mini|Holzspielzeug Noah's Arche mit Tieren aus Holz. Hergestellt in Deutschland zwischen 1880 und 1900. mini|Blechspielzeug-Lokomotive mit Uhrwerk, Spur 0, etwa 1948, Hersteller: HWNEin Spielzeug ist ein zum Spielen verwendeter Gegenstand. Die meisten Spielzeuge werden eigens für Kinder hergestellt, mit manchen Spielzeugen beschäftigen sich auch Erwachsene. Ein Spielzeug wird um seiner selbst willen und wegen der Freude am Spiel geschätzt.
mini|Steckspielzeug
Begriffserklärung Prinzipiell kann jeder Gegenstand für die Zeit des entsprechenden Gebrauchs durch Menschen oder Tiere zum Spielzeug werden. Handwerklich oder industriell hergestellte und über den Handel vertriebene Spielzeuge und Spiele werden als Spielwaren bezeichnet. Ein Spielmittel hingegen bezeichnet Gegenstände, die in ihrer ursprünglichen Funktion nicht explizit als Spielzeug deklariert sind, sich aber dennoch für Kinder zum Spielen eignen, diese können beispielsweise aus dem Haushalt stammen oder aus Naturmaterialien bestehen. Die Gestaltung von Spielzeug spiegelt die unterschiedlichen natürlichen und kulturellen Lebensbezüge von Menschen wider. Zu den einfachsten und ältesten Spielzeugen der Menschheitsgeschichte gehören Holzklötze, Puppen und Brettspiele.
Sinn und Zweck Im Unterschied zu einem Werkzeug, das primär der Herstellung oder Bearbeitung dient, liegt der Sinn und Zweck eines Spielzeugs in ihm selbst begründet. Ein Spielzeug dient der Freude an der Beschäftigung mit seinem Material, seinen Funktionen und seinen Möglichkeiten. Spielzeug dient dem Ausleben des Spieltriebs. Es kann die Bewegungslust oder das Kommunikationsbedürfnis befeuern und im optimalen Fall auch Gestaltungskräfte freisetzen. Spielzeug dient nicht unbedingt und vorrangig bestimmten Lernzwecken, wie etwa dem Erwerb verschiedener motorischer oder kognitiver Fähigkeiten. Lernprozesse können sich jedoch nebenbei ergeben oder auch unter didaktischen Vorstellungen gezielt geplant werden.
Mit Spielzeug können bestimmte Ereignisse und Beobachtungen des Alltages nachgeahmt, nachgespielt oder auch eigene Vorstellungswelten realisiert werden. Spielzeug, etwa in Form von Puppenküchen, Kaufmannsläden oder Spielzeugeisenbahnen, kann und wird von Kindern auch zum Einleben spezifischer Geschlechterrollen und zur Sozialisation innerhalb der Gesellschaft genutzt.
Lernspielzeug Durch Lernspielzeug können die Feinmotorik und das logische Denken von Kindern gefördert werden. Das kindliche Spiel und das verwendete Spielzeug dienen somit nicht allein der Unterhaltung des Kindes. Spielen und Spielzeug sind vielmehr Gelegenheit und Mittel, Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern. Im Spiel können physische, kognitive und soziale Kompetenzen entwickelt und trainiert werden. In diesem Sinne ist jedes Spielzeug, das Anstoß dazu gibt oder geeignet ist, die diese Fähigkeiten zu entdecken und zu trainieren, ein Lernspielzeug. Neben solch einer weiten Definition finden sich engere Definitionen wie etwa die des Spieldidaktikers Klaus Kube, nach dem all jene Spielformen als Lernspiel zu bezeichnen sind, „mit deren Hilfe im ursprünglichen Sinn das Lernen von Zeichen, Begriffen und Fakten sowie deren regelhaften Ordnungsbeziehungen provoziert werden sollen.“Klaus Kube: „Spieldidaktik“, 1977, S. 41. Lernspielzeuge wären demnach solche Spielzeuge, die obligatorischer Teil dieser Spielformen sind oder die sich eignen, derartige Spielformen zu initiieren. Lernspielzeuge im didaktischen Sinne sind also Spielzeuge, mit deren Hilfe ein Kind Sprechen, Lesen, Rechnen und das Zuordnen und Erkennen abstrakter Qualitäten (Form, Farbe etc.) erlernen kann. Das alltägliche Verständnis des Terminus Lernspielzeug weicht daher nicht unerheblich von der akademischen Definition ab.
