mini|John Fulleylove: Die Moschee in Hebron und die Machpela-Höhle, um 1900 Hebron (aus über ; ) ist eine Stadt im Westjordanland mit rund 202.000 Einwohnern (2014). Die Stadt liegt 30 Kilometer südlich von Jerusalem in 930 m Höhe. Sie ist Hauptstadt des Gouvernements Hebron und Sitz der Universität Hebron und einer Polytechnischen Hochschule. Hebron gilt im Judentum seit dem 16. Jahrhundert als eine der vier Heiligen Städte, zusammen mit Jerusalem, Tiberias und Safed. Im Islam ist sie ebenfalls eine der vier Heiligen Städte, nach Mekka, Medina und Jerusalem. Die Altstadt von Hebron zählt seit 2017 zum UNESCO-Welterbe.

Name Sowohl der arabische als auch der hebräische Name leiten sich vom jeweiligen Wort für „Freund“ ( bzw. ) ab. Dies bezieht sich auf den biblischen Stammvater Abraham, der für religiöse Juden und religiöse Muslime als „Freund Gottes“ gilt.

Archäologische Befunde Bronzezeit Ausgrabungen am Tell er-Rumeide (Tel Hebron), einem Hügel am westlichen Rand der heutigen Altstadt Hebrons, belegen eine Besiedlung bereits in der Mittelbronzezeit. Bei amerikanischen Grabungen unter Philip C. Hammond in den 1960er Jahren wurden gemäß späterer Auswertungen durch Jeffrey R. Chadwick Keramikfunde und Siedlungsreste aus der Mittel- und Spätbronzezeit freigelegt.Hammond, Philip C. (1966): „Hebron Excavations, 1964–1966“. Unpublished field report, American Expedition to Hebron; zitiert nach Chadwick, Jeffrey R. (2019): „Hebron in the Late Bronze Age: Discoveries of the American Expedition to Hebron (Tell er-Rumeide)“. In: Maeir, Aren M.; Shai, Itzhaq; McKinny, Chris (Hrsg.): The Late Bronze and Early Iron Ages of Southern Canaan. De Gruyter, Berlin/Boston, S. 185–216. doi:10.1515/9783110628371-010

Eisenzeit Für die Eisenzeit dokumentieren Ausgrabungen Befestigungs- und Wohnstrukturen sowie zahlreiche Alltagsfunde. Zu den bemerkenswerten Einzelfunden zählen ein hebräischer Siegelabdruck und ein Ostrakon aus dem 8.–7. Jahrhundert v. Chr.David Ben-Shlomo, Daniel Vainstub: A Hebrew Seal and an Ostracon from Tel Hebron. In: Israel Exploration Journal 66 (2), 2016, S. 151–160. Online: cris.ariel.ac.il.Emanuel Eisenberg, David Ben-Shlomo (Hrsg.): The Tel Hevron 2014 Excavations: Final Report. Ariel University Press, Ariel 2017. Online: cris.ariel.ac.il.

Eine großformatige Befestigungsmauer am Südhang des Tells, in der Forschung als „Cyclopean Wall“ bezeichnet, wurde ursprünglich der Mittelbronzezeit zugeordnet. Neuere stratigraphische Analysen und Keramikbefunde legten ihren Bau in die späte Eisenzeit II.David Ussishkin: The Date of the ‘Cyclopean Wall’ at Hebron (Tell er-Rumeide). In: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 137, 2021, S. 125–136. Online: academia.edu.

Hellenistische, römische und byzantinische Zeit Für die hellenistische, römische und frühbyzantinische Zeit sind Siedlungsreste aus mehreren Bauphasen nachgewiesen. Aus den spätrömischen und frühbyzantinischen Schichten stammen zudem Keramik-, Glas- und Münzfunde.David Ben-Shlomo: Tel Hebron during the Late Roman–Early Byzantine Period. (ohne Jahr), online: academia.edu.

Neuere Ausgrabungen unter Emanuel Eisenberg und David Ben-Shlomo im belegten in Area 53 eine kontinuierliche Nutzung des Tells von der hellenistischen bis in die byzantinische Epoche. Numismatische und keramische Funde zeigen eine Besiedlung vom hasmonäisch-hellenistischen über den herodianisch-römischen bis zum frühbyzantinischen Zeitraum.Yoav Farhi, David Ben-Shlomo: The Settlement of Tel Hebron in the Hellenistic to Byzantine Periods: New Numismatic Evidence. In: Tel Aviv – Journal of the Institute of Archaeology 43 (2), 2016, 239–261. DOI:10.1080/03344355.2016.1215556. In diesem Zusammenhang wurden auch Wohn- und Werkstattbereiche identifiziert sowie charakteristische hellenistische Keramikformen beschrieben.Emanuel Eisenberg, David Ben-Shlomo (Hrsg.): The Tel Ḥevron 2014 Excavations: Final Report. Ariel University Press, Ariel (Ariel University Institute of Archaeology Monograph Series 1). 2017, Kap. „The remains in Area 53B: Stratigraphy and Architecture“, S. 67–103. Online: cris.ariel.ac.il.

