mini|Škoda-Stammwerk in Mladá Boleslav mini|Vorstände Christian Strube, Klaus-Dieter Schürmann, Alain Favey, Bernhard Maier, Michael Oeljeklaus und Dieter Seemann bei der Vorstellung des Škoda Vision X auf dem Genfer Auto-Salon 2018 Škoda Auto a.s. () mit Sitz in Mladá Boleslav ist ein tschechischer Automobilhersteller. Die Firma ist einhundertprozentige Tochtergesellschaft der Volkswagen AG. Die Automobilmarke Škoda ist eine der ältesten der Welt.
Škoda Auto wurde 1895 als Fahrradhersteller unter der Firma Laurin & Klement von Václav Laurin und Václav Klement gegründet und fertigte ab 1905 Automobile.
Der Maschinenbaukonzern Škoda kaufte 1925 die durch den Ersten Weltkrieg geschwächte Gesellschaft auf. Dadurch erhielten Fahrzeuge das Emblem Laurin & Klement – Škoda, neue Modelle kamen ab 1925 nur noch als Škoda auf den Markt. Namensgeber war der Industrielle und Ingenieur Emil von Škoda. 1930 erhielt der Automobilhersteller innerhalb des Konzerns den Namen Akciová společnost pro automobilový průmysl (Aktiengesellschaft für die Automobilindustrie) mit der Abkürzung ASAP. Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei im Jahr 1939 durch Einmarsch deutscher Truppen im März 1939 wurde der Automobilhersteller Teil der deutschen Reichswerke Hermann Göring. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Automobilwerke im Jahr 1945 verstaatlicht, die Automobilsparte ASAP als Automobilové závody, národní podnik (Automobilwerke, Nationalbetrieb) mit der Abkürzung AZNP aus dem Mischkonzern ausgegliedert und seither planwirtschaftlich betrieben.
Um eine Privatisierung des Automobilherstellers zu ermöglichen, wurde der Staatsbetrieb nach der Samtenen Revolution 1990 in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Automobilový koncern Škoda a.s. (Automobilkonzern Škoda Aktiengesellschaft) umgewandelt, sodass die tschechoslowakische Regierung der Volkswagen AG einen Minderheitsanteil am Unternehmen verkaufen konnte. 1991 folgte die Umbenennung in Škoda automobilová a.s. (Škoda Automobil-Aktiengesellschaft). 1997 wurde der Hersteller in seinen gegenwärtigen Namen Škoda Auto a.s. umbenannt. Schrittweise baute die Volkswagen AG ihren Anteil an Škoda Auto aus, so dass Škoda Auto am 30. Mai 2000 vollständig im Besitz von Volkswagen war.Petr Kožíšek, Jan Králík: L&K – Škoda 1895–2003, I. + II. MotoPublic pro Škoda Auto 2003, Teil 1 ISBN 80-239-1849-4, Teil 2 ISBN 80-239-1949-0 (tschechisch)
Es existiert außerdem die Škoda Transportation a.s., die u. a. Lokomotiven, Busse und Straßenbahnwagen herstellt, die genauso wie Škoda Auto aus dem Konzern Škoda hervorging; dieses Unternehmen gehört aber nicht zur Volkswagen AG.
2020 verkaufte der Autohersteller 1.004.800 Fahrzeuge. 2021 waren es 878.200 Fahrzeuge und 2022 insgesamt 731.300 Stück. Am 11. April 2019 feierte Škoda die Produktion von 22 Millionen Fahrzeugen in der gesamten Firmengeschichte.
Geschichte mini|Beschwerdebrief an den Fahrradhersteller Seidel & Neumann mini|1895: Gründung des Unternehmens Laurin & Klement 1895 bis 1905 – Gründung von Laurin & Klement
Das Unternehmen wurde am 18. Dezember 1895 von dem Buchhändler Václav Klement und dem Fahrradmechaniker Václav Laurin in Mladá Boleslav gegründet. Laurin war Gesellschafter der Firma Kraus & Laurin in Turnov, die Fahrräder reparierte. Die Initiative zur Gründung der Fabrik ging von Klement aus. Er hatte sich über den Dresdner Hersteller Seidel & Naumann geärgert, da dieser seine Beschwerde in tschechischer Sprache über die mangelhafte Haltbarkeit seines Fahrrades nicht berücksichtigen wollte.
