Cádiz (andalusisch Cái, latinisiert Gades) ist die Hauptstadt der Provinz Cádiz in der Autonomen Region Andalusien in Süd-Spanien mit Einwohnern (Stand: ). Darüber hinaus ist sie Bischofsstadt des Bistums Cádiz y Ceuta. Die Einwohner von Cádiz werden Gaditanos genannt.
Lage und Klima Lage Die Altstadt von Cádiz liegt am Atlantik auf einer – heute durch Brücken mit dem Festland verbundenen – Felseninsel in der Bucht von Cádiz etwa 120 km (Fahrtstrecke) südlich von Sevilla bzw. ca. 120 km nordwestlich von Gibraltar. Klima Das Klima wird in hohem Maße vom Atlantik geprägt; die Temperaturen sind entsprechend wechselhaft. Regen (ca. 600–700 mm/Jahr) fällt hauptsächlich in den Wintermonaten. mini|Klimadiagramm von CádizGeoklima 2.1 mini|Satellitansicht
Im Gegensatz zu den Orten innerhalb der Provinz ist das Klima vom Meer geprägt. Im Sommer sind Temperaturen um 30 °C vorherrschend. Der Atlantik und der Wind bestimmen das Klima. Bei Wind aus westlicher Richtung (Poniente), der kühle Atlantikluft transportiert, liegen Temperaturen um 30 °C, bei Levante, einem heißen Ostwind ähnlich den Föhnwinden der Nordalpen, werden über 40 °C erreicht. Selbst am Strand ist es manchmal unangenehm, denn der meist starke Wind wühlt den Sand auf und bläst ihn über den Strand. Im Gegensatz zu den anderen Stränden ist der Strand Playa de la Victoria durch die Bebauung relativ gut vor dem Wind geschützt. Die Perioden des Levante sind unregelmäßig und können zwischen zwei Tagen bis zu einem ganzen Monat andauern.
Bevölkerung Die Hafenstadt Cádiz war lange Zeit die vielleicht weltoffenste Stadt Spaniens, doch hat die Isolation des Landes während der Franco-Ära vieles davon zunichtegemacht. Heute wirkt die Stadt eher provinziell. Jahr 1857 1900 1950 2000 2020Einwohner 70.811 69.382 100.249 140.064 114.442Cádiz – Karte + Fakten
Geschichte mini|Cádiz in phönizischer Zeit mit damaliger Küstenlinie. Ganz im Süden das Heiligtum des Melkart. Westlich der Stadt die Tempel der phönizischen Götter Astarte und Baal-Hammon. Cádiz gehört zu den ältesten Städten Westeuropas. Der Legende nach wurde die Stadt durch Herakles gegründet; darauf beruft sich noch heute das Stadtwappen mit der Inschrift „Hercules Fundator Gadium Dominatorque“ (Herkules, Gründer und Herrscher von Cádiz).
Phönizier und Karthager: Gadir Geschichtlich gesehen wurde Cádiz (phöniz.: 𐤂𐤃𐤓(𐤀), (ʾ)gdr (Gadir), d. h. „Festung“; griechisch Gadeira) von phönizischen Kauffahrern aus Tyros als Militärstützpunkt und Warenumschlagplatz gegründet.Poseidonios bei Strabon, Geographie 3,5,5. Die phönizischen Kolonisten erkannten die günstige Lage der Insel (erst im 17. Jahrhundert wurde sie zu einer Halbinsel) an der Mündung des Guadalete, in der Nähe des an Silber reichen Tartessos sowie auf halbem Weg zu den „Zinninseln“ (Britannien).
Der römische Historiker Velleius Paterculus gibt zwar als Zeitpunkt der Grundsteinlegung „80 Jahre nach dem Trojanischen Krieg“ an,Velleius Paterculus, Historia Romana 1,2. also etwa 1100 v. Chr. nach einigen antiken Datierungen des Kriegs;Eratosthenes (Chronographiai FGrHist 241 F 1d): 1184/83 v. Chr.; Timaios (FGrHist 566 F 125): 1193 v. Chr.; Parische Chronik: 1209/08 v. Chr.; siehe auch Trojanischer Krieg#Datierung des Krieges archäologisch nachgewiesen ist eine Besiedlung des Gebiets jedoch erst ca. 300 Jahre später, wobei die ältesten Funde unter dem Teatro Cómico in Cadiz zum Vorschein kamen und ins späte 9. oder frühe 8. Jh. v. Chr. datieren.Sebastián Celestino, Carolina López-Ruiz: Tartessos and the Phoenicians in Iberia. Oxford University Press, 2016, S. 140 f.