Dennoch ist der edukative und pädagogische Zweck, den ein Spielzeug haben kann, in der elterlichen Wahrnehmung verankert und spielt eine entscheidende Rolle bei der Auswahl von Spielzeug. Wie zwei Studien der Gesellschaft für angewandte Sozialforschung (GEFAS) und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zeigen, wird Spielzeug vor allem hinsichtlich seiner pädagogischen und edukativen Eignung ausgesucht. Weit wichtiger als monetäre oder ästhetische Aspekte sind Aspekte der Funktionalität, der Eignung als Lernmittel und der pädagogische Wert für die positive Wahrnehmung eines Spielzeugs. (Siehe dazu auch Kinderspiel, Spiel (Pädagogik) und Spielpädagogik)
Die Spielpädagogik unterscheidet zwischen dem „freien“, von Kindern in Eigeninitiative selbst gestalteten Spiel und dem „gelenkten“ von Pädagogen oder Therapeuten zu bestimmten Zwecken beeinflussten Spiel.Johannes Bilstein, Mathias Winzen, Christoph Wulf (Hrsg.): Anthropologie und Pädagogik des Spiels. Weinheim 2005.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte Archäologische Funde speziell bearbeiteter Knochen und Steine, die als Grabbeigabe in Kindergräbern gefunden wurden weisen darauf hin, dass Kinder bereits in der Steinzeit spielten. Bereits in der jüngeren Steinzeit lassen sich puppenähnliche Gebilde aus Ton nachweisen. Spielzeug wurde zunächst in Handarbeit gefertigt, z. B. durch Schnitzerei. Kleine Lärminstrumente aus Keramik, insbesondere Klappern, Rasseln und Pfeifen wurden in Gräbern gefunden. Auch wenn diese einfachen Instrumente hauptsächlich der Abwehr „böser Geister“ dienten, kann eine Deutung als Spielzeug nicht vollkommen ausgeschlossen werden. Neandertaler stellten für ihre Kinder Spielzeug her, so ist aus dem niederländischen Rhenen eine Handaxt im Miniaturformat bekannt, die nur 4,4 Zentimeter groß ist.
Altertum mini|Ägyptisches Krokodil mit beweglichem Unterkiefer 1100 v. Chr. Ägyptisches Museum Berlin. mini|hochkant|Römischer Spielzeugvogel als Grabbeigabe in Contiomagus Um 200 v. Chr. gab es in Ägypten aus Holz geschnitzte Figuren von Krokodilen und Löwen mit beweglichen Unterkiefern, die ihr Maul weit aufreißen konnten. Aus Ägypten sind verschiedene Holzfiguren von Krokodile erhalten geblieben, die von Kindern an einer Schnur gezogen werden konnten. Im Ägyptischen Museum in Berlin gibt es beispielsweise ein hölzernes Krokodil mit beweglichem Unterkiefer, welches beim Hinterherziehen das Maul auf und zu machen konnte und dadurch größer und bedrohlicher wirkte.Marco Fittà: Spiele und Spielzeug in der Antike. Unterhaltung und Vergnügen im Altertum, S. 70. Des Weiteren waren Puppen aus Holz, Ton, Terrakotta, Knochen und Gips bereits damals im gesamten antiken Mittelmeerraum bekannt. Aus Ägypten blieben viele Puppen erhalten, von denen manche sogar bis in das Mittlere Reich zurückreichen.
Andere Beispiele für „Tierfigürchen“ stammen aus Mesopotamien und dem Iran und reichen bis in das dritte Jahrtausend v. Chr. zurück, wie die Figur eines Löwen aus Susa, der auf einer Steinplatte mit Rädern kauert, sowie die Figur eines Stachelschweins, das ebenfalls auf einem fahrbaren Untersatz mit Rädern befestigt ist.Marco Fittà: Spiele und Spielzeug in der Antike. Unterhaltung und Vergnügen im Altertum, S. 70.
Im alten Ägypten waren Brettspiele wie beispielsweise Dame sehr beliebt, was durch zeitgenössische Wandmalereien belegt wird. Das Lieblingsspiel der ägyptischen Kinder war jedoch das Hund-und-Schakal-Spiel. Zu dem Spiel gehörten Würfel und eine tönerne, buntbemalte Hundefigur, in deren gelöcherten Rücken man lange Holzstifte, die mit einem Schakalkopf verziert waren, stecken konnte.
Neben Tierfiguren, die auf Wagen befestigt waren, sind auch kleine Wagen mit ein, zwei, drei oder vier Rädern aus Mesopotamien, Syrien, Ägypten, Zypern, Griechenland und Rom erhalten.Marco Fittà: Spiele und Spielzeug in der Antike. Unterhaltung und Vergnügen im Altertum, S. 72.
Zu den ältesten überlieferten und erhalten gebliebenen Spielzeugen gehört auch der noch heute als Kinderspielzeug verwendete Kreisel, der bereits in archaischer Zeit große Verbreitung fand.Marco Fittà: Spiele und Spielzeug in der Antike. Unterhaltung und Vergnügen im Altertum, S. 75.
