Die Airbus SE (von 2000 bis 2013 EADS für European Aeronautic Defence and Space) ist Europas größter Luft- und Raumfahrt- sowie (nach BAE Systems) zweitgrößter Rüstungskonzern. Mit einem Umsatz von rund 52 Milliarden Euro war Airbus im Jahr 2021 das drittgrößte Luft- und Raumfahrtunternehmen der Welt. Zum Jahreswechsel 2013/14 übernahm der Konzern den Namen seiner Tochtergesellschaft Airbus S.A.S., die als Flugzeughersteller im Bereich Verkehrsflugzeuge tätig ist. Das Unternehmen beschäftigt an mehr als 70 Entwicklungs- und Produktionsstandorten in Europa sowie in 35 Außenbüros weltweit rund 157.000 Mitarbeiter (Stand 2024). Seit der Gründung im Jahr 2000 werden die Aktien des Konzerns an den Börsen Paris und Frankfurt gehandelt und in den französischen Leitindex CAC 40 sowie seit dem 20. September 2021 in den DAX einbezogen.

Geschichte

Vorläufer

Der Flugzeughersteller Airbus Industrie GIE (später Airbus S.A.S.) wurde 1970 als Konsortium der französischen Aérospatiale (im selben Jahr entstanden aus Fusion zwischen Nord Aviation, Sud Aviation und SÉREB) und der Deutschen Airbus GmbH gegründet, die wiederum aus einer Kooperation von Dornier-Werken, Hamburger Flugzeugbau, Messerschmitt AG, Siebel Flugzeugwerken und Vereinigten Flugtechnischen Werken hervorging und zuletzt durch Fusionen noch die Gesellschafter Messerschmitt-Bölkow-Blohm und VFW-Fokker hatte.

Die spanische Construcciones Aeronáuticas S.A. (CASA) trat dem Konsortium 1971, British Aerospace 1979 bei. Bis zur Gründung der EADS im Jahr 2000 hielten Aérospatiale-Matra und die VFW-Fokker-Nachfolger DASA je 37,9 % an der Airbus GIE, British Aerospace 20 % und CASA 4,2 %.

Gründung EADS EADS wurde am 10. Juli 2000 gegründet und hat sich seither zum größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern entwickelt. Er entstand aus einer Fusion der deutschen DASA, der französischen Aérospatiale-Matra und der spanischen CASA. Der Konzern gliederte sich in folgende Geschäftsbereiche (Divisionen):

Divisionen/operative Struktur (Leitung) Airbus EADS Airbus (Noël Forgeard) Military Transport EADS CASA (Alberto Fernández) Aeronautics EADS Deutschland (Aloysius Rauen) Eurocopter (Jean-François Bigay) EADS ATR (Jean-Michel Leonard) EFW (Dierk Minke) EADS Sogerma (Yves Richard) EADS Socata (Philippe Debrun) Space Astrium (Armand Carlier, Joseph Kind, Klauss Ensslin) EADS Launch Vehicles (Philippe Couillard) Defence and Civil Systems Defence Electronics (Stefan Zoller) Service (Jacques Vannier) Missiles MBD (Fabrice Brégier) Aerospatiale Matra Missiles (Pierre Dubois) Missiles LFK (Werner Kaltenegger) Telecommunications (Jacques Payer)

Die Aktienanteile waren bei der Unternehmensgründung wie folgt verteilt: 34,5 % der Aktien wurden an den Börsen ausgegeben und befanden sich im Streubesitz, 30,0 % hielt die Daimler AG (Verkauf der letzten Anteile: 2013), 30,0 % halten die Lagardère-Gruppe (15 %) (2013 verkaufte Lagardere die Anteile) und der französische Staat (15 %), 5,5 % hält die spanische SEPI.

Im selben Jahr übernahmen der Deutsche Rainer Hertrich sowie der Franzose Phillippe Camus die Positionen der Vorsitzenden (Chief Executive Officers). Aufgrund von Uneinigkeiten zwischen den Anteilhabern von Airbus und der Separierung von BAE Systems integrierte die EADS zu 80 % das Unternehmen Airbus, 20 % hingegen verblieben bei BAE Systems. Aus diesem Grund trug Airbus folgenden Untertitel: „“ (deutsch: ein Gemeinschaftsunternehmen von EADS und BAE Systems).

mini|Airbus A380 Ende des Jahres verkündete Airbus offiziell den Start des A380-Programms, für den bis dahin 50 feste Kaufzusagen eingegangen waren.

