Die Titanic (Eigenbezeichnung: TITANIC – Das endgültige Satiremagazin) ist eine deutsche Satirezeitschrift. Sie erscheint monatlich im Titanic-Verlag in Berlin, ihr redaktioneller Sitz ist Frankfurt am Main. Die Auflage beträgt nach eigenen Angaben 30.000 Exemplare (davon 18.000 Abo-Auflage).

Geschichte Die Titanic wurde 1979 von ehemaligen Mitarbeitern der Satirezeitschrift pardon gegründet. Ursprünglich sollte das Magazin Die Sonne heißen, da der Name satirische und wortspielerische Rubrikentitel wie „Sonne Scheiße“ ermöglichte.ttt – titel, thesen, temperamente, Der Titel Titanic sowie der schräge Schriftzug des Logos spielen auf den Untergang der Titanic an. Die Gründerväter Robert Gernhardt, F. K. Waechter, Peter Knorr, Hans Traxler, Nikolaus Jungwirth und Chlodwig Poth waren und sind neben F. W. Bernstein, Eckhard Henscheid und Bernd Eilert die Vertreter der Neuen Frankfurter Schule.

Zur ersten Redaktion gehörten Lionel van der Meulen (Chefredakteur) und Elsemarie Maletzke, Nikolaus Jungwirth und Pavel Taussig. 1983 wurde Bernd Eilert kommissarischer Chefredakteur, und die Satiriker Richard Kähler, Achim Szymanski und Jörg Metes sowie der Grafiker Hans-Werner Saalfeld bildeten die neue Redaktion. Später stieß noch Hans Kantereit dazu, mit dem zusammen Kähler und Saalfeld in Hamburg die Zeitschrift „Mark & Bein“ herausgegeben hatten. Kähler und Kantereit gingen schließlich wieder nach Hamburg und gründeten dort die Satirezeitschrift Kowalski, Szymanski ging in die Werbung, Bernd Fritz wurde Chefredakteur. Von Oktober 2022 bis Juli 2025 war Julia Mateus Chefredakteurin der Titanic und damit die erste Frau in dieser Position. Zur Redaktion gehören außerdem Torsten Gaitzsch (Chefredakteur seit August 2025), Thomas Hintner, Leonard Riegel, Laura Brinkmann, Daniel Sibbe, Sebastian Maschuw und Martina Werner.

Erster Verleger war Gerhard Sondermann bis 1987/88, als der Elefanten Press Verlag in Berlin die kurz vor der Pleite stehende Titanic übernahm.

Nach einer Änderung des Gesellschaftervertrags im Sommer 2006 wird das Heft von Achim Greser, Achim Frenz, Bernd Fritz, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn und Hans Zippert herausgegeben. Weiterer Mitgesellschafter ist der ehemalige Geschäftsführer des Titanic-Verlags, Patric Feest.

Das jahrzehntelang im Impressum der Bild-Zeitung verwendete Zitat Axel Springers, „Die Einheit des Vaterlandes in Freiheit, das ist unser Auftrag“, kontert Titanic in ihrem eigenen Impressum mit den Chlodwig Poth zugeschriebenen Worten: „Die endgültige Teilung Deutschlands – das ist unser Auftrag.“ Diesem Motto hat sich provokativ auch die 2004 aus der Titanic-Redaktion heraus gegründete Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (kurz: Partei) verschrieben.

In ihrem 1999 herausgegebenen Titanic-Sammelband formulierten Peter Knorr und Hans Zippert zur gesellschaftskritischen Haltung des Satire-Magazins: „Die Grundhaltung der Zeitschrift ist immer gleich geblieben: Ein klares ja zum Nein! Gegen Schmidt, gegen Kohl, gegen Schröder. Gegen Unterdrückung, Diktatur, Minderheiten, Mehrheiten und Immobilienmakler. Ist die Welt deshalb besser geworden, konnte auch nur eine Katastrophe verhindert werden? […] Natürlich nicht.“Tobias Eilers: Das dicke Buch Titanic – Endgültige Satire für Deutschland. Espresso Verlag, Berlin 1999, ISBN 978-3-88520-772-6, S. 5. Und 2009 erklärte der einstige Chefredakteur Oliver Maria Schmitt in der Kultursendung Titel, Thesen, Temperamente eine Grundauffassung des Heftes folgendermaßen: „Titanic war eine Zeitschriftengründung nicht von Presseleuten, nicht von Journalisten, sondern von Künstlern, von Zeichnern, von Cartoonisten, von Dichtern, von Literaten. Daher ist immer auch in der dunkelsten Satire noch etwas Künstlerisches, noch etwas über den Tag hinaus Lebendes.“titel, thesen, temperamente, ARD, 12. Juli 2009.

