mini|Hauptsitz in Wetzlar, Leica-Welt, seit 2014 Die Leica Camera AG (Leica: Abkürzung für Leitz(sche) Camera) ist ein Hersteller von Kameras, Objektiven und Sportoptikprodukten mit Sitz in Wetzlar. Darüber hinaus ist das Unternehmen im Bereich Brillengläser, mechanische Uhren, Smartphones und Zubehör sowie in der Fertigung von Projektoren für das Heimkino-Segment tätig.

Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis in das Jahr 1869 zurück, als Ernst Leitz I das 1849 von Carl Kellner gegründete Optische Institut übernahm. Leica besteht in seiner heutigen Form seit 1986, nachdem die Aktivitäten zum Fotobereich in der Leica Camera GmbH gebündelt wurden.

Neben dem Hauptsitz in Wetzlar (Deutschland) betreibt Leica einen weiteren Produktionsstandort in Vila Nova de Famalicão (Portugal). Leica unterhält ein weltweites Vertriebsnetz mit rund 120 Leica Stores und beschäftigte im Geschäftsjahr 2023/2024 weltweit rund 2400 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug 554 Millionen Euro.

Bestandteil des Unternehmens ist auch die Förderung der Kultur der Fotografie. Dazu gehören rund 30 Leica-Galerien, die Leica-Akademien sowie internationale Auszeichnungen wie der Leica Hall of Fame Award und der Leica Oskar Barnack Award (LOBA).

Unternehmensentwicklung Vorgeschichte 1849 wurde das Optische Institut durch Carl Kellner in Wetzlar gegründet. Dieser verstarb 1855 und sein Nachfolger wurde Christian Belthle. 1865 trat Ernst Leitz I als Mechanikergeselle in das Unternehmen ein und wurde im Jahr darauf Teilhaber der Werkstatt.

Gründung und Etablierung Nachdem Belthle 1869 verstorben war, übernahm Leitz das Unternehmen und benannte es in Optisches Institut von Ernst Leitz um. Das Unternehmen beschäftigte sich zunächst ausschließlich mit der Herstellung von Mikroskopen. Später begann das Unternehmen mit der Herstellung von Ferngläsern und 1910 mit Kinoprojektoren für Filmvorführungen.Von der kleinen Werkstatt zur Weltfirma. In: Kreis-Anzeiger. 11. Mai 2019, S. 49.

1914 begann durch Oskar Barnack die Entwicklung der Leica Kameras.Chronik. In: Rhein-Lahn-Zeitung. 26. März 2014, S. 24. Barnack war zu dieser Zeit Entwicklungschef bei Leitz und zudem Hobbyfotograf. Aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit wollte er die damaligen schweren Plattenkameras nicht mehr tragen.Knut Gielen: Die Leica M6 diskret und präzise. In: c't Fotografie. Heft 5/2022, S. 132–136. Das Ziel war damals, eine kompakte Kamera zu entwickeln, die 35-mm-Kinofilme testweise belichten konnte, damit nicht mehr das Hauptmagazin geöffnet werden muss, wie bei größeren Kameras zu dieser Zeit. Der hierfür entwickelte Prototyp von 1914 wird als Ur-Leica bezeichnet und war der Beginn der Kameraproduktion von Leica. 1920 übernahm Ernst Leitz II die Unternehmensführung und beschloss 1924 trotz einer wirtschaftlich schweren Zeit, die Fertigung der barnackschen Kleinbildkamera in Großserie. Diese Kamera, die Leica I, war die weltweit erste Kleinbildkamera und wurde 1925 offiziell auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellt. Bis 1925 wurden rund 900 Kameras verkauft, im Folgejahr über 1600. 1926 präsentierte Leitz zudem den ersten Kleinbild-Diaprojektor der Welt, den Uleja.Uleja • 1926 (bis mind. 1931). In: Leica Wiki. Ab 1927 war das Unternehmen profitabel und verkaufte über 3200 Kameras. Bis Ende 1931 wurden über 68.000 Leica-Kameras verkauft.

Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Ernst Leitz GmbH von Schäden verschont und konnte die Produktion nach dem Kriegsende sofort wieder aufnehmen. Nach der Gebietsreform in Hessen benannte sich das Unternehmen in Ernst Leitz Wetzlar GmbH um, da man befürchtete, den bekannten Namen Wetzlar durch die Städtezusammenlegung von Gießen und Wetzlar zur Stadt Lahn zu verlieren. 1952 wurde auf Initiative von Günther Leitz das Werk Ernst Leitz Canada in Midland, Ontario, Kanada, errichtet, das Günther Leitz bis zu seinem Tod im Jahr 1969 selbst leitete. Das kanadische Werk trägt inzwischen zwar den Namen Elcan für Ernst Leitz Canada, gehört jedoch seit 1999Leica Barnack-Berek-Blog vom 28. Oktober 2016, ELCAN - Ernst Leitz Canada limited, abgerufen am 1. November 2020. zum US-Rüstungskonzern Raytheon.heise.de vom 19. Oktober 2019, US-Strafzoll auf deutsche Fotoprodukte, die es praktisch gar nicht mehr gibt, abgerufen am 1. November 2020.

mini|Leica M3-Kamera mit Summicron 50mm-Objektiv Die Produktion der Kameras wurde weiter ausgebaut und nach ersten Konstruktionsansätzen in den 1940er-Jahren wurde 1954 mit der Leica M3 die M-Reihe eingeführt. Sie ersetzte das Schraubgewinde durch ein Bajonett sowie einen integrierten Messsucher. Mit der M3 hatte Leica bereits eine Million Kameras hergestellt.

