Kingston upon Hull [], kurz Hull [], ist eine englische Stadt (City), die am Nordufer der Flussmündung des River Hull in den Humber gelegen ist. Sie stellt eine Unitary Authority innerhalb der zeremoniellen Grafschaft East Riding of Yorkshire dar und hatte 2022 etwa 267.000 Einwohner. Im Jahre 1299 wurde die Stadt durch Eduard I. nach King's Town benannt. Damals war Hull eine Minderstadt, besaß einen für das Militär wichtigen Hafen und war Zentrum des Handels, der Fischerei, des Walfangs und der Industrie. Hull war zudem ein früher Schauplatz der englischen Bürgerkriege. Im 18. Jahrhundert war die Stadt durch den Parlamentarier William Wilberforce Schauplatz der Ereignisse, die zur Aufhebung des Sklavenhandels in Großbritannien führten.

Besonderheiten Die Stadt besaß bereits im Jahre 1902 ein eigenes Fernsprechsystem sowie Telefonzellen und war damit einzigartig im Vereinigten Königreich. Nachdem sie schwere Schäden während des Zweiten Weltkriegs erlitten hatte, hatte sie mit einer Zeit des postindustriellen Abschwungs zu kämpfen, was sich ungünstig im sozialen Bereich, in den Bereichen Ausbildung und der Politik auswirkte. Jedoch hat die Stadt ein umfangreiches Programm der ökonomischen Regeneration und der Erneuerung in Angriff genommen.

Hull war die Heimat einiger namhafter Dichter wie zum Beispiel Philip Larkin; viele seiner Gedichte haben Hull als Schauplatz. Hier kann man Erfahrungen im Gebiet sowohl klassischer als auch populärer Musik machen, und verschiedene Museen bieten einen Einblick in die Geschichte und Entwicklung der Stadt Hull. Zusammen mit einem regen Nachtleben und populären Kunstfestivals zieht Hull Besucher aus einer weiten Region an.

Sportliche Zuschauerevents umfassen Profifußball sowie zwei Rugbyvereine. Amateursportvereine bieten zudem ein breites Angebot der aktiven Teilnahme an.

Die University of Hull sowie die Hull-York-Medical School befinden sich in der Stadt. Um die Seegeschichte der Stadt fortzuführen, bietet die seit langem bestehende Hull Trinity House School die Ausbildung zum Matrosen an.

Der lokale Akzent unterscheidet sich in seinen Vokaltönen deutlich vom Rest der Yorkshire-Region; er ähnelt jenem von Lincolnshire und wird mit demjenigen der ehemaligen Grafschaft Humberside in Verbindung gebracht.

Geographie mini|Das Flutschutzwehr des Hull an der Mündung in den Humber gelegen Kingston upon Hull ist 248 Kilometer nördlich von London am Nordufer der Mündung des Humbers in die Nordsee gelegen. Das Stadtzentrum befindet sich westlich des Hulls und nahe am Humber. Der Untergrund der Stadt besteht aus alluvialem Schwemmboden sowie glazialen Ablagerungen. Darunter befindet sich Kalkgestein, welches jedoch keinen Einfluss auf die örtliche Topographie hat. Das Stadtgebiet ist allgemein sehr flach und liegt lediglich 2 bis 4 Meter über dem Meeresspiegel. Die Orte Drypool, Marfleet und Sculcoates sowie die meisten Ortsteile der Gemeinde Sutton wurden im 19. und 20. Jahrhundert nach Hull eingemeindet. Seitdem wurde viel dazwischenliegendes Land bebaut; auch in sozialen und wirtschaftlichen Bereichen sind die Orte dadurch seit langem untrennbar von der Stadt geworden. Lediglich Sutton behielt sich bis ins späte 20. Jahrhundert ein eigenständiges Ortsbild, wenngleich der Ort von Süden und Osten her durch die Bebauung anderer Vororte erreicht wurde. Bis zu ihrer Eingemeindung nach Hull waren die vier Orte eigenständige Gemeinden mit städtischem Charakter. Drypool und Sculcoates wurden 1837 eingemeindet, Maryfleet im Jahre 1882, Sutton folgte schließlich 1929. Die derzeitigen Grenzen der Stadt sind fest gezogen und schließen viele Orte der Metropolregion aus, von denen Cottingham die größte ist. Die Stadt ist von der städtisch geprägten Grafschaft East Riding of Yorkshire umgeben.

