Die Deutsche Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg (DPSG; bis 2025: Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg) ist ein katholischer Pfadfinderverband und der größte Pfadfinderverband in Deutschland. Er ist Mitglied im Ring deutscher Pfadfinder*innenverbände (rdp) und im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Der Verband sieht sich in der Tradition Robert Baden-Powells, alle Mitglieder legen ein Pfadfinderversprechen ab.
Struktur und Organisation mini|Die mit der Kluftreform von 1965 eingeführte Kreuzlilie ist das Erkennungszeichen der DPSG Derzeit ist die DPSG einer der beiden größten katholischen Jugendverbände Deutschlands mit nach eigenen Angaben etwa 85.000 Mitgliedern. Diese verteilen sich folgendermaßen auf die Altersstufen: Biber (ab 4 bis 6 Jahre) Wölflinge (ab 6 bis 10 Jahre): 18.000 Jungpfadfinder (ab 9 bis 12 Jahre): 15.000 Pfadfinder (ab 12 bis 15 Jahre): 11.000 Rover (15 bis 20 Jahre): 14.000
Diese Gruppen werden von ungefähr 27.000 erwachsenen Leitern betreut.
Die Biber wurden erst in der 83. Bundesversammlung 2017 als Vorgruppe der Wölflinge eingeführt. Um die Einführung auf Stammesebene zu erleichtern, erschien 2018 eine Arbeitshilfe zum Thema Biber-Gruppen.
Höchstes beschlussfassendes Gremium ist die Bundesversammlung. Nachgeordnet findet sich diese Aufteilung bis zu den Stämmen herunter wieder, wobei die Vorstandschaft bis hinab zur Diözesansebene gleichberechtigt von einem männlichen und einem weiblichen Vorsitzenden sowie einem Kuraten oder einer Kuratin besetzt werden muss – in Bezirken und Stämmen ist diese Aufteilung lediglich wünschenswert.
Die DPSG ist in 25 Diözesen aktiv. In diesen arbeitet sie in 137 Bezirken mit insgesamt ca. 1200 Stämmen und Siedlungen.
Bundesverband Das Bundesamt der DPSG hat seinen Sitz in Mönchengladbach.
Geleitet wird die DPSG vom dreiköpfigen Bundesvorstand sowie der ehrenamtlichen Bundesleitung aus den Referenten für die Altersstufen. Die einzelnen Stufen haben ein eigenes Referat mit einem Referenten, einem Stufenkuraten und einem Arbeitskreis. Darüber hinaus gibt es noch Referenten und Arbeitskreise für verschiedene Schwerpunkte in der inhaltlichen Arbeit, zum Beispiel für Internationale Gerechtigkeit, Inklusion und Ökologie.
Bundeszentrum Westernohe Das Bundeszentrum befindet sich am Rande des Dorfes Westernohe im Westerwald. Das Gelände umfasst einen 28 Hektar großen Zeltplatz sowie mehrere Tagungs- und Selbstversorgerhäuser und bietet ganzjährig Platz für mehr als 4000 Gäste. Diese Zahl an Gästen wird regelmäßig an Pfingsten erreicht, wenn der Bundesverband dort zum bundesweiten Treffen einlädt. Im Jahre 2004 zum 75. Jubiläum des Verbandes wurden 6200 Teilnehmer gezählt.
Diözesanverband Die DPSG gliedert sich nach der Bundesebene in verschiedene Diözesanverbände. Ihre territoriale Ausdehnung ist identisch zu jener der Diözese im Sinne des Kirchenrechts. Auf der Diözesanebene findet viel inhaltliche Arbeit in den Stufen- und Facharbeitskreisen statt. Außerdem sind die meisten Diözesanverbände mit einem Diözesanbüro ausgestattet in dem hauptberufliche Mitarbeiter die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit unterstützen.
Zudem haben die meisten Diözesanverbände einen eingetragenen Verein als Rechtsträger, welcher unter anderem die gegebenenfalls vorhandenen Einrichtungen und Häuser der Diözesanverbände verwaltet. Insgesamt gibt es in 25 der 27 Diözesen Diözesanverbände der DPSG (Ausnahmen Dresden-Meißen, Görlitz).
Bezirksebene Je nach Größe des Diözesanverbands gliedert sich jener in Bezirke. Ist dies nicht der Fall, übernimmt der Diözesanverband die Aufgaben, die der Bezirk normalerweise wahrnimmt. Die Bezirksebene bietet den Stämmen und deren Vorständen die Möglichkeit zum direkten Austausch untereinander und unterstützt die Arbeit der Stämme vor Ort.