Neben der Herstellung von Kameras war Leica auch weiterhin in der Produktion von Diaprojektoren tätig. Eine bekannte Projektion-Produktreihe der 1950er- und 1960er-Jahre war Prado. Im Bereich der Kleinbild-Diaprojektoren wurde später eine Kooperation mit Kindermann eingegangen. 1961 wurde auch ein Normal-8-Projektor Cinovit angeboten. Etwa in den 1970er-Jahren begann Walter Mandler, computergestützte Objektivkonstruktionen umzusetzen.

Das Unternehmen expandierte und eröffnete 1973 einen Standort in Portugal (Vila Nova de Famalicão). Zu Beginn arbeiteten dort 100 Mitarbeiter in gemieteten Räumen; mit der Fertigstellung des Werkes Ende 1975 wurden es 175. 1976 eröffnete Leica in Wetzlar außerdem die erste Galerie.

1982 brachten Kindermann und Leitz das Leitz-Kindermann-Magazin für ungeglaste Dias auf den Markt. Einige der kleineren Diaprojektoren von Leitz wurden mit Kindermann-Technik ausgestattet (Pradovit R 150, Pradovit RA 150) oder ganz von Kindermann gefertigt (Pradovit 153/253).CJ: Pradovit-Diaprojektoren. In: Photoscala, 18. Dezember 2009, aufgerufen am 9. März 2018.

Umstrukturierung In den 1980er-Jahren kam es zu mehreren Umstrukturierungen der Ernst Leitz Wetzlar GmbH. 1986 spaltete das Unternehmen die Geschäftsbereiche auf und gründete drei neue Gesellschaften: Leica GmbH (Kameras und Ferngläser), Leica Microsystems GmbH (Mikroskope) und Leica Geosystems AG (Vermessungstechnik).Leitz, Hermès und Salzburg. In: Börsen-Zeitung. 20. Oktober 2011, Nr. 202, S. 9.

1987 übernahm die 1921 gegründete Wild Heerbrugg AG die Ernst Leitz Wetzlar GmbH, Muttergesellschaft der Leica Gesellschaften, und bildete die Wild Leitz Holding AG. 1990 fusionierte diese mit The Cambridge Instrument Company plc zur Leica Holding B.V., wodurch Mikroskope, Vermessungs- und Photogrammetriesysteme sowie optisch-wissenschaftliche Instrumente hinzukamen.Der Konzern. Wer, wann, was, wo. In: Wirtschaftswoche. 14. Oktober 1994, S. 74. 1988 zog die Leica GmbH von Wetzlar nach Solms und wurde später in Leica Camera GmbH umbenannt.Reinhard Lueckmann: Die Kleinbildfotografie blickt auf ihr 80-jähriges Bestehen zurück. In ihrer luxuriösen Nische kann die Traditionsmarke gut leben. In: Handelsblatt. 30. Juni 1994, S. 20. mini|Leica SD2000 Stereo-PlotterDer professionelle Stereo-Plotter Leica SD 2000 für das Erfassen und Bearbeiten stereometrischer Bilder (z. B. Luftaufnahmen) wurde 1991/92 eingeführt.Leica, Katalog SD 2000/3000 1995 (PDF, 1,3 MB) 1994 waren in Portugal 500 Mitarbeiter beschäftigt.

1996 stellte Leica die Spiegelreflexkamera R8 und die digitale Scanner-Kamera S1 vor. In diesem Jahr wurde die Leica Camera GmbH aus der Leica Holding B. V. ausgegliedert und an die Börse gebracht. Außerdem übernahm die Leica Camera AG die Minox GmbH, Wetzlar.

1998 bot Leica aus der Kooperation mit Fuji mit der Digilux die erste Digitalkamera an. 2006 wurde mit der Leica M8 die erste digitale Messsucherkamera im M-System eingeführt. Zuvor war eine Digitalisierung des M-Systems aufgrund technologischer Einschränkungen, insbesondere des geringen Auflagemaßes, nicht möglich. Erst durch das um 2004 entwickelte Mikrolinsen-Array von Kodak wurden die technischen Voraussetzungen geschaffen. 2009 folgte die Leica M9 mit Vollformatsensor.