Manche Gebiete Hulls liegen unter dem Meeresspiegel. Das Flutschutzwehr des Flusses Hull befindet sich an der Mündung ins Humberdelta und wird gesenkt, wenn ungewöhnlich hohe Sturmfluten erwartet werden. Dies geschieht 8- bis 12-mal pro Jahr und schützt somit etwa 10.000 Menschen vor Überflutungen. Wegen der niedrigen Höhe der Stadt wird davon ausgegangen, dass im Zuge der globalen Erwärmung die Gefahr von Überflutungen ansteigt. Hull war vom Hochwasser des Jahres 2007 teils schwer betroffen, da bedingt durch die Topographie das Wasser kaum abfloss und lange an Ort und Stelle blieb. Etwa 20 % aller Gebäude sowie 90 von 105 Schulen der Stadt waren betroffen. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Lage der Stadt von den Medien größtenteils übersehen, welche ihren Blick mehr auf die weit schlimmeren Überflutungen in Sheffield und Doncaster richteten. Dies ließ den Ratsvorsitzenden Carls Minns zu der Aussage verleiten, Hull sei die „vergessene Stadt“ des Hochwassers. Die Schäden allein an den Schulen beliefen sich auf umgerechnet etwa 115 Millionen €.

Klima mini|Klimadiagramm von Kingston upon Hull Mit seiner Lage in Nordengland besitzt Hull ein gemäßigt ozeanisches Klima, welches vom Durchzug von Tiefdruckgebieten geprägt ist. Das Wetter wechselt beinahe jeden Tag; durch den Einfluss des Golfstroms ist die Region in Bezug auf ihren Breitengrad sehr mild. Regen fällt an etwa 109 Tagen im Jahr, der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt bei 565 Millimetern. Der Januar ist üblicherweise der kälteste Monat und der November der nasseste. Der wärmste Monat ist der August, während der Februar der trockenste ist.

Am 27. Februar 2008 gegen 1 Uhr Ortszeit befand sich Hull etwa 48 Kilometer (30 Meilen) nördlich des Epizentrums eines Erdbebens mit der Stärke 5,3 auf der Richterskala. Das Beben dauerte etwa 10 Sekunden und war für diese Breiten ein ungewöhnlich starkes Beben.

Geschichte Die erste Siedlung am Zusammenfluss von Hull und Humber wurde von Mönchen der Zisterzienserabtei Meaux Abbey im 12. Jahrhundert gegründet, um Wolle zu verschiffen.

Hull erhielt am 1. April 1299 das Stadtrecht und seinen Namen als Kings Towne on the River Hull durch König Edward I. von England, der einen nördlich gelegenen Hafen brauchte, um seine Kriege in Schottland zu unterstützen. Die 700 Jahre alte Charta befindet sich heute im Rathaus von Hull. Vor der Neugründung waren Hafen und Siedlung unter dem Namen Wyke bekannt. miniatur|Hull im Jahre 1866

Im Jahre 1642 kurz vor Beginn des englischen Bürgerkrieges ergriff der Gouverneur Hulls offen für die parlamentarische Seite Partei und verweigerte König Karl I. den Zugang zur Stadt und dem militärisch wichtigen Arsenal. Er wurde zum Verräter erklärt und trotz Begnadigung durch das Parlament hingerichtet. Insbesondere die Belagerung der Stadt war einer der Gründe für den offenen Ausbruch des Krieges.

Der Walfang spielte für die Stadt bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Der Wohlstand Hulls reichte bis in die Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg hinein. Im Jahre 1897 wurde Hull der Stadtstatus bewilligt. Die Walfangindustrie als wichtigster Zweig der Hochseefischerei ging nach dem Zweiten Weltkrieg immer weiter zurück, was schließlich zum sogenannten Kabeljaukrieg von 1975/76 führte. Die darauf getroffenen Vereinbarungen führten zu einem weiteren Rückgang von Hulls Wirtschaft.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden durch schwere Bombenangriffe der Hafen, Industrieanlagen und weite Teile des Stadtzentrums zerstört. 95 % der Gebäude von Hull waren entweder beschädigt oder zerstört – damit war Hull nach London die am heftigsten bombardierte britische Großstadt.

Von einer Bevölkerung von etwa 320.000 Einwohnern zu Beginn des Krieges wurden 192.000 durch die starken Zerstörungen obdachlos. Das heftigste Bombardement fand 1941 statt. Über dessen Zerstörungen wurde wenig bekannt, da die meisten Zeitungs- und Radioreporter die Stadt nicht namentlich nannten, sondern sie nur als „Stadt an der Küste im Nordosten“ bezeichneten. Im Frühjahr 1944 wurde die Stadt im Rahmen des Unternehmens Steinbock nochmals von deutschen Bombern angegriffen. In den Nachkriegsjahren wurde der größte Teil des Stadtzentrums wiederaufgebaut.

