mini|Industrieller Torfabbau am Naturschutzgebiet Ewiges Meer in Ostfriesland mini|Industrieller Torfabbau in Südmoslesfehn im Landkreis Oldenburg mini|Wiedervernässte Abbaufläche im Großen Moor bei Uchte mini|Torfstiche im Peenetal bei Gützkow in Vorpommern mini|Werbung für Torfstreu in Ballen aus dem Bozener Tagblatt Der Tiroler von 1924

Torf ist eine biogene Substanz, die sich durch die sedentäre (ortsgebundene) unvollständige Zersetzung abgestorbener Pflanzenteile unter wassergesättigten Bedingungen bildet, typischerweise in Mooren. Aufgrund des Sauerstoffmangels und der besonderen chemischen Bedingungen wird die Tätigkeit der Bodenlebewesen stark gehemmt, sodass die Pflanzenreste nur teilweise zersetzt werden. Torf besteht aus wechselnden Anteilen von Huminstoffen sowie, je nach Zersetzungsgrad, noch erkennbaren Pflanzenresten, die in schwach zersetzten Torfen überwiegen und in stark zersetzten Torfen kaum noch vorhanden sind. Torf ist die wesentliche Grundlage zur Bildung des Bodentyps Histosol.

Moore mit intakter Torfschicht speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie Wälder, wobei eine 15 Zentimeter mächtige Torfschicht etwa gleichviel Kohlenstoff bindet wie ein hundertjähriger Wald auf einer gleichgroßen Fläche. Durch die Entwässerung von Mooren werden Kohlenstoffdioxid und andere klimawirksame Gase freigesetzt, die den Treibhauseffekt zusätzlich verstärken und so die globale Erwärmung beschleunigen.Moore und Klimawandel. Moore sind unverzichtbare Kohlenstofflager und -speicher. Naturschutzbund Deutschland, abgerufen am 3. August 2024.

Traditionell diente der Torfstich der Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen, wobei der getrocknete Torf als Brennstoff genutzt wurde. Noch immer spielt Torf als Substrat im Gartenbau eine wichtige Rolle. Da es jedoch tausende Jahre dauert, bis sich eine Torfschicht von einem Meter gebildet hat, überschreitet die Nachfrage vielerorts das Angebot. Nach Angaben des Industrieverbandes Garten wurden in Deutschland 2019 etwa 4,7 Millionen Kubikmeter Torf pro Jahr abgebaut, wobei zusätzlich die gleiche Menge importiert wurde.Torf: unersetzlich oder verzichtbar? Bundesinformationszentrum Landwirtschaft, abgerufen am 3. August 2024.

Aus diesen Gründen soll der Torfabbau gestoppt werden, um eine Renaturierung der Moore durch Wiedervernässung zu ermöglichen. Daher soll Pflanzenerde im nichtkommerziellen Gartenbau bis 2026 torffrei werden, während der kommerzielle Gartenbau für die Umstellung bis 2030 Zeit hat.Schutz intakter Moore und Wiedervernässungen. Ausstiegsplan für Torfabbau und –verwendung und Entwicklung von Ersatzstoffen. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, abgerufen am 3. August 2024.

Etymologie Die Bezeichnung Torf für den aus Mooren gewonnenen Brennstoff aus vermoderten Pflanzenresten wurde im 16. Jahrhundert aus dem Nieder- ins Hochdeutsche übernommen und geht auf das altniederdeutsche turf zurück. Das Wort ist innerhalb der germanischen Sprachen eng verwandt mit englisch turf und niederländisch turf, die beide jeweils auch gleichbedeutend mit dem deutschen Torf sind. Weitere Verwandtschaft besteht zu , und dessen Äquivalenten in den anderen slawischen Sprachen. mini|links|Torf mit erkennbaren Pflanzenresten

Torfarten mini|Fasergewebe im Torf Ab einem Gehalt an organischer Substanz von 30 Prozent (Rest: Wasser und Mineralien) heißt die Ablagerung Torf; Gehalte unter 30 Prozent werden als Feuchthumus oder (etwas veraltet) als Moorerde bezeichnet. Niedermoortorf, der sich in Niedermooren bildet, unterscheidet sich von Hochmoortorf, der ausschließlich in Hochmooren entsteht. Einige Wissenschaftler klassifizieren auch Übergangstorf, der in seinen Eigenschaften zwischen dem Nieder- und dem Hochmoortorf vermittelt.

