mini|Bad Honnef vom Drachenfels aus gesehen

Bad Honnef (bis 26. Januar 1960 Honnef) ist eine Stadt im Rhein-Sieg-Kreis am Südrand von Nordrhein-Westfalen mit  Einwohnern (). Sie liegt auf der östlichen Seite des Rheins und grenzt über diesen nordwestlich an den Stadtbezirk Bad Godesberg der Bundesstadt Bonn und zudem an Rheinland-Pfalz. Bad Honnef nimmt gemäß Landesplanung die Funktion eines Mittelzentrums ein. Nach Definition des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung handelt es sich bei Bad Honnef um eine „Kleine Mittelstadt“. Bad Honnef ist dem Regierungsbezirk Köln zugeordnet.

Bekannt geworden ist die ehemalige Kurstadt aufgrund des ganzjährig milden Klimas, weshalb sie auch gelegentlich den Beinamen „Rheinisches Nizza“ trägt. Im Stadtteil Rhöndorf wohnte Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, bis zu seinem Tod im Jahr 1967. Die Stadt ist Sitz einiger bundesweiter Organisationen und Interessenverbände.

Geografie mini|hochkant=1.5|Blick über den Bahnhof auf Bad Honnef

Bad Honnef liegt am östlichen, orographisch rechten Rheinufer zwischen Königswinter und Rheinbreitbach am Fuße des Siebengebirges, das den nördlichen Abschluss des Rheinischen Schiefergebirges und somit den Beginn des Übergangs vom Mittelrhein in den Niederrhein markiert. Der westliche Rand des 48,3 Quadratkilometer großen Stadtgebietes lässt sich naturräumlich der Honnefer Talweitung zuordnen, deren nördliche Begrenzung der Drachenfels beim Stadtteil Rhöndorf bildet. Sie kennzeichnet sich linksrheinisch durch ein über 100 Meter hohes Steilufer, dem rechtsrheinisch ein wesentlich breiterer, halbmondartig aufgeweiteter Talbereich gegenüberliegt und nimmt die beiden Inseln Grafenwerth und Nonnenwerth auf. Der mittlere Teil des Stadtgebietes wird vom Siebengebirge sowie dem Rheinwesterwälder Vulkanrücken eingenommen und das östliche Drittel mit dem Stadtbezirk Aegidienberg liegt auf der Asbacher Hochfläche, gehört damit zu den nordwestlichen Ausläufern des Westerwalds.

Das Stadtgebiet umfasst den südlicheren Teil des Naturschutzgebiets und Naturparks Siebengebirge, der zum Honnefer Stadtwald gehört. Dort liegen neben dem mit seinem Gipfel bereits zu Königswinter gehörenden Drachenfels unter anderem die Berge Löwenburg, Himmerich, Großer Breiberg, Leyberg und Ölender. Unmittelbar oberhalb des Bad Honnefer Zentrums befinden sich die Reichenberger Höhe () sowie die Augusthöhe (). Die am und südlich des Schmelztals gelegenen Berge des Stadtgebiets zählen zum Rheinwesterwälder Vulkanrücken, großräumiger zum Niederwesterwald. Die höchste Erhebung im Stadtgebiet ist mit die Löwenburg, der tiefste Punkt befindet sich mit 53 Metern am Rheinufer bei Rhöndorf. Die Stadtmitte liegt bereits 20 Meter über der Höhe am Rheinufer. Ins Siebengebirge oder den Niederwesterwald hinauf führen – von Nord nach Süd – das Rhöndorfer Tal, das Annatal (mit dem Möschbach), das Tretschbachtal, das Schmelztal sowie das Mucher Wiesental. Der im Schmelztal verlaufende und in den Rhein mündende Ohbach weist von den Bächen des Stadtgebiets die höchste Abflussmenge auf. Die südliche Stadtgrenze wird auf weiten Teilen vom Grenzbach Honnefer Graben gebildet.

Die ehemalige Kurstadt bildet den südöstlichen Abschluss des Verdichtungsraums Bonn und ist zehn Kilometer vom Bundesviertel entfernt, das durch die dort ansässigen Bundesministerien, -behörden, internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen und mehreren „Global Playern“ einen Arbeitsplatzschwerpunkt mit nationaler und internationaler Ausstrahlung darstellt.

mini|Die Ruine der Löwenburg ist mit der höchste Bodenpunkt im Stadtgebiet

Stadtgliederung Bad Honnef wird gewöhnlich in den Stadtbezirk Aegidienberg und in die Stadtteile Stadtmitte, Selhof und Rhöndorf unterteilt. Diese Aufteilung dient als Hilfsmittel z. B. für Schul- und Wahlbezirke und das Ortsstraßenverzeichnis.Hauptsatzung der Stadt Bad Honnef (PDF; 47 kB).