Der administrative Status der Stadt hat sich historisch mehrfach verändert. Als ehemaliger Distrikt war Hull von 1974 bis 1996 Bestandteil der Verwaltungsgrafschaft Humberside. Bei ihrer Auflösung wurde Hull zu einer Unitary Authority.

Rebellion der Fischerwitwen Im Laufe der Jahrzehnte sind circa 6000 Fischer aus Hull auf See gestorben. Als im Winter 1968 innerhalb von vier Wochen drei Fischtrawler aus Hull mit 58 Mann gesunken waren, schlossen sich Fischerwitwen in ihrer Trauer und Wut gegen die Fahrlässigkeiten der Eigner zusammen. Ihr Ziel war es, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Sicherheitsbestimmungen zu erreichen. Denn viele Trawler fuhren ohne Funker und ärztliche Betreuung in den Nordatlantik, die Fischer mussten ihre Ausrüstung für die Fahrten bei Temperaturen bis zu minus 15 Grad selbst bezahlen. Die Frauen forderten vollständige Crews, Sicherheitsleinen an Deck, wetterfeste warme Schutzkleidung, Notsignale, Begleitschiff mit Arzt, moderne Hilfsmittel gegen Vereisung und dass kein Trawler im Winter in Sturmgebiete fahren sollte. Als sie nach London fuhren, um ihre Forderungen der britischen Regierung vorzutragen, wurden sie an Londons Kings Cross „von einer jubelnden Menge empfangen, als wären sie die Beatles“. Sie trugen ihre Forderungen den Ministern für Handel, J. P. W. Mallalieu, und für Fischerei, Fred Peart, vor und erreichten eine vom Premier Harold Wilson angewiesene Zusage. Zwei Tage später wurde im Fischereiministerium mit den Vertretern der Fischereiindustrie ein Auflagenkatalog „von historischem Ausmaß“ verabschiedet. Alle Bestimmungen galten ab sofort, daher wurden alle britischen Hochseetrawler zurückbeordert. Eine Untersuchungskommission stellte in ihrem Bericht unter anderem fest, es regiere auf allen Hierarchieebenen der Industrie eine fatalistische Haltung gegenüber der Gefahr und die hohe Unfallrate hielten viele für mehr oder weniger unvermeidbar. Dagegen hätte sich die Mehrheit der Unglücke vermeiden lassen.

Einwohnerentwicklung Zählung Einwohner 1801 21.280 1851 57.484 1901 236.772 1911 281.525 1921 295.017 1931 309.158 1941 302.074 1951 295.172 1961 289.716 1971 284.365 1981 266.751 1991 266.180 2001 243.595 2011 256.406

Gemäß der Volkszählung des Vereinigten Königreiches im Jahre 2001 hatte Hull 243.589 Einwohner, welche sich auf 104.288 Haushalte verteilten. Die Bevölkerungsdichte lag bei 34,1 Einwohnern pro Hektar. 47,85 % aller Wohnungen Hulls waren Mietwohnungen, der nationale Schnitt lag hier bei 31,38 %. Die Bevölkerung schrumpfte seit der vorhergehenden Volkszählung 1991 um 7,5 % und wurde im Juli 2006 offiziell auf 256.200 Personen geschätzt. Laut der britischen Statistikbehörde ONS betrug mit Einwohneranzahl 2020 gut 259.000 Personen.

Im Jahre 2020 waren gut 52.000 Menschen unter 16 Jahre alt, rd. 190.000 waren zwischen 16 und 74 Jahre alt und knapp 17.000 waren 75 Jahre alt und älter. 97,7 % der Gesamtbevölkerung waren Weiße; die größte ethnische Minderheit war eine Gruppierung von 749 Menschen, die sich selbst als chinesisch ansieht. Bloß 3 % der in Hull lebenden Menschen wurde außerhalb des Vereinigten Königreiches geboren. Im Jahre 2006 stellten irakische Kurden die größte ethnische Minderheit dar und wurden auf 3.000 Menschen geschätzt. Die meisten dieser Leute wurden durch die Einwanderungsbehörde in die Stadt quartiert, während ihre Asylanträge bearbeitet wurden. Hinsichtlich ihrer Religionszugehörigkeit waren im Jahre 2021 41,6 % der Einwohner Christen. 48 % gaben hingegen an, keiner Religion anzugehören, während sich 4,1 % anderen Religionen zugehörig sahen. Im Jahre 2001 hatte die Stadt die niedrigste Kirchenbesuchsrate des Vereinigten Königreiches.