Der paarig angelegte Eierstock – in der medizinischen Fachsprache auch als Ovar (; Plural Ovarien) bezeichnet – ist ein paarig angelegtes weibliches Geschlechtsorgan. Als Gonade (Keimdrüse, Fortpflanzungsdrüse) entspricht er dem Hoden männlicher Individuen und ist der Produktionsort der Eizellen bzw. Eier, die zyklisch freigesetzt werden (Ovarialzyklus). Darüber hinaus werden im Eierstock weibliche Geschlechtshormone (Östrogene und Progesteron) produziert.Lois Jovanovic, Genell J. Subak-Sharpe: Hormone. Das medizinische Handbuch für Frauen. Aus dem Amerikanischen von Margaret Auer, Kabel, Hamburg 1989, ISBN 3-8225-0100-X, S. 88 ff., 139 ff., 185 ff., 257 ff., 265 ff. und insbesondere S. 383 (Originalausgabe: Hormones. The Woman’s Answerbook. Atheneum, New York 198). Eierstöcke sind von Geburt an angelegt und zählen somit zu den primären Geschlechtsmerkmalen. mini|Schematische Darstellung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane mit Gebärmutter (Uterus), Gebärmutterhals (Zervix), Eileitern, Eierstöcken (Ovar) und Vagina.

Säugetiere Größe Die Eierstöcke sind bei den meisten Säugetieren eiförmig. Der Eierstock der Frau ist 4 × 2 × 1 cm groß und hat eine Masse von 6 bis 8 g.Herbert Lippert: Anatomie kompakt. Springer Berlin Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-95726-0, S. 202.

Bei einer mittelgroßen Hündin ist der Eierstock etwa 2 cm lang und 1,5 cm dick. Bei einer weiblichen Hauskatze ist er 8 bis 9 mm lang. Bei der Kuh sind die Eierstöcke ca. 3 cm breit und 2 cm dick und wiegen 15 bis 19 g. Bei der Stute sind die Eierstöcke 5–8 × 2–4 cm groß und wiegen jeweils 50–80 g. Bei einer Zuchtsau wiegen die Eierstöcke jeweils etwa 8–14 g und sind etwa 5 cm lang.Richard Nickel: Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Eingeweide. Paul Parey 2004, S. 394.

Aufbau mini|Vorgänge im Eierstock während der Eizellenreifung Am Eierstock werden unterschieden: zwei Seitenflächen (Facies medialis und lateralis), ein freier (Margo liber) und ein Gekröserand (Margo mesovaricus) sowie ein oberer (Extremitas tubaria, bei vierfüßigen Säugetieren nach vorn gerichtet) und ein unterer Pol (Extremitas uterina, bei vierfüßigen Säugetieren nach hinten gerichtet).

Das Ovar wird von einem einschichtigen isoprismatischen Epithel (Müller- oder Keimdrüsenepithel, Epithelium superficiale) überzogen. Es ist eine modifizierte Tunica serosa, die direkt in die darunter liegende weiße Bindegewebskapsel (Tunica albuginea) übergeht. Das Gewebe des Eierstocks besteht aus der äußeren Rinde und dem innen liegenden Mark. Bei Pferden sind die Verhältnisse umgekehrt, die Rinde ist zentral gelegen und erreicht nur im Bereich einer Einziehung, der Ovulationsgrube, die Oberfläche des Organs.Ronald J. Riegel et al.: Bild-Text-Atlas zur Anatomie und Klinik des Pferdes. Band 2. Schlütersche, 2002, ISBN 978-3-89993-073-3, S. 59.

Die Eierstockrinde (Cortex ovarii, Zona parenchymatosa) enthält die in Follikeln liegenden Eizellen, die von spinozellulärem Bindegewebe – einem speziellen Bindegewebe, das nur im Ovar vorkommt – umgeben sind. Während man jahrzehntelang davon ausging, dass Frauen nur mit einer bestimmten Anzahl Eizellen geboren würden wissenschaft.de; Studie kann im Jahr 2004 aufgestellte Theorie, dass Frauen im Lauf ihres Erwachsenenlebens neue Eizellen bilden können, nicht bestätigen. und dass sie nach deren Verbrauch unfruchtbar sein würden, wiesen amerikanische Forscher Anfang 2012 nach, dass sich Eizellen produzierende Stammzellen in weiblichen Eierstöcken befinden.Marieke Degen: Das Ende eines Dogmas – US-Forscher finden Stammzellen im Eierstock. In: dradio.de, Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 29. Februar 2012 (2. März 2012).

Das Eierstockmark, Medulla ovarii oder Zona vasculosa, besteht aus Bindegewebe und enthält die Blutgefäße und Lymphgefäße sowie Nervenfasern des Plexus ovaricus. Im Eierstockmark lassen sich bei vermutlich allen Säugetierweibchen einschließlich des Menschen Reste der primären Keimstränge nachweisen. Dieses Netz aus feinen Kanälchen wird Rete ovarii genannt.Uwe Gille: Weibliche Geschlechtsorgane. In: Franz-Viktor Salomon u. a. (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. 2., erweiterte Auflage. Enke, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8304-1075-1, S. 379–389.

Lage Die Eierstöcke der Frau liegen im „kleinen Becken“ etwas unterhalb der Teilungsstelle der Arteria iliaca communis. Sie liegen dabei intraperitoneal in der Eierstockgrube (Fossa ovarica). In der gynäkologischen Untersuchung lassen sie sich mit zwei Fingern (einer durch die Scheide, der zweite durch die Bauchwand) ertasten. Benachbart sind: lateral (seitlich): Nervus obturatorius (bei Zysten oder Eierstockentzündungen treten dadurch häufig Schmerzen am Oberschenkel auf) und Musculus obturatorius internus dorsal (rückenwärts): Harnleiter und Arteria iliaca communis kranioventral (kopf-bauchseitig): Eileiter und Arteria iliaca communis medial: intraperitoneale Organe wie Jejunum, Ileum, Wurmfortsatz (Appendix vermiformis zum rechten Eierstock), Colon sigmoideum, bei starker Füllung auch die Harnblase, bei Schwangeren die Gebärmutter

Entsprechend der embryonalen Anlage liegen die Eierstöcke der meisten Quadrupeden (Vierfüßer) hinter der jeweiligen Niere. Bei den Paarhufern kommt es, dem Hodenabstieg vergleichbar, zu einem Eierstockabstieg (Descensus ovarii). Bei ihnen liegen die Eierstöcke weiter hinten (kaudal) und bauchwärts (ventral) vor dem Eingang in das Becken. Bei Großtieren lassen sich die Eierstöcke rektal (man geht mit dem Arm über den After vor) ertasten.

Befestigung des Eierstocks mini|Eierstock eines Schafes1 Eierstock, 2 Tertiärfollikel, 3 Ligamentum ovarii proprium, 4 Eileiter, 5 Arteria und Vena ovarica im Mesovarium Die Eierstöcke werden durch drei Bänder, die aus Serosa bestehen, befestigt: Mesovarium (Eierstