mini|Blick von der Milseburg aus in die Gemeinde Hofbieber

Die Großgemeinde Hofbieber liegt im Landkreis Fulda in Osthessen, Deutschland und liegt mit ihren 16 Ortsteilen im Naturpark Hessische Rhön.

Geographie Nachbargemeinden Hofbieber grenzt im Norden an die Gemeinde Nüsttal (Landkreis Fulda), im Nordosten an die Stadt Geisa (im Wartburgkreis in Thüringen), im Osten an die Stadt Tann, im Südosten an die Gemeinde Hilders, im Süden an die Gemeinde Poppenhausen, im Südwesten an die Gemeinde Dipperz, sowie im Westen an die Gemeinde Petersberg und im Nordwesten an die Stadt Hünfeld (alle im Landkreis Fulda).

Ortsteile Die Ortsteile haben alle eigene Ortsbezirke. (Einwohner Stand 30. Juni 2023) Allmus (153) Danzwiesen (58) mit dem Weiler Öchenbach (11) und den Gehöften Vorderstellberg, Hinterstellberg und Grabenhof Elters (527) mit Weiler Steens und Hof Hahnershof Hofbieber (2017) (Hauptort) Malerdorf Kleinsassen (342) mit Schackau (126) Langenberg (34) Langenbieber (934) Mahlerts (89) Niederbieber (445) Obergruben (41) Obernüst (187) mit Weiler Boxberg Rödergrund-Egelmes (96) Schwarzbach (498) Traisbach (246) Wiesen (380) Wittges (93)

Geschichte Steinzeit Für eine Besiedlung der Gegend in der Altsteinzeit gibt es nur ganz spärliche Hinweise. In der Schotterhochterrasse bei Großenbach, die ca. zwölf Kilometer von Niederbieber entfernt liegt, wurden zahlreiche Quarz- bzw. Tertiarquarzite gefunden, die eindeutig von Menschenhand behauen sind und auf ca. eine Million Jahre datiert werden. Damit gehören sie in die Altsteinzeit oder frühe Mittelsteinzeit, als die Menschen noch Jäger und Sammler und nicht sesshaft waren.

Eine in der Nähe der Ortschaft Schackau gefundene Klinge aus bräunlich-schwarzem Hornstein und weitere Funde aus der Umgebung von Kleinsassen und Oberbernhards gehören jedoch eindeutig zur europäischen Mittelsteinzeit und belegen, dass das Gebiet der heutigen Gemeinde Hofbieber schon früh als Jagdgebiet genutzt wurde.

Aus der Jungsteinzeit, beginnend etwa mit dem 6. Jahrtausend v. Chr., die durch den Übergang zum Ackerbau und zur Viehzucht und somit durch Sesshaftigkeit charakterisiert ist, gibt es wenige Einzelfunde. So fand man zwei Hammeräxte, eine in der Nähe der Ortschaft Danzwiesen, eine andere beim Delzenhof, und ein Steinbeil mit geschliffener Schneide in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs Milseburg.

Bronzezeit Aus der Hügelgräberbronzezeit, der mittleren Bronzezeit ca. 1600–1250 v. Chr., sind in den Wäldern der Gemeinde einige aus Erde und Stein aufgebaute Grabrundbauten zu finden: Erstmals öffnete der Heimatforscher Joseph Vonderau (1863–1951) im Jahre 1906 in der Nähe des Dorfes Traisbach einen solchen Grabhügel mit einem Durchmesser von 14 Metern. Aus den Grabbeigaben war zu ersehen, dass es sich um eine Frauenbestattung handelte (Bronzeschmuck, Gewandnadel). Die Funde befinden sich heute im Vonderau Museum in Fulda. Weitere Grabungen fanden in den Jahren 1932 und 1934 unter Leitung von Vonderau durch Schüler der Hermann-Lietz-Schule auf Schloss Bieberstein statt. Sie legten zwei Grabhügel in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs Bieberstein frei. Das dort gefundene Material wird auf Schloss Bieberstein aufbewahrt.

Für die so genannte Urnenfelderzeit oder späte Bronzezeit (1250–750 v. Chr.) gibt es aus dem Bereich der Gemeinde Hofbieber lediglich eine am Fuße der Milseburg gefundene Lanzenspitze.

Eisenzeit Neben zahlreichen Kleinfunden aus dieser Epoche kann vor allem auf die Ringwallanlage auf der Milseburg (Oppidum Milseburg) verwiesen werden. Die Anlage war wohl bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. besiedelt.

