mini|hochkant|Harriet Tubman, etwa 1885 Harriet Tubman (* um den 6. März 1822 als Araminta Ross im Dorchester County, Maryland; † 10. März 1913 in Auburn, New York) war die bekannteste afroamerikanische Fluchthelferin der Hilfsorganisation . Sie half von etwa 1849 bis zum Ende des Sezessionskrieges geflüchteten Sklaven, aus den Südstaaten in die Nordstaaten der USA oder nach Kanada zu gelangen.

Nachdem sie im Jahr 1849 im zweiten Anlauf selbst erfolgreich der Sklaverei entflohen war, kehrte sie unter dem Codenamen Moses mehrmals in die Südstaaten zurück, um anderen Sklaven auf ihrer Flucht behilflich zu sein. Sie kehrte mehrmals zurück und rettete so mehr als 70 Menschen aus der Sklaverei. Ein Hauptziel war es, ihre Familie aus der Sklaverei zu befreien. Im Sezessionskrieg arbeitete sie zuerst als Krankenschwester und Köchin, und später als Kundschafterin und Spionin für die Nordstaaten. In ihren späteren Lebensjahren engagierte sie sich in der Frauenbewegung.

Nach ihrem Tod war Harriet Tubman zuerst weitgehend in Vergessenheit geraten, zählt jedoch heute in den USA zu den bekanntesten historischen Persönlichkeiten des Abolitionismus. Dazu haben Ehrungen und zahlreiche Kinderbücher beigetragen, die seit den 1960er Jahren erschienen sind.

Leben mini|Wichtige Orte im Leben von Harriet Tubman

Familienhintergrund Über ihre Abstammung ist nur bekannt, dass Modesty, ihre Großmutter mütterlicherseits, auf einem Sklavenschiff in die Vereinigten Staaten gebracht wurde.Clinton, S. 5 Während ihrer Kindheit wurde Harriet Tubman wiederholt erzählt, dass sie von den Ashanti abstamme, einem Volk, das auf dem Gebiet des heutigen Staates Ghana beheimatet ist. Es gibt keine Belege, die diese Aussage bestätigen oder widerlegen.Larson, S. 10 Über den Großvater auf mütterlicher Seite ist nichts bekannt. Es ist nicht auszuschließen, dass Harriet Green – die Mutter von Harriet Tubman – von einem Weißen gezeugt wurde.Clinton, S. 6 Harriet Green arbeitete als Köchin für die Familie BrodessHumez, S. 12 und war zunächst Sklavin von Mary Pattison Brodess. Später war Edward Brodess, der Sohn von Mary Brodess, ihr Sklavenhalter.

1808 heiratete Harriet Green (1794–1879) den Sklaven Ben Stewart Ross (1790–1871), der dem zweiten Ehemann von Mary Pattison Brodess, Anthony Thompson, „gehörte“. Anthony Thompson besaß eine große Plantage in der Nähe des Blackwater River in Dorchester County, Maryland.Clinton, S. 12 Ben Ross, der geschickt im Umgang mit Holz war, war für alle Schreinerarbeiten auf dieser Plantage zuständig. Nach Gerichtsunterlagen zu urteilen hatte das Ehepaar insgesamt neun Kinder.Larson, S. 311–312 Neben Harriet sind namentlich bekannt: Linah Ross Jolly (* 1808), Mariah Ritty Ross (* 1811), Soph Ross (* 1813), Robert John Stewart Ross (1816–1889), Benjamin James Stewart Ross (1823–1864), Rachel Ross (1825–1858), William Henry Stewart Ross Senior (1830–1912) und Moses Ross (1833–1888).

Entsprechend den testamentarischen Bestimmungen eines Vorbesitzers wurde Harriet Tubmans Vater Ben Ross im Jahr 1840 freigelassen. Er arbeitete weiterhin als Vorarbeiter für die Thompson-Familie, die ihn zuvor als Sklaven besessen hatte.Clinton, S. 23–24 Auch für Harriet Green war in einem Testament des früheren Besitzers festgelegt, dass sie mit 45 Jahren freigelassen werden sollte. Anders als die Thompson-Familie ignorierte die Pattison- und Brodess-Familie diese Verfügung jedoch, als sie die Sklaven erbten. Es gab für einen Sklaven keinerlei Möglichkeiten, diese testamentarische Bestimmung durchzusetzen.Clinton, S. 28–29

