Postbank ist eine Marke sowie Zweigniederlassung der Deutschen Bank. Schwerpunkt ist das standardisierte Privatkundengeschäft.
Die Postbank ging in der zweiten Postreform von 1994 mit dem Poststrukturgesetz als eines von drei Unternehmen aus der Privatisierung der Deutschen Bundespost hervor, einem vormaligen nicht rechtsfähigen Sondervermögen des Bundes. Als Deutsche Postbank AG war sie Rechtsnachfolgerin des im Rahmen der ersten Postreform von 1989 aus den Postgiro- und Postsparkassenämtern gebildeten staatlichen Unternehmens Deutsche Bundespost Postbank.
Von 2009 bis 2015 wurde die Postbank nach und nach von der Deutschen Bank übernommen und 2018 auf die DB Privat- und Firmenkundenbank verschmolzen, die ihrerseits am 15. Mai 2020 in der Deutsche Bank AG aufging, die damit auch durch Verordnung zum Postnachfolgeunternehmen wurde.§ 3 Verordnung zur Bestimmung der Deutschen Bank AG als Postnachfolgeunternehmen (PBNUBestV) vom 17. März 2020. In: Sie galt bis zur Verschmelzung auf die Deutsche Bank als Hausbank der Deutsche Post AG.
Geschichte Anfänge 1909 wurde der Postscheckdienst im Deutschen Reich eingeführt. Hintergrund war die Notwendigkeit eines reichsweiten bargeldlosen Zahlungsverkehrs, den das vorhandene Bankwesen seinerzeit nicht anbot. Jeder hatte Anspruch auf ein Postscheckkonto, von dem aus bargeldlose Zahlungen getätigt werden konnten. Überweisungen, Scheckeinreichungen und Kontoauszüge wurden mit der Post versandt, sodass außer für Barein- und -auszahlungen kein Filialnetz notwendig war. Insofern war die Postbank als Rechtsnachfolger der Postscheckämter die älteste Direktbank Deutschlands.
Ein Postsparkassendienst war bereits 1883 in Österreich gegründet worden und wurde am 2. Januar 1939 als Folge der Vereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich im März 1938 reichsweit eingeführt. Ein Sparer konnte an allen deutschen Postämtern Einzahlungen leisten und sich Geld auszahlen lassen. Die Möglichkeit der Auszahlung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg sukzessive auf weitere europäische Länder ausgedehnt, sodass man sich kostenfrei Geld vom Postsparbuch in Landeswährung auszahlen lassen konnte.
Mitte der 1980er Jahre wurde der Postscheckdienst in den zeitgemäßen Begriff Postgirodienst umbenannt, da der alte Begriff erklärungsbedürftig war und Nachteile im Zuge der zunehmenden Konkurrenz im Geschäft mit Girokonten der Banken einbrachte. Damals war auch eine Überziehung des Kontos (Kontokorrentkredit) grundsätzlich nicht möglich, allenfalls ein negativer Saldo von 500 bis maximal 1000 DM wurde geduldet. Lediglich für Bedienstete der Deutschen Bundespost stand durch Kooperation mit den Post-, Spar- und Darlehnsvereinen ein Dispositionskreditrahmen zur Verfügung.
Die Postbank gehört zu den Pionieren des Onlinebankings. Sie begann zunächst 1983 mit einem Versuch über Bildschirmtext. In den Folgejahren wurde das Onlinebanking unter T-Online weitergeführt.
mini|Zweisprachiger Postspar-Rückzahlungsschein (Portugal)
Postreformen Mit Wirkung zum 1. Juli 1989 wurde die Deutsche Bundespost kraft Poststrukturgesetz im Zug der ersten Postreform in drei eigenständig am Markt auftretende öffentliche Unternehmen (Teilsondervermögen) aufgegliedert. Die Postbank firmierte danach unter dem Namen Deutsche Bundespost POSTBANK (kurz DBP Postbank) und nahm am 1. Januar 1990 die Geschäftstätigkeit auf.Postbank Geschäftsbericht 1990. Bonn 1991, S. 22. Sie wickelte weiterhin Postsparkassen- und Postscheckdienst über die Postämter ab.Ferdinand Kirchhof: Tätigkeitsfelder der Deutschen Bundespost POSTBANK (= Tübinger Schriften zum Staats- und Verwaltungsrechts, Band 10). Duncker & Humblot, Berlin 1990, ISBN 3-428-07057-7.
