mini|Maria Anna Mozart als Kind. Porträt von Pietro Antonio Lorenzoni Maria Anna Walburga Ignatia Mozart (* 30. Juli 1751 in Salzburg; † 29. Oktober 1829 ebenda), später Maria Anna Freifrau von Berchtold zu Sonnenburg, (auch „Marie Anne“,Vergleiche z. B. Unterschriften in Brief an ihre Mutter vom 5. Januar 1775 (Nachschrift zu Brief Leopold Mozarts an seine Frau, Bauer/Deutsch Nr. 309), Brief an ihren Bruder vom 27. Oktober 1777 (Bauer/Deutsch Nr. 357) und Brief an ihren Bruder vom 18. Dezember 1780 (Bauer/Deutsch Nr. 564). „Marianne“Siehe z. B. Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 427. oder „Nannètte“,Friedrich von Schlichtegroll: Nekrolog der Teutschen, zitiert nach Eva Neumayr: Maria Anna Mozart als Klavierlehrerin. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 27. und in Familie und Freundeskreis „Nannerl“ genannt), war eine Salzburger Pianistin und Klavierlehrerin. Sie war die knapp fünf Jahre ältere Schwester von Wolfgang Amadeus Mozart und die Tochter von Anna Maria (geborene Pertl) und Leopold Mozart.
Leben Kindheit Wie ihr Bruder wurde sie im Hagenauerhaus (Getreidegasse 9) geboren.Das Mozarthaus: Musik und Geschichte erleben. Abgerufen am 9. August 2025. Beide Kinder wurden schon früh von ihrem Vater, der „eine exzellente akademische und Universalbildung besaß“,Geneviève Geffray: Maria Annas Persönlichkeit im Spiegel des Familien-Schrifttums. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 71. unterrichtet. Sie erhielt nicht nur Musikunterricht, insbesondere Unterricht im Klavier- beziehungsweise Cembalo-(„Clavecin“)-spiel,Zu den Instrumenten sondern auch eine umfassende Allgemeinbildung. Zu ihrem achten Namenstag am 26. Juli 1759 schenkte der Vater ihr „ein Notenbuch mit einer in ‚vornehmer‘ französischer Sprache verfassten Widmung“.Geneviève Geffray: Maria Annas Persönlichkeit im Spiegel des Familien-Schrifttums. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 72. „Das Buch enthält kleinere Klavierstücke verschiedener Komponisten, geordnet nach Schwierigkeitsgrad – eine eigene kleine Klavierschule, die sich an gängigen Klavierschulen der Zeit orientierte.“Petrus Eder: Neues zu Nannerl Mozarts Notenbuch. Zitiert nach: Melanie Unseld: Mozarts Frauen. Originalausgabe, 2. Aufl. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-499-62105-3, S. 31. Das „Nannerl-Notenbuch“Stiftung Mozarteum (Hrsg.): Notenbuch für Maria Anna (Nannerl) Mozart. 1759, auf kv.mozarteum.at, abgerufen am 8. September 2025. wurde bald auch von ihrem Bruder Wolfgang benutzt, und als dieser begann, eigene kleine Werke zu komponieren, wurden sie vom Vater oder von ihm selbst auf freien Seiten dort eingetragen.Notenbuch für Nannerl. Beschreibung. Schott Music, Mainz [u. a.] . Abgerufen am 24. Mai 2025.
