mini|300px|Text in georgischer Mchedruli- und Assomtawruli-Schriften auf derselben Seite. Ganz oben ist auch die Kopfzeile in der Mtawruli-Schrift zu sehen.

Das georgische Alphabet () ist eine Alphabetschrift, in der die georgische Sprache mindestens seit dem 5. Jahrhundert geschrieben wird. Das moderne Alphabet umfasst 33 Buchstaben, von denen jeder genau einem Phonem entspricht. Vor der orthografischen Reform des 19. Jahrhunderts gab es im klassischen georgischen Alphabet fünf weitere Buchstaben, die für die neugeorgische Sprache phonetisch überflüssig sind. Die Schreibrichtung der georgischen Schrift ist von links nach rechts. Die alphabetische Reihenfolge der Buchstaben scheint vom griechischen Alphabet beeinflusst zu sein, obwohl die Grafik der georgischen Buchstaben wahrscheinlich nicht aus einer anderen Schrift stammt und als originäre Erfindung gilt.

Die georgische Schrift umfasst drei grafisch unterschiedliche Schrifttypen: Assomtawruli, Nuschuri und Mchedruli. In der Populärliteratur wird manchmal auch von drei georgischen Schriften gesprochen, aus paläographischer Sicht handelt es sich jedoch um verschiedene Varianten derselben Schrift: Alle drei sind auch voneinander gebildete historische Entwicklungsstufen und haben, abgesehen von wenigen Ausnahmen, eine gemeinsame alphabetische Reihenfolge und gemeinsame Buchstabennamen. Nach einer heute üblichen Einteilung, besonders für typografische Zwecke (zum Beispiel Codierung und Tastatur), gelten dabei Assomtawruli und Nuschuri als Groß- und Kleinbuchstaben derselben Chuzuri-Schrift, während Mchedruli als eigenständige Schrift betrachtet wird. Die moderne Mchedruli-Schrift unterscheidet nicht zwischen Groß- und Kleinbuchstaben, es gibt aber eine Mchedruli-Majuskelschrift – das Mtawruli –, die sehr aktiv für kurze, ausschließlich mit Majuskeln geschriebene Texte verwendet wird. Historisch gesehen wurden seit dem 10. Jahrhundert bis heute alle drei Schriftarten immer parallel verwendet, jedoch mit unterschiedlichen Funktionen und wechselnder Dominanz. Gegenwärtig werden Assomtawruli und Nuschuri offiziell nur von der georgischen orthodoxen Kirche für kirchliche Literatur verwendet, während Mchedruli die allgemein benutzte und dominierende georgische Schrift ist.

Die georgische Schrift wurde 2016 in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Außer für die georgische Sprache wird die georgische Schrift mit einigen Zusatzbuchstaben auch zum Schreiben anderer südkaukasischer Sprachen – Mingrelisch, Swanisch und Lasisch – und für die nordostkaukasische batsische Sprache verwendet. 1938 bis 1954 wurde die georgische Schrift offiziell ferner für die abchasische und die ossetische Sprache verwendet. Früher dienten die Buchstaben auch als Zahlzeichen.

Aufbau Das georgische Alphabet besteht aus 33 Buchstaben, von denen jeder nur einem Laut entspricht. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es fünf weitere Buchstaben im Alphabet, die im Rahmen der orthografischen Reform entfernt wurden (siehe unten). Die 33 Buchstaben decken die Phonetik der georgischen Sprache vollständig ab, sodass es kein Phonem gibt, das nicht in einem Buchstaben geschrieben werden kann. Eine solche Regel der gegenseitigen Entsprechung zwischen dem Alphabet und der Phonetik wird auch in anderen Sprachen beobachtet, die die georgische Schrift verwenden oder verwendeten. Daher wurden für die für andere Sprachen bzw. Dialekte charakteristischen Phoneme, die ursprünglich kein entsprechendes Symbol im georgischen Alphabet hatten, einige zusätzliche Buchstaben hinzugefügt, die jedoch keine bestimmte Stelle im Alphabet haben und manchmal am Ende des Alphabets in einer nicht streng bestimmten Reihenfolge aufgeführt sind. Alle georgischen Buchstaben, mit Ausnahme zusätzlicher Buchstaben, haben auch Zahlenwerte.

