesar liegen zwar mit ihrem Zentrum außerhalb des Naturparks, reichen aber mit Gebietsteilen wie den Dörfern Baitz, Gömnigk oder Mörz (Planetal) in den Naturpark hinein.
Der Naturpark hat eine sehr gute Verkehrsanbindung: Er ist südlich der Autobahn A 2 (Berlin-Hannover) (Anschlussstellen Ziesar (76), Wollin (77), Brandenburg (78)) und in großen Teilen westlich der Autobahn (A 9) (Berlin-Leipzig) gelegen. Diese führt durch den Naturpark (Anschlussstellen Klein Marzehns und Niemegk). Weiterhin führen durch den Naturpark die Regionalbahn Berlin-Belzig-Dessau (Wetzlarer Bahn) und die Bundesstraßen 102, 107 und 246. Nördlich verläuft die Bundesstraße 1 und östlich die Bundesstraße 2.
Natur Landschaft mini|Burgwiesen in Bad Belzig mini|hochkant|Alte Allee bei Klein Glien Der Naturpark ist zweigeteilt: Im Süden die hügelige und waldreiche Landschaft des Hohen Fläming und im Norden steile, bis zu 60 Meter in das Baruther Urstromtal abfallende Hänge, die in die flache Niederungslandschaft der Belziger Landschaftswiesen übergehen.Nationale Naturlandschaften: Naturpark Hoher Fläming, nationale-naturlandschaften.de, abgerufen am 5. Januar 2025. Die mehr als 140 000 Jahre alten Höhen des Flämings gehören noch zu den Altmoränen der Saalevereisung. Während der weiter nördlich gelegene Teil Brandenburgs in der jüngeren Weichseleiszeit (10 000 bis 115 000 v. Chr.) ein weiteres Mal von Eis bedeckt wurde, blieb der Hohe Fläming eisfrei. Die Niederungen der Belziger Landschaftswiesen hingegen verdanken ihre Entstehung den Schmelzwässern der Weichselgletscher. Sie sind damit bereits Teil der Jungmoränen-Landschaft.
Das Naturparkgebiet ist etwa zur Hälfte bewaldet, die andere Hälfte ist landwirtschaftliche Nutzfläche. Typisch ist der stete Wechsel von Wald und Feld. An einigen Stellen trifft man auf den ursprünglichen Buchenwald. Seen und andere offene Gewässer – abgesehen von wenigen Söllen und den Teichen bei Wiesenburg – gibt es kaum. Allerdings gibt es im Naturpark zahlreiche Bäche, die zu den saubersten in Brandenburg gehören und so naturschutzfachlich sehr wertvoll sind.
Mit den so genannten Rummeln, einer Form von Trockentälern, verfügt der Hohe Fläming über eine geologische und botanische Besonderheit.
Zum geologischen und morphologischen Bau sowie zur Hydrographie und zum Klima siehe auch die ausführlichen Ausführungen im Hauptartikel Fläming.
Tiere und Pflanzen Der Fläming ist reich an Wild (Damhirsch, Rotwild, Marderhund und Europäischer Mufflon). Zu den besonders erwähnenswerten Arten im Naturpark zählen der Schwarzstorch, der Große Abendsegler, eine Waldfledermausart, und der Mittelspecht, das „Wappentier“ des Naturparks.
In den Flämingfließen gibt es Vorkommen der Bachforelle, der Wasseramsel, Bachneunauge und Edelkrebs. In den Belziger Landschaftswiesen gibt es Vorkommen der seltenen Großtrappe und des Breitblättrigen Knabenkrauts.
Schutzgebiete Praktisch das gesamte Naturparkgebiet ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Die Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet „Hoher Fläming-Belziger Landschaftswiesen“ vom 17. November 1997 ist am 3. Dezember 1997 in Kraft getreten.