Auf griechischen Vasen finden sich häufig Abbildungen von Kindern mit Spielzeug. Tierfiguren aller Art bestanden aus Holz oder gebranntem Ton und waren zum Ziehen auf Rädern montiert. Tierfigürchen zählen zu den häufigsten Fundgruppen, die aus der Antike erhalten geblieben sind.
Die Griechen maßen dem Spiel der Kinder und damit auch dem Spielzeug sowohl einen großen erzieherischen als auch religiösen Wert bei. So gab es viele Schriftsteller und Dichter, die über Spiele schrieben, leider sind ihre Werke in den seltensten Fällen erhalten geblieben.Marco Fittà: Spiele und Spielzeug in der Antike. Unterhaltung und Vergnügen im Altertum, S. 48. Spielzeug diente in der Antike nicht nur dem Zeitvertreib, sondern vor allem dem Einüben von Verhaltensweisen, die gesellschaftlich erwünscht waren und auf das Erwachsenenleben vorbereiten sollten. So befürwortete schon der Philosoph Platon die gezielte Förderung von natürlichen Begabungen bei Kindern durch das richtige Spielzeug.Claudia Braun: Glanz der Antike. Hochkulturen des Mittelmeerraums in den Reiss-Engelhorn-Museen. Hrsg. von: Alfried Wieczorek und Christoph Lind, Schnell & Steiner Regensburg 2019, S. 89. Der römische Schriftsteller Sueton schrieb ein Buch über die Kinderspiele der Griechen und eines über die Kinderspiele der Römer beide Bücher sind jedoch verschollen.Marco Fittà: Spiele und Spielzeug in der Antike. Unterhaltung und Vergnügen im Altertum, S. 48.
Seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. ist die Existenz von Puppen, meist aus vergänglichen Materialien wie Textilien, Holz oder Wachs nachgewiesen.Claudia Braun: Glanz der Antike. Hochkulturen des Mittelmeerraums in den Reiss-Engelhorn-Museen, S. 89.
Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. sind Puppen mit beweglichen Gliedern (Gliederpuppen) überliefert.Claudia Braun: Glanz der Antike. Hochkulturen des Mittelmeerraums in den Reiss-Engelhorn-Museen, S. 89. In Kindergräbern wurden Puppen und anderes Spielzeug gefunden. Im Römischen Reich und Griechenland hatten Puppen zudem kultische Bedeutung. So stifteten junge Frauen ihre Puppen vor ihrer Hochzeit als Weihegaben in Heiligtümern, Jungen weihten mit Beginn der Pubertät ihre Spielsachen einer Gottheit.Claudia Braun: Glanz der Antike. Hochkulturen des Mittelmeerraums in den Reiss-Engelhorn-Museen, S. 89–90. Aus Elfenbein oder Knochen geschnitzte Puppen stammen vor allem aus römischer Zeit. Genau wie heutige Puppen, konnten die Puppen in der Antike an- und ausgezogen und mit ihnen gespielt werden. Im Römischen Reich gab es sogar vollständige Puppenmöbelgarnituren.
Römische Jungen spielten mit Holzschwertern oder mit Soldaten- und Gladiatorenfiguren.
Bei den Römern wurde Spielzeug beispielsweise bei der Geburt eines Kindes verschenkt, bzw. wenn die Kinder ihren Namen erhielten sowie zum Geburtstag, aus Anlass der Saturnalien bzw. der Sigillaria, welches die Saturnalien fortsetzte und abschloss. Zum Spielzeug gehörte auch die Säuglingsflasche, die neben ihrer praktischen Funktion vor allem durch ihre Form in Gestalt kleiner Tiere wie Schweinchen oder Hunden für Aufmerksamkeit sorgte, ferner waren die Säuglingsflaschen sehr farbenfroh und machten Geräusche, wenn sie leer waren.Marco Fittà: Spiele und Spielzeug in der Antike. Unterhaltung und Vergnügen im Altertum, S. 49. Dazu wurde zuvor eine kleine Kugel oder ein Steinchen im Inneren der Flasche platziert. mini|hochkant|The White King as Child Playing with Other Children Burgkmair
Mittelalter Im Mittelalter herrschte eine große Kluft zwischen Arm und Reich. Für die Kinder der armen Bevölkerungsschichten bestand der Alltag meist aus Arbeit. In der wenigen Zeit, die ihnen zum Spielen blieb, vergnügten sie sich mit einfachsten Dingen, die ihnen die Natur bot. Kinder bastelten aus Kastanien, Eicheln und Tannenzapfen kleine Männchen, mit denen sie spielten, oder erschufen sich aus Sand, Steinen, Ästen und Erde Phatasiewelten.