In der nachfolgenden Tabelle sind die Zeichen, ihr Name, Hinweise zur Aussprache und verschiedene Umschriften angegeben. Die fünf nicht mehr verwendeten Buchstaben sind grün hervorgehoben. In der ersten Spalte der Umschrift steht das offizielle georgische Transliterationssystem, das 2018 von der staatlichen Sprachexpertenkommission Georgiens verabschiedet wurde.Bulletin II. (PDF; 10 MB) Georgian State Language Department. Es ist keine wissenschaftliche Transliteration. Ihr Zweck ist es, georgische Eigennamen in offiziellen Dokumenten englisch zu transkribieren. In den nächsten beiden Spalten stehen die Norm ISO 9984:1996 und die Norm DIN 32707:2010-01Übernommen und ergänzt durch Anlage 5 Tabelle 7 der RAK-WB (1983) = Praxisregeln zu § 110,4 der RSWK. und in der neunten Spalte daneben eine deutsche Transkription, die sich an andere Konventionen zur Transkription nicht-lateinischer Schriften (zum Beispiel Kyrillisch) anlehnt und zu Schreibweisen georgischer Namen führt, wie sie üblicherweise in deutschsprachigen Medien verwendet werden. Die letzte Spalte zeigt die Zahlenwerte der georgischen Buchstaben.

Buchstaben Name Hinweis zur Aussprache (IPA) Umschrift Zahlenwerte Mchedruli Assomtawruli Nuschuri offiziell ISO 9984 DIN 32707:2010-01 DeutscheTranskription ა Ⴀ ⴀ An A a A a A a A a 1 ბ Ⴁ ⴁ Ban B b B b B b B b 2 გ Ⴂ ⴂ Gan G g G g G g G g 3 დ Ⴃ ⴃ Don D d D d D d D d 4 ე Ⴄ ⴄ En , wie e bei „Bett“ E e E e E e E e 5 ვ Ⴅ ⴅ Win , wie W bei „Wahl“ V v V v V v W w 6 ზ Ⴆ ⴆ Sen , stimmhaft, wie bei „Segel“ Z z Z z Z z S s 7 ჱ Ⴡ ⴡ He / Emerwe [], Swanisch — Ē ē Ê ê — 8 თ Ⴇ ⴇ Tan [], behauchtes T wie bei „Tür“ T t T' t’ T̕ t̕ T t 9 ი Ⴈ ⴈ In , wie i in „mit“ I i I i I i I i 10 კ Ⴉ ⴉ Kan [], ejektives K K k K k K k K k 20 ლ Ⴊ ⴊ Las L l L l L l L l 30 მ Ⴋ ⴋ Man M m M m M m M m 40 ნ Ⴌ ⴌ Nar N n N n N n N n 50 ჲ Ⴢ ⴢ Ie / Iota — Y y Y y — 60 ო Ⴍ ⴍ On , wie o bei „von“ O o O o O o O o 70 პ Ⴎ ⴎ Par [], ejektives P P p P p P p P p 80 ჟ Ⴏ ⴏ Schan , wie bei „Garage“ Zh zh Ž ž Ž ž Sch sch 90 რ Ⴐ ⴐ Rae , gerolltes Zungenspitzen-R R r R r R r R r 100 ს Ⴑ ⴑ San , wie s bei „ist“ S s S s S s S s (ss)Zwischen zwei Vokalen wird das stimmlose ს mit ss umschrieben. 200 ტ Ⴒ ⴒ Tar [], ejektives T T t T t T t T t 300 ჳ Ⴣ ⴣ Wie [] — W w W w — 400ჳ und უ haben den gleichen Zahlenwert (400) უ ႭჃ / Ⴓ ⴓ Un , wie u bei „Butter“ U u U u U u U u 400 ფ Ⴔ ⴔ Par [], behauchtes P wie bei „Pech“ P p P' p' P̕ p̕ P p 500 ქ Ⴕ ⴕ Kan [], behauchtes K wie bei „Kanu“ K k K' k’ K̕ k̕ K k 600 ღ Ⴖ ⴖ Ghan , ähnlich wie R bei „Rose“ Gh gh Ḡ ḡ Ġ ġ Gh gh 700 ყ Ⴗ ⴗ Qar [], ejektiver Kehlkopflaut zwischen ღ und ხ Q q Q q Q q Q q 800 შ Ⴘ ⴘ Schin Sh sh Š š Š š Sch sch 900 ჩ Ⴙ ⴙ Tschin [], behauchtes Tsch wie bei „Tscheche“ Ch ch Č' č' Č̕ č̕ Tsch tsch 1000 ც Ⴚ ⴚ Zan [], behauchtes Ts wie Z bei „Zone“ Ts ts C’ c’ C̕ c̕ Z z 2000 ძ Ⴛ ⴛ Dsil , stimmhafte Affrikate, in Opposition zu z: ც/[] und წ/[] Dz dz J j J j Ds ds 3000 წ Ⴜ ⴜ Zil [], ejektives Ts (kurz) Ts ts C c C c Z z 4000 ჭ Ⴝ ⴝ Tschar [], ejektives Tsch (kurz) Ch ch Č č Č č Tsch tsch 5000 ხ Ⴞ ⴞ Chan , ähnlich wie ch bei „Achtung“ Kh kh X x X x Ch ch 6000 ჴ Ⴤ ⴤ Char — H̱ ẖ Q̕ q̕ — 7000 ჯ Ⴟ ⴟ Dschan , wie bei „Dschungel“ J j J̌ ǰ J̌ ǰ Dsch dsch 8000 ჰ Ⴠ ⴠ Hae H h H h H h H h 9000 ჵ Ⴥ ⴥ Hoe — Ō ō Ô ô — 10000