Entsprechend dem Grad der Verdichtung wird zwischen Weißtorf, Brauntorf und Schwarztorf unterschieden, die unterschiedliche Brennwerte besitzen. Der helle Weißtorf lässt die Struktur der Pflanzen noch deutlich erkennen, bei weiterer Zersetzung entsteht ein – wenigstens bei Betrachtung mit bloßem Auge – homogener, strukturloser Körper, der „Brauntorf“ oder „Bunttorf“ genannt wird. Die älteste Torfschicht ist der Schwarztorf. Die unteren Schichten eines Torflagers sind dabei als GrautorfGrautorf Ostfriesisch in der Zersetzung weiter als die oberen fortgeschritten. Sie sind älter, größerem Druck ausgesetzt und wurden während der Entstehung auch durchlüftet. Weißtorf ist dabei reich an Fulvosäuren und Schwarztorf reich an Huminsäuren.

Weitere je nach dem Grad der Zersetzung verwendete Begriffe sind: Rasen-, Faser- und Pechtorf. Rasentorf ist die jüngste Bildung und besteht aus wenig veränderten, noch gut erkennbaren Pflanzenresten. Er ist gelbbraun und locker. Fasertorf besteht aus brauner, bereits strukturlos gewordener Masse und ist mit Fasern schwer zersetzbaren Pflanzenmaterials durchzogen. Pechtorf ist dunkler und kompakter als Fasertorf. Er ist der älteste, schwerste Torf und zeigt kaum noch erkennbare Pflanzenreste.

Weißtorf wird als Düngetorf zur Auflockerung von Blumenerde verwendet. Die Bezeichnung ist irreführend, da der Gehalt an düngenden Mineralien keine hinreichend breite Zusammensetzung zur ausgewogenen Anreicherung von Mangelböden bietet. Die ökonomische Bedeutung ist zugunsten der ökologischen Neubewertung nasser Moorflächen erheblich verändert.

Entstehung mini|Torfmoose sind in sauren Hochmooren die wichtigsten torfbildenden Pflanzen

Wo die Bodenbeschaffenheit eine Ansammlung von stehendem seichtem Wasser in flachen Seen und Senken der Flussauen gestattet, wird jenes im Laufe der Zeit eutrophieren und durch die abgestorbenen Pflanzenreste verlanden. So entstandener Torf wird als limnischer Torf bezeichnet. Versumpfen terrestrische Böden, etwa durch vermehrten Grundwasserzufluss oder die Verringerung der Verdunstung, wird der Torf als terrestrisch oder semiaquatisch bezeichnet.

Die Entstehung von Torf geht sehr langsam vor sich. Als Durchschnittswert für die Torfablagerung in einem Moor ist ein Mittelwert von 1 mm pro Jahr anzusetzen, es sind aber auch Neubildungen bis zu 10 mm pro Jahr bekannt. Die Entstehung des norddeutschen Teufelsmoores bei Worpswede benötigte ca. 8000 Jahre.

Zunächst entsteht ein nährstoffreiches Niedermoor mit Niedermoortorf. Bei geeigneten Bedingungen koppelt sich die Oberfläche des Moores durch Auflagerungen allmählich vom stehenden Grundwasser in der Senke ab. Das Moorwasser hat nun einen niedrigen pH-Wert um die 3,4–3,7, kaum noch Nährstoffe und nur wenig Sauerstoff sind gelöst, so dass die aerobe und anaerobe Zersetzung pflanzlicher Substanzen gehemmt ist. An diese Bedingung sind die Hochmoor-Pflanzengesellschaften angepasst, deren Ablagerungen den Hochmoortorf bilden.

Des Weiteren können die Torfkörper in den Mooren vertikal gegliedert werden in den aufliegenden Akrotelm (Torfbildungs-Horizont) und den darunter befindlichen Katotelm (Torfakkumulations-Horizont). Der Akrotelm umfasst die nur wenige Zentimeter dicke lebende Vegetationsschicht (euphotische Zone), bestehend aus Torfmoosen und Gefäßpflanzen, sowie die direkt darunterliegende Torfschicht (aphotische Zone und Verdichtungszone). Diese besteht primär aus den immer stärker komprimierten und zersetzten Pflanzenresten, die aerob abgebaut werden, da noch ausreichend Sauerstoff vorhanden ist. Der Katotelm ist wesentlich dichter gelagert, ständig wassergesättigt und weist rund hundertfach geringere Abbauraten auf. Der mikrobielle Abbau verläuft aufgrund des kaum bis nicht vorhandenen Sauerstoffs rein anaerob ab und bilden Schwefelwasserstoff und das charakteristisch schwarz gefärbte Eisensulfid. Auch die Wasserflussraten sind extrem gering.