Unter den Phöniziern, und später unter den Karthagern, wurde Gadir zu einem blühenden Handelszentrum. Seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. gab es westphönizische Werkstätten, aus denen Gegenstände orientalischer Tradition stammen. Eine Bronzekanne von Torres Vedras stammt vermutlich aus einer gaditanischen Werkstatt.Thomas G. Schattner (Hrsg.): Archäologischer Wegweiser durch Portugal (= Kulturgeschichte der Antiken Welt. Band 74). Philipp von Zabern, Mainz 1998, ISBN 3-8053-2313-1, S. 29. Das archäologische Museum der Stadt beherbergt zwei der äußerst seltenen phönizischen Sarkophage aus dem Jahre 541 v. Chr.
Mit der Ausbreitung der Herrschaft der Karthager im Westen kam Cádiz zu deren Reich und entwickelte sich seit etwa 500 v. Chr. zum bedeutendsten Handelszentrum des karthagischen Atlantikverkehrs. Die Stadt diente seit 237 v. Chr. Hamilkar Barkas als Ausgangspunkt für seine Feldzüge auf der Iberischen Halbinsel,Diodor, Bibliothéke historiké 25,10,1; Appian, Iberica 5; Hannibalica 2. ebenso Hannibal bei seinem Kriegszug des Jahres 218 v. Chr.Titus Livius, Ab urbe condita 21,21,9. Einige Jahre vor dem Ende des Zweiten Punischen Krieges zogen sich Hasdrubal und Mago nach der für sie unglücklich verlaufenen Schlacht von Ilipa (206 v. Chr.) nach Cádiz zurück. Während Hasdrubal bald nach Afrika zurückkehrte, wollten Überläufer den zurückgebliebenen Mago und die punische Besatzung den Römern ausliefern. Mago vereitelte den Abfall, fuhr dann zum Erhalt von Unterstützung nach Karthago und fand bei seiner Rückkehr die Tore von Cádiz verschlossen.
Heiligtum des Melkart mini|Die Insel Sancti Petri mit der im 13. Jh. am Standort des Melkarttempels errichteten Festung, 1912. Berühmt war Cádiz in der Antike für sein Heiligtum des Melkart (Templo de Hércules Gaditano), des phönizischen Stadtgottes der Mutterstadt Tyros, der von Griechen und später Römern (fälschlicherweise) mit Herakles identifiziert wurde. Der Tempel lag auf der heutigen Isla de Sancti Petri etwa 18 km südlich der Stadt. Hannibal besuchte das Heiligtum vor seinem berühmten Zug über die Alpen. Als Poseidonios einen Monat in Cádiz verbrachte, besuchte er den Tempel ebenfalls. Seine teilweise bei Strabon erhaltenen Informationen darüber stellen eine wichtige Quelle für die heutige Kenntnis des Heiligtums dar,Strabon, Geographie 3,5,7 und 3,5,9; vgl. Philostratos, Leben des Apollonios von Tyana 5,1–7; Silius Italicus, Punica 3,14 ff. das vom almoravidischen Statthalter 1146 auf der Suche nach einem sagenhaften Schatz zerstört wurde. Da die Spanier ferner im 17. Jahrhundert ein Fort an der Stelle des antiken Tempels errichteten, blieben von diesem nur geringe Reste erhalten. Generell sind die Funde des antiken Cádiz recht spärlich; es fanden sich aber viele Münzen sowie Inschriften, die jedoch nicht sehr ergiebig sind.
Römer: Augusta Urbs Iulia Gaditana mini|Das römische Theater von Cádiz: Blick auf die Zuschauerränge; im Hintergrund neuzeitliche Überbauung Bald darauf kam die Stadt unter römische HerrschaftTitus Livius, Ab urbe condita 28,16; 28,23; 28,30 f.; 28,36 f. und erhielt den latinisierten Namen Gades.
Seitdem wurde Cádiz immer bedeutender und prosperierender. 49 v. Chr. leistete es Caesar in dessen Bürgerkrieg gegen Pompeius wertvolle Unterstützung.Caesar, Bürgerkrieg 2,18–21. Caesar verlieh Cádiz das römische Bürgerrecht.Titus Livius, periochae 111; Cassius Dio, Römische Geschichte 41,24,1. Es wurde Municipium, erhielt unter Augustus den Namen Augusta Urbs Iulia GaditanaPlinius der Ältere, Naturalis historia 4,119. und entwickelte sich in der Kaiserzeit zu einer der reichsten und größten Städte im Westen des Römischen Reichs. Das römische Theater, heute zur Hälfte ausgegraben und restauriert, erinnert noch an die damalige Bedeutung der Stadt. Ein 75 km langer Aquädukt (Acueducto de Gades) versorgte die Stadt mit Süßwasser. Cicero hob in seiner Verteidigungsrede für den in Cádiz geborenen Balbus ihr Prestige deutlich hervor. Die puellae gaditanae, die Mädchen aus Cádiz, werden von Horaz und Plinius wegen ihres Tanzstiles erwähnt.