Vom Mittelalter bis 1802/1803 Wie anhand des alten Namens Biberaha für den ältesten Ortsteil Langenbieber zu folgern ist, gaben die Alemannen dem Fluss Bieber und letztendlich der Gegend ihren Namen. aha wurde bei ihnen oft zur Kennzeichnung eines Flusses verwandt. Möglicherweise wurde diese Gegend vor den Alemannen von dem ebenfalls germanischen Stamm der Hermunduren, von denen der römische Schriftsteller Tacitus in Buch 13 seiner Annalen berichtet, bewohnt.

Nachdem die Alemannen von den Franken unter König Chlodwig I. um das Jahr 500 besiegt worden waren, wurde das Gebiet fränkisch. Die Gegend um Hofbieber war zunächst merowingisches Königsgut, wurde jedoch mit der oben erwähnte Schenkung an das Kloster Fulda unter den Karolingern im 9. Jahrhundert Klostergut. Die Bewohner des Biebertales mussten dem Kloster Abgaben leisten. Aus einer Aufzeichnung des Fuldaer Mönches Eberhard geht dazu folgendes hervor: „[…] in Biberaha Lidi [= zwischen Freien und Hörigen anzusiedelnde Gruppe] 6, Slavi [= Slaven, die damals nicht selten in dieser Gegend anzutreffen waren] 36, Servitores [ = Unfreie / Hörige ] 37, Tributarii [ = Zinser/Zinsleute/Abgabepflichtige] 12, qui unam victiman solvunt. […]“ Später gehörte die Gegend dem Adelsgeschlecht von Eberstein zu Lehen. Dies ist etwa aus einer Urkunde des Jahres 1458 erkenntlich, laut derer Abt Reinhard von Fulda Hermann und Philipp von Eberstein „den hoff und die mule zcu Langenbibra, […] yren teil der fronwiesen zcu Nidernbibra, item ein burggut zcu Bibersteyn mit siner Zcugehörung […]“ der Familie Eberstein verlieh.

Die damaligen Bewohner des heutigen Gebietes der Gemeinde Hofbieber hatten sich im Mittelalter und bis in die Frühe Neuzeit hinein, in das damals typische Feudalsystem einzugliedern. Sie führten ein bäuerliches Leben und leisteten Abgaben und Frondienste für die adeligen Grundherren. Die Burg Bieberstein oberhalb ihrer Ortschaften war eine Bürde für die Bevölkerung, denn vor allem hier musste sie ihre Arbeiten verrichten und hierher musste sie ihre Abgaben liefern.

Wie im gesamten Hochstift Fulda, ja in Europa überhaupt, wütete seit dem Ende des 14. Jahrhunderts im Gebiet der Gemeinde Hofbieber mehrfach die Pest. Wie auch in anderen Gegenden führte die Seuche zu einem deutlichen Rückgang der Bevölkerung und mehrfach zu Wirtschaftskrisen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts, zu Beginn des 16. Jahrhunderts erholte sich das Land jedoch langsam davon. In Hofbieber ist dies unter anderem auch daran zu erkennen, dass man sich neuen Vorhaben widmete. So wurde etwa um 1500 eine neue Kirche, im Dorf Allmus eine neue Kapelle gebaut. Die Liste des Jahres 1605 zur Erhebung der Türkensteuer im Fuldaer Hochstift belegt ein deutliches Bevölkerungswachstum. Zu dieser Zeit war Balthasar Nuss, ein hundertfacher Hexenmörder, Zentgraf auf Schloss Bieberstein.

Neues Leid und erneuten Bevölkerungsrückgang brachte der Dreißigjährige Krieg. Wie in vielen Teilen Deutschlands kam es auch in Hofbieber zu Zerstörungen und Plünderungen durch vorbeiziehende Söldnerheere. Zwar wurden die Ortschaften der Region nicht völlig verwüstet, allerdings wurden oft einzelne Höfe niedergebrannt. Ernteschäden hatten nicht selten Hungerkatastrophen zur Folge, so dass die Bevölkerung rasch abnahm. Es ist urkundlich überliefert, dass am Ende des Dreißigjährigen Krieges von ehemals 62 Bauernhöfen, die zum Amt Bieberstein zählten, im Jahre 1649 nur noch 15 in Betrieb waren.

Nur langsam erholte sich die dörfliche Bevölkerung von dieser Zeit.

Die Gemeinde Hofbieber im 19. Jahrhundert Im Zuge der allgemeinen Säkularisation 1802/1803 endete auch die Geschichte des Fürstentums Fulda. Das Gebiet fiel zunächst an den Oranier Wilhelm V., der es seinem Sohn Friedrich Wilhelm I. überließ. Da sich Friedrich Wilhelm 1806 jedoch dem neu gegründeten Rheinbund unter dem Protektorat Napoleons nicht anschließen wollte, stellte man das ehemalige geistliche Fürstentum Fulda und mit ihm Hofbieber und die umliegenden Orte unter französische Verwaltung.