Anfangs wurden Fahrräder der Marke Slavia gebaut und repariert, drei Jahre später folgten Modelle mit Hilfsmotor. 1898 wurde außerhalb von Mladá Boleslav eine kleine Fabrik errichtet, in der 40 Arbeiter tätig waren. 1899 wurden die ersten Motorräder und ab 1905 Automobile hergestellt. Ende des Jahres 1902 verließ bereits das zweitausendste Motorrad die Fabrik. Die L&K-Motorräder waren bei Wettbewerben sehr erfolgreich, bei 34 Rennen im Jahr 1903 errangen sie 32 Siege. 1905 baute L&K 19 verschiedene Motorräder mit Ein- und Zweizylindermotoren sowie die Vierzylindermaschine CCCC 5HP. Bereits 1901 hatte sich L&K mit der Entwicklung von Automobilen beschäftigt und auf der Automobilausstellung in Wien ein Fahrzeug mit Zweizylindermotor ausgestellt.
1905 bis 1914 – Anfang der Produktion von Automobilen 1905 wurden die ersten Automobile gebaut, zuerst die Voiturette mit einem 1005 cm³ großen, wassergekühlten, 7 PS starken Zweizylinder und kurze Zeit später der Typ B mit 9 PS und 1399 cm³. 1907 folgten die Typen B2 mit 2278 cm³ und 10 PS und der Typ C, ein Taxi mit 12 PS.
1907 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, 1912 wurde die Reichenberger Automobil Fabrik übernommen und bald war das Unternehmen der größte Automobilhersteller in Österreich-Ungarn. 1909 wurde der Konstrukteur Otto Hieronimus eingestellt, der vorher schon bei Benz und Daimler gearbeitet hatte. Dieser war auch Rennfahrer und entwickelte den Typ FCR, einen Rennwagen, der 130 km/h erreichte. Laurin & Klement baute neben Motorrädern und Automobilen auch Stationärmotoren, Nutzfahrzeuge, Omnibusse, landwirtschaftliche Maschinen und Straßenwalzen. Rund 40 % der Automobile wurden nach Russland exportiert, auch nach Japan, Südamerika, Neuseeland und in die meisten europäischen Länder wurden Fahrzeuge ausgeführt. In den Jahren bis 1914 waren die Laurin & Klement-Fahrzeuge sehr erfolgreich bei Rennveranstaltungen.
1914 bis 1925 – Der Verkauf von Laurin & Klement an Škoda Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Produktion auf Rüstungsgüter umgestellt und erst 1919 konnte die Automobilproduktion wieder aufgenommen werden. Es war nicht einfach den zivilen Markt wieder zu erobern. Die Automobilfabrik L&K fand sich in der jungen Tschechoslowakischen Republik wieder. Vor 1914 hatten L&K nur 30 % ihrer Autos auf dem Territorium der nunmehrigen Tschechoslowakei verkauft, 20 % in der restlichen Monarchie und 50 % waren in den Export gegangen. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Neuordnung Europas veränderten sich die Marktverhältnisse jedoch. Die Nachfrage war durchaus noch gegeben, aufgrund der hohen Materialkosten war die Produktion allerdings wenig profitabel. Das Automobil war wieder zu einem Luxusprodukt geworden, der Betrieb teuer.
Als Erstes nach dem Krieg erschienen der Typ Sh und der Kleinwagen Typ T. Es folgten größere Modelle mit Sechszylinder-Ottomotoren und Knight-Schiebersteuerung. In der Zeit von 1905 bis 1925 wurden rund 60 verschiedene Automodelle gebaut.
L&K suchten den Weg zum Kunden zu verkürzen, indem die Firma 1920 eine Reparatur-Verkaufswerkstätte in Prager Kleinseite eröffnete. Allmählich erkannte Klement, dass die Zukunft ausschließlich der Serienfertigung gehöre und nur die Massenproduktion einen billigen oder erschwinglichen Volkswagen schaffen könne. Deshalb entschieden sich L&K zu einer Partnerschaft mit den Škoda-Werken in Pilsen.
Am 27. Juni 1925 erfolgte der Zusammenschluss mit den Pilsener Škoda-Werken, wobei Laurin technischer Direktor blieb. Die zu diesem Zeitpunkt gebauten Automobilmodelle wurden von Škoda Auto, wie die neue Firma hieß, zunächst unter dem Namen „Laurin & Klement – Škoda“ und dann unter dem Namen „Škoda“ weitergebaut. Der Bau von Fahr- und Motorrädern wurde komplett eingestellt.
1925 bis 1945 – Erste Republik, deutsche Besatzung und Verstaatlichung mini|Autosalon in Prag, 1925 1930 wurde die Autosparte des Großkonzerns unter dem Namen Automobilindustrie-Aktiengesellschaft Škoda (ASAP Škoda) ausgegliedert. Nach der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre gelang Škoda mit dem Popular ein neuer Durchbruch. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Škoda zum deutschen Staatskonzern Reichswerke Hermann Göring. Unter dem Druck der deutschen Besatzungsmacht stellte Škoda nun hauptsächlich verschiedene Arten von Kübel- und Geländewagen mit Allradantrieb sowie die schweren Radschlepper Ost her und montierte einzelne Waffenteile. Daneben wurden für BMW und Daimler-Benz Zahnräder, Wellen und Kühler produziert.
