zentriert|160px|Prager Frühling Gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die ČSSR kommt es zu weltweiten Protestenzentriert|160px|Eröffnung der Olympischen Spiele In Mexiko-Stadt werden die XIX. Olympischen Spiele abgehalten. Im Mai kommt es zu tagelangen Unruhen in der französischen Hauptstadt. Die Polizei muss sich aus dem Universitätsviertel Quartier Latin zurückziehen zentriert|150px|Gefallener Vietcong vor US-Botschaft Saigon Januar 1968: Die Tet-Offensive des Vietcong beginnt. Dabei fällt zeitweise auch die US-Botschaft in Saigon in die Hände der Rebellen
Das Jahr 1968 ist in vielen Ländern der Höhepunkt der linksgerichteten Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen der 1960er-Jahre, die daher auch als 68er-Bewegung bezeichnet werden. In den USA sind das die Proteste gegen den Vietnamkrieg und die schwarze Bürgerrechtsbewegung, deren Anführer Martin Luther King im April des Jahres ermordet wird, in Frankreich die Mai-Unruhen, in der Bundesrepublik die Studentenbewegung, die Proteste gegen die Notstandsverfassung, und die Außerparlamentarische Opposition, in der ČSSR der Prager Frühling, in der Volksrepublik Polen die März-Unruhen, die Studentenproteste in Mexiko und in Japan die Proteste von Zengakuren.
Politik und Weltgeschehen Nahostkonflikt Am 28. Dezember zerstört eine israelische Kommandoeinheit in einer Vergeltungsaktion am Beiruter Flughafen 13 Flugzeuge.
Vietnamkrieg Am 30. Januar startet die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams (FNL) aus dem kommunistischen Nordvietnam mit rund 84.000 Kämpfern die Tet-Offensive und greift die Provinzhauptstädte Saigon und Huế an. Strategie und Stärke der Angriffe überraschen die amerikanischen und südvietnamesischen Truppen, welche sich bis dahin in dem Konflikt eher in der Oberhand sahen. Die Offensive endet in einer schweren militärischen Niederlage für die FNL, welche die Hälfte ihrer Truppen verliert. Saigon und Huế werden schwer zerstört. Die FNL wird stark geschwächt und tritt im weiteren Verlauf des Krieges kaum noch in Erscheinung. Sie kann jedoch einen wichtigen psychologischen Erfolg verbuchen: Erstmals wird der US-Öffentlichkeit deutlich, dass der Vietnamkrieg mit einer Niederlage enden könnte. Präsident Lyndon B. Johnson verliert an Popularität und politischer Glaubwürdigkeit, und die Proteste gegen den Krieg werden schärfer.
Das von US-Truppen begangene Massaker von My Lai am 16. März, das allerdings erst im darauffolgenden Jahr durch einen Artikel im Magazin Life bekannt wird, dreht die öffentliche Stimmung endgültig.
Prager Frühling
In der zum Warschauer Pakt gehörenden Tschechoslowakei kommt es unter dem Motto „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu einer schrittweisen Liberalisierung der Verhältnisse unter Alexander Dubček, der im Januar zum ersten Sekretär der KSČ aufsteigt. Unter anderem wird die Pressezensur aufgehoben. Diese Entwicklung endet jedoch in der Nacht zum 21. August schlagartig, als etwa eine halbe Million Soldaten aus anderen Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts (aus der Sowjetunion, der VR Polen, der VR Ungarn und der VR Bulgarien) in die Tschechoslowakei einmarschieren und innerhalb von wenigen Stunden alle strategisch wichtigen Positionen des Landes besetzen. Dubček und andere hochrangige Regierungsmitglieder werden festgenommen, nach Moskau gebracht und zu Gunsten des linientreuen Gustáv Husák entmachtet.
Nigeria/Biafra Im seit dem Vorjahr andauernden Biafra-Krieg wird die abtrünnige Provinz Biafra von den wesentlich besser ausgerüsteten nigerianischen Streitkräften zu zwei Dritteln besetzt. In der Region kommt es zu einer Hungerkatastrophe, deren Bilder um die Welt gehen.
Ereignisse Jahreswidmungen 1968 ist „Internationales Jahr der Menschenrechte“. „1968“, speziell der „Mai 1968“, steht für eine internationale Jugend- und Protestbewegung.
