mini|hochkant=1.3|Feldsteinkirche in Wiesenburg, 13. Jahrhundert, Turm aus dem Jahr 1879 Wiesenburg (), amtlich Wiesenburg/Mark, ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg. Sie entstand 2001 durch den Zusammenschluss von 14 vorher selbständigen Gemeinden, die von 1992 bis 2001 vom Amt Wiesenburg verwaltet wurden.
Geografie Wiesenburg liegt im südwestlichen Teil des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Es grenzt im Norden an das Amt Ziesar, im Nordosten und Osten an die amtsfreie Stadt Bad Belzig, im Südosten an das Amt Niemegk und im Süden und Westen an das Bundesland Sachsen-Anhalt. Das Gemeindegebiet gehört zum Naturpark Hoher Fläming.
Gemeindegliederung Zu Wiesenburg/Mark gehören seit der Bildung der Großgemeinde am 1. Dezember 2001 die folgenden Orts- und Gemeindeteile sowie Wohnplätze (Einwohnerzahl am 7. August 2018): Benken (119 Einwohner) mit dem Wohnplatz Wohnheim Grubo (174 Einwohner) mit dem bewohnten Gemeindeteil Welsigke Jeserig/Fläming (200 Einwohner) mit dem bewohnten Gemeindeteil Bahnhof (teilweise) Jeserigerhütten (143 Einwohner) mit den bewohnten Gemeindeteilen Spring und Setzsteig Klepzig (112 Einwohner) mit dem Wohnplatz Zehrensdorf Lehnsdorf (bis 20. Oktober 1937 Lotzschke;Statistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I, Berlin 1939, S. 249. 99 Einwohner) Medewitz (462 Einwohner) mit dem bewohnten Gemeindeteil Medewitzerhütten sowie den Wohnplätzen Jagdschloss und Tanklager Mützdorf (83 Einwohner) Neuehütten (160 Einwohner) mit dem Wohnplatz Teerofen Reetz (534 Einwohner) mit den Wohnplätzen Grüne Grund, Mahlsdorf und Zipsdorf Reetzerhütten (229 Einwohner) mit dem Wohnplätzen Alte Hölle und Tränkeberg Reppinichen (316 Einwohner) Schlamau (401 Einwohner) mit den bewohnten Gemeindeteilen Arensnest und Schmerwitz sowie den Wohnplätzen Siedlung und Steindorf Wiesenburg (1257 Einwohner) mit dem bewohnten Gemeindeteil Bahnhof (teilweise)
Geschichte mini|Jagdschloss in Medewitzerhütten mini|Denkmalgeschützte Ziegelei in Reetz mini|Schloss in Schmerwitz
Wiesenburg 13. bis 15. Jahrhundert Der Burgward Wiesenburg wurde 1161 erstmals urkundlich als de burgwardit … Wisenburg erwähnt. Er entstand an einer „topographisch markanten Stelle über einer feuchten Niederung“Gemeinde Wiesenburg/Mark (Hrsg.): 3 Dörfer in der Brandtsheide, inmitten des „Hohen Flämings“: Festschrift zum Jubiläum, S. 5–9.. Bei archäologischen Grabungen konnten jedoch nordwestlich und südöstlich der heutigen Schlossanlage slawische und frühdeutsche Scherbenfunde gesichert werden, die auf eine frühere Besiedelung hindeuten. Ein wesentlicher Grund hierfür war, dass zu jeder Jahreszeit ausreichend Wasser für die Landwirtschaft zur Verfügung stand. Dies war in der Region neben Wiesenburg nur noch in Reetz, Schlamau und Jeserig der Fall.Bernhard Queling: Landwirtschaft im Hohen Fläming, veröffentlicht in: Gemeinde Wiesenburg/Mark (Hrsg.): 3 Dörfer in der Brandtsheide, inmitten des „Hohen Flämings“: Festschrift zum Jubiläum. S. 35 bis 43. Experten gehen davon aus, dass ein größerer Marktflecken im Schutz der Burg entstehen sollte. Die Schreibweise änderte sich von Wisenburch im Jahr 1186 zu vnsir Hus Wesingburg im Jahr 1356 über Czu Wesinborg im Jahr 1385 sowie Slos wesenburg mit dem stetlyn im Jahr 1443. Es befand