In Area 53 wurden zudem zwei große rituelle Bäder (Mikwe) entdeckt, die aus in den Fels gehauenen, verputzten Becken mit Stufen bestehen und in die herodianische bzw. frühe römische Zeit datieren. Sie wurden 2017 weiter freigelegt und restauriert.David Ben-Shlomo: Excavations at Tel Ḥevron, 2017: Ritual Baths and Early Islamic Remains. In: Judea and Samaria Research Studies 27 (1), 2018, 5–58. DOI:10.26351/JSRS/27-1-6. Volltext: ariel.ac.il. Aus den spätrömischen und byzantinischen Schichten sind zudem Glas-, Keramik- und Münzfunde sowie Gebäudereste überliefert, die auf eine fortgesetzte Nutzung des Tells bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. hinweisen.

Geschichte

Mittelalter und Neuzeit In die Kämpfe zwischen Byzantinern und den Sasaniden, mischten sich ab dem 7. Jahrhundert die ersten Muslime (Islamischen Expansion). 638 übernahmen sie nach längerer Belagerung kampflos die Kontrolle über Jerusalem und Hebron. Der zweite Kalif, ʿUmar ibn al-Chattāb, sicherte den Juden und Christen die Ausübung ihrer Religion sowie den Schutz ihrer Gotteshäuser und Eigentum zu. Die islamische Herrschaft endete als die Kreuzfahrer unter Gottfried von Bouillon 1100 Hebron einnahmen. Hebron wurde als eigenständige Herrschaft ins Königreich Jerusalem eingegliedert. Die Kreuzfahrer richteten auf dem Machpela-Gelände ein Augustinerkloster ein und errichteten um 1120 im südlichen Teil des Komplexes eine Kirche St. Abraham, die zur Kathedrale des wiedererrichteten Bistums Hebron erhoben wurde. Nach ihr nannten sie die Stadt auch St. Abraham. Der Ayyubidensultan Saladin eroberte Hebron nach seinem Sieg bei Hattin 1187 zurück.

Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien durch die Katholischen Könige 1492 gab es in Hebron eine Sefarden-Gemeinde mit Hunderten von Mitgliedern. Die Mamluken regierten die Stadt, bis sie 1516 unter die Herrschaft des Osmanischen Reiches kam. Sowohl nach 638 als auch nach 1260, als die Mamluken die Stadt wieder unter ihrer Kontrolle hatten, durften Juden sich niederlassen und auch religiöse Praktiken ausleben. Doch erst unter osmanischer Herrschaft ab 1516 bestand eine rechtliche Ordnung, die den Juden eine sichere Ansiedlung und ein langsames, aber kontinuierliches demografisches Wachstum erlaubte. 1831 bis 1840 übernahm der ägyptische Feldherr Ibrahim Pascha Hebron.

Britisches Mandat 1917, im Verlauf des Ersten Weltkriegs an der Palästinafront, wurde Hebron britisch besetzt und anschließend Teil des Mandatsgebiets Palästina. Der Subdistrikt Hebron war wechselnden Distrikten im Mandatsgebiet zugeordnet. In den 1920er Jahren gründete der in Hebron geborene und beim Rabbiner Chaim Hezekiah Medini und danach am Lehrerseminar des Hilfsvereins Esra in Jerusalem ausgebildete Schriftsteller Jitzchak Schami, ein jüdischer Vertreter der arabischen Nahda, mit einigen Gleichgesinnten eine Vereinigung für arabisch-jüdische Freundschaft, um die Spannungen zwischen den beiden Gemeinschaften abzubauen. Später lebte er in Haifa.

mini|Im Massaker von Hebron von Arabern verwüstete Bima der Synagoge, 1929

1929 kam es zu einem Massaker in Hebron, bei dem 67 Juden von Arabern getötet und zahlreiche verletzt wurden. Der Großteil der jüdischen Gemeinde, etwa 435 Menschen, überlebte jedoch durch die Hilfe von arabischen Nachbarn. Diese versteckten Dutzende jüdischer Familien in ihren Häusern und retteten sie so vor dem sicheren Tod. Ein Teil der jüdischen Gemeinde floh nach Jerusalem, einige kehrten jedoch 1931 wieder zurück. 1931 zählte der Subdistrikt Hebron 48.546 Einwohner. Während des arabischen Aufstands wurden die verbleibenden Juden am 23. April 1936 von den Briten evakuiert. Die Rebellen nahmen Hebron im August 1938 kurzzeitig ein. Im Palästinakrieg 1948 eroberten zunächst ägyptische Truppen die Stadt. Transjordanien kontrollierte Hebron zum Kriegsende und annektierte es 1950. Die Zerstörung des 1290 errichteten jüdischen Friedhofs, in dem zahlreiche berühmte Rabbiner begraben sind, erfolgte von 1948 bis 1967. Vom Friedhof waren 4000 Grabsteine vollständig entfernt worden., S. 117.