2001 bis 2002 Im Jahr 2001 versuchte EADS kontinuierlich, neue Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. Daraus resultiert die zu jeweils 50 % der EADS und Thales Nederland gehörende ET Marinesysteme in Wilhelmshaven, die Marinekampfführungssysteme herstellt. Das Ziel von EADS war eine breitere Positionierung am Markt und die Erschließung neuer Geschäftsfelder. Auch MBDA ist ein Joint Venture unterschiedlicher Unternehmen wie Aerospatiale Matra Missiles, Matra BAE Dynamics und Alenia Marconi Systems. Dieses Rüstungsunternehmen stellt Lenkflugkörper her, die unter anderem bei den Kampfflugzeugen Eurofighter EF 2000, Dassault Rafale und Saab JAS-39 Gripen zum Einsatz kommen.

Ebenfalls im Jahre 2001 wurde die EADS Aeroframe Services LLC gegründet. Dieses Joint Venture zwischen EADS (81 %) und Northrop Grumman (19 %) ist für die Betreuung aller in Nord- und Südamerika operierenden Airbus-Flugzeuge zuständig. Nach der Entscheidung der polnischen Regierung, ihre Streitkräfte durch die Produkte der EADS aufzurüsten (unter anderem durch die C-295), erwarb die EADS 85 % des Aktienkapitals von PZL „Warszawa-Okęcie“ und integrierte das Unternehmen mit der neuen Bezeichnung „EADS PZL“ vollständig in EADS. Die EADS konnte durch ein gesteigertes Auftragsvolumen mit Neuaufträgen beim Airbus A380, beim A400M und beim Eurocopter Tiger ihre Wettbewerbsfähigkeit vor allem gegenüber der US-amerikanischen Konkurrenz von Boeing stärken.

mini|Im Jahr 2002 wurde der Unterstützungshubschrauber Tiger (UHT) vorgestellt.

Neben zahlreichen Neuvorstellungen und Erstflügen (A318, EC 145, Eurocopter Tiger, Eurofighter Typhoon) begann die Produktion des weltweit größten Passagierflugzeugs, des Airbus A380, und die EU erteilte die Genehmigung zum Bau eines eigenen Satellitennavigationssystems namens Galileo.

2002 konnte EADS seinen Umsatz erneut über Aufträge steigern – vor allem im militärischen Sektor und in der Zusammenarbeit mit den USA.

Erstmals gelang es Airbus durch einen Vertrag mit easyJet über 120 Airbus A319, dem Hauptkonkurrenten Boeing im Bereich der Billigfluggesellschaften Marktanteile abzugewinnen. Zugleich übernahm EADS die vollständige Führung von Astrium und Paradigm, nachdem die Anteile von BAE Systems aufgekauft worden waren. EADS wurde erstmals im deutschen MDAX-Aktienindex gelistet.

2003 – Neustrukturierung Die vergrößerte Marktpalette und die größere Produktvielfalt der EADS zwangen das Unternehmen zur Neustrukturierung. Daraus ging als einer der fünf Geschäftsbereiche – Divisionen genannt – die EADS Defence and Security Systems hervor. Ziel der neuen Division war die Bündelung der militärischen Geschäftsfelder des Unternehmens. So wurden ihr unter anderem die Geschäftsbereiche Military Aircraft, Defence Electronics, Defense and Communications Systems, Missiles und Services unterstellt.

Der Konzern gliederte sich in folgende Geschäftsbereiche (Divisionen).

Divisionen (Leitung)/operative Struktur (Leitung) Airbus (Noël Forgeard CEO, Gustav Humbert COO) Military Transport Aircraft (Francisco Fernández Sáinz) Aeronautics (Dietrich Russell) Eurocopter (Fabrice Brégier) ATR (Jean-Michel Leonard) Elbe Flugzeugwerke (Horst Emker) EADS Sogerma Service (Yves Richard) EADS Socata (Stéphane Mayer) Defence and Security Systems (Thomas Enders) Military Aircraft (Johann Heitzmann) Defence and Communication Systems (Stefan Zoller, Patrick Jourdan) Defence Electronics (Bernhard Gerwert) MBDA (Marwan Lahoud) EADS/LFK (Werner Kaltenegger) EADS Services (Jacques Vannier) Eurofighter (Aloysius Rauen) Space (François Auque) EADS Astrium (Antoine Bouvier) EADS SPACE Transportation (Josef Kind, Hervé Guillou) EADS SPACE Services (Eric Béranger)

Weiterhin war das Jahr 2003 durch eine Erweiterung der globalen Unternehmensanteile vor allem in den USA und Russland geprägt. Auch die EADS-Tochter Airbus war erfolgreich. So wurde erstmals in der Geschichte der zivilen Luftfahrt das Auftragsvolumen des Hauptkonkurrenten Boeing übertroffen und Airbus somit zum Marktführer beim Bau ziviler Passagierflugzeuge.