sich ursprünglich in der Lehnshoheit des Erzbischofs von Magdeburg, der das „Schloß und Städtlein mit allem Rechte“ im Jahr 1213/1217 an einen Gumpert, Bruder des Richard von Zerbst und Heinrich von Plaue, weitergab. Vor 1336 kam es in den Besitz des Grafen von Barby und Mühlingen, der es 1356 an den Herzog von Sachsen-Wittenberg verkaufte. Im Jahr 1362 war das Dorf belehnt und 1378 dem Bischof von Brandenburg verpfändet. Vor 1385 bis nach 1431 kam es in den unmittelbaren Besitz des Herzogs von Sachsen-Wittenberg, der es wiederum verlehnte: zunächst an die von Querfurt, von 1443 bis 1456 an die von Kracht und von 1456 bis 1755 an die Brandt von Lindau. Unter ihnen wurde Wiesenburg zum Mittelpunkt einer gehobenen Herrschaft. Ihnen gelang es, das Dorf im Jahr 1734 zu einem Allod umzuwandeln. Anschließend übernahmen die Trotta genannt Treyden von 1755 bis 1765 das Dorf und gaben es an die von Watzdorf weiter, die es bis 1872 hielten. In dieser Zeitspanne waren einige kleinere Anteile bei weiteren Familien. Bis 1412 hielten die von Thümen zwei Hufen, die sie 1412 an die Familie Seedorf verkauften, bevor sie vermutlich an den ersten Anteil fielen. Vor 1388 hielt die Familie Seedorf fünf Hufen sowie Einkünfte aus einem Morgen (Mg) Holz, der an den zweiten Anteil fiel. Einen vierten Anteil besaßen vor 1419/1420 die von Thümen: Es handelte sich um zehn freie Hufe und vier freie Höfe, zwei Burglehnen mit allem Recht, zwei Kossätenhöfe, die Pacht aus vier Stadthufen sowie eine Breite Land. Die Familie Swanebeke (Schwaneck) hielt vor 1388 drei Hufen und eine Breite, die Familie Bogelsack (Vogelsack) vor 1419/1420 einen freien Hof, eine Wiese und das Gehölz davor und die Familie Borg vor 1419/1420 vier freie Hufe, einen freien Hof vor Wiesenburg sowie ein Burglehen auf dem Schloss. Diese Anteile wurden, wie auch vor 1419/1420 ,einen Anteil der von Kracht über eine Holzsstätte mit dem ersten Anteil vereinigt. Ein Vogt erschien im Jahr 1421, ebenso 1423, 1428 und 1431. Das „Schloß und Städtlein“ bzw. „Schloß und Städtchen“ wurde 1443 bzw. 1487 urkundlich erwähnt.
16. Jahrhundert Spanische Truppen verwüsteten 1527 den Ort und das Schloss. Die Anlage wurde anschließend im Stil der Renaissance ausgebaut. Im Jahr 1530 lebten in Wiesenburg 22 Einwohner (fünf Hufner). Dem Pfarrer standen vier Hufen zu. Er erhielt außerdem 82 Scheffel Korn, 86 Scheffel Gerste und 35 Scheffel Hafer als Zehnt, außerdem 8 Fuder Wiesenwachs. Der Küster erhielt 36 Scheffel Korn, 22 Brote und besaß einen Krautgarten. Eine Statistik aus dem Jahr 1531 führte 18 Türkensteuerpflichtige auf, darunter einen Bürgermeister, einen Krüger und einen Müller. Es gab außerdem je fünf Knechte und Mädge sowie einen Schmied und einen Hirten. Eine weitere Statistik aus 1542 führte 13 Einwohner mit Gütern auf (darunter den Krüger und den Müller). Ein Einwohner besaß ein Haus, sieben Einwohner gaben nur Geld; es gab 14 Dienstboten. Im Jahr 1555 bestand Wiesenburg nach wie vor aus 22 Einwohnern (fünf Hufnern). Der Pfarrer erhielt den Zehnt von den wüsten Feldmarken Welsigke, Elsholz, Setzsteig, Allendorf Allendorf, Kalotsche, Glümendorf, Petzdorf, Zipsdorf und Arensnest. Der Pfarrer besaß 1575 nur noch drei Hufen, die er jedoch verpachten konnte. Eine weitere Wiese hatte er roden lassen und