mini|Israelische Soldaten überwachen die Einhaltung einer Ausgangssperre, Aufnahme von Yacob Elbaz, 1969

Sechstagekrieg und Besatzung Im Sechstagekrieg 1967 wurde das Gebiet von Israel erobert und militärisch besetzt. Dem rational denkenden Mosche Dajan schwebte die einvernehmliche gemeinsame Nutzung der Stätten nach dem Status quo vor. Als aber der radikale Rabbiner Mosche Levinger, ein späterer Mitbegründer von Gusch Emunim, und 79 weitere jüdische Israelis sich 1968 ohne Genehmigung der israelischen Regierung in einem Hotel in Hebron niederließen, suchten sie nicht den Kompromiss. Nach Verhandlungen mit der israelischen Regierung wurde ihnen die Ansiedlung in der ab 1977 gebauten israelischen Siedlung Kirjat Arba östlich von Hebron gestattet. 500 Siedler setzten sich ab 1979 in der Innenstadt fest. Eine Frau hatte eine Totgeburt, Menachem Begin erlaubte ihr, diese in der Altstadt zu beerdigen, seitdem bestand ein Militärposten zum Schutz des Friedhofs. Die Siedler nahmen die Altstadthäuser Beit Romano und Beit Hadassa in Besitz. Dies mit dem Argument, dass diese unter dem britischen Mandat bis 1929 von Juden bewohnt waren.

1977 kam in Israel der rechtsgerichtete Likud an die Macht, was den Siedlern neuen Auftrieb gab. Im November 1977 nahm der eng mit Jordanien verbundene ehemalige Bürgermeister Mohammed Ali al-Dschabari als Mitglied der israelischen Empfangsdelegation in Lod am Besuch des friedensbereiten ägyptischen Staatschefs Anwar as-Sadat teil. Die meisten Palästinenser reagierten negativ auf den Besuch des Ägypters, dessen Außenpolitik sie als einen Verrat an ihrer Sache auffassten. Am Abend des 2. Mai 1980 attackierten radikale Palästinenser eine Gruppe von Juden, die gerade vom Gebet am Sabbat heimkehrten. Die Männer wurden mit Granaten von den Dächern angegriffen, dabei starben sechs von ihnen, und 16 weitere wurden verletzt. Einer der Angreifer, Tayseer Anu Sneineh, wurde 2017 zum Bürgermeister der Stadt gewählt.

Am 25. Februar 1994 ermordete der Siedler Baruch Goldstein, der in der Siedlung Kirjat Arba lebte, mit einem Sturmgewehr 29 betende Muslime in der Abraham-Moschee, hunderte wurden verletzt. Die israelische Regierung und die Mehrzahl der Israelis verurteilten seine Tat, bei einer Minderheit wurde und wird er hingegen dafür verehrt. Dennoch weigerte sich Jitzchak Rabin die Siedler zu evakuieren. Drei Armeebataillone wurden stationiert. Bis Januar 2019 bestand die nach dem Massaker gegründete TIPH-Beobachtergruppe.

mini|Betonwand in der Altstadt, die Hebron in eine Zone H1 und eine Zone H2 teilt. Auf der Mauer ist die hebräische Aufschrift „מוות לערבים“ (Tod den Arabern) zu lesen. mini|Eine Touristin fotografiert die Aufschrift „Setlers Fuck off“ (Siedler haut ab), 2015

1996 verweigerte sich Benjamin Netanjahu israelischen Forderungen, die Siedler zu evakuieren. Im Hebron-Abkommen Anfang 1997 einigten sich Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde auf eine verwaltungstechnische Teilung der Stadt in die Zone H1 (palästinensisch kontrolliert, mit drei Vierteln der Bevölkerung) und die Zone H2 (Altstadt; israelisch kontrolliert mit 34.000 Palästinensern und 700 Siedlern). Die der palästinensischen Verwaltung zugesprochene Polizeiautonomie in H1 wurde mit Ausbruch der Zweiten Intifada im Jahr 2000 bereits wieder aufgehoben. Es gab in H2 in den ersten drei Jahren der Zweiten Intifada Ausgangssperren von insgesamt 377 Tagen. 2002 kam es auch in Hebron zu Ausschreitungen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee. 2005 wurden permanente Überwachungstürme in H1 errichtet sowie Mauern, Zäune und mehr als 100 Straßensperren.