Diese Phase bringt für die Bewohner des Landes viel Unglück, wie aus einer „Kronik aus Hofbieber anfangend mit 1788“ vom Hofbieberer Pfarrer Joseph Anton Schmitt für diesen Zeitraum hervorgeht: „In diesem und den folgenden Jahren geht es dem Fuldaer Ländchen nicht gut. Das Mobiliar in den Schlössern wird veräußert, die Kanonen zu Bieberstein kommen weg, Gebäude und Grundstücke werden verkauft […]. Die Leute müssen viele Einquartierungen des durchziehenden Militärs aushalten, besondere Kriegssteuer zahlen, Kriegsfuhren tun, Pferderationen in Heu, Stroh und Hafer liefern. Viele verarmten und die Kinder müssen als Soldaten ins Feld gegen Preußen und Russland. […].“ (zitiert nach: Kronik aus Hofbieber anfangend mit 1788, aufgezeichnet von Pfarrer Joseph Anton Schmitt, übersetzt und bebildert von A. Spors, in: Hofbieber 1093–2003, S. 75.) Allerdings gibt es auch Gutes zu vermelden: Im Jahre 1808 hob Napoleon die Leibeigenschaft auf, so dass auch im Gebiet der Gemeinde Hofbieber zahlreiche Bauern von ihrem Frondienst und den Abgaben befreit waren und nun ihre Höfe auch ihr Eigentum nennen durften.

Die Völkerschlacht bei Leipzig brachte für die Gemeinde Hofbieber zunächst nicht nur die Befreiung von Napoleon. Denn nachdem er bei Leipzig vom 16.–19. Oktober 1813 seine Niederlage hinnehmen musste, zog er sich mit seiner Armee zurück. Vom 27. bis 29. Oktober zog er dabei durch Fulda und auch das Gebiet der Gemeinde, genauer der Ort Traisbach, wurde dabei von einer Soldatengruppe passiert. Dass solche Durchzüge nicht gefahrlos waren, zeigt das Beispiel des Dorfes Buttlar, das niedergebrannt wurde, um die Verfolger im Fortkommen zu hindern. Dass dies Napoleon wenig nützte, zeigt die Tatsache, dass der österreichische Kaiser Franz I. bereits am 31. Oktober Fulda erreichte, also nur zwei Tage später. Ein Mitbringsel der Völkerschlacht und der Verfolgung Napoleons durch Deutschland war das Ausbreiten einer Seuche, einer Art Nervenfieber, wie Pfarrer Schmitt es nannte. Viele starben an ihr. Wie wichtig der neu erstarkten herrschenden Schicht der Sieg über Napoleon war, zeigt sich auch daran, dass man jährlich am 18. Oktober zur Erinnerung an die Völkerschlacht ein feierliches Hochamt und Te Deum in den Kirchen abhalten sollte. Allerdings geschah dies laut Angaben von Pfarrer Schmidt nur sieben Jahre lang.

Im Zusammenhang mit dem Wiener Kongress und der Gründung des Deutschen Bundes 1814/1815 fiel das Gebiet der Gemeinde Hofbieber gemeinsam mit dem Großherzogtum Fulda an Preußen. Allerdings tauschte es Preußen bereits ein Jahr später mit Kurhessen gegen dessen Gebiete am Rhein.

Für die Bewohner der Gemeinde änderte sich jedoch trotz all dieser politischen Veränderungen der Alltag nicht. Ihr Interesse galt nach wie vor der Ernte und die war beispielsweise im Jahre 1816 schlecht, da es zu viel geregnet hatte. Letztendlich führte dies zu Hunger und Elend. War in diesem Jahr das Korn und die Kartoffeln zu teuer, so litten die Bauern in den darauf folgenden Jahren wiederum unter zu niedrigen Preisen. Infrastrukturbezogen wurde in den 1830er Jahren viel für die Gegend getan, doch stöhnten und jammerten die Menschen unter der zusätzlichen Wegebauarbeit sehr.

Durch die Bulle Provida solersque (1821) von Papst Pius VII. und die Bulle Ad Dominici gregis custodiam(1827) von Papst Leo XII. wurden die Diözesen neu eingeteilt. Das Bistum Fulda, das 1829 gegründet wurde, war für das kurhessische Gebiet und damit auch für das Gebiet der heutigen Gemeinde Hofbieber zuständig.