Politik und Weltgeschehen 1. Januar: Willy Spühler wird erneut Bundespräsident der Schweiz. 1. Januar: In der Bundesrepublik Deutschland wird die wettbewerbsneutrale Mehrwertsteuer als besondere Form der Umsatzsteuer in Höhe von 10 % eingeführt. Die Versicherungspflichtgrenze in der Krankenversicherung der Angestellten wird aufgehoben. 2. Januar: Scheich Mohammed Abdullah, ehemaliger Regierungschef von Kaschmir, wird von der indischen Regierung freigelassen. 5. Januar: Alexander Dubček wird Erster Sekretär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei. 12. Januar: In der DDR wird ein neues Strafgesetzbuch beschlossen, welches das Reichsstrafgesetzbuch von 1871 und das Strafrechtsergänzungsgesetz ablöst. Es verschärft Strafen für „politische Delikte“ und tritt am 1. Juli desselben Jahres in Kraft. 17. Januar: In Kambodscha beginnen die Roten Khmer ihren Guerillakampf gegen die Regierenden unter Prinz Norodom Sihanouk. 18. Januar: In Aachen beginnt der Contergan-Prozess. 21. Januar: Der Absturz einer amerikanischen B-52 südlich der Thule Air Base (Grönland) mit vier Wasserstoffbomben an Bord fordert ein Todesopfer und sorgt für schwere Verstimmungen zwischen Dänemark und der US-Regierung. Ob Radioaktivität freigesetzt wird, bleibt umstritten. 21. Januar: Als erster NATO-Staat erkennt die Türkei das griechische Militärregime unter Georgios Papadopoulos an. 23. Januar: Nordkoreanische Schnellboote bringen in eigenen Gewässern das amerikanische Erkundungsschiff Pueblo auf. 23. Januar: Israel und Ägypten tauschen die letzten Gefangenen des Sechstagekrieges aus (zwei Israelis, 465 Ägypter). 24. Januar: Nach der Wahlniederlage seiner Sozialdemokraten am Vortag reicht der dänische Regierungschef Jens Otto Krag seinen Rücktritt ein. 30. Januar: Im Vietnamkrieg beginnen nordvietnamesische und Einheiten der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams die Tet-Offensive unter General Võ Nguyên Giáp, die für die amerikanischen und südvietnamesischen Truppen völlig überraschend kommt. Besonders betroffen sind die Städte Saigon und Huế (das fast vollständig zerstört wird). Zwar scheitert die Offensive militärisch, aber sie ist sowohl politisch als auch psychologisch sehr wirksam. Danach regen sich starke Proteste gegen den Vietnamkrieg der USA in aller Welt und leiten den sukzessiven Rückzug der USA aus Vietnam ein.
mini|Beim Massaker von My Lai ermordete vietnamesische Zivilisten mini|Martin Luther King mini|Rudi Dutschke
31. Januar: Nauru wird von Australien unabhängig. 31. Januar: Walter Scheel wird auf einem FDP-Bundesparteitag in Freiburg als Nachfolger von Erich Mende zum Parteivorsitzenden gewählt. 1. Februar: Im Vietnamkrieg tötet der Polizeichef von Saigon Nguyễn Ngọc Loan vor Reportern einen festgenommenen Vietcong durch einen Kopfschuss. Ein Foto dieser Exekution wird zu einem der bekanntesten Bilder des 20. Jahrhunderts. 8. März: Studentendemonstrationen in Polen, Beginn der März-Unruhen 1968 in Polen 12. März: Gabun. Gründung der Einheitspartei „Parti Démocratique Gabonais“ 12. März: Mauritius wird unabhängig. 16. März: Massaker der US-Army an 503 Zivilisten in My Lai (Son My), Südvietnam 18. März: Der Kongress der USA hebt die Bestimmung auf, dass Goldreserven für US-Währung gebildet werden müssen. 28. März: Bundesinnenminister Paul Lücke tritt nach mehrtägigen Rücktrittsdrohungen zurück, nachdem das von ihm vorangetriebene Projekt der Einführung des relativen Mehrheitswahlrechts in Deutschland vorerst gescheitert war 31. März: US-Präsident Lyndon B. Johnson gibt bekannt, bei den Präsidentschaftswahlen im November 1968 nicht für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. Gleichzeitig beendet er partiell die Bombenangriffe in Vietnam und fordert den Beginn von Friedensgesprächen. 3. April: Eine Gruppe um Andreas Baader und Gudrun Ensslin begeht in Frankfurt am Main einen Brandanschlag auf ein Kaufhaus. 4. April: Attentat auf Martin Luther King in Memphis (Tennessee). Es kommt zu Plünderungen und Brandschatzungen. 