Stammesebene Die Stammesebene stellt die Ortsebene, in größeren Städten die Kirchengemeindeebene, der DPSG dar. Hier findet der größte Teil der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen statt. Neben der Stammesversammlung, welche sowohl die Kinder und Jugendlichen aus den Gruppen als auch die Leiter und den Stammesvorstand repräsentiert, gibt es die Stammesleitung und den Stammesvorstand. Für den pädagogischen Austausch zwischen den Leitern gibt es zudem die Leiterrunde, welche oft die Aufgaben der Stammesleitung (zu Teilen) übernimmt.
Innerhalb des Stammes gibt es Leitungsteams für die jeweiligen Altersstufen und entsprechende Gruppen.
Überverbandliche Einordnung Die DPSG ist Mitglied im Ring deutscher Pfadfinder*innenverbände (rdp). Weitere Mitglieder sind der Verband Christlicher Pfadfinder*innen (VCP), der Bund der Pfadfinder*innen (BdP), die Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) und der Bund Muslimischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands (BMPPD). Der rdp wiederum ist Mitglied in der World Organization of the Scout Movement (WOSM) und der World Association of Girl Guides and Girl Scouts (WAGGGS), wobei sich die Mitgliedsrechte der DSPG aus historischen Gründen nur auf WOSM beziehen, da die DPSG vor der Gründung des rdp nur Mitglied im Ring deutscher Pfadfinderverbände (RdP) war, welcher wiederum nur Mitglied der WOSM war. Auch ist die DPSG über den rdp Mitglied im Deutschen Bundesjugendring (DBJR).
Als größter katholischer Jugendverband in Deutschland ist die DPSG Gründungsmitglied im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und Mitglied der Internationalen Katholische Konferenz des Pfadfindertums (IKKP).
Geschichte mini|Die DPSG-Bundeslilie auf dem Sankt-Georgs-Kreuz wurde von 1931 bis 1965 offiziell verwendet Die ersten katholischen Pfadfindergruppen in Deutschland gründeten sich 1928 in Wuppertal, Beuthen, München, Berlin, Frankfurt a. M., Mannheim und Speyer. Am 7. Oktober 1929 schlossen sich Stämme zur Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg in Altenberg zusammen. Als Sitz der Bundeskanzlei wurde Wuppertal bestimmt. Einer der Mitgründer, der Theologiestudent Willy Werner, wurde auf dem 1. Reichsthing 1930 in Altenberg zum ersten Reichsfeldmeister des neuen katholischen Jungenbundes ernannt. Zum Reichskurat wurde Kaplan Emmerich Wolter ausgerufen. Das Thing beschloss eine verbindliche Kluft, ein Pfadfindergesetz und eine vorläufige Bundesordnung. mini|links|Lagerappell der St.-Georgs-Pfadfinder bei der VI. Reichstagung des Katholischen Jungmännerverbandes in Trier (1931) Auf der VI. Reichsversammlung des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands, 1931 in Trier, wurde die DPSG offiziell in der kirchlichen Jugendarbeit aufgenommen. Berühmt wurde in den katholischen Pfadfinderkreisen während der Aufnahmezeremonie das Treuegelöbnis des ersten Reichsfeldmeisters, das in den Zeiten des kommenden Verbotes viele Gruppen zusammenhielt: „Wir sind treu, oder wir sind nicht“. 1932 folgte die Verlegung der Bundeskanzlei von Altenberg nach Düsseldorf.
Willi Werners Nachfolger im Amt des Reichsfeldmeisters wurde Walter Casott. Das 3. Bundesthing in Altenberg zu Ostern 1933 befasste sich unter anderem mit dem Thema „Durchgeistigte Form und geformter Geist des Pfadfinderlebens“. Die DPSG bestand zu diesem Zeitpunkt aus 310 Stämmen mit rund 9000 Mitgliedern.
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Deutschland verboten diese 1934 das Tragen von Kluft, Abzeichen und Bannern. Die Mitgliederzahl stieg im Jahr 1935 auf 16.000 (in 457 Stämmen). 1938 verboten die Nationalsozialisten die DPSG und ihre Gruppenarbeit. In der Illegalität wurde durch die Gemeinschaft Sankt Georg in Kirchen, Pfarrheimen und Wohnungen von Gruppenführern weiter pfadfinderische Arbeit geleistet. Auch zu Pfadfindern im Ausland wurde Kontakt gehalten.
mini|Georgsritter-Ernennungsurkunde, wie sie ab 1960 im Land München eingesetzt wurde und mit dem Wegfall der Georgsritter 1962 wieder verschwand.
Kurz nach Kriegsende fand auf örtlicher Ebene der Aufbau von Pfadfindergruppen statt. Das 6. Bundesthing in Altenberg im Juli 1946 erließ eine neue Bundesordnung und wählte Hans Fischer zum Bundesfeldmeister.
