mini|Luftbildaufnahme der Stadt Bludenz Richtung Nordwesten; im Vordergrund der Ortsteil Brunnenfeld und die S16, im Mittelgrund ist die Arlbergbahn am Waldrand verlaufend erkennbar
Bludenz (standarddeutsche Aussprache: [], , lokales Vorarlbergerisch: []) ist eine Stadt im österreichischen Bundesland Vorarlberg mit Einwohnern (Stand ). Die Stadt ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft Bludenz und per 30. September 2021 mit 14.964 (Hauptwohnsitze) zzgl. 1.294 (weitere Wohnsitze) Einwohnern die sechstgrößte Gemeinde in Vorarlberg.Vorarlberg, Bevölkerung Stichtag 30. September 2021. Herausgeber: Land Vorarlberg, S. 17 ff. ( [PDF]).
Geografie Der Stadtkern von Bludenz liegt auf etwa 570 Meter Höhe am südwestlichen Fuß des Lechquellengebirges, terrassenförmig über dem Talboden der Ill und auf einem Teil des Schuttfächers des Galgentobelbaches angelegt. Die offizielle Höhenangabe für Bludenz von 588 mAlpenstadt Bludenz Stadtplan – Offizieller Stadtplan im Maßstab 1:9000, Ausgabe November 2014, Herausgeber: Bludenz Stadt-Marketing GmbH, Werdenberger Straße 42, 6700 Bludenz bezieht sich auf die Lage der etwas erhöht über dem Stadtkern stehenden Laurentiuskirche. Den höchsten Punkt des Gemeindegebietes markiert der Gipfel des Weißen Rössle, , nordwestlich von Ausserbraz gelegen. Ein kleiner Teil des Gemeindegebiets östlich von Stallehr erstreckt sich sogar über die Alfenz hinweg ins Verwall. Das ist der Garnilawald, der auf den Nordhängen von Davennakopf, Davenna und Zwölferkopf oberhalb des Speichersees des Alfenzwerkes wächst. Teile der Bergwälder im Norden von Bludenz gehören zu dem vom Galgentobel bis nach Klösterle reichenden „Natura 2000“-Europaschutzgebiet „Klostertaler Bergwälder“.
Historisch bedingt verfügt die Stadt außer auf ihrem eigenen Territorium noch in neun weiteren, umliegenden Gemeinden über Grundbesitz an Wald, landwirtschaftlichen Flächen oder Ödland, insgesamt über etwa 4000 Hektar. Dies sind z. B. die Bludenzer Alpe (Albonaalpe) im Verwall oberhalb von Klösterle oder die Gavalinaalpe am Rätikon-Nordhang.
Die Stadt liegt am Schnittpunkt der Täler Walgau, Brandnertal (Rätikon), Montafon (Silvretta) und Klostertal (Arlberg). Bludenz vermarktet sich gern als „Fünf-Täler-Stadt“, jedoch mündet das fünfte Tal, das Große Walsertal, erst bei Ludesch, einige Kilometer westlich von Bludenz, in den Walgau ein. 48,5 Prozent der Gemeindefläche sind bewaldet. Nachbargemeinden von Bludenz sind Nüziders, Raggal, Innerbraz, Bartholomäberg, St. Anton im Montafon, Lorüns, Stallehr und Bürs.
Gegenüber von Bludenz auf der anderen Seite der Ill im Rätikon steht die hohe Bludenzer Mittagsspitze, eine aus Bludenzer Perspektive schroffe Erhebung in einem Seitenkamm der Vandanser Steinwand. Der Berg befindet sich im Süden der Stadt, also dort, wo die Sonne zu Mittag steht.
mini|Elsalptürme (links), Elsspitze (Mitte) und Elsfürkele (zweite Scharte rechts der Elsspitze) von der Furklaalpe aus gesehen (Bild von Edward Theodore Compton)
Das Trinkwasser für Bludenz wird von mehreren hundert Metern über der Stadt am Fuß der Westflanken von Breithorn und Elsalptürmen sowie von in der Südflanke der Katzenköpfe gelegenen Quellen gefasst. Die Stadt nutzt das Gefälle teilweise zur Stromgewinnung und betreibt in Hinterplärsch ein 1998 gebautes Trinkwasser-Kleinkraftwerk mit einer maximalen Leistung von 125 kW.Erläuterungstafel am Trinkwasser-Kleinkraftwerk in Bludenz-Hinterplärsch
Bludenz hat ein maßgeblich durch den Atlantischen Ozean beeinflusstes Klima. Der von der nahegelegenen Messstation Bürs von 1971 bis 2000 registrierte durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt 1341 mm, die durchschnittliche Jahrestemperatur 7,9 °C.zamg.ac.at Jedoch weisen die amtlichen Aufzeichnungen für den Großteil des besiedelten Bludenzer Gemeindegebiets bereits eine durchschnittliche Jahresniederschlagssumme zwischen 1500 und 1800 mm aus, in den nordöstlichen, an den Hängen gelegenen Bereichen, z. B. Rungelin, sogar 1800 bis 2100 mm/a. Auf die Gipfelbereiche von Hohen Fraßen und Breithorn, die süd- bzw. westseitig vom Galgentobelbach entwässert werden, fielen durchschnittlich 2400 bis 2700 mm, auf die von Gamsfreiheit und Weißem Rössle die sogar für mitteleuropäische Maßstäbe enorme 2700 bis 3000 mm Niederschlag pro Jahr.