Außerdem gibt es im Naturpark neun Naturschutzgebiete. Einige der wertvollen Flämingbäche sind unter Schutz gestellt (Verlorenwasserbach, Bullenberger Bach, Planetal), außerdem sind Wald- und Heidelandschaften geschützt (Rabenstein, Spring, Werbiger Heide). Einige Naturschutzgebiete wurden schon zu DDR-Zeiten ausgewiesen. Folgende Naturschutzgebiete (mit Datum des Inkrafttretens) liegen im Naturpark: Bullenberger Bach/Briesener Bach (24. Mai 2003) Klein Marzehns (1. Mai 1961) Flämingbuchen (30. März 1961) Planetal (19. Oktober 1967) Rabenstein (20. Juni 1978) Spring (17. März 1986) Verlorenwasserbach Oberlauf (26. Mai 2005) Werbiger Heide (19. November 1999) Belziger Landschaftswiesen (24. Mai 2003)
Kultur mini|Schloss Wiesenburg mit dem „Parterre“ genannten Teil des Schlossparks mini|Feldsteinkirche in Jeserig/Fläming mini|Kunstwanderweg: „Unter Kiefern“ von Susken Rosenthal Burgen und Schlösser Eine Besonderheit sind die vier mittelalterlichen Burgen im Fläming: Burg Eisenhardt in Bad Belzig, Burg Rabenstein, Burg Ziesar und das Schloss Wiesenburg, das zwar in seiner jetzigen Ausprägung ein Neo-Renaissance-Bau ist, aber auch auf eine mittelalterliche Burg zurückgeht, von der noch Elemente erhalten sind.
In der Bad Belziger Burg Eisenhardt gibt es ein Museum. Außerdem ist ein Hotel in der Burg untergebracht.
Schloss Wiesenburg ist in Privatbesitz und wird zu Wohnzwecken genutzt. Der Burgturm kann besichtigt werden und beherbergt die Touristeninformation der Gemeinde. Das Schloss hat einen größtenteils als Landschaftspark gestalteten Schlosspark. Der 123 ha große Park gilt als das bedeutendste Gartendenkmal zwischen Potsdam und dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Im Jahr 2004 wurde im Schlosspark ein Skulpturengarten veranstaltet.
Die Burg Ziesar beherbergt ein Museum zur Geschichte der Christianisierung der Mark Brandenburg.
In Burg Rabenstein ist eine Herberge mit Gaststätte untergebracht. Es finden im Burghof regelmäßig Veranstaltungen wie das Mittelalterspektakel oder der Weihnachtsmarkt statt.
Historische Stadtkerne und lebendige Dörfer mini|Blick über die Stadt Bad Belzig in den Naturpark Hoher Fläming, Mai 2014 Die historischen Stadtkerne von Bad Belzig und Ziesar sind sehenswert. Beide Städte sind Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“. Auch Niemegk hat einen historischen Stadtkern mit einem Renaissance-Rathaus.
Die Gemeinde Wiesenburg/Mark wurde im Jahr 2011 beim Bundeswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft als erstes Dorf in Brandenburg in der Geschichte des Wettbewerbs mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Im Jahr 2001 wurde Dippmannsdorf mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.
Feldsteinkirchen Typisch für den Fläming sind die mittelalterlichen Feldsteinkirchen, die in vielen Dörfern noch gut erhalten sind (siehe auch Liste der Feldsteinkirchen im Fläming).
kunst land hoher fläming Unter der Dachmarke „kunst land hoher fläming“ organisieren Künstler und andere Akteure im Fläming künstlerische Aktivitäten in der Landschaft. Vorläufer der Initiative war im Jahr 2004 der Skulpturenpark im Schlosspark Wiesenburg. Im Jahr 2006 wurde als erstes Projekt die „Kunstspur“ realisiert, ein 2,5 km langer Wanderweg mit von einheimischen Künstlern entworfenen Kunstwerken. Im Sommer 2007 wurde ein 17 km langer Kunstwanderweg, der die Bahnhöfe von Bad Belzig und Wiesenburg verbindet, mit zehn Kunstwerken eröffnet. Die zehn Künstler, deren Arbeiten realisiert wurden, hatten sich zuvor in einem bundesweiten Kunstwettbewerb durchgesetzt. Im Mai 2010 wurde eine 16 km lange Südroute eröffnet, an der Werke von Künstlern aus Flandern und dem Fläming zu sehen sind.
