Der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (Abkürzung: BFP) ist ein Zusammenschluss deutscher evangelisch-pfingstlicher Freikirchen, in Selbstbezeichnung meist als Freie Christengemeinden auftretend und als solcher Teil der weltweiten Pfingstbewegung. Er hat die Rechte einer Religionsgemeinschaft als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR). Basisdaten des BFPLogo: zentriert|200x200pxOffizieller Name: Bund FreikirchlicherPfingstgemeinden (BFP) KdöR Geistliche Leitung: Obliegt dem PräsidiumPräses: Friedhelm Holthuis Mitgliedschaft: Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF)Pentecostal European Fellowship (PEF)World Pentecostal Fellowship (WPF)Arbeitsgemeinschaft ChristlicherKirchen in Deutschland (ACK) (Gastmitglied) RegionaleLandesverbände: 13 Landesverbände, 2 Gemeindeverbände Örtliche Gemeinden: 1117 Gemeindemitglieder: 83.000 Stand 1.1.2026 Anschrift: Industriestraße 6–864390 Erzhausen Ausbildungsstätte: Theologisches Seminar Erzhausen Offizielle Website: https://www.bfp.de/ mini|hochkant|Fahne des BFP vor dem Theologischen Seminar Erzhausen
Geschichte Anfänge Die Ursprünge des BFP liegen in den Jahren von 1906 bis 1908. In dieser Zeit entstanden die ersten Gemeinden der heutigen Pfingstbewegung in Deutschland. Die ältesten Gemeinden des Bundes sind in St. Ingbert, Berlin und Velbert. Ab 1922 entstanden unter der Leitung von Heinrich Vietheer, einem Evangelisten, der intensiv in der Berliner Zeltmission wirkte, viele Elim-Gemeinden. Diesem Verband schlossen sich im Laufe der Zeit andere Gemeinden an.
In den Jahren ab 1928 entstand eine weitreichende missionarische Aktivität, die von den Assemblies of God und der Bibelschule aus Danzig getragen wurde. Dadurch breitete sich die Pfingstbewegung in Osteuropa unter Deutschen, Polen und Russen aus, was zum Entstehen der ersten Freien Christengemeinden führte. Karl Fix wirkte ab 1934 in Berlin und danach in Württemberg. Zusammen mit Paula Gassner und Karl Keck entstanden durch ihren Dienst die Volksmissionsgemeinden.
Zusammen mit anderen Gemeinden verschiedener Herkunft bilden diese den heutigen Gemeindebund.
Gemeindestrukturen im Nationalsozialismus → Artikel: Freikirchen in der Zeit des Nationalsozialismus
Seit 1936 war die „Freie Pfingstmission“ durch die Gestapo verboten. Im Verlauf der Jahre 1937 bis 1941 schlossen sich die Elim-Gemeinden mit Baptisten- und Brüdergemeinden zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) zusammen, der vom Deutschen Reich 1942 staatlich anerkannt wurde. Als Folge des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) wurden die Gemeinden im Osten aufgelöst und viele kamen nach Westdeutschland. Im Krieg wurden zahlreiche Gemeinden zerstört. Die Gläubigen aus dem Osten und Südosten waren diejenigen, die nach dem Krieg die ersten Gemeinden gründeten.
Nachkriegszeit Die Landschaft der Pfingstgemeinden im Deutschland der Nachkriegszeit war in zahlreiche Lager zersplittert. Zum einen war dies der Mülheimer Verband, zum anderen verschiedene freie Pfingstgemeinden, zu denen auch viele Vertriebene aus dem Osten gehörten, welche ihrerseits wiederum eine eigenständige Fraktion rund um deren Wortführer Erwin Lorenz bildeten.
Die internationalen Pfingstkonferenzen in Zürich (Mai 1947), Paris (Mai 1949) und London (Juni 1952) hatten die weltweite Einheit der Pfingstbewegung zum Ziel. Dieser Impuls wirkte sich auch auf Deutschland aus. Der BFP sieht seine Entstehung in der „Erweiterten Brüderkonferenz“ in Stuttgart im Mai 1947.Forum Freikirchlicher Pfingstgemeinden in Deutschland FFP (Hrsg.): 90 Jahre Pfingstgemeinden in Deutschland, 1997, S. 14. Jedoch erfolgte dieses Treffen noch ohne den Mülheimer Verband, und es wurden auch keine Beschlüsse in diese Richtung gefasst. Man einigte sich allerdings auf eine Zusammenarbeit, um Deutschland in der Not das Evangelium zu bringen.