Das berglagige Aegidienberg als ehemalige Gemeinde, vom Rest der Stadt durch das Siebengebirge abgetrennt, ist ein eigener Stadtbezirk mit einem eigenen Bürgerbüro. Für diesen Stadtbezirk existiert ein Bezirksausschuss, der aus 15 Mitgliedern besteht. Ihm gehören höchstens zwölf sachkundige Bürger an. Weitere Stadtbezirke und sonstige administrative Untergliederungen der Stadt bestehen nicht. Das Stadtgebiet umfasst zwei Gemarkungen in den Grenzen der bis zur kommunalen Neugliederung 1969 bestehenden Gemeinden: Honnef und Aegidienberg.Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen: (Stand 2005; PDF; 243 kB)

mini|Stadtzentrum von Bad Honnef mit Kirche und neuem Rathaus mini|Pfarrkirche St. Johann Baptist

Stadtmitte Stadtmitte ist der größte Stadtteil Bad Honnefs und das Zentrum der Stadt mit der Fußgängerzone und dem Hauptgeschäftsbereich. Sie hat sich aus den ehemaligen Honschaften Mülheim, Beuel, Bondorf, Rommersdorf und Reitersdorf sowie dem erst später besiedelten Lohfeld gebildet. In der Honschaft Mülheim lag das Zentrum der Stadt an Markt und Pfarrkirche. Mülheim bezeichnet eigentlich eine am Rhein gelegene Schiffersiedlung, der Name wurde jedoch vom 16. bis zum 19. Jahrhundert auch auf das Stadtzentrum übertragen.Wilhelm Crecelius, Wold. Harleß (Hrsg.): Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins. 20. Band 1884, S. 117 ff.

Reitersdorf wurde als „Retersdorpht“ 893 im Prümer Urbar erwähnt nach der erstmaligen Erwähnung einer „villa rateresthorp“ 866. Grabungen haben 1981 die Grundmauern einer befestigten Anlage freigelegt, die auch schon 1870 entdeckt worden war, aber wieder zugeschüttet wurde. Diese Burg wurde um 1270 erbaut. 1288 wurde „Castrum Reyterstorp“ Lehen des Grafen von Jülich und anschließend erweitert. Vor 1317 wurden die Burg und die Ortschaft zerstört und 1517 letztmals als „Rettersdorf“ in einem Schatzbuch der Jesuiten von Köln erwähnt. Die Burgruine ist heute das Zentrum eines weitläufigen Parks, an dessen südlichem Rand sich ein Pflegeheim befindet.

In dem am Rhein gelegenen Lohfeld befindet sich ein größeres Industriegebiet, außerdem im Westen die Insel Grafenwerth. Bondorf, Rommersdorf und Beuel stellen den höchstgelegenen Teil der Bebauung in der Tallage dar und liegen am Hang. Insbesondere Rommersdorf ist ein beliebter Wohnort.

An der Hauptstraße befinden sich mehrere historische Gebäude, so der renovierte Kursaal und das Gebäude der Elly Hölterhoff-Böcking Stiftung und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

mini|Reste der Burg Reitersdorf mini|Weinberge in Rhöndorf am Hang des Drachenfelses

Rhöndorf

Rhöndorf liegt im Norden an der Grenze zu Königswinter und ist mit der Stadtmitte zusammengewachsen. Da es der Wohnort des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer war, ist es wohl der bekannteste Stadtteil. Im Norden befinden sich ausgedehnte Weinberge am Hang des Drachenfels, die den Ort neben der Ausstellung in der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus zu einem beliebten Touristenziel machen. Die Ortsmitte Rhöndorfs ist der Ziepchensplatz, um den herum sich im Ortskern zahlreiche Fachwerkhäuser und ein Lehrweinberg mit mittelrheintypischen Reben des Bürger- und Ortsvereins Rhöndorf befinden.

Selhof

Selhof liegt im Süden der Tallage Bad Honnefs und grenzt an Rheinbreitbach. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Stadtteil 1068 als Selehova. Er erstreckt sich in West-Ost-Richtung von der Bundesstraße 42 bis zu den Bergen Zickelburg und Menzenberg sowie in Nord-Süd-Richtung von der Landesstraße 144 bis zum Honnefer Graben und dem Grenzwald zu Rheinbreitbach. In Selhof befindet sich auch das Schloss Hagerhof.