Im September 2023 machte die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Bericht öffentlich, dass die Titanic seit Juli 2023 zahlungsunfähig sei. Als Grund wurden unter anderem erhöhte Papier- und Versandkosten sowie Abokündigungen angegeben. Die drohende Insolvenz des Magazins konnte durch eine Rettungskampagne, die zum Abschluss von 6.000 neuen Abonnements und zahlreichen Geldspenden führte, vorerst für zumindest ein Jahr abgewendet werden.

Chefredakteure NamevonbisLionel van der Meulen19791983Bernd Eilert (interim)1983Jörg Metes†19831987Bernd Fritz†19871990Hans Zippert19901995Oliver Maria Schmitt19952000Martin Sonneborn20002005Thomas Gsella20052008Leo Fischer20082013Tim Wolff20132018Moritz Hürtgen20182022Julia Mateus20222025Torsten Gaitzsch2025

Rubriken Briefe an die Leser (seit 1979) Seit Gründung des Magazins erscheinen – anstelle der sonst üblichen Leserbriefe – Briefe an die Leser, die von Hilke Raddatz illustriert werden. Dort schreiben Redakteure und freie Autoren in satirischer Form an Prominente oder anderswie in Erscheinung getretene Personen, an Institutionen oder auch an eher philosophische Entitäten wie den „Weltgeist“. Verantwortlich für die Rubrik ist die Redakteurin Laura Brinkmann.

Die sieben peinlichsten Persönlichkeiten (1979 bis 1989) Diese Rubrik gab es bis Dezember 1989. Das Wirken von je sieben bekannten Personen wurde mit satirischen Beiträgen beschrieben. In der letzten Ausgabe dieser Liste beschrieben sich sieben Redakteure selbst.

Humorkritik (seit 1979) Ebenfalls seit Bestehen der Titanic findet man in jeder Ausgabe die Humorkritik, die von verschiedenen Autoren verfasst wird, aber unter dem Sammelpseudonym Hans Mentz und einem verfremdeten Foto von Theodor W. Adorno erscheint. Die Rubrik wurde von 1995 bis 2013 von Oliver Maria Schmitt betreut, danach von Michael Ziegelwagner.

Kolibri, Sondermann, Partner Titanic, 55ff (1979 bis 2017) Kolibri war eine drei bis vier Seiten starke, in Anlehnung an WimS in pardon von Kähler und Saalfeld als Beilage aufgemachte Rubrik, die mit kleinflächigen Artikeln gefüllt war. Sie erschien bis März 1987 und fand ihre Fortführung in der Satirezeitschrift Kowalski. An ihre Stelle trat später der Abschnitt Sondermann, welcher in erster Linie Texte von Simon Borowiak und Zeichnungen von Bernd Pfarr enthielt. Eine ähnliche Funktion hatte von 1997 bis April 2012 das drei Seiten starke Partner Titanic des Duos Schiffner/Sonneborn und von August 2012 bis Februar 2017 die Rubrik 55ff – Die guten Seiten unter der Leitung von Torsten Gaitzsch.

Walter Boehlichs Kolumne (1979 bis 2001) Der Publizist Walter Boehlich hatte von November 1979 bis Februar 2001 eine regelmäßige Kolumne. Auf zwei Seiten wurde meist ein aktuelles politisches Thema polemisch kommentiert. Im Gegensatz zum sonstigen Heftinhalt war diese Kolumne von einer ernsten Grundhaltung geprägt. Von der letzten Kolumne existiert nur die Überschrift („Neues aus der Birthler-Behörde“) und ein Hinweis auf eine Krankheit Boehlichs. Danach schrieben verschiedene Mitarbeiter (vor allem Eckhard Henscheid) an derselben Stelle ähnliche Kommentare, seit 2008 wird die politische Kolumne überwiegend und seit 2010 regelmäßig von Stefan Gärtner verfasst.

Max Goldts Kolumne (1989 bis 2011) Der Schriftsteller Max Goldt veröffentlichte ab Februar 1989 über 100 erst ein-, später zweiseitige Kolumnen in der Titanic. In den ersten Jahren hieß der Titel Aus Onkel Max’ Kulturtagebuch. Nach einigen Umbenennungen und einer mehrjährigen Pause erschienen die Kolumnen von 2005 bis 2009 ohne festen Titel. Ab März 2011 kolumnierte Goldt erneut einige Male für Titanic, jedoch in unregelmäßiger Folge. Außerdem finden sich in den Kolumnen Fotos mit Bildlegenden, die in keinem Bezug zum Text stehen. Goldt veröffentlichte die meisten seiner Titanic-Kolumnen in Buchform, teilweise mehrfach.