mini|Blick von Bürserberg auf Bludenz (Mitte und rechts) und Nüziders (links). Darüber der Tiefenseesattel, rechts davon Breithorn (), Elsspitze (), Gamsfreiheit () und ganz rechts der Roggelskopf (). mini|Blick auf Bludenz bei Nacht (von Norden) mini|Blick von Buchwald auf Bludenz
Bludenz gehört, auch durch die Nähe zum als ausgesprochenen Föhnstrich geltenden Brandner Tal, häufig zu den Orten mit den höchsten Tagestemperaturen Vorarlbergs. Die die Stadt um etwa 1400 Meter überragenden Berge vom Hohen Fraßen bis zu Elsspitze, Gamsfreiheit und Weißem Rößle schützen Bludenz vor kalten Winden aus Nord bis Nordost. Die Durchschnittstemperatur stieg in Bludenz zwischen 1982 und 2022 um fast drei Grad.
Auf dem städtischen Friedhof steht eine automatische Wetterstation der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), deren aktuelle Messwerte permanent im Internet präsentiert werden.Messwerte der vergangenen Tage Bludenz, auf zamg.ac.at
Stadtgliederung Die Gemeinde besteht aus der Katastralgemeinde Bludenz.
Das Gemeindegebiet umfasst die zwei Ortschaften
Stadtteile bzw. Parzellen sind
Nachbargemeinden
Lorüns umschließt Stallehr und grenzt zwei Mal an Bludenz.
Klima
Geschichte Frühzeit Die Funde am Montikel (Stadthügel) machen Bludenz zu einem bedeutenden archäologischen Ort Westösterreichs. Der steil abfallende Fels trug eine bronzezeitliche Höhensiedlung, die bis ans Ende der La-Tène-Zeit besiedelt blieb. In der Flur „Unter dem Stein“ (heute Untersteinstraße) am Südfuß des Montikels wurden von 1830 bis 1935 bei Aushubarbeiten Waffen und Gerätschaften aus Eisen sowie Schmuckgegenstände aus Bronze gefunden.
In einen 1900 freigelegten Brandschutthorizont waren tierische und menschliche Knochen eingebettet. Keramikreste, Waffen (Speerspitzen, Lanzenschuhe, Hellebardenäxte, Schwertbruchstücke, Schwertscheiden und ein Helmfragment), Gerätschaften (Messer, Sicheln, Schlüssel, Ringe, Wagenbeschläge, Trensen, ein Dechsel und eine Herdschaufel), Schmuck (Fibeln, Nadeln, Armreifen und Gürtelzubehör) sind dem keltischen oder inneralpin-rätischen Typus zuzuordnen. Der Zeitraum wird vom 5. bis zum 1. Jahrhundert n. Chr. angenommen und aus heutiger Sicht als Deponierungen einer Opferstätte gesehen. Das meiste Fundmaterial ist nicht erhalten und nur mehr aus früheren Aufzeichnungen rekonstruierbar.Susanne Sievers, Otto Helmut Urban, Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K und L–Z (= Mitteilungen der prähistorischen Kommission im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Band 73). Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 191.
Bludenz ab 830 Die Ortschaft Bludenz wurde erstmals im Jahre 830 im sogenannten „Churrätischen Reichsurbar“ unter den nebeneinander verwendeten Namensversionen „Pludono“ und „Pluteno“ urkundlich genannt. Im karolingischen Güterverzeichnis taucht 842 die Nennung der Siedlung als „Pludeno“ auf. Die Namen sind vermutlich vorrömischen Ursprungs und leiten sich vom indogermanischen Wurzelbegriff „pleud“ ab, was etwa mit „fließen“ übersetzt werden kann.Manfred Tschaikner: . In: Bludenzer Geschichtsblätter. Heft 50, 2. Auflage. 2003. Diskutiert wird angesichts der ausgedehnten Sümpfe an der Ill auch lateinisches „ad paludines“ („bei den Sümpfen“) als Namensspender.
Von 1098 bis 1629 trat die Pest 19 Mal in Bludenz auf – besonders viele Opfer forderte sie 1143 und 1591.
