Das Zahlwort oder Numerale (Plural Numeralia, Numeralien oder seltener Numerale;Elke Hentschel, Harald Weydt: Handbuch der deutschen Grammatik. 3. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2003, S. 256. von ), seltener Numeral,Häufigkeitsvergleich zwischen ‚Numeral‘ und ‚Numerale‘ – beim Google Books Ngram Viewer, in den Jahren zwischen 1810 und 2008. wird in der Sprachwissenschaft manchmal als eigene Wortart angesetzt (die Dudengrammatik zählt allerdings auch die Kardinalzahlen zu den AdjektivenDuden – Die Grammatik. 8. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2009, S. 379.).
Zahlwort im engeren Sinne ist gleichbedeutend mit Zahlenwort (lateinisch Nomen numerale) und bezeichnet einige Nomen, beispielsweise Ordnungszahlwörter und (adjektivische) Grundzahlwörter. Im weitesten Sinne werden mit Zahlwort alle Wörter bezeichnet, die einen Bezug zu Zahlen aufweisen.
Übersicht Semantische Kategorien Deutsche Bezeichnung Lateinisch-deutsche Bezeichnung Beispiele Deutsch Latein Grundzahl[wort] (Hauptzahl[wort]) Kardinalzahl, Kardinale (Pl. Kardinalia) eins, zwei, drei …, hundertdreiundfünfzig … unus, duo, tres … Ordnungszahl[wort] (ordnendes Zahlwort) Ordinalzahl, Ordinale (Pl. Ordinalia) (der) erste, zweite, dritte … primus, secundus, tertius … Wiederholungszahl[wort] Iterativzahl, Iterativum, Quotientivum einmal, zweimal … semel, bis … Vervielfältigungszahl[wort] Multiplikativzahl, Multiplikativum einfach, zweifach … simplex, duplex … Verhältniszahl[wort] Proportionale (Pl. Proportionalia) simplus, duplus … Verteilungszahl[wort], Einteilungszahl Distributivzahl, Distributivum je ein, je zwei … singuli, bini … Gattungszahl[wort] Speziale (Pl. Spezialia) einerlei, zweierlei … Sammelzahl[wort] Kollektivzahl (Collectivum) Dutzend, Gros … Bruchzahl[wort], Teilungszahl[wort] Partitivum (ein) Drittel, Viertel … Gesellschaftszahl Soziativzahl zu zweit, zu dritt …selbander, selbdritt … Folgezahl (ordnendes Zahladverb) erstens, zweitens, drittens … primo, secundo, tertio … Zeitzahl Temporale (Pl. Temporalia) bihorius (zweistündig) … triduus (dreitägig) … trimus & trimulus (dreijährig) … quadrimestris (viermonatlich) … quinquennis (fünfjährig) …
Syntaktische Kategorien
Deutsche Bezeichnung Lateinisch-deutsche Bezeichnung Beispiele beiwörtliches Zahlwort, eigenschaftswörtliches Zahlwort~Zahlbeiwort, Zahleigenschaftswort adjektivisches Zahlwort, quantifiziertes Adjektiv ~ Zahladjektiv, Numeraladjektiv sechs, (der) zweite, dreimalig, viererlei das meiste, die vielen, die einen, die anderen, wenige/die wenigstenZur Groß- und Kleinschreibung von substantivierten Adjektiven und Zahladjektiven siehe Annika Lamer: Richtig schreiben: Gross oder klein? Substantivierungen, Pronomen & Co. 20. August 2018. nebenwörtliches Zahlwort, umstandswörtliches Zahlwort ~ Zahlumstandswort adverbialisches Zahlwort~Zahladverb, Numeraladverb fünfmal, drittens ~ Zahlhauptwort ~ Zahlsubstantiv Million, Hundert (n.), Dutzend
Grundzahlwörter (Kardinalia) Grundzahlwörter (Grundzahlen, Kardinalzahlen, Kardinalia) stellen, wie der Name vermuten lässt, die grundlegenden Zahlwörter dar. Beispiele: eins, zwei, zwölf, siebzehn, hundertdreiundfünfzig
Eins wird nach dem Kasus (Fall) und dem Genus (Geschlecht) dekliniert: ein Mann, eine Frau, ein Kind (allesamt Nominativ) das Kleid einer Frau (Genitiv), gib einem Gedanken Raum (Dativ) Ich gebe dir einen Apfel. (Akkusativ)
Zwei und drei werden, wenn sie sich auf ein Substantiv beziehen, lediglich im Genitiv (Wes-Fall) dekliniert und auch nur dann, wenn der sprachliche Fall nicht schon am vorangehenden Wort erkennbar ist: der Hut zweier Männer das Kleid dreier Schwestern, das Kleid meiner drei Schwestern
Anmerkung: Im Unterschied dazu wird aber ein Nicht-Zahlwort als Zählwort (Numeralklassifikator, als Zähleinheit) nicht dekliniert: Ein Mann, zwei Mann, ein Heer von tausend Mann; ein Stück, zwei Stück
In der militärischen Kommandosprache und bei deutschsprachigen Zahlensendern wird das lautlich verwechselbare zwei ersetzt: eins, zwo, drei
Deutschsprachige Zahlensender ersetzen zur besseren Verständlichkeit zudem noch die fünf und die neun: fünef und neugen
Bildung der Kardinalzahlen im Deutschen Schreibt man Zahlen in Buchstaben, so schreibt man sie zusammen und klein, sofern sie unter einer Million liegen: zum Beispiel 1972 = eintausendneunhundertzweiundsiebzig oder neunzehnhundertzweiundsiebzig.