Im Dezember 2000 erwarb der französische Luxusgüterkonzern Hermès einen Anteil von zunächst 31,5 % über ein öffentliches Übernahmeangebot. In der Folge wurde der Anteil von Hermès auf über 36 % aufgestockt und die Mehrheit an einer 2004 ausgegebenen Wandelanleihe erworben. Nachdem Leica 1999 und 2000 Gewinne erwirtschaftet hatte, gelang dies 2001 nicht. Minox wurde 2001 durch ein Management-Buy-out wieder verselbständigt. Die Fertigung des Leica Kamerasystems erfolgte in Deutschland und Portugal.

Übernahme durch Andreas Kaufmann mini|Leica M9 mini|Diaprojektor Leitz Prado für manuellen Bilderwechsel mini|Elmaron (A-C), Colorplan (D/E), Hektor (F-H)

2004 stieg der Salzburger Unternehmer Andreas Kaufmann in das Unternehmen ein. Zu dieser Zeit kämpfte das Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von 17 % und machte im Frühjahr 2005 international Schlagzeilen wegen der unsicheren finanziellen Lage. Hermès verkaufte im September 2006 seinen Anteil an der Leica Camera AG an Kaufmann.Ursula Schwarzer: Leica wechselt Chef aus. Blackstone läutet bei Kamera-Hersteller Leica das Ende der Gemütlichkeit ein. In: manager magazin, 3. März 2015. Dieser stockte seinen Anteil bis Ende 2007 auf rund 96,5 % auf, investierte einen zweistelligen Millionenbetrag in die Entwicklung neuer Produkte und führte das Unternehmen bis 2010 in die Gewinnzone.Ursula Schwarzer: Kultmarke. Camera magica. In: manager magazin, 10. Dezember 2013.

Zu dieser Zeit wurde zudem der Bau von Diaprojektoren eingestellt. 2008 brachte Leica den Pradovit D-1200 auf den Markt, den ersten digitalen Projektor von Leica. 2008 erreichte das Noctilux-M eine Lichtstärke von f/0,95.

Im Oktober 2011 erwarb die US-amerikanische Investmentgesellschaft Blackstone einen Anteil von 44 % an der Leica Camera AG von Andreas Kaufmann.Blackstone wird Großaktionär von Leica Camera. In: Börsen-Zeitung. 20. Oktober 2011, Nr. 202, S. 1. Der Umsatz lag bei 245 Millionen Euro. Seit Oktober 2012 ist die Leica Camera AG nicht mehr börsennotiert. Die Mehrheit liegt bis heute bei Kaufmann, der auch weiterhin den Aufsichtsrat führt.

Über die Ende des Jahres 2011 erstmals zur Auslieferung vorgesehenen Zielfernrohre der Reihe Magnus stand Leica im Juli 2011 in einem Rechtsstreit mit dem Optikhersteller Swarovski, der Leica die Verletzung von Schutzrechten vorwarf.Martin Lugauer: Bei Fernrohr abgeschaut? Klage gegen Leica Camera. In: Wetzlarer Neue Zeitung, 19. Juli 2011, S. 15. Der Rechtsstreit wurde 2013 zugunsten von Leica entschieden.

Im März 2013 wurde das vergrößerte Werk in Portugal eröffnet; es werden dort Sportoptikprodukte und Kompaktferngläser sowie Teile und Baugruppen für Leica Objektive und Systemkameras hergestellt. Im November desselben Jahres wurde der Schweizer Fachkamera-Hersteller Sinar übernommen.Andreas Donath: Sinar übernommen: Leica kauft Fachkameras ein in: golem.de, 27. November 2013, abgerufen am 24. November 2021.

Ebenfalls 2013 entwarf der britische Designer Jonathan Ive, langjähriger Chefdesigner von Apple, gemeinsam mit Marc Newson eine Leica-Kamera, die im Rahmen einer Auktion zugunsten wohltätiger Zwecke versteigert wurde. Die einmalig gefertigte Kamera erzielte bei der Versteigerung einen Erlös von 1,8 Millionen US-Dollar.

2014 wurde das neue L-Bajonett vorgestellt, und das Unternehmen zog nach Wetzlar: Leica Camera bezog mit rund 600 Mitarbeitern die neue Unternehmenszentrale im Leitz-Park Wetzlar.

2015 wurden die spiegellosen Kleinbildsysteme Leica Q und Leica SL vorgestellt.Christoph Jehle: Jahresrückblick: Das war 2015. In: Heise online. 31. Dezember 2015. Im selben Jahr stellte Leica in Zusammenarbeit mit dem Musiker und Fotografen Lenny Kravitz die Sonderedition Leica M‑P Correspondent by Lenny Kravitz vor. Die Edition besteht aus einer Leica M‑P (Typ 240) sowie den beiden Objektiven Summicron‑M 35 mm f/2 ASPH und Summilux‑M 50 mm f/1.4 ASPH. Die Stückzahl war auf 125 Sets limitiert.