Kindheit Harriet Tubman wurde als Araminta „Minty“ Ross geboren. Weder das Geburtsjahr noch der Geburtsort von Harriet Tubman sind sicher. Die Historikerin Kate Larson geht von einer Geburt im Jahre 1822 aus und schließt dies unter anderem aus einer dokumentierten Bezahlung einer Hebamme.Larson, S. 16 Jean Humez hält dagegen das Jahr 1820 für am wahrscheinlichsten, hält aber auch 1822 für möglich. Catherine Clinton weist darauf hin, dass Harriet Tubman ihr Geburtsjahr wiederholt mit 1825 angab, während ihre Sterbeurkunde 1815 als Geburtsjahr nennt und auf dem Grabstein das Jahr 1820 als Geburtsjahr eingemeißelt ist.Clinton, S. 4 In den Unterlagen, mit denen sie ihre Kriegsrente beantragte, nannte Harriet Tubman allerdings sowohl die Jahre 1820, 1822 und 1825, was ein Indiz dafür ist, dass auch Harriet Tubman ihr Geburtsjahr nicht kannte.

Edward Brodess, nach Mary Brodess der Besitzer von Harriet Green, verkaufte drei von Harriet Tubmans älteren Schwestern an andere Sklavenhalter. Der Kontakt zwischen ihnen und der Familie riss dadurch ab.Clinton, S. 10 Als ein Sklavenhändler aus Georgia auch Harriet Tubmans jüngsten Bruder Moses erwerben wollte, versteckte Harriet Green mit Hilfe anderer Sklaven sowie freier Schwarzer ihren Sohn für über einen Monat.Larson, S. 34 Schließlich kam es zu einer offenen Konfrontation zwischen Edward Brodess und Harriet Green. Als Edward Brodess und der Händler aus Georgia die Sklavenquartiere aufsuchten, um das Kind zu ergreifen, drohte Harriet Green, dass sie dem ersten, der ihre Behausung beträte, den Kopf einschlagen werde.Larson, S. 47 Edward Brodess verzichtete daraufhin auf einen Verkauf des Kindes.Clinton, S. 13 Mehrere Biografen von Harriet Tubman vertreten die Ansicht, dass dieser Vorfall erheblich zu Harriet Tubmans Überzeugung beitrug, dass ein Widerstand möglich und lohnend sei.Humez, S. 14

Da ihre Mutter im Herrenhaus arbeitete, hatte sie nur wenige Möglichkeiten, sich um ihre Kinder zu kümmern. Bereits als kleines Kind versorgte Harriet Tubman die noch jüngeren Geschwister.Humez, S. 13 Im Alter von fünf oder sechs Jahren sah ihr Besitzer sie als arbeitsfähig an und vermietete sie mehrfach an andere Sklavenhalter. Ihre erste „Leihbesitzerin“ war eine Frau mit dem Namen „Miss Susan“, in deren Diensten sie auf ein Baby aufpassen sollte, wenn es in seiner Wiege schlief. Wachte das Kind auf und schrie, wurde Harriet Tubman dafür mit der Peitsche bestraft. Harriet Tubman berichtete später, dass sie sich an einen Tag erinnere, an dem sie noch vor dem Frühstück nicht weniger als fünf Mal auf diese Weise bestraft wurde. Sie wies noch am Ende ihres Lebens Narben von diesen Strafen auf.Clinton, S. 17–18 Als ihr nach dem Diebstahl von etwas Zucker erneut eine Bestrafung drohte, versteckte sie sich für fünf Tage im Schweinestall eines Nachbarn, bis der Hunger sie zwang, in Miss Susans Haus zurückzukehren.Larson, S. 40 Während sie an den Plantagenbesitzer James Cook ausgeliehen war, musste sie in den nahegelegenen Sümpfen die für Bisamratten aufgestellten Fallen überprüfen. Selbst eine Masernerkrankung war kein Anlass, sie von dieser Arbeit zu entbinden, die sie unter anderem dazu zwang, durch Wasser zu waten, das ihr bis zur Hüfte reichte. Als sie schließlich so schwer erkrankte, dass sie arbeitsunfähig war, wurde sie wieder zu ihrem Besitzer zurückgeschickt. Kurz nachdem ihre Mutter sie wieder gesund gepflegt hatte, vermietete man sie erneut für Plantagenarbeiten an verschiedene Sklavenbesitzer.Larson, S. 38 Harriet Tubman berichtete später, dass sie in dieser Zeit vor allem an Heimweh gelitten habe und verglich sich einmal mit dem boy on the Swanee River, eine Anspielung auf Stephen Fosters Ballade Old Folks at Home. Mit zunehmendem Alter wurden die Aufgaben, die man ihr zuwies, körperlich anstrengender. Man setzte sie bei Waldarbeiten sowie auf den Plantagenfeldern ein, wo Pflügen oder das Führen des Ochsengespanns zu ihren typischen Aufgaben gehörte.Larson, S. 56