Anmerkungen

Buchstabenreihenfolge mini|hochkant|Graffiti-Abecedarium auf der Dawati-Stele, 6. Jahrhundert

Entsprechend der Buchstabenreihenfolge wird das georgische Alphabet herkömmlicherweise in zwei Gruppen unterteilt. Die Anordnung der Buchstaben im ersten Teil von An (ა) bis Kan (ქ) – nach einigen Forschern sogar bis Schin (შ) – entspricht der Reihenfolge des griechischen Alphabets, obwohl die Buchstaben keine Abwandlungen der griechischen Schrift sind. Sowohl die phonetischen Bedeutungen als auch die Zahlenwerte der Buchstaben stimmen überein. Ausnahmen bilden nur zwei Buchstaben – Iota (ჲ) und Schan (ჟ), an deren Stelle im altgriechischen Alphabet die Buchstaben der für die georgische Sprache fremden Laute – Xi (Ξ) und Koppa (Ϙ) – stehen. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die ähnliche Anordnung und numerische Bedeutung der georgischen und griechischen Alphabete die Übersetzung der griechischen Literatur und die Transliteration von Namen und Zahlen ins Georgische etwas vereinfacht hat, was wahrscheinlich das Ziel des Schöpfers des Alphabets war.

Im zweiten Teil am Ende des georgischen Alphabets befinden sich alle Laute, die im Altgriechischen keine Entsprechung haben. Die Buchstabenfolge dieser Gruppe (ღ, ყ, შ, ჩ, ც, ძ, წ, ჭ, ხ, ჴ, ჯ, ჰ) wiederholt nicht die alphabetische Reihenfolge anderer heute bekannter Schriften und gilt als die ursprüngliche Erfindung des Schöpfers des georgischen Alphabets. Nach dem deutschen Paläographen Winfried Boeder sind die Grapheme der für Georgisch spezifischen Phoneme im Alphabet nach den klassischen griechischen phonetischen Lehren angeordnet. Nach diesen Lehren erklärt er die Abfolge der Affrikaten ც–ძ–წ. Laut Tamas Gamqrelidse ist die Affrikate ძ das zentrale Mitglied des zweiten Teils des georgischen Alphabets mit links und rechts symmetrisch angeordneten Lauten, jeweils stimmlosen und glottalisierten Affrikaten.