Zahlen über einer Million schreibt man dagegen getrennt und das Zahlwort groß: zum Beispiel 2.130.419 = zwei Millionen einhundertdreißigtausendvierhundertneunzehn.
Bei der Darstellung von Beträgen mit Dezimalstellen wird die Zahl, welche die Nachkommastellen bezeichnet, durch ein Komma abgetrennt und ihre Ziffern werden einzeln gesprochen; die explizite Nennung des Kommas ist dabei freigestellt: zum Beispiel 752,89 = siebenhundertzweiundfünfzig (Komma) achtneun.
Werden bei Währungseinheiten diese konkret angegeben, wird das Komma nicht genannt; die Nennung des Worts Cent ist dabei freigestellt: zum Beispiel 752,89 € = siebenhundertzweiundfünfzig Euro neunundachtzig (Cent).
{| class="wikitable" |- ! Ziffer || Einer || Zehner || 20 bis 90 || ab 100 |- | 0 || null || zehn || || (ein)hundert (100) |- | 1 || eins || elf || || (ein)hundert(und)eins (101) |- | 2 || zwei || zwölf || zwanzig || zweihundert (200) |- | 3 || drei || dreizehn || dreißig || dreihundert(und)einundzwanzig (321) |- | 4 || vier || vierzehn || vierzig || viertausend (4000) |- | 5 || fünf || fünfzehn || fünfzig || fünftausendzweihundertdrei (5203) |- | 6 || sechs || sechzehn || sechzig || sechs Millionen (6.000.000, 6 Mio.) |- | 7 || sieben || siebzehnsiebenzehn || siebzigsiebenzig || sieben Milliarden (7.000.000.000, 7 Mrd.) |- | 8 || acht || achtzehn || achtzig || acht Billionen (8.000.000.000.000, 8 Bio.) |- | 9 || neun || neunzehn || neunzig || neun Billiarden (9.000.000.000.000.000, 9 Brd.)
Bei Zusammensetzungen aus Zehnern und Einern stehen zuerst die Einer, dann folgt und, dann kommen die Zehner: einundzwanzig (21), neunundneunzig (99).
Ordnungszahlwörter (Ordinalia) Mit Hilfe der Ordnungszahlwörter (Ordnungszahlen, Ordinalzahlen, Ordinalia) ist es möglich, Reihenfolgen zu erstellen (Ordinalzahlen). Die Ordinalzahlen unter zwanzig werden im Deutschen durch die Kardinalzahl und das Suffix -te gebildet. Eins, drei, sieben und acht bilden dabei jedoch Sonderformen. Zahlen ab zwanzig bis hundert erhalten die Endsilbe -ste, danach wieder bis hundertneunzehn -te usw.
1. der erste Ritter (und nicht der einste Ritter) 2. der zweite Platz 3. mein drittes Huhn (und nicht mein dreites Huhn) 4. das vierte Auto 5. die fünfte Prüfung 6. der sechste Treffer 7. der siebte Sinn (gültige Kurzform von siebente) 8. das achte Lebensjahr (nicht das achtte Lebensjahr) 20. der zwanzigste Teilnehmer 31. der einunddreißigste Dezember 58. mein achtundfünfzigster Geburtstag 109. der hundertneunte Vorfall (zuweilen auch einhundertneunte)
Daneben steht adverbial: erstens, zweitens, drittens usw. auch für zuerst, zuallererst
Lateinische Ordinalia sind: …
Daneben kennt das Lateinische eine noch strengere Form, die eine Hierarchie impliziert: … Lateinisch-französisch-deutsche Wörter für diese lateinischen Ordnungswörter sind bis zur Ordnung zehn: 1. primär 2. sekundär 3. tertiär 4. quartär 5. quintär 6. sextär 7. septimär 8. oktaviär 9. noniär 10. dezimär Das Wort primär wird im Deutschen häufig mit an erster Stelle und die weiteren Wörter mit X-rangig umschrieben. Primär und sekundär stehen in direkter Kombination oft auch für vor- und nachrangig.
Ordinalzahlen in der Schrift In der Schrift können Ordinalzahlen neben der Wortform auch in der Zahlform wiedergegeben werden. Heutzutage wird im Deutschen zur Unterscheidung von Kardinalzahlen ein Punkt hinter die Zahl gesetzt. Zum Beispiel bedeutet „der 3. Oktober“ so viel wie „der dritte Oktober“.