1947 kamen Georgspfadfinder erstmals nach dem Krieg wieder in Kontakt mit dem weltweiten Pfadfindertum. Am ersten Jamboree nach dem Krieg, dem „Jamboree des Friedens“ in Frankreich, konnten Georgspfadfinder im Rahmen des Kontingentes der Scouts de France (SdF) teilnehmen. Die DPSG zählte rund 10.000 Mitglieder in 282 Stämmen.
Das 9. Bundesthing 1949 erarbeitete eine neue Struktur und eine neue Kluft und ließ erstmals Frauen als Wölflingsführerinnen zu. Zusammen mit der Christlichen Pfadfinderschaft Deutschlands (CPD) und dem Bund Deutscher Pfadfinder (BDP) gründete die DPSG den Ring deutscher Pfadfinderbünde. Das Rüsthaus Sankt Georg als Ausrüster und der Georgs-Verlag wurden gegründet. Die DPSG hatte 20.500 Mitglieder. 1958 fand eine erste Zeltfreizeit für Jungen mit Behinderung in Westernohe statt. Die Zahl der Mitglieder stieg in den 1950er Jahren und bis zu Beginn der 1960er Jahre stark an, fiel in den darauffolgenden Jahren jedoch regional teilweise überproportional. Wurden beispielsweise im Land München auf dem Landesthing 1962 noch 93 Stämme mit über 2600 Mitgliedern (1961)DPSG, Land München, Landesthingprotokoll vom Landesthing, abgehalten am 11. und 12. November 1961 gezählt,DPSG, Land München, Landesthingprotokoll vom Landesthing, abgehalten am 1. und 2. Dezember 1962 fiel diese Zahl bis zum Landesthing 1970 auf 59 Stämme.DPSG, Land München, Landesthingprotokoll vom Landesthing, abgehalten am 13. und 14. Dezember 1969 1965 verzeichnete der Bundesverband 73.000 Mitglieder. Zu Beginn der 1970er Jahre begannen die Mitgliederzahlen wieder zu steigen und überschritten im Jahr 1978 die Zahl 100.000. Im Jahr 1990 lag die Mitgliederzahl bei 112.500 Mitgliedern, stagnierte über einige Jahre und sank bis 2004 auf rund 100.000 Mitglieder. Die Mitgliederzahl betrug 2007 rund 95.000.
mini|Abzeichen der DPSG-Jahresaktionen 1967–1969
Die erste „Jahresaktion“ unter dem Motto „Flinke Hände, flinke Füße schaffen ein Werk für körperbehinderte Jugendliche“ (1961) markierte den Anfang der Jahresaktionen, die sich bis heute jedes Jahr mit einem anderen politisch-gesellschaftlich Thema auseinandersetzen und bei denen Spenden für konkrete Projekte gesammelt werden. Im gleichen Jahr wurde beim 21. Bundesthing eine neue Altersstruktur beschlossen und die Jungpfadfinderstufe (11 bis 13 Jahre) eingeführt. Die Ritterstufe wurde in Roverstufe umbenannt.
Nachdem bisher mit wenigen Ausnahmen (Wölflingsleiterinnen) nur Jungen und Männer Mitglied in der DPSG sein konnten, öffnete sich die DPSG 1971 auch für Mädchen und Frauen und ist seitdem ein koedukativer Verband. Daneben gibt es mit der Pfadfinderinnenschaft St. Georg einen rein weiblichen Pfadfinderinnenverband, der 1947 gegründet wurde. Im Jahr 1971 gipfelte die pädagogische Diskussion im Beschluss einer neuen Ordnung, die das Pfadfindergesetz durch die „Grundlinien unserer Lebensauffassung“ ersetzte und die DPSG pädagogisch veränderte.
1976 spalteten sich einzelne Mitglieder als Katholische Pfadfinderschaft Europas ab, da sie der DPSG eine Vernachlässigung der klassischen Pfadfinderarbeit und des katholischen Glaubenslebens vorwarfenAndreas Hönisch: Warum die Gründung der Katholischen Pfadfinderschaft Europas notwendig war. In: Die Spur, Nr. 1 (1976), S. 10–12. und eine strengere Umsetzung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils befürworteten.Günther Walter: KPE/DPSG-Unterschiede. Pfadfinder Mariens 2004/4, S. 5 fHermann-Josef Frisch: Nicht Kirchenschafe, sondern Mut-Christen. Patmos Verlag, 26. August 2014. ISBN 978-3-8436-0547-2
Die 57. Bundesversammlung 1995 brachte eine weitere weitreichende Veränderung, durch die Einführung der „Kindermitbestimmung“, wonach Kinder die Gruppenstunde und das Verbandsleben im Stamm selber mitbestimmen sollten.
Mit dem Jahr 2001 begann der Perspektiventwicklungsprozess „update“, der kritisch die DPSG mit ihren Zielen und ihrer Ordnung hinterfragte.