Vom 10. bis 13. August 1948 fand in Stuttgart eine Einigungskonferenz statt, an der sich insgesamt 19 Männer und eine Frau als Vertreter der folgenden Pfingstgruppen beteiligten:
Mülheimer Verband Elim-Gemeinden Freie Christengemeinden (Ost) Christliche Gemeinschaft Velbert (ab 2019 Christus Gemeinde Velbert) Volksmission entschiedener Christen Internationale Volksmission für entschiedenes Christentum, Missionsgemeinde entschiedener Christen (Weckhof bei Kupferzell)
Um Unterschiede in der Lehre zu überbrücken, wurde die Konferenz von den als neutral geltenden Vertretern der Schweizerischen Pfingstmission (SPM), Karl Schneider und Leonhard Steiner, geleitet. Es waren auch Gäste der Assemblies of God und der International Pentecostal Churches anwesend. Die Anwesenden dieser Konferenz verfassten eine Stuttgarter Erklärung. Darin bekundeten sie Reue und Scham wegen des versäumten brüderlichen Umgangs in der Vergangenheit und wollten jede mögliche Anstrengung unternehmen, die zur Einheit der deutschen Pfingstbewegung führen könnte.
Die Vertreter der freien Pfingstgemeinden verständigten sich auf der Einigungskonferenz in Stuttgart auf die Gründung eines lockeren Zusammenschlusses, aus dem die „Arbeitsgemeinschaft der Christengemeinden in Deutschland“ (ACD) hervorging. Zum Leitungskomitee wurden bei dieser Versammlung folgende Personen gewählt:
Arthur Bergholz (Freie Christengemeinden), Osterholz-Scharmbeck Karl Keck (Volksmission entschiedener Christen), Stuttgart Oskar Lardon (Elim-Gemeinde), Hamburg-Altona Heinrich Lavier (Christliche Gemeinschaft Velbert) Rudolf Lehmann (Freie Pfingstgemeinde Berlin) Erwin Lorenz (Freie Christengemeinde Frankfurt am Main) Kurt Rollin (Elim-Gemeinde), Leipzig
Die Einigungsbestrebungen der Freien Pfingstgemeinden mit dem Mülheimer Verband blieben über die Jahre erfolglos. Zwar fanden noch weitere Einigungskonferenzen statt (Mai 1949, September 1949, Juni 1950), doch trugen diese nicht zu einer Einheit der beiden pfingstlerischen Lager im Nachkriegsdeutschland bei. Die Mülheimer Richtung war überzeugt, dass es auch eine Geistestaufe ohne Zungenrede geben könne.Buchbesprechung von Ludwig David Eisenlöffel: Freikirchliche Pfingstbewegung in Deutschland. V&R Unipress, Göttingen 2006. In: Freikirchenforschung. 16/2007. Verlag des Vereins für Freikirchenforschung, Münster/Westf. 2007, ISBN 3-934109-08-X, S. 275.
Am 19. März 1954, der auch als das Gründungsdatum des Bunds gilt, formierte sich die Arbeitsgemeinschaft der Christengemeinden in Deutschland von einer anfänglich lockeren Arbeitsgemeinschaft zu einem eingetragenen Verein.Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden besteht seit 70 Jahren, ead.de, Artikel vom 20. März 2024. Dieser Verein sollte satzungsgemäß ein Zusammenschluss selbständiger Gemeinden sein, die Delegierte zu einer Konferenz senden, auf der ein Vorstand gewählt wird. Pastoren sind persönliche Mitglieder der ACD; 1954 taten etwa fünfzig Pastoren Dienst in den ACD-Gemeinden. Die damaligen gemeinsamen Arbeitsbereiche der ACD waren:
Leitung der Bibelschule Beröa (heute: Theologisches Seminar Erzhausen) Außenmission unter der Trägerschaft der Gemeinde in Velbert – Velberter Mission Inlandmission
In den folgenden Jahren entstanden weitere sogenannte Bundeswerke. So z. B. 1956 der Leuchter-VerlagVergleiche die Angaben im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. oder auch die Neulandmission.
Bis 1980 verzeichnete der ACD e. V. vier größere Wachstumsschübe durch Gruppen und Einzelgemeinden – durch die Freien Christengemeinden (zum größten Teil gebildet durch Gläubige aus Osteuropa), Elim-Gemeinden im Westen, Gemeindegründungen und viele Einzelgemeinden.