Die Reihenfolge des georgischen Alphabets ist historisch weitgehend unverändert, wie die Abecedarien auf den frühen Denkmälern (zum Beispiel Dawati-Stele) belegen. Sie ist grundsätzlich allen drei Arten der georgischen Schrift gemeinsam. In der Assomtawruli-Schrift fehlt jedoch im Vergleich zu den beiden anderen der Buchstabe Un (უ, ⴓ) für den Vokal [u]. Später wurde zwar der Buchstabe Ⴓ für den Laut [u] zu Assomtawruli hinzugefügt, fand aber keine allgemeine Verwendung. Außerdem haben Assomtawruli und Nuschuri die meisten Zusatzbuchstaben nicht.

Buchstabennamen Die Namen der georgischen Buchstaben wiederholen nicht die Namen der Zeichen einer anderen Schrift. Bei einem Teil der Buchstaben schließen einige Wissenschaftler den Einfluss der Namen fremder Buchstaben jedoch nicht aus. Zum Beispiel können das semitische šin und zajin Prototypen des georgischen Schin und Sen sein, während das gotische laaz und manna Prototypen des georgischen Las und Man sein könnten. Im Allgemeinen wird jedoch angenommen, dass die Namen georgischer Buchstaben das Ergebnis einer Neuschöpfung sind.

Die Namen der Vokalbuchstaben werden mit dem an den entsprechenden Vokal angehängten Konsonanten -n gebildet: An, En, In, On, Un. Eine große Anzahl von Konsonantenbuchstaben wird als einsilbige Namen dargestellt, die ebenfalls mit dem Konsonanten -n enden: Ban, Gan, Don, Win, Sen, Tan, Kan, Man, Schan, San, Khan, Ghan, Schin, Tschin, Zan, Chan, Dschan. Die Namen von sieben Buchstaben enden mit dem Konsonanten -r: Nar, Par (პ), Tar, Par (ფ), Qar, Tschar, Char. Zwei Buchstabennamen – Dsil und Tsil – enden mit -l. Ein angehängtes -s hat nur ein einziger Buchstabenname – Las. Die Namen Rae, Hae und Wie bilden eine eigenartige zweisilbige Struktur. Zwei Buchstaben he und ie haben gleichzeitig zweite alternative Namen, entsprechend Emerwe und Iota.

Die Namen der Buchstaben in alphabetischer Reihenfolge sind so angeordnet, dass der Eindruck eines Reims entsteht, was ursprünglich als Voraussetzung für das Auswendiglernen von Buchstaben gedacht sein sollte.

Zahlenwerte Neben der phonetischen Bedeutung haben die Buchstaben des georgischen Alphabets auch numerische Bedeutungen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden Buchstaben parallel zu arabischen Ziffern aktiv zum Schreiben von Zahlen verwendet. Auch die fünf gestrichenen Buchstaben, die im 19. Jahrhundert durch die orthographische Reform ihre phonetische Funktion verloren hatten, wurden weiterhin in ihrer numerischen Bedeutung verwendet. Die Verwendung georgischer Buchstaben im Sinne von Zahlen in georgischen Texten ist heute nicht mehr üblich und wird nur noch sehr selten verwendet, insbesondere wenn der Text sprachlich archaisch ist. Ansonsten ist die traditionelle georgische Zahlenschrift den modernen georgischen Lesern ziemlich entfremdet. Stattdessen werden jetzt arabische Ziffern und römische Zahlschrift verwendet.