1200 Gebäude brennen in Washington nieder und 900 Läden werden zerstört. Auch andere Städte sind betroffen. Viele Menschen ziehen aus den zerstörten Städten fort. 6. April: In der DDR wird in einem sogenannten Volksentscheid über die neue Verfassung abgestimmt. 94,5 Prozent haben nach Angaben der Regierung mit Ja gestimmt. 11. April, Berlin: Josef Bachmann fügt bei einer Kundgebung dem Studentenführer Rudi Dutschke lebensgefährliche Schussverletzungen zu. 11. April: In den USA erlangt der Civil Rights Act of 1968 gegen die Diskriminierung von farbigen Bürgern durch die Unterschrift Präsident Johnsons Gesetzeskraft. 24. April: Mauritius wird Mitglied bei den Vereinten Nationen. April, Rom: Gründung des Club of Rome 3. Mai: In Paris beginnt die Besetzung der Sorbonne (Universität). 6. Mai: Erste Straßenschlacht um die besetzte Sorbonne in Paris (Mai-Unruhen) 13. Mai: USA und Nordvietnam beginnen Friedensverhandlungen. 17. Mai: Frankreich: Ein Generalstreik dehnt sich auf gesamte Industriezweige aus. 18. Mai: Biafra-Krieg: Nigerianische Truppen erobern die wichtige Hafenstadt Port Harcourt und blockieren humanitäre Hilfsmittellieferungen an Biafra. Es kommt zu einer Hungersnot in der abtrünnigen Provinz Nigerias, die 1 bis 3 Millionen Menschen dahinrafft. Bilder von Kindern mit Hungerödemen gehen um die Welt. 30. Mai: Der Bundestag verabschiedet mit einer Zweidrittelmehrheit eine Notstandsverfassung. 5. Juni: Ermordung von Robert F. Kennedy 7. Juni, Wien: Aktionisten sorgen in einer Universität für einen Skandal: Uni-Ferkelei. 18. Juni: Nach einem Urteil des Bundessozialgerichtes in Kassel ist Alkoholismus als Krankheit im Sinne der Reichsversicherungsordnung anerkannt. 28. Juni: Die Notstandsgesetze treten in Kraft (Bundesrepublik Deutschland). 1. Juli: Drei der fünf damaligen Atommächte (USA, Sowjetunion und Großbritannien) unterzeichnen in Washington den Atomwaffensperrvertrag. 17. Juli: Machtübernahme im Irak durch den Revolutionären Kommandorat der Baath-Partei unter Ahmad Hasan al-Bakr 20./21. August: Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in der Tschechoslowakei (Ende des Prager Frühlings) 26. bis 29. August: Demonstrationen und Polizeigewalt auf dem Demokratischen Konvent in Chicago 29. August: In Oslo heiratet der Kronprinz Harald von Norwegen die aus bürgerlichem Hause stammende Sonja Haraldsen. 6. September: Swasiland (seit 2018 Eswatini) wird von Großbritannien unabhängig. 12. September: Sowjetische Truppen ziehen sich aus Prag, Bratislava und Brno zurück. 23. September: Kulturabkommen zwischen Deutschland und Senegal. In Kraft seit dem 1. Juli 1969 24. September: Swasiland wird Mitglied bei den Vereinten Nationen 2. Oktober: Das Massaker von Tlatelolco beendet die mexikanische Studentenbewegung. 5. Oktober: Die gewaltsame Auflösung eines Demonstrationszuges katholischer Bürgerrechtler in Derry durch die Polizei leitet die jahrzehntelange Ära blutiger Auseinandersetzungen im Nordirlandkonflikt („The Troubles“) ein. 12. Oktober: Äquatorialguinea erlangt die Unabhängigkeit von Spanien 22. Oktober: US-Präsident Lyndon B. Johnson unterzeichnet mit dem Gun Control Act eines der bedeutendsten Waffengesetze auf Bundesebene 24. Oktober: Barbados wird Mitglied in der UNESCO 25. Oktober: Mauritius wird Mitglied in der UNESCO 31. Oktober: Im Rahmen der amerikanisch-nordvietnamesischen Friedensverhandlungen ordnet US-Präsident Johnson die Einstellung aller Bombenangriffe im Vietnamkrieg an. 5. November: Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1968: Der Republikaner Richard Nixon gewinnt die Wahl zum 37. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Sein Amt tritt er am 20. Januar 1969 an. 8. November: Als Letzter der britischen Postzugräuber wird Bruce Reynolds in Torquay festgenommen – nach über fünfjähriger Flucht vor der Polizei. 8. November: In Wien endet eine UN-Konferenz mit internationalen Übereinkommen über Regelungen für den Straßenverkehr und über Straßenverkehrszeichen. 11. November: Die Republik Malediven bekommt eine neue Verfassung 12. November: Äquatorialguinea wird Mitglied bei den Vereinten Nationen