Die Kopfverletzung Als Teenager erlitt sie eine schwerwiegende Kopfverletzung, die sie für den Rest ihres Lebens beeinträchtigen sollte. Sie war zu einem Laden geschickt worden, um Vorräte zu kaufen. Dort traf sie auf einen Sklaven einer anderen Plantagenbesitzerfamilie, der sich ohne Erlaubnis von der Feldarbeit entfernt hatte. Sein hinzukommender Aufseher verlangte von Harriet Tubman, dass sie ihm helfe, den Sklaven zu fesseln. Als sie sich weigerte und der Sklave fortlief, griff der Aufseher ein zwei Pfund schweres Gewicht von der Ladentheke, warf damit nach dem Sklaven, verfehlte aber sein Ziel und traf stattdessen sie am Kopf. Sie erzählte später, es habe ihren Schädel gebrochen, und führte es auf ihr dickes Haar zurück, dass sie überhaupt überlebte.Larson, S. 42 Bewusstlos und blutend wurde sie zu der Plantage zurückgebracht, auf der sie zum Zeitpunkt des Vorfalls arbeitete. Zwei Tage lang ließ man sie ohne weitere medizinische Versorgung auf der Bank eines Webstuhls liegen. Danach wurde sie wieder zur Feldarbeit zurückgeschickt. Blut und Schweiß sei ihr immer noch über das Gesicht gelaufen, so dass sie kaum sehen konnte, beschrieb Harriet Tubman es später selbst. Mit der Begründung, dass sie keinen Penny wert sei, schickte ihr Leihbesitzer sie schließlich zu Edward Brodess zurück, der erfolglos versuchte, sie zu verkaufen.Clinton, S. 22

Die Kopfverletzung fällt in eine Zeit, in der sich Harriet Tubman zunehmend zu einer religiösen Person entwickelte. Bereits während ihrer Kindheit hatte ihre Mutter ihr Geschichten aus der Bibel erzählt.Clinton, S. 20 Die Bibelinterpretation der weißen Sklavenbesitzer, die aus den Schriften der Bibel vor allem die Pflicht der Sklaven zu Gehorsamkeit herauslasen, lehnte Harriet Tubman allerdings ab. Nach der Kopfverletzung begann Harriet Tubman zunehmend Halluzinationen und sehr lebhafte Träume zu haben, die sie bis an ihr Lebensende als ein Zeichen von Gott wertete. Wiederholt war sie für längere Zeit bewusstlos, obwohl sie später behauptete, sie wäre sich dabei ihrer Umgebung immer bewusst gewesen. Ihre Biografin Kate Larson vermutet, dass Harriet Tubman an Narkolepsie litt.Larson, S. 42–43

Heirat Informell heiratete sie etwa um 1844 den freien Schwarzen John Tubman (1820–1867).Larson, S. 62 Über ihren Ehemann und ihre Ehezeit ist wenig bekannt. Die Verbindung war jedoch in jedem Fall auf Grund ihres Sklavenstatus kompliziert. Der Rechtsstatus der Mutter bestimmte den Rechtsstatus ihrer Kinder, so dass alle Nachkommen aus dieser Ehe ebenfalls Sklaven gewesen wären. Ehen zwischen Freien und Sklaven kamen an der Ostküste von Maryland häufig vor. In dieser Region war mehr als die Hälfte der schwarzen Bevölkerung frei, und viele afro-amerikanische Familien bestanden aus freien und versklavten Mitgliedern. Harriet Tubmans Biografin Kate Larson vermutet, dass beim Eheschluss geplant war, dass John Tubman seine Frau bei erster Gelegenheit freikaufen werde.Larson, S. 63 Etwa um die Zeit der Eheschließung änderte sie ihren Vornamen „Araminta“ oder „Minty“ in Harriet. Kate Larson nimmt an, dass dies unmittelbar nach der Eheschließung passierte, während Catherine Clinton davon ausgeht, dass die Änderung des Vornamens erst stattfand, als Harriet Tubman konkrete Pläne hatte, aus der Sklaverei zu entfliehen.Clinton, S. 33

Der erste Fluchtversuch