Auch der globale Ausbau wurde mit der Gründung der EADS Russland weiter vorangetrieben, dem ersten Konstruktionszentrum von Airbus außerhalb der Gründungsstaaten. Ende des Jahres wurde von der EADS und BAE Systems die Vermarktung des A350 beschlossen. Die Entwicklung dieses Passagierflugzeugs wurde durch potenzielle Kunden kritisiert: es beinhalte gegenüber dem Konkurrenzmodell, der Boeing 787 Dreamliner, zu wenige Innovationen. Dies veranlasste Airbus zu einer Überarbeitung.

2005 – Führungswechsel mini|Der Eurofighter Typhoon Nach heftigen internen Auseinandersetzungen ergaben sich Veränderungen in der Führung. Thomas Enders und Noël Forgeard wurden gleichberechtigte Präsidenten (CEOs) von EADS, während Gustav Humbert die Leitung von Airbus übernahm. Als Konsequenz wurden innerhalb der EADS-Führungsebene ebenfalls zwei – jeweils für Strategie, Internationales Geschäft sowie Finanzen – bestimmt. Diese waren der Franzose Jean-Paul Gut und der Deutsche Hans-Peter Ring. Im Juni 2005 wurde der frühere Geschäftsbereich Aeronautics aufgelöst und ein neuer Geschäftsbereich Eurocopter geschaffen. Die Geschäftseinheiten ATR und EADS Socata wurden unter die direkte Verantwortung des EADS COO gestellt.

Der Konzern gliederte sich 2005 in folgende Geschäftsbereiche (Divisionen):

Divisionen (Leitung)/operative Struktur (Leitung) Airbus (Gustav Humbert) EADS Sogerma Service (Anne-Marie Perus) Elbe Flugzeugwerke (Horst Emker) Military Transport Aircraft (Francisco Fernández Sáinz) Eurocopter (Fabrice Brégier) Defence and Security Systems (Stefan Zoller) Military Air Systems (Johann Heitzmann) Defence and Communication Systems (Hervé Guillou) Defence Electronics (Bernhard Gerwert) MBDA (Marwan Lahoud) Eurofighter (Aloysius Rauen) Space (François Auque) EADS Astrium (Antoine Bouvier) EADS SPACE Transportation (Evert Dudok, Alain Charmeau) EADS SPACE Services (Eric Béranger)

Das Jahr 2005 war vor allem durch die Vorstellung des Airbus A380 geprägt. Aber auch andere wichtige Produkte wie der Eurofighter Typhoon wurden nun erstmals in der Endkonfiguration an die Kunden ausgeliefert.

2006 bis 2009 Am 2. Juli 2006 trat Noël Forgeard als EADS-CEO zurück, sein Nachfolger wurde der bisherige Chef der französischen Eisenbahngesellschaft SNCF, Louis Gallois. Gleichzeitig trat Gustav Humbert von seiner Funktion als Chef von Airbus zurück. Sein Nachfolger wurde im Juli 2006 Christian Streiff.

Im August 2006 erhielt EADS einen Großauftrag im Umfang von 3 bis 4 Milliarden Euro zum Aufbau eines neuen digitalen Polizeifunknetzes TETRA für Deutschland in Kooperation mit Siemens.

BAE Systems verkaufte für 2,75 Milliarden Euro ihren 20-prozentigen Airbus-Anteil an EADS, die damit Alleineigentümer von Airbus wurde. Ebenfalls im August 2006 kaufte die staatliche russische Außenhandelsbank VTB (früher Vneschtorgbank) 5,02 % der Aktien der EADS. Das Aktienpaket habe etwa 781 Mio. Euro gekostet, berichtete die Moskauer Wirtschaftszeitung Wedomosti. Gemäß der Zeitung sagten russische Regierungsvertreter, Moskau wolle mit dem Engagement langfristig auch Einfluss auf die Führung von EADS nehmen. Die Wneschtorgbank habe zum Einstieg den Kurssturz genutzt, der die EADS-Papiere in den vergangenen Monaten wegen des internen Streits und der Probleme beim Bau des Riesenflugzeugs A380 getroffen hatte. Im Oktober gaben Vertreter der Wneschtorgbank bekannt, dass sie ihren Anteil auf sechs bis sieben Prozent aufgestockt hätten, berichtete das französische Wirtschaftsmagazin Les Echos.

Anfang Oktober 2006 trat Christian Streiff nach nur drei Monaten von seiner Funktion zurück, die nun von Louis Gallois zusätzlich zu seinen Funktionen bei EADS übernommen wurden. Gallois kündigte im Oktober 2006 für die Endmontage der A380 einen Standortwettbewerb zwischen Hamburg und Toulouse an.