In einigen anderen Sprachen verwendet man dagegen unterschiedliche Ordinalzeichen, etwa im Englischen: „1st, 2nd, 3rd, 4th“ für „first, second, third, fourth“, auch hochgestellt geschrieben: 1st, 2nd, 3rd, 4th.
Bildung der Ordinalia im Deutschen Ordnungszahlen werden ähnlich wie normale Adjektive dekliniert: „am ersten Mai, ein erster Anfang, die ersten Blüten“.
{| class="wikitable" |- ! Ziffer || Einer || Zehner || 20 bis 90 || ab 100 |- | 0 || nullte || zehnte || || (ein)hundertste (100.) |- | 1 || erste || elfte || || (ein)hundert(und)erste (101.) |- | 2 || zweite || zwölfte || zwanzigste || zweihundertste (200.) |- | 3 || dritte || dreizehnte || dreißigste || dreihundert(und)einundzwanzigste (321.) |- | 4 || vierte || vierzehnte || vierzigste || viertausendste (4000.) |- | 5 || fünfte || fünfzehnte || fünfzigste || fünftausendzweihundertdritte (5203.) |- | 6 || sechste || sechzehnte || sechzigste || sechsmillionste |- | 7 || siebte, siebente || siebzehnte || siebzigste || siebenmilliardste |- | 8 || achte || achtzehnte || achtzigste || achtbillionste |- | 9 || neunte || neunzehnte || neunzigste || neunbilliardste
Wiederholungszahlwörter (Iterativzahlen) und Vervielfältigungszahlwörter (Multiplikativa) mini|Lateinische Namenswörter für eingefügte Zählungen
Hängt man an eine Kardinalzahl das Suffix -mal, wird daraus ein Wiederholungszahlwort. Wiederholungszahlwörter sind Adverbien, sie antworten auf die Frage: „wie viel Mal?“
Man unterscheidet zwischen bestimmten und unbestimmten Wiederholungszahlwörtern: bestimmt: einmal, viermal, zwölfmal unbestimmt: manchmal, mehrmals, vielmals
Wiederholungszahlwörter dürfen (nach reformierter wie auch nach unreformierter Schreibung) getrennt geschrieben werden, a) wenn es sich um mehrgliedrige Numerale handelt (drei Millionen Mal), b) wenn eine Beugung vorliegt (hunderte Male) oder c) zu Betonungszwecken (drei Mal).
Fügt man zusätzlich das Suffix -ig hinzu, wird das Wiederholungszahlwort zu einem Adjektiv (Beispiel: einmalig).
Vervielfältigungszahlwörter (Multiplikativa) sind: zweifach, vierfach usw., unbestimmt mehrfach, vielfach Für „zweifach“ existieren auch das Wort doppelt sowie die veraltete Wortform zwiefach.
Daneben gibt es auch die altertümliche Form auf -falt, die nur mehr in Wörtern wie Dreifaltigkeit, Vielfalt, mannigfaltig überlebt hat, bei einfältig ist der numerale Aspekt verloren gegangen.
Latein bildet , … (Iterativa), , … (Multiplikativa) und , … (Proportionalia), Englisch , …
Insbesondere im Französischen sind die lateinischen Namenswörter gebräuchlich, wenn Nummern eingeschoben werden sollen: beispielsweise: 1, 1a, 1b, 2 bzw. 1, 1-bis, 1-ter, 2.
Verteilungszahlwörter (Distributiva)
Die Zahlwörter des Distributivs werden im Deutschen nicht als Wort gebildet, sondern mit je umschrieben: je eines, je zwei, je drei usw.
Im Lateinischen existiert aber eine eigene Wortform: , …
Funktionsähnlich sind auch die Wörter einzeln und einzig, als Exklusiv, und paarweise, paarig zu einem Dual. Die -el-Bildung gibt es sonst nur mehr bei dem Wort Zwiesel zu zwei. Auch eine Bildung zum mit Ordinalzahlwort kommt vor, wenn sich ordnender und verteilender Aspekt mischen: zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten usw. (urspr. wörtlich als ‚zu dem ersten [geordnet]‘ zu verstehen); zum einen, zum anderen als unbestimmte Form
Gattungszahlen, Sammelzahlen (Kollektiva) und Gesellschaftszahlen Gattungszahlen beschreiben eine bestimmte Anzahl verschiedener Arten und werden deutsch auf -(er)lei gebildet
einerlei, zweierlei, dreierlei – ‚einerlei‘ hat eine starke nicht-numerale Bedeutung (‚gleichgültig‘), der Zahlaspekt ist veraltend („Alle von einerlei Art“), und wird durch ‚einzeln‘, ‚einzig‘, oder dem verstärkenden ‚einunddasselbe‘ ersetzt unbestimmt sind mehrerlei, mancherlei, vielerlei, allerlei, auch hunderterlei, tausenderlei werden in unbestimmten Sinne angewandt (Er quält mich mit tausenderlei Kleinigkeiten.)
Gesellschaftszahlen drücken Zusammengehöriges aus. Die Gesellschaftszahl beide, als Rest eines westgermanischen Duals, wird im Allgemeinen wie ein Adjektiv dekliniert: