Commodore Plus/4 280px280px|Commodore Plus/4 Hersteller Commodore International Hauptentwickler Bil Herd (Leitung, Hardware), Dave DiOrio (TED, Hardware), Ira Velinsky (Gehäuse), Terry Ryan (Betriebssystem, BASIC 3.5), David Johnson (3-plus-1 Anwendungssoftware)Brian Bagnall, Boris Kretzinger, Winnie Forster: Volkscomputer. Gameplan, 2010, ISBN 978-3-00-023848-2, S. 182–185. Verkaufsstart und Neupreis Herbst 1984 für 299 US$Benn Dunnington: In: Info 64, Ausgabe 5, 1984, S. 28. Herbst 1984 für 249 £ In: Commodore Horizons, August 1984, S. 6. Anfang 1985 für 1300 DMHeinrich Lenhardt: In: Happy Computer, Februar, 1984, S. 12. Anfang 1985 für ca. 1.000.000 ₤Leo Sorge: Commodore Plus/4. (PDF; 3,1 MB) MCmicrocomputer, März 1985, S. 47. Einstellung der Produktion 1985 Verkaufte Geräte 827.000 Hauptprozessor MOS 7501 oder 8501 @ 1,77 MHz (PAL) Arbeitsspeicher ab Werk 64 KB DRAM Grafikausgabe 40 × 25 Zeichen320 × 200 Pixel, 160 × 200 Pixelmaximal 121 Farben Tonausgabe 2 Tongeneratorendavon wahlweise 1 Rauschgenerator Gehäuseabmessungen (H/B/T) 67 mm / 338 mm / 203 mm Lieferumfang Computer, Netzteil, Antennenkabel, Benutzerhandbuch, 3-plus-1-Softwarehandbuch, Gewährleistungskarte, Commodore-Extra-Garantie, Funkentstört-Bescheinigung, Karton-Verpackung, Styropor-Ober- und -Unterschale
Der Commodore Plus/4 ist ein auf dem 7501- bzw. 8501-Mikroprozessor basierender Heimcomputer des US-amerikanischen Herstellers Commodore International.
Das Gerät wurde ab Mitte 1983 unter der Bezeichnung Commodore 264 zunächst als preiswerte Ergänzung zu den erfolgreichen Heimcomputern Commodore VC 20 und Commodore 64 konzipiert. Zudem sollten mit dem neuen Modell hauptsächlich dem Sinclair ZX Spectrum Marktanteile abgenommen werden. Die technischen und gestalterischen Daten des Computers hatten sich dabei insbesondere den von der Firmenleitung vorgegebenen maximalen Herstellungskosten von 50 US-Dollar unterzuordnen. Daraufhin wurde mithilfe des Spezialbausteins TED die Anzahl der elektronischen Schaltkreise deutlich reduziert und ein kleineres Gehäuse entworfen, ohne jedoch die Abwärtskompatibilität zu Commodore VC 20 und 64 zu wahren. Noch während der Entwicklung des TEDs beschloss Commodore eine Neuausrichtung des Produkts hin zu einem anwendungsorientierten Gerät für kleinere Büros. Die damit verbundene Aufrüstung auf 64 Kilobyte (KB) Arbeitsspeicher und die Implementierung der fest verbauten Anwendungssoftware 3-plus-1 führten schließlich neben einer beträchtlichen Verteuerung auch zur Umbenennung des Computers in Commodore Plus/4.
Das ab Herbst 1984 zunächst nur in Nordamerika ausgelieferte Gerät wurde als „Productivity Computer“ (Heimanwendercomputer) beworben und für 299 US-Dollar im Einzelhandel angeboten. Kurz darauf kamen weitere Absatzmärkte wie beispielsweise Europa hinzu. Aufgrund des schlechtgehenden Verkaufs folgten rasch teils drastische Preisnachlässe, die bereits nach Weihnachten 1985 in den vollständigen Ausverkauf durch Commodore mündeten. Bekanntheit erlangte der Rechner in Westdeutschland hauptsächlich durch den von Aldi ab 1986 im Abverkauf angebotenen Computer-Lernkurs, ein Paket bestehend aus Commodore Plus/4 nebst Datenrekorder und zusätzlicher Einsteigerliteratur.