erhielt 4 Wispel Roggen, 2 Wispel Gerste, 2 Wispel Hafer, Heidekorn als Zehnt. Der Junker von der Feldmark Groß Glien und Schmerwitz lieferte ihm weitere 30 Scheffel Roggen. Der Küster bekam 3 Scheffel aus der Stadt, 8 Scheffel vom Schloss sowie 2 Scheffel aus Grubo. Hinzu kamen 12 Scheffel aus Jeserig, 10 Scheffel aus Schlamau und jährlich ein Brot von jedem Einwohner der drei Dörfer. Die Kirche besaß eine Gotteshufe, eine Gottesbreite sowie das Lindenland mit einer Größe von 17 Mg sowie vier Wiesen. Im gleichen Jahr fand auch erstmals in einer Stube im Schloss ein geregelter Schulunterricht statt.Hannelore Mallas: Schulentwicklung in Wiesenburg, Reetz und Schlamau, veröffentlicht in: Gemeinde Wiesenburg/Mark (Hrsg.): 3 Dörfer in der Brandtsheide, inmitten des „Hohen Flämings“: Festschrift zum Jubiläum, S. 30 f. Das Pfarrhaus kam im Jahr 1592 an einen Einwohner, wurde aber 1607 von der Kirche zurückgekauft. Im Jahr 1592 lebten außerdem drei Hufner in der Stadt: Der Bürgermeister besaß ein Haus, Hof und drei Hufen sowie 19 Mg Heideland, ¾ Wiese zu Kalotsche, eine Wiese im Teich. Allerdings nahm ihm die Herrschaft im Jahr 1606 seinen Besitz bis auf sieben Stücke Feld und zwei Wiesen ab, so dass es nur noch als Kossäte tätig war. Der Krüger hatte ein Haus, Hof, drei Hufen, ein Breitchen Land, 13 Mg Heideland und drei Wiesen, darunter eine von der Kirche. Er wurde 1621 von der Herrschaft ausgekauft. Ein anderer Einwohner besaß Haus und Hof, etliche Heideläufer, 28 Mg Heideland als Laßgut, 4 Mg Wiese, eine Wiese zu Kalotsche und eine Wiese im Marienbruch. Daneben gab es 22 als „Freie“ bezeichnete Einwohner: ein Böttcher, ein Koch, zwei Leineweber, drei Schneider, ein Schuster, ein Seifensieder und Branntweinbrenner, fünf Töpfer. Hinzu kamen 13 Kossäten mit Haus und Hof und fünf Häusler, darunter ein Fleischer und ein Teichgräber.
17. und 18. Jahrhundert Eine Statistik aus dem Jahr 1627 führte vier Anspänner, 14 Kossäten, 20 Häuser, Freie und Büdner auf. Im Dreißigjährigen Krieg kam es zu großen Verwüstungen; 1669 waren von 47 Höfen nur noch zehn bewohnt, 37 lagen wüst. Erst um 1710 war Wiesenburg wieder auf die ursprüngliche Ausdehnung angewachsen. Die Einwohner bauten 1715 eine kleine Wohnung zu einer Schule um, die bereits 1750 in einem so schlechten Zustand war, dass sich die Gemeinde zu einem Neubau in der Nähe der Kirche entschloss. Dort entstand in der heutigen Hermann-Boßdorf-Straße eine Schule mit Lehrerwohnung. Im Jahr 1718 gab es in Wiesenburg einen Hufner und einen Häusler, die auf 5 Hufen je 12 Dresdner Scheffel 8 Metzen Aussaat ausbrachten. Im Jahr 1743 gab es einen Dreihufnerhof, der vom Gerichtsherren genutzt wurde; der Zweihufnerhof lag wüst. Für das Jahr 1764 wurden 19 Besitzer, 30 Häusler und zwei Windmühlen gezählt. Drei Hufen gehörten der Herrschaft, auf diesen wurde je 10 Dresdner Scheffel ausgesät. Eine Statistik aus dem Jahr 1777 führte einen Hufner, 18 Kossäten, 24 Häusler und 26 Häusler auf dem ritterlichen Grund auf.
19. Jahrhundert Wiesenburg bestand 1806 aus einem Einwohner mit drei Hufen sowie 19 Einwohnern mit zusammen 10 Hufen; in Summe wurden 13 Magazinhufen bewirtschaftet. In der Stadt standen 30 Häuser. Wiesenburg kam 1815 mit der gesamten Region zu Preußen und dort 1817 in den Landkreis Zauch-Belzig.