Westgoten, Byzantiner, Araber und Reconquista Mit dem Untergang des Römischen Reiches verlor auch Cádiz an Bedeutung. Die römische Provinz Baetica wurde Ende des 5. Jahrhunderts von den Westgoten erobert und die Stadt dabei zerstört. 552 wurde die Stadt durch die Armeen des oströmischen Kaisers Justinian I. erobert und in die byzantinische Provinz Spania eingegliedert. Unter König Leovigild konnte das Westgotenreich Gades aber 572 zurückerobern.
Der Statthalter des Kalifen von Damaskus in Tanger, Tāriq ibn Ziyād, begann Anfang 711 mit der maurischen Invasion der Iberischen Halbinsel und der islamischen Eroberung des Westgotenreichs. Die entscheidende Schlacht fand im Juli ganz in der Nähe von Gades statt. Die Eroberer bauten die Stadt (arabisch Djesirat Kadis) wieder auf.
Wikinger verwüsteten Kadis im Jahr 844.Wikinger verwüsten Cardiz auf welt.de.
Am 14. September 1262E.J. Brill's First Encyclopaedia of Islam 1913–1936. ISBN 90-04-09796-1, S. 810 (, abgefragt am 25. Januar 2017) eroberte der kastilische König Alfons X. Cádiz und vertrieb die Mauren. Er siedelte daraufhin in seinen nördlichen Reichsteilen lebende Christen in der Stadt an, für die nun ein Wiederaufstieg begann.
Cádiz als Tor zur Neuen Welt mini|Im Hafen von Cadiz Nach der Entdeckung Amerikas wurde Cádiz bedeutend und blühend als ein Hauptstapelplatz des spanischen Handels mit den überseeischen Kolonien und als Hafen der spanischen Silberflotte. Von einem kleinen Ort im Golf von Cádiz namens Puerto de Santa María aus war auch Kolumbus auf seiner zweiten Reise im Jahr 1493 zur Neuen Welt gesegelt.
Der Reichtum machte die Stadt zum Ziel von Barbareskenpiraten aus Algerien, die hier im 16. Jahrhundert mehrmals auf Beutezüge ausgingen, aber abgewehrt wurden, sowie zum Ziel feindlicher Attacken der Engländer. Letztere zerstörten im April 1587 unter Francis Drake die im Hafen befindliche spanische Flotte, wodurch die Armada erst ein Jahr später in See stechen konnte. Im Juli 1596 plünderten und verbrannten die Engländer unter Charles Howard, dem Earl von Essex und Walter Raleigh auch die Stadt selbst, äscherten die spanische Flotte erneut ein und zogen mit großer Beute ab. Im Rahmen des Englisch-Spanischen Krieges von 1625 scheiterten die Engländer beim Versuch, die Stadt zu erobern. 1649–1651 herrschte in Cádiz eine große Epidemie. Während des nächsten Englisch-Spanischen Krieges wurde Cádiz vom englischen Admiral Robert Blake von 1655 bis 1657 blockiert. Ein vom Herzog von Ormonde und Sir George Rooke unternommener Angriff im Jahr 1702 scheiterte.
Im 18. Jahrhundert wurde der Schwerpunkt des Handels mit den spanischen Kolonien in Amerika immer mehr von Sevilla nach Cádiz verlagert, weil letztere Stadt den besseren Hafen hatte. Cádiz erlebte eine neue Blütezeit, der auch das Erdbeben von 1755 keinen Abbruch tat. 1778 verloren Sevilla und Cádiz allerdings ihre Vorrechte als Monopolhäfen für den Handel mit den spanischen Kolonien.Jörg Ludwig: Der Handel Sachsens nach Spanien und Lateinamerika 1760–1830. Warenexport, Unternehmerinteressen und staatliche Politik. Nouvelle Alliance, Leipzig 1994, ISBN 3-929808-06-4, S. 25.
Cádiz im nachkolonialen Spanien mini|Abendstimmung in Cadiz In der Zeit des Bündnisses zwischen Spanien und Frankreich wurde Cádiz 1797–1798 von den Engländern blockiert und 1800 von Admiral Nelson erfolglos bombardiert.
Während der Besetzung Spaniens durch französische Truppen im Spanischen Unabhängigkeitskrieg (1808–1814) blieb Cádiz als einzige Region Spaniens unbesetzt. Von 1810 bis 1813 residierte die Zentraljunta der aufständischen Spanier auf der Isla de León (Löweninsel) östlich der Stadt. Vom 6. Februar 1810 bis zum 25. August 1812 belagerten und beschossen die Franzosen die Stadt, erst unter dem Kommando von Soult, dann unter Victor und Sébastiani, doch konnten sie nur einige Forts einnehmen; die Eroberung des auch von englischen Flotten von der Seeseite her geschützten Cádiz selbst misslang. Das siegreiche Vordringen Wellingtons zwang die Belagerer Ende August 1812 zum Abzug.retrobibliothek.de