Durch die geringe Hard- und Softwarekompatibilität zu den Vorgängermodellen, fehlende Grafikfähigkeiten für den Spiele-Bereich (Sprites) und nur eingeschränkte Tonerzeugung war dem Commodore Plus/4 trotz anderweitig guter technischer Kennzahlen und leistungsfähiger Peripheriegeräte kein großer kommerzieller Erfolg beschieden. Zum ursprünglichen Ziel, Sinclair die Marktführerschaft zu entreißen, konnte der Commodore Plus/4 mit lediglich rund 830.000 weltweit verkauften Geräten im Gegensatz zum Commodore 64 nur einen kleinen Teil beitragen. Die Produktion – auch der technisch abgerüsteten Einsteigervarianten Commodore 16 und Commodore 116 – wurde nach schrittweisen Drosselungen bereits 1985 eingestellt, da die Verkaufszahlen des älteren, aber besser unterstützten Commodore 64 unerwartete Höhen erreichten. Zudem standen mit firmeneigenen Modellen wie dem Commodore 128 und dem Amiga 1000, aber auch der ST-Reihe des direkten Konkurrenten Atari mittlerweile deutlich leistungsfähigere Nachfolger zur Verfügung.
Geschichte
Während der boomenden Heimcomputerära im Jahre 1983 war Commodores günstiges Einsteigermodell VC 20 von 1981 bereits veraltet und der Ende 1982 aufgelegte erfolgreiche Commodore 64 bediente lediglich das höhere Preissegment. Zur Erschließung des bislang nicht zugänglichen prosperierenden Niedrigpreisbereiches rund um den Sinclair Spectrum initiierte die Firmenleitung 1983 den Bau eines neuen Computers.Brian Bagnall, Boris Kretzinger, Winnie Forster: Volkscomputer. Gameplan, 2010, ISBN 978-3-00-023848-2, S. 178.
Entwicklung und Prototypen
Das auf der bewährten 8-Bit-Architektur basierende geplante neue Produkt hatte den Anweisungen der Firmenleitung folgend mit einem Minimum an Elektronik auszukommen. Damit sollte einerseits die Senkung der Produktionskosten auf 50 $ und andererseits die Verwendung eines kleineren Gehäuses ermöglicht werden – wichtige Kennzahlen, um mit einem anvisierten Verkaufspreis von 100 $ insbesondere in Hinblick auf den günstigen und kompakt bemessenen Sinclair Spectrum konkurrenzfähig sein zu können.
Das TED-Projekt
Die mit der Entwicklung beauftragten Ingenieure von MOS Technology und Commodore wandten sich zunächst der Konstruktion eines neuen elektronischen Spezialbausteins zu. Dieser sollte sämtliche Funktionen zur Erzeugung von Grafik und Ton sowie von Ein- und Ausgabeoperationen in sich vereinen und Einsparungen sowohl von Produktionskosten als auch von Gehäuseplatz ermöglichen. Die entsprechenden Funktionsgruppen des später MOS 7360 genannten integrierten Schaltkreises (Chip) wurden dabei von Grund auf neu entwickelt.
220px|mini|links|Logo von MOS Technology
Die Eigenschaften der im Commodore 64 und VC 20 verbauten Spezialbausteine für Grafik und Tonerzeugung flossen bei der Konstruktion nicht in die Spezifikationen ein. Zum einen hatten deren Entwickler mitsamt benötigtem Wissen Commodore bereits verlassen und zum anderen änderte die Vermarktungsabteilung zwischenzeitlich das potentielle Einsatzgebiet des neuen Systems, nachdem Commodore im Bereich hochwertiger Bürocomputer stetig Marktanteile verloren hatte. Das bislang unerschlossene Segment des professionellen Heimanwenderbereiches – kleinere Büros und Handwerker – rückte nun in den Fokus.Stefan Egger: Drei schlechte Ideen. SCACOM-Aktuell, Ausgabe 20/21, 2010, S. 26.Scott Mace: Commodore enhances 264. InfoWorld, Juli, 1984, S. 11. Entsprechend sollten die Fähigkeiten des zu entwickelnden Systems auf diese neuen Anforderungen ausgerichtet werden. Dies betraf in erster Linie den Einsatz von Dienstprogrammen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbank und die vielseitige Darstellbarkeit der erzeugten Ergebnisse. Das neue Hauptaufgabengebiet der textorientierten Verwendung spiegelt sich zudem in der Benennung des Chips als Text Editing Device oder in akronymisierter Kurzform TED wider.Morton Kevelson: In: Ahoy!, März 1983, S. 29.
mini|Mikroprozessor MOS 8501, Nachfolger des MOS 7501 in neuer Fertigungstechnologie
Die im Ergebnis entstandenen guten Grafikfähigkeiten des MOS 7360 paarte man mit einem optimierten 6502-Mikroprozessor, dem MOS 7501. Neuartige Komponenten auch für den Arbeitsspeicher in Form von 16-KB-DRAM-Chips halfen die Anzahl der Bauteile weiter zu reduzieren und die zu erweiternde eingebaute Programmiersprache BASIC versprach eine unkomplizierte Verwendung dieser neuen leistungsfähigen Hardware. Dieses speziell auf den neuen MOS 7360 und 7501 zugeschnittene Rechnersystem wurde fortan als TED-Projekt in den Entwicklungsunterlagen geführt. Erste Informationen, vermutlich von Commodore selbst im Sinne einer besseren Vermarktung auf einschlägigen Computermessen in Umlauf gebracht, sprachen dagegen entweder vom Ted-Computer oder dem Codenamen 444. In: Ahoy!, Februar 1984, S. 14. In: Bits & Bytes, Februar 1984, S. 2.
Die Commodore-264-Modelle
Ab Sommer 1983 wurde durch den Einfluss der Commodore-Vermarktungsabteilung das Entwicklungsprogramm des TED-Computers um verschiedene Ausbaustufen mit besonderen „Features“ erweitert. Schnell kristallisierten sich drei verschiedene Konfigurationen heraus, denen man besondere Aufmerksamkeit schenkte: Am unteren Ende der Modellreihe rangierte dabei der mit einer Radiergummitastatur und 16 KB Arbeitsspeicher ausgestattete Commodore 116 als der ursprünglich geplante „Sinclair Killer“. Im mittleren Bereich siedelte man das ambitioniertere Modell Commodore 264 für den semiprofessionellen Gebrauch an. Das Konzept sah 64 KB Arbeitsspeicher, eine vollwertige Schreibmaschinentastatur und ein an Lotus 1-2-3 angelehntes, aber fest eingebautes Paket an Dienstprogrammen vor – ein Novum in der Mikrocomputergeschichte. In: Baron’s MicroComputing Reports, Mai, 1984, S. 7. Die Auswahl der einzelnen Anwendungsprogramme plante man dabei dem potentiellen Käufer zu überlassen, der sich seine maßgeschneiderte Programmsammlung damit auf einfache Art und Weise zusammenstellen können sollte. Das Premiummodell mit der Bezeichnung Commodore 364 ergänzte den Commodore 264 um ein eingebautes Sprachsynthesemodul, ein vergrößertes Gehäuse mit Ziffernblock und entsprechende Software.Brian Bagnall, Boris Kretzinger, Winnie Forster: Volkscomputer. Gameplan, 2010, ISBN 978-3-00-023848-2, S. 188 f.Michael Scharfenberger: In: Happy Computer, Ausgabe 3, 1984, S. 10 f.
mini|links|300px|Prototyp der Commodore-264-ModellreiheBei dem Bild handelt es sich um eine Fotomontage nach einer Vorlage aus Compute! Magazin (April 1986, S. 16).
Im Sinne einer komfortablen Bedienung des in die hochwertigen Modelle Commodore 264 und 364 zu integrierenden Softwarepakets begann Commodore diese mit einem den Macintosh-Rechnern von Apple nachempfundenen fensterbasierten Bediensystem auszustatten. Zudem gaben die Verantwortlichen vor, die vorgesehenen Applikationen wie Tabellenkalkulation, Textverarbeitung, Datenbank, Programmiersprachen und Grafikprogramme optimal aufeinander abzustimmen, um beispielsweise eine leichte Austauschbarkeit der Daten untereinander zu gewährleisten. Darüber hinaus gehende Aufgabenstellungen sollte der Benutzer durch selbst zu erstellende Programme bearbeiten können. Dazu sah man eine Erweiterung des Commodore Basic 2.0 zum unkomplizierten Erstellen von kaufmännisch orientierter Software und zum Benutzen der hochaufgelösten Farbgrafik des TED vor. Sämtliche Arbeiten zur Implementierung der Software wurden nach dem Umzug der Firmenzentrale im Spätsommer 1983 begonnen.