Pflanzen, die zur Vermoorung und Vertorfung führen, kommen in großer Anzahl vor und wuchern stark, sie treiben aber besonders verfilzte Wurzeln. Dazu zählen Heiden wie Besenheide und Glocken-Heide, Sauergräser, besonders Seggen-Arten und Wollgräser und Simsen sowie Binsen, Schwarz-Erlen, vor allem aber Torfmoose (Sphagnum). In hoch gelegenen Regionen kann auch die Bergkiefer (Pinus mugo) eine Rolle spielen. Je nach Beteiligung einzelner der genannten Pflanzen an der Moorbildung, der Ökologie und den hydrologischen Verhältnissen werden Niedermoore, Zwischenmoore sowie Hochmoore unterschieden. In Ersteren dominieren Seggenriede, Röhrichte und Bruchwälder, in den nährstoffärmeren Zwischen- und Hochmooren sind Torf- und Braunmoose die Haupttorfbildner. Moore sind bedeutende natürliche Kohlenstoffspeicher.

Torf bildet sich fast ausschließlich in Mooren und Moorwäldern, da hier die entscheidenden Bedingungen für die Torfbildung vorliegen. Doch auch in anderen Typen von Feuchtgebieten kann unter ähnlichen Bedingungen Torf entstehen: In Flussauen, alten Flussarmen, langfristig überfluteten Sümpfen (etwa Raphiatorfsumpfwäldern im tropischen Afrika), stark vernässtem Marschland (Schwemmtorf) oder Brackwassertorfe im Watt oder tropischen Mangrovengebieten. Im englischsprachigen Raum ist die Bezeichnung peatlands („Torfgebiete“) für alle Feuchtgebiete üblich, in denen grundsätzlich Torf vorkommen kann.Alexandra Barthelmes, Cosima Tegetmeyer, Hans Joosten, Patrick Scheel: The State of the World’s Peatlands in Maps. United Nations Environment Programme, 2024, ISBN 978-92-807-4197-1, DOI:10.59117/20.500.11822/46635, online abgerufen am Donnerstag, 30. Januar 2025, S. 9–14.

Torfabbau

mini|Torfabbau im Wurzacher Ried mini|Torftrocknung im Freilichtmuseum Hjerl Hede in Dänemark

Erste Kultivierungsmaßnahmen in manueller Bearbeitung in weiten Moorgebieten Norddeutschlands waren bis in das 18. Jahrhundert die Entwässerung über Gräben und nachfolgendes Abbrennen der Flächen. Ausgiebige Torfbrände verursachten bis ins 19. Jahrhundert den Heerrauch.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wird Torf nach dem Tagebauverfahren in entwässerten offenen Gruben gewonnen. Weißtorf wird nach Entwässerung der Lagerschichten durch aufnehmendes Fräsen und das Volumen reduzierendes Pressen für den Handel aufbereitet. Schwarztorf wurde früher manuell gestochen und in Horden oder Hocken an der Luft getrocknet. Heute wird Torf auch nicht mehr maschinell gestochen, sondern im Fließverfahren gefräst oder gebaggert und zunächst durch Pressen und schließlich durch offene Lagerung bis zur Verwertung getrocknet.

Traditionell wurde Torf vor allem als Heizmaterial verwendet. Da Moore von Ökologen mittlerweile als bewahrenswerte Biotope angesehen werden, findet in Deutschland ein Abbau aus intakten Mooren nicht mehr statt, vornehmlich werden bereits in der Vergangenheit trockengelegte ehemalige Moore als Torflagerstätten genutzt. In Skandinavien und Irland wie auch im Baltikum wird Torf noch lokal beschränkt zur Energie- und Wärmegewinnung abgebaut und dient vor allem der lokalen Versorgung.

Die Eigenschaften von Niedermoor- und Hochmoortorfen unterscheiden sich beträchtlich. Niedermoore spielen außer bei Urbarmachung wirtschaftlich keine Rolle, nur in geringen Mengen wird Niedermoortorf für balneologische Zwecke abgebaut. Die Nutzung von Torf als Brennstoff an der Nordseeküste ist bereits durch Plinius überliefert; auch ein arabischer Reisender des 10. Jahrhunderts berichtet von „brennbarer Erde“. Hochmoortorf hat seit dem 15. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts sowie in Notzeiten des 20. Jahrhunderts als Brennstoff in Form des minderwertigen Splinttorfes große Bedeutung besessen. Gegenwärtig wird er hauptsächlich in der Pflanzenindustrie und sowohl von Berufs- wie Hobbygärtnern in großen Mengen verwendet.