1762 begann Leopold Mozart mit seiner Familie auf Reisen zu gehen, um seine begabten „Wunderkinder“ an europäischen Höfen vorzustellen und ihnen zugleich kulturelle Kenntnisse über die besuchten Länder zu vermitteln. Nachdem sie 1762 München und Wien besucht hatten, wo Maria Anna und ihr Bruder vor Kaiserin Maria Theresia und ihrer Familie aufgetreten waren,Otto Erich Deutsch, Joseph Heinz Eibl (Hrsg.): Mozart. Die Dokumente seines Lebens. Dazu: Addenda und Corrigenda. Bärenreiter, Kassel u. a. 1961–1978, S. 16–17. gingen die Mozarts von Juni 1763 bis Ende November 1766 auf eine dreijährige Konzertreise durch Westeuropa, um die Kinder an europäischen Höfen in Deutschland, Frankreich, England, den Niederlanden und der Schweiz vorzustellen. Maria Anna hielt ihre Eindrücke in Reisenotizen fest.Geneviève Geffray: Maria Annas Persönlichkeit im Spiegel des Familien-Schrifttums. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 71–74. Mit ihrem Klavierspiel erregte sie „überall größte Aufmerksamkeit“.Johanna Senigl, Eva Neumayr: Maria Anna Mozart. Kurzbiografie. Maria Anna Mozart Gesellschaft, Salzburg 2009[?].
Als jüngeres Kind war Wolfgang naturgemäß im Vorteil: „alle Dames sind in meinen Bueben verliebt“ – „Hauptsächlich erstaunet alles ob dem Bueben“.Leopold Mozart aus Wien an Lorenz Hagenauer, 11./16. Oktober 1762 (Bauer/Deutsch Nr. 34), Zeile 41–42 und Zeile 48–49. Der Vater „bemüht[e] sich jedoch, auch die Fortschritte und Qualitäten seiner Tochter ins rechte Licht zu rücken“. Ein Jahr später berichtet er, dass Maria Anna durch eigenes Können neben dem „Niedlichkeitseffekt“ (Eva Rieger)Eva Rieger: Nannerl Mozart. 2. Auflage. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-458-16113-9, S. 52. ihres Bruders bestehen konnte: „Die Nannerl leidet nun durch den Buben nichts mehr, indem sie so spielt, daß alles von ihr spricht, und ihre Fertigkeit bewundert. Ich habe ein artiges Clavierl vom H: Stein in Augspurg gekauft, welches uns wegen dem Exercitio auf der Reise grosse Dienste thut.“Leopold Mozart aus Frankfurt am Main an Lorenz Hagenauer in Salzburg, 20. August 1763 (Bauer/Deutsch Nr. 63), Zeile 67–70. In Paris, wo die Familie am 18. November 1763 eintraf, entwickelte Maria Anna ihr Können weiter.Geneviève Geffray: Maria Annas Persönlichkeit im Spiegel des Familien-Schrifttums. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 74. Im April 1764 kamen die vier Reisenden in London an, wo die Kinder dreimal vor König George III. und Königin Charlotte auftraten.Geneviève Geffray: Maria Annas Persönlichkeit im Spiegel des Familien-Schrifttums. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 75. Voller Stolz berichtete der Vater nach Salzburg: „daß mein Mädl eine der geschicktesten Spillerinnen in Europa ist, wenn sie gleich nur 12. Jahre hat“.Leopold Mozart an Lorenz Hagenauer, 8. Juni 1864 (Bauer/Deutsch Nr. 89), Zeile 70–71. Auf der Rückreise wurde ein großer Umweg über die Niederlande genommen. Dort erkrankte Maria Anna so schwer an Typhus,Ulrich Konrad: Wolfgang Amadé Mozart. Leben – Musik – Werkbestand. Bärenreiter, Kassel 2005, ISBN 3-7618-1821-1, S. 42. dass mit dem Schlimmsten gerechnet wurde. Wahrscheinlich rettete Leopold Mozart seiner Tochter mit seinen Lateinkenntnissen das Leben, indem er den Bericht des (durchaus renommierten) Arztes an einen auf Empfehlung hinzugezogenen Professor korrigieren konnte.Siehe Brief Leopold Mozarts an Lorenz Hagenauer, 5. November 1765 (Bauer/Deutsch Nr. 103), Zeile 55–60 und Zeile 167–171. Abgerufen am 12. September 2025.Vergleiche auch Geneviève Geffray: Maria Annas Persönlichkeit im Spiegel des Familien-Schrifttums. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 75. Kaum war Maria Anna genesen, erkrankte ihr Bruder. „Beide Kinder erholten sich und konnten im Jänner und Februar 1766 wieder Konzerte geben, bevor die Reise wieder über Paris und Versailles nach Dijon führte […] Über Lyon […] ging die Reise schließlich durch die Schweiz Richtung Salzburg weiter.“ Am 29. November 1766 kehrte die Familie nach dreieinhalbjähriger Abwesenheit nach Hause zurück. Eine „letzte ‚Wunderkind‘-Reise“ führte sie neun Monate später erneut nach Wien.Melanie Unseld: Mozarts Frauen. Originalausgabe, 2. Aufl. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-499-62105-3, S. 36; Vergleiche auch Geneviève Geffray: Maria Annas Persönlichkeit im Spiegel des Familien-Schrifttums. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 76. Um einer dort grassierenden Pockenepidemie zu entkommen, begaben sie sich nach Brünn und Olmütz, doch die Krankheit erreichte die Kinder auch hier.Vergleiche die Briefe Leopold Mozarts an Lorenz Hagenauer, Olmütz, den 10. und 29. November 1767 (Bauer/Deutsch Nr. 121 und Nr. 122). Nach ihrer Genesung kehrte die Familie am 10. Jänner 1768 nach Wien zurück. „Als Leopold und Wolfgang Ende 1769 nach Italien aufbrachen, mussten Mutter und Tochter – wohl aus finanziellen Gründen – in Salzburg bleiben.“Geneviève Geffray: Maria Annas Persönlichkeit im Spiegel des Familien-Schrifttums. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 77.
Mit dem Vater in Salzburg „Gegen Ende 1772 fing […] Maria Anna Mozart an, einige Töchter des Salzburger Bürgertums [im Klavierspiel] zu unterrichten.“Geneviève Geffray: Maria Annas Persönlichkeit im Spiegel des Familien-Schrifttums. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 77. Der einzige männliche Schüler aus der Zeit vor ihrer Hochzeit, Joseph Woelfl, machte später als Pianist Karriere. Seine 1796 komponierten Sonaten op. 3 widmete er seiner früheren Lehrerin „Madame Anne de Sonnenbourg, née Mozart“.Eva Neumayr: Maria Anna Mozart als Klavierlehrerin. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 28 und S. 31. Außerdem trat sie in Salzburg als Pianistin in bürgerlichen Akademie-Konzerten auf und war als Begleiterin und Korrepetitorin von Sängern und Sängerinnen tätig.Eva Neumayr: Maria Anna Mozart als Klavierlehrerin. In: Eva Neumayr (Hrsg.): Maria Anna Mozart. Facetten einer Künstlerin. Hollitzer, Wien 2019, ISBN 978-3-99012-561-8, S. 24 und S. 32. Leopold lud häufig Salzburger Musiker zu häuslichen Privatkonzerten ein, besonders in der Zeit der langen Reise seines Sohnes mit der Mutter 1777–1778. „alle abend, wenn nicht grosse Musik ist, kommt er [der Kastrat Francesco Ceccarelli] zu uns, bringt allzeit eine Arie, und ein Motetto mit, ich spiel das Violin, und die Nannerl accompagniert und macht die Solo die für die Violen oder für die blasenden Instrumenten vorkommen. dann machen wir ClavierConcert, oder auch ViolinTrio […].“Leopold Mozart an seine Frau und seinen Sohn, 12. April 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 446), Zeile 8–12. Original mit Unterstreichungen. Vergleiche auch Eva Rieger: Nannerl Mozart. 2. Auflage. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-458-16113-9, S. 114. Auch wenn Vater und Tochter alleine zu Hause waren, musizierten sie täglich miteinander. Der Vater suchte darin „Zerstreung der mich quellenden Sorgen“ und bewunderte ihr Können und ihre „vollkommene Einsicht in die Harmonie und Modulation“.Vergleiche Leopold Mozart an seine Frau und seinen Sohn, 25./26. Februar 1778 (Bauer/Deutsch Nr. 430), Zeile 81–92. Abgerufen am 11. September 2025.