Am 9. Mai 1945 wurde die Werkshalle in Mladá Boleslav von unbekannten Bombern angegriffen. Dabei wurden die Karosseriewerkstätten, das Physik- und Chemielabor und das Konstruktionsbüro mit allen alten, archivierten Plänen zerstört. Die Rote Armee übernahm am 10. Mai 1945 die Organisation im Hauptwerk Mladá Boleslav. Am 7. Juni 1945 wurde der erste Betriebsrat gegründet. Am 24. Oktober 1945 wurde das Unternehmen verstaatlicht und schrittweise in die beginnende Planwirtschaft eingebunden. Der Betrieb wurde nach 1945 aus dem Konzern Škoda Pilsen unter Beibehaltung des Firmennamens ausgegliedert und als Nationalunternehmen weitergeführt.
1945 bis 1990 – Rückschläge und Erfolge mini|hochkant|Škoda auf der Herbstmesse in Leipzig, 1980 1947 wurde der Lkw-Bau ausgegliedert und zuerst von Avia, ab 1951 von LIAZ unter der Marke Škoda weitergeführt. Anfang/Mitte der 1950er Jahre kamen neue Pkw-Modelle der Kompakt- und Mittelklasse heraus, darunter das Cabriolet Felicia. 1956 fiel die Entscheidung für die Entwicklung eines Pkws mit Heckmotor und Heckantrieb. Die Entwicklungsarbeiten verzögerten sich jedoch, sodass die Serienproduktion erst 1964 mit dem Bau des von einem Heckmotor angetriebenen Modells 1000 MB startete. Dazu war ein neues Werk in Mladá Boleslav errichtet worden, das seinerzeit zu den modernsten in ganz Europa zählte.Die Technologie für den Škoda 1000 MB. In: Kraftfahrzeugtechnik. 2/1965, S. 53–57.Die Fertigung des Motors für den Škoda 1000 MB. In: Kraftfahrzeugtechnik. 5/1966, S. 169–174.
Im August 1969 wurden große Teile des Werks durch einen Brand zerstört. Die Fahrzeugpalette wurde in den 1960er Jahren auf die untere Mittelklasse beschränkt. Pläne von Škoda, Anfang der 1970er Jahre zusätzlich ein neues Mittelklasse-Modell (Typ 720) mit Frontmotor und Hinterradantrieb in Serie zu bringen,Škoda-Perspektive: Auch Mittelklassewagen!. In: Kraftfahrzeugtechnik. 4/1968, S. 111–112. scheiterten nicht zuletzt an einer Fokussierung auf das Gemeinschafts-Projekt RGW-Auto, das jedoch 1973/74 seitens der DDR-Führung abgebrochen und 1979 endgültig beendet wurde. Der Investitionsspielraum für andere Vorhaben bei Škoda war daher limitiert und es folgten in der Serie lediglich modifizierte Heckmotor-Pkw-Modelle; 100/110 und der Typ 742 (105, 120, 125, 130, 135), von denen es als 110 R, Garde und Rapid auch sportliche Coupés gab. Erst 1987 kehrte Škoda mit dem Škoda Favorit zum Frontmotor zurück und fand zusammen mit der neuen Bertone-Karosserie wieder den Anschluss zum internationalen Stand der Technik.
In der DDR zählten Škoda-Modelle zu den wichtigsten Importwagen und machten rund 10 Prozent des gesamten Pkw-Bestands aus.Peter Kirchberg: Plaste, Blech und Planwirtschaft, Nicolai-Verlag (2000) 1981 wurde der 300.000ste Škoda in die DDR eingeführt.Von der Leipziger Herbstmesse 1981: Medaillen, Jubiläen und Tendenzen. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1981, S. 293–295. Wenig später jedoch versiegte der Import aufgrund politischer Unstimmigkeiten der beiden Staaten.
1990 bis heute – Verkauf an Volkswagen mini|Tor 7 in Mladá Boleslav Im Zuge der 1990 begonnenen Privatisierung entschied sich die tschechoslowakische Regierung am 9. Dezember 1990 dafür, die damalige AZNP (Automobilové závody, národní podnik; dt. Automobilwerke, Nationalbetrieb) an die Volkswagen AG zu verkaufen. Am 16. April 1991 wurde Škoda die vierte Marke des Volkswagenkonzerns. Als weitere Interessenten hatten sich die Automobilhersteller Renault und BMW angeboten, jedoch erschienen deren Zukunftskonzepte weniger überzeugend als das von Volkswagen. 1991 wurde in Weiterstadt der deutsche Importeur Škoda Auto Deutschland GmbH gegründet, ab 1995 hundertprozentige Tochtergesellschaft von Škoda Auto, a.s.