Neuer Rechtsstatus Am 29. März 1974 wurde in Wiesbaden der ACD e. V. für das Land Hessen vom Kultusminister des Bundeslandes der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) verliehen.Verfassung Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Die Umbenennung in „Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden KdöR“ wurde auf der 70. Bundeskonferenz im Mai 1982 in Velbert beschlossen. Der Beitritt der „Volksmission entschiedener Christen“, der anfänglich wohl zum ACD e. V. gehörte, sich jedoch Ende der 1950er Jahre entschied wieder auszutreten, erfolgte im Mai 1988. Im Mai 1991 traten 13 Elim-Gemeinden aus Ostdeutschland dem BFP bei, die seit 1938 zum überwiegenden Teil in der BEFG-Ost Anschluss gefunden hatten. 30 Ecclesia-Gemeinden schlossen sich im Mai 2000 dann auch als „Ecclesia-Arbeitsgemeinschaft von Gemeinden und Arbeitsbereichen (ECCA)“ dem BFP an. Darüber hinaus schlossen sich viele Gemeinden mit anderer Kultur und Sprache sowie weitere Einzelgemeinden dem Bund an.
Organisation und Entwicklung In Deutschland besteht der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden im Jahr 2024 aus 966 Gemeinden, wovon etwa 41,3 Prozent (399 Gemeinden) von Menschen mit Migrationshintergrund geprägt sind. Den angeschlossenen Gemeinden gehören nach eigenen Angaben ca. 67.455 Mitglieder und 24.657 erreichte Kinder und Jugendliche an (Stand 2024), an Sonntagsgottesdiensten der Gemeinden nahmen 2024 insgesamt 114.053 Personen teil.
Zu den Mitgliedern gehören nur glaubensgetaufte und aktive Personen. Neben den Mitgliedern gibt der BFP daher eine Zahl von 202.365 nahestehenden Personen an (Stand 2024), die von der Freikirche „Zugehörige“ genannt werden. Zu diesen zählen neben den Mitgliedern Besucher, Betreute, Gäste, Kinder und Jugendliche, zumeist Personen, die noch nicht getauft und aktiv sind oder unter der Verantwortung eines Mitglieds stehen. Die Anzahl nahestehender Personen wird jedoch nicht direkt erhoben, sondern als Verdreifachung der Mitgliederzahl abgeschätzt.
Die Struktur ist synodal-kongregational gehalten, wie es auch bei anderen Kirchen und Freikirchen, die aus der reformierten Tradition stammen, üblich ist. Die Mitglieder der einzelnen Gemeinden gelten nicht als eigentlich persönliche Mitglieder des BFP, sondern werden über die Gemeinden erfasst. Als persönliche Mitglieder nimmt der BFP selbst auf Antrag hauptamtliche Pastoren und sonstige geistliche Leiter seiner Untergliederungen auf. Die Zahl der Gemeinden, Mitarbeiter, Mitglieder und nahestehenden Personen haben seit 1996 meistens zugenommen. Die Zahlen haben sich seit 1996 wie folgt entwickelt: +Gemeinde und Mitgliederentwicklung:JahrAnzahl GemeindenMitarbeiter wie Pastoren und Assistenten / persönliche Mitglieder (ab 2009)Anzahl MitgliederAnzahl nahestehende Personen199640982328.00085.5001998426k. A.29.50088.500200049397634.500103.5002002541105837.000111.0002004574117739.500118.5002007603122140.000120.000200972996844.102132.3062011757104846.226138.6782013783111748.988146.9642015778115051.896155.6882017820120456.275168.8252019836125962.872181.2552022872128564.455194.4212024966136067.544202.36520261119k. A.82.717248.151
Bundeskonferenz Das oberste Gremium des Bundes ist die Bundeskonferenz, die Leitung hat das Präsidium, das aus dem Vorstand, dem acht Personen angehören, und den sechzehn Regionalleitern besteht. Es wird alle vier Jahre gewählt.
An der Bundeskonferenz sind alle persönlichen Mitglieder (d. h. die ordinierten Mitarbeiter) des BFPs stimmberechtigt: „Die geistlichen Amtsträger des Bundes sind persönliche Mitglieder der Körperschaft und stimmberechtigte Mitglieder der beschlussfassenden Bundeskonferenz.“Artikel 4 der BFP-Verfassung. Die Delegierten der Gemeinden und Werke erhalten das gleiche Stimmrecht, das ihnen jedoch – im Unterschied zu den persönlichen Mitgliedern – einzig aus ihrer Delegation zusteht. Die Größe der einzelnen Gemeinde bestimmt die Anzahl der stimmberechtigten Delegierten.
Auf Bundesebene gibt es verschiedene Missions- und Sozialwerke und das Theologische Seminar Erzhausen.
Präses des Bundes Der Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden wird in der Bundeskonferenz gewählt: 1972–1996: Reinhold UlonskaDie ideale Gemeinde gibt es nicht. Reinhold Ulonska im Gespräch mit Heinrich Scherz und Frank Simon über die Leitung von Gemeinden; in: InSpirit. Zeitschrift für geisterfülltes Christsein (PDF; 1,3 MB) 2/2005; S. 4–8, hier S. 4. 1996–2008: Ingolf EllßelAusführlicher Bericht über die BFP-Bundeskonferenz 2008.