1265 erfolgte die Gründung der Stadt Bludenz durch die Werdenberger, das Stadtrecht verlieh Hugo I. von Werdenberg 1274. Die Grafen von Werdenberg erbauten zwischen 1222 und 1245 als Mittelpunkt der gräflich-werdenbergisch-heiligenbergischen Herrschaft bzw. der Herrschaft Bludenz eine Burganlage, an deren Stelle heute das Schloss Gayenhofen steht. Herzog Friedrich IV. („mit der leeren Tasche“) floh nach seiner Ächtung auf dem Konzil von Konstanz über den Arlberg nach Tirol. Dabei verbrachte er den 30. März 1416 in Bludenz (Erinnerung in Sagen an seine Bitte um Einlass am Oberen Tor).
mini|Bludenz um 1643 (Kupferstich von Merian) mit dem Oberen Tor (vorn), der Ill (rechts), dem Montafon (rechts hinten) und dem Klostertal (links hinten).|alternativtext=
Im Jahre 1420 gingen dann Stadt und Herrschaft Bludenz an Österreich über.Alois Niederstätter 1996, S. 99–100. In diesem Jahr huldigten Abgesandte aus Bludenz und dem Montafon ihrem neuen Herrn Herzog Friedrich IV., der ihnen ihre Privilegien bestätigte. Der gesamte Bergbaubereich im Montafon, im Walgau, um Nüziders sowie im Klostertal gehörte erst nach der Zerstörung der Burg Sonnenberg im Jahre 1473 zu Österreich.Karl Heinz Burmeister 1996, S. 127. 1444 und erneut 1491 brannte die Stadt mitsamt den Toren, der Burg (später Barockschloss) und der St. Laurentiuskirche nieder.
1525 scheiterte die Reformation in Bludenz. Die Habsburger regierten Bludenz wechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus.
In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde von einer Schmelzhütte in Bludenz berichtet, die Erze vom Lobinger (Kristbergsattel) und Kristberg, aber auch Erze aus dem Gebiet um Nüziders und Bludenz verhütten konnte.Jochen Hofmann, Christian Wolkersdorfer: Der historische Bergbau im Montafon.
Am 1. November 1638 zerstörte wieder ein Brand nahezu die ganze Stadt; von den Flammen verschont blieben lediglich das Obere Tor mit zwei Nachbarhäusern sowie Kirche und Schloss. 1682 zerstörte ein weiterer Brand einen Großteil der aus Holz gebauten Häuser in der Stadt.Manfred Tschaikner: Bludenz Lesebuch. ISBN 978-3-901325-46-5.
Im Oktober 1730 erwarb der Tiroler Reichsfreiherr Franz Andreas von Sternbach, der als Bergbauunternehmer zu großem Reichtum gelangt war, die vereinigte Pfandherrschaft Bludenz-Sonnenberg.
19. und 20. Jahrhundert Von 1806 bis 1814 gehörte die Stadt zu Bayern, danach wieder zu Österreich. Beim Übergang an Bayern 1806 kam Bludenz zum Landgericht Sonnenberg, dessen Sitz bis 1810 Nüziders und danach Bludenz selbst bildete. Nach der Rückkehr Vorarlbergs in den österreichischen Staatsverband 1814 wurde den Herren von Sternbach die hohe Gerichtsbarkeit nicht mehr zugestanden. 1854 löste man den restlichen Lehensbesitz ab – das Schloss Gayenhofen aber blieb bis 1936 ihr Privatbesitz.
1872 erhielt die Stadt durch die Bahnstrecke Lindau–Bludenz ihren ersten Eisenbahnanschluss.
mini|Gedenktafel zur Erinnerung an die Vereinigung von OeAV und DAV am 23. August 1873 am südlichen Treppenaufgang zum Schlosshotel (neben Schloss Gayenhofen)
Am 23. August 1873 fand im ehemaligen Schützenhaus neben dem Schloss Gayenhofen der Zusammenschluss von Österreichischem und Deutschem Alpenverein zum Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein (DuOeAV) statt.
Nach der Errichtung der Buntweberei (1871) und im Gefolge des Baus der Arlbergbahn (1884) ließ sich in Bludenz eine große Zahl von Zuwanderern aus dem Trentino, dem damaligen „Welschtirol“, nieder. Der vornehmlich von ihnen bewohnte Stadtteil wurde bald als „welsches Viertel“ bezeichnet. Um 1900 war fast ein Fünftel der Bludenzer Einwohnerschaft italienischer Muttersprache.
Als sich Vorarlberg zur Zeit der ärgsten wirtschaftlichen Not von der neu entstandenen Republik Deutsch-Österreich zu trennen und der Schweizer Eidgenossenschaft anzuschließen versuchte, sprach sich Bludenz bei der Abstimmung im Mai 1919 neben zwei Dörfern im Bregenzerwald als einziger größerer Ort des Landes dagegen aus.
mini|Südtiroler Siedlung von der Daneubrücke. Die Beeteinfassungen und andere Bauten im Nahbereich des Galgentobelbaches wurden inzwischen zugunsten eines besseren Abflusses abgerissen.