Heinz Strunks Kolumne (2012 bis 2021) Der Schriftsteller Heinz Strunk veröffentlichte von März 2012 bis März 2021 Kolumnen in der Titanic. Die erste Kolumne hieß Das Strunk-Prinzip (2014 als Buch erschienen), ab 2015 Heinz Strunks Intimschatulle (2019 als Buch erschienen). Strunks Nachfolgerin ist Ella Carina Werner. Über die Einstellung seiner Kolumne beschwerte sich Strunk beim damaligen Chefredakteur in einer Mail, in der er Werner scharf kritisierte. Das Ende seiner Kolumne bezeichnete er als „Ausmusterung“ aufgrund des Geschlechterverhältnisses.

Vom Fachmann für Kenner Diese seit mehreren Jahren erscheinende Rubrik umfasste anfangs jeweils drei Seiten, inzwischen wurde sie jedoch auf ein bis zwei Seiten gekürzt. Versammelt sind darin Alltagsbeobachtungen, Wortspiele und Sophistereien in sachlicher Sprache, aber mit großem Witz von verschiedenen Autoren, überwiegend freien Mitarbeitern. Zahlreiche Beiträge sind in einem 2005 erschienenen Sammelband versammelt. Nach Michael Ziegelwagner, Moritz Hürtgen und Ella Carina Werner sowie Julia Mateus betreut Sebastian Maschuw seit 2022 die Rubrik.

Weitere charakteristische Bestandteile Wesentlicher Bestandteil der Titanic sind Karikaturen, humoristische Zeichnungen und Comics. Als Autoren haben sich dabei Robert Gernhardt, F.K. Waechter, Hans Traxler, Chlodwig Poth und F.W. Bernstein, also die Vertreter der Neuen Frankfurter Schule, hervorgetan, aber auch Künstler wie Wolfgang Herrndorf, Manfred Deix, Gary Larson, John Callahan, Ernst Kahl und Rattelschneck. Nach 2000 wurden vor allem Werke von Katz & Goldt, Greser & Lenz, Kamagurka, Rudi Hurzlmeier, Hannes Richert, Stephan Rürup, Rattelschneck, Eugen Egner und bis August 2004 Bernd Pfarr veröffentlicht.

In loser Folge erscheinen in der Titanic Deutsche Dokumente – satirische Texte, die auf Originalunterlagen fußen. Vor allem unter Chefredakteur Martin Sonneborn erschien der Titanic Telefon-Terror, Mitschnitte von Telefonaten mit (zumeist nicht prominenten) Bürgern.

Aktionen und Kontroversen Die Titanic ist dafür bekannt, die inhaltlichen und rechtlichen Grenzen von Satire durch Beiträge und Aktionen auszuloten:

So erlangte die Zeitschrift im Juni 1988 Aufmerksamkeit, nachdem Teile der damaligen Redaktion als angebliche Filmfirma „Telemascop“ im Eifelort Monreal eingefallen waren und Lokalgrößen wie -presse wochenlang erfolgreich vorgaukelten, dort fürs ZDF eine Serie namens „Das Dorf“ drehen zu wollen. Diesen Vorwand wählte man, weil kurz zuvor die ARD im benachbarten Hunsrück die Erfolgsserie Heimat gedreht hatte. Das „Filmteam“ forderte umfangreiche Änderungen am Ortsbild über mehrere Jahre – unter anderem sollten vor den Ruinen von Löwen- und Philippsburg die Kulissen einer Fabrik der Firma „Wuerch“ residieren beziehungsweise eine grotesk überdimensionierte Villa. Die Titanic-Redakteure waren erstaunt ob der Willfährigkeit der örtlichen Verantwortlichen. Dies, obwohl die „Telemascop“ keine der damals üblichen Geschäftsnachweise je vorgelegt hatte und deren „Vertragsentwürfe“ stümperhaft und voller Fehler waren.https://www.titanic-magazin.de/heft/1988/juni/ Im September 1988 nahm ihr damaliger Chefredakteur Bernd Fritz an der ZDF-Sendung Wetten, dass..? teil. Fritz behauptete, die Farbe von Buntstiften allein am Geschmack erkennen zu können. In Wahrheit gelang es ihm, unbemerkt unter den Rändern seiner Augenabdeckung hindurchzusehen. Noch vor laufenden Kameras klärte Fritz den verdutzten Moderator Thomas Gottschalk über diese Titanic-Aktion auf. Die Auflage der Titanic verdoppelte sich daraufhin – allerdings nur für eine Ausgabe. Ein Gemälde von Wolfgang Herrndorf, das Helmut Kohl im Stil von Vermeer porträtierte, erlangte 1996 Bekanntheit und wurde als Plakat verkauft. 1997 veröffentlichte der Haffmans Verlag den Wandkalender Klassiker Kohl 1998 mit zwölf satirischen Porträts von Kohl im Stil berühmter Maler, darunter Cranach, Magritte und Baselitz. Dem damaligen Bundeskanzler wurde der Kalender auf der Frankfurter Buchmesse gezeigt.