Theater und Konzerte Theateraufführungen gibt es regelmäßig im Sommer im Wiesenburger Park und im Burghof Ziesar. In Bad Belzig, dem Geburtsort des Komponisten Carl Gottlieb Reißiger, werden seine Werke gelegentlich aufgeführt. In der Bücknitzer Feldsteinkirche gibt es im Sommer regelmäßig Konzerte. In Bad Belzig und Wiesenburg werden theatralische Stadtrundgänge angeboten. Regelmäßige Konzerte finden in „Mal's Scheune“ in Wiesenburg statt.
Regionalentwicklung Tourismus mini|hochkant|Borner Bockwindmühle Ein touristischer Schwerpunkt im Naturpark Hoher Fläming ist der Gesundheitstourismus. Bad Belzig ist ein staatlich anerkannter Kurort, der seit 2010 den Namenszusatz „Bad“ führen darf, und hat mit der SteinTherme und der Reha-Klinik ein breites Angebot im Bereich Gesundheitstourismus. Es ist auch erklärtes Ziel des Naturparks, unter dem Motto „Naturpark für alle“ mit angestrebter Barrierefreiheit eine Reiseregion zu sein, in der sich auch Menschen mit Behinderungen wohl fühlen können und sollen. Asphaltierte Radwanderstrecken sind zum Befahren mit Rollstühlen geeignet. In Publikationen wird die behindertengerechte Zugänglichkeit von touristischen Zielen dargestellt.
Der Europaradweg R1 und der Europäische Fernwanderweg E 11 sowie die Deutsche Alleenstraße führen durch den Naturpark, und ausgeschilderte Naturpark-Reitrouten, die auf 250 km die Reiterhöfe im Fläming verbinden, stehen für Wanderreiter zur Verfügung.
Es wurden Natur- und Kulturführer ausgebildet, die ein breites Angebot von Führungen und anderen Veranstaltungen von der Kräuterwanderung bis zum Yoga-Walking anbieten.
Feste Es gibt eine Vielzahl von Festen im Naturpark. Die wichtigsten regelmäßigen Veranstaltungen sind: Karfreitag bis Ostermontag: Mittelalterspektakel auf Burg Rabenstein Karsamstag und Ostersonntag: Töpfermarkt in Görzke Mai: Blumenmarkt in Wiesenburg/Mark Mai: Naturpark-Wanderfest Pfingsten: Bettenrennen in Fredersdorf Juni: Titanen der Rennbahn (Kaltblutrennen in Brück) August: Wiesenburger Parkfest, Altstadtsommer mit Burgspektakel in Bad Belzig September: Rabensteiner Herbst und Gauklerfest September/Oktober: 48-Stunden-Fläming und Flämingmarkt an wechselnden Standorten Dezember: Weihnachtsmärkte auf Burg Rabenstein, im Naturparkzentrum mit traditionellem Fackelzug zur Burg Rabenstein und wieder zurück, in Bad Belzig, in Lühnsdorf und an anderen Orten
Küche Die Küche im Hohen Fläming ist bodenständig und geprägt von der Landschaft. Die Wälder liefern Wild und im Herbst Pilze, vor allem Maronen und Pfifferlinge, aber auch Steinpilze und andere schmackhafte Speisepilze. Ein weiterer unverzichtbarer Bestandteil der Küche im Hohen Fläming ist die Kartoffel. Mehrere Gasthäuser haben sich zusammengeschlossen und die „Kulinarische Kartoffeltour“ konzipiert. In allen teilnehmenden Gasthäusern werden innovative Kartoffelgerichte angeboten.
Eine weitere Spezialität ist die Flämingforelle die in den Flämingfließen natürlich vorkommt, aber auch in verschiedenen Forellenzuchtanlagen gezüchtet wird.
Typisch für die Region ist auch der Klemmkuchen, eine waffelartige Süßspeise, die die Flamen im 12./13. Jahrhundert mitgebracht hatten.
Siehe auch: Tourismus in Brandenburg
Alternative Lebens- und Wirtschaftsformen Im Naturpark gibt es eine Reihe von Gruppen und Einzelpersonen, die alternative Lebens- und Wirtschaftsformen erproben. Im Jahr 1991 hat eine Gruppe die ZEGG GmbH gegründet und ein bis zur Wende vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit genutztes Gelände in Belzig gekauft. Das ZEGG ist ein Kollektiv von etwa 80 Personen, die neue Formen des Zusammenlebens erproben.