mini|Aegidiusplatz, Marktplatz in Aegidienberg

Aegidienberg

Der Stadtbezirk Aegidienberg ist der ehemalige Wohnort von Carlo Schmid und Heinz Günther Konsalik. Er besteht aus den Ortsteilen Aegidienberg (Kirchdorf), Brüngsberg, Efferoth, Himberg, Höhe, Hövel, Neichen, Orscheid, Retscheid, Rottbitze, Siefenhoven, Wintersberg und Wülscheid, die sich auf verschiedene Anhöhen verteilen. Der Stadtbezirk befindet sich östlich des zum Siebengebirge gehörenden Honnefer Stadtwaldes und wird von der Bundesautobahn 3 und der Ende 2002 eröffneten Trasse der ICE-Neubaustrecke Köln–Frankfurt durchschnitten. Im Gegensatz zur Tallage bestehen hier noch großflächige Waldbereiche. Im Norden grenzt Aegidienberg an das zu Königswinter gehörende Eudenbach, in dem sich das Segelfluggelände Eudenbach befindet, im Osten und Süden an mehrere zu Windhagen gehörende Ortsteile.

Nachbarstädte und -gemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Bad Honnef. Sie werden im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend genannt:

Stadt Königswinter, Ortsgemeinde Windhagen (Verbandsgemeinde Asbach), Ortsgemeinde Rheinbreitbach (Verbandsgemeinde Unkel), Stadt Remagen (Oberwinter und Rolandswerth) und Bundesstadt Bonn (Stadtbezirk Bad Godesberg). Damit grenzt Bad Honnef an drei Gemeinden der rheinland-pfälzischen Landkreise Neuwied und Ahrweiler.

Klima Das Klima des Talbereichs wird hauptsächlich von der Lage am Südhang des Siebengebirges bestimmt, das ihn gegen die rauen Nord- und Ostwinde schützt. Warme, aus West und Süd kommende Luftströmungen sorgen ganzjährig für ein mildes Klima.Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hrsg.); Ewald Glässer (Bearb.): Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 122/123. Selbstverlag, Bonn-Bad Godesberg 1978, ISBN 3-87994-328-1, S. 18, 35 (=Geographische Landesaufnahme 1:200.000. Naturräumliche Gliederung Deutschlands). Alexander von Humboldt nannte Bad Honnef aufgrund dieser günstigen klimatischen Gegebenheiten das „rheinische Nizza“. Diese Bedingungen waren die Voraussetzung für den guten Ruf Honnefs als Kurort insbesondere für Hals-, Brust- und Lungenleiden, den die Stadt lange Zeit genoss.

Im Bergbereich (Siebengebirge und Aegidienberg) sind die Temperaturen gewöhnlich etwa zwei Grad Celsius niedriger und der Wind ist stärker.

Geschichte Der nachstehende Text behandelt die Geschichte der Tallage Bad Honnefs, die Geschichte Aegidienbergs wird im Artikel Aegidienberg behandelt.

Entstehung des Namens Die angeblich erstmalige Nennung Honnefs zu Anfang des 8. Jahrhunderts als „Honffa“ ist historisch nicht haltbar, da die ihr zugrunde liegende Inschrift nach neueren Forschungen aus sehr viel späterer Zeit stammt. 922 wurde es in latinisierter Form als „Hunapha“, 1102 als „Hunephum“, 1173 als „Hunepha“ und 1283 als „Hunippe“ in verschiedenen lateinischen Urkunden erwähnt. In deutscher Form erschien 1120 der Name „Hunefeh“, 1173 und 1278 „Hunefe“, und 1395 wurde der Name „Hunff“ in einer Drachenfelser Ausgabenrechnung festgehalten. Im Nekrologium von Nonnenwerth wird die damalige Siedlung „Hunnffe“ und in der Chronik von Erkelenz „Honff“ genannt.

Entstanden ist der Name wahrscheinlich aus den Silben „hohn“ und „höhnchen“. Ersteres könnte von verschiedenen Ortsnamensendungen des Westerwaldes, die ähnlich hießen („han“, „hahn“, „hohn“, „hagen“) abgestammt sein, „Am höhnchen“ hieß ein Waldbezirk. Honnef war deshalb möglicherweise der Name für ein Walddorf. Früher nahm man unter anderem an, der Stadtname hätte seine Ursprünge im keltischen „on“ (hon = Fels) und der Name würde demnach „Gut vor dem Felsen“ bedeuten. Andere Versionen führen den Namen auf einen Bach zurück oder dem „Hofe des Hunno“, der im Mittelalter der damaligen Honschaft vorstand.

Die 1317 und 1393 urkundlich belegte Bezeichnung „Hunff“ wird auch als „tierreiches Wasser“ interpretiert, bezugnehmend auf die beiden sich bei Bad Honnef vereinigenden Rheinarme.Helmut Arntz: Urkataster und Gewannen. Studien zur Heimatgeschichte der Stadt Bad Honnef. Heft 13, S. 55.

Anfänge in der fränkischen Zeit