Im Rahmen der zweiten Postreform von 1994 wurden die drei Unternehmen der Bundespost in Aktiengesellschaften umgewandelt und die Bundespost aufgelöst. Am 2. Januar 1995 erlangte die Deutsche Postbank AG als Nachfolgeunternehmen der DBP Postbank die Selbstständigkeit und die Vollbanklizenz, wodurch die Postbank neue Geschäftsfelder im Kredit- und Wertpapierbereich erschließen durfte.
Deutsche Postbank AG Erwerb durch Deutsche Post mini|Postbank Finanzcenter in Singen (Hohentwiel) nebst Post und DHL 1999 erwarb die Deutsche Post AG die Postbank von der Bundesrepublik Deutschland. 2000 erwarb die Postbank die DSL Bank. 2001 gründete die Postbank die PB Factoring und stieg damit ins Factoring ein.Deutsche Postbank AG, Presseinformationen, Pressearchiv,
Da die Auszahlung von Postsparguthaben im Ausland aufwendig war (zweisprachige Vordrucke mussten erstellt und nebst entsprechenden Anleitungen an ausländische Poststellen verteilt werden), wurde sie nach Einführung der Sparcard (s. u.) durch eine weltweite Gültigkeit derselben ersetzt.
Ab dem 1. Januar 2004 übernahm die Postbank die Abwicklung des Zahlungsverkehrs für die Deutsche Bank und die Dresdner Bank und lagerte sie in die Betriebs-Center für Banken (BCB) aus.
Börsengang mini|hochkant|Werbeaktion der Postbank anlässlich ihres Börsengangs im Juni 2004
Am 6. Mai 2004 teilte der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post AG (Eigentümer der Postbank) Klaus Zumwinkel mit, dass die Postbank am 21. Juni 2004 an die Börse gehen und bis zu 50 Prozent minus einer Aktie der Postbank verkauft werde. Die in der ersten Bookbuilding-Phase am 6. Juni festgesetzte Preisspanne von 31,50 bis 36,50 Euro wurde am 19. Juni auf 28,00 bis 32,00 Euro aufgrund der geringen Nachfrage geändert und der Börsengang auf den 23. Juni verschoben.
2005 wurde die Übernahme der BHW Holding AG eingeleitet. Am 21. März 2005 übernahm die Postbank 9,2 % der Anteile an der BHW Holding AG von der Ergo Versicherungsgruppe. Am 25. Oktober wurde mit der Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften (BGAG) und dem dbb (Beamtenbund) ein Vertrag zur Übernahme von weiteren 76,4 % Anteilen an der BHW Holding AG abgeschlossen. Dieser Vertrag wurde am 2. Januar 2006 vollzogen, womit die Postbank 91,04 % der Anteile hielt und damit den BHW-Konzern erfolgreich übernahm.Geschäftsbericht des Postbank-Konzerns 2005, Innenseite Meilensteine 2005.
Anfang 2007 wurde die Postbank Vertriebsakademie GmbH als jüngstes Tochterunternehmen der Postbank gegründet. Damit bündelte sie die Bildungsaktivitäten an zentraler Stelle und stellte die Qualifikation der Berater sicher. Auf Grund der Ausweitungen des Weiterbildungsschwerpunktes auch auf Themen jenseits des Vertriebs erfolgte im Juli 2010 die Umbenennung in Postbank Akademie und Service GmbH.
Die Aktie der Deutschen Postbank wurde vom 18. September 2006 bis 20. März 2009 im DAX und anschließend bis 9. Dezember 2010 im MDAX gelistet.
Im November 2008 wurden im Rahmen einer Kapitalerhöhung 54,8 Millionen neue Aktien ausgegeben. Der Bruttoemissionserlös betrug rund eine Milliarde Euro. Die neuen Aktien wurden zu 99,3 % von der Deutschen Post AG übernommen, die damit ihren Anteil an der Postbank AG auf etwa 62,3 % steigerte.
Übernahme durch Deutsche Bank mini|hochkant|Postbank-Finanzcenter in Dresden-Striesen Die Postbank beauftragte die US-amerikanische Investmentbank Morgan Stanley, einen Fusionspartner zu suchen. Im September 2008 wurde eine Übernahme durch die Deutsche Bank angekündigt, die der Offerte der spanischen Großbank Santander zuvorkam. In einem ersten Schritt wollte sich die Deutsche Bank mit 29,75 % an der größten deutschen Filialbank beteiligen. In den folgenden 12 bis 35 Monaten sollten weitere 20,25 % plus eine Aktie übernommen werden.. Financial Times Deutschland, 11. September 2008. Der Kauf der Postbank wurde mit mehr als 8 Mrd. Euro bewertet. Das positive Votum des Post-Aufsichtsrats wurde am 12. September 2008 bekanntgegeben.
Im Februar 2009 wurde der Übernahmeplan aufgrund der Finanzkrise geändert. Die Deutsche Bank übernahm nun in einem ersten Schritt 22,9 % der Aktien. Gleichzeitig wurden zwischen Deutscher Bank und Deutscher Post eine Pflichtumtauschanleihe, die nach drei Jahren in 27,4 % der Postbank-Aktien getauscht werden sollte, und Aktienkauf- und -verkaufsoptionen über weitere 12,1 % der Postbank-Aktien vereinbart.
Am 25. Februar 2009 gab die Deutsche Post bekannt, dass die erste Tranche (22,9 %) der Postbank-Aktien an die Deutsche Bank übertragen wurde. Mit zusätzlich am Aktienmarkt gekauften Papieren verfügte die Deutsche Bank zum 31. Dezember 2009 über 29,88 % der Postbank-Aktien. (PDF) Seite 234, abgerufen am 15. Mai 2010. Im November 2010 erwarb die Deutsche Bank die Mehrheit der Anteile und baute diese kontinuierlich aus. Am 28. Februar 2012 teilte sie mit, mittlerweile den vollständigen Anteil der Deutschen Post von 39,5 % mittels Pflichtwandelanleihe und der Verkaufsoption der Deutschen Post übernommen und weitere Aktien am freien Markt aufgekauft zu haben, so dass sich der Anteil an der Postbank nun auf 93,7 % belief. Am 30. März 2012 wurde der Beschluss über den Abschluss eines Beherrschungs- und GewinnabführungsvertragesBeherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen der DB Finanz-Holding GmbH und der Deutsche Postbank AG (PDF) zwischen der Deutschen Postbank AG als abhängigem Unternehmen und der DB Finanz-Holding GmbH als herrschendem Unternehmen bekanntgegeben, dem die obligatorische Zustimmung der Hauptversammlung der Deutschen Postbank AG am 5. Juni 2012 folgte.Abstimmungsergebnisse der Hauptversammlung 2012 der Postbank. In: postbank.de
Seit Anfang 2015 bestehende Überlegungen der Deutschen Bank, die Postbank wieder auszugliedern und in ein eigenständiges Unternehmen zu überführen, wurden durch den Beschluss des Aufsichtsrats der Deutschen Bank in einer Sondersitzung vom 24. April 2015 konkretisiert, die Postbank zu „entkonsolidieren“. Die genaue Art des Ausstiegs blieb dabei zunächst offen. Am 21. Dezember 2015 wurde das Delisting von der Frankfurter Wertpapierbörse und der Squeeze-out mit dem Eintrag ins Handelsregister abgeschlossen. 2016 sollte die Postbank entweder an die Börse gebracht oder an einen Investor verkauft werden, das Vorhaben wurde dann aber wegen der Umsetzungsregeln zu Basel III auf 2017 verschoben.Deutsche Bank nimmt nächstes Jahr Postbank-Verkauf in Angriff. In: Finanzen.net, 27. Oktober 2016. Am 6. März 2017 verkündete Vorstandschef John Cryan jedoch, dass die Postbank mit dem Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank verschmolzen werden solle, was am 25. Mai 2018 vollzogen wurde.
Verschmelzung mini|Ehemalige Zentrale Deutsche Postbank AG in Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 114–126 Mit Wirkung zum 25. Mai 2018 wurde die Deutsche Postbank AG auf die das Filialgeschäft der Deutschen Bank betreibende Tochtergesellschaft Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG verschmolzen, die anschließend auf DB Privat- und Firmenkundenbank AG umfirmierte.Fusion der Deutsche Postbank AG mit der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden Aktiengesellschaft sowie Umbenennung der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden Aktiengesellschaft in DB Privat- und Firmenkundenbank AG. Kapitalmarktinformation der DB Privat- und Firmenkundenbank AG, 28. Mai 2018. In: Bundesanzeiger, 29. Mai 2018, abgerufen im Unternehmensregister am 2. Juni 2018. Taggleich wurde die Postbank – eine Niederlassung der DB Privat- und Firmenkundenbank AG in das Handelsregister eingetragen,Veränderungen, DB Privat- und Firmenkundenbank AG, 25. Mai 2018. Registereintragung beim Amtsgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen HRB 47141. Abgerufen im Unternehmensregister am 2. Juni 2018. die die Marke Postbank fortführt.
Am 15. Mai 2020 wurde die DB Privat- und Firmenkundenbank AG ihrerseits auf die Deutsche Bank AG verschmolzen, die Postbank ist nun als Zweigniederlassung Postbank – eine Niederlassung der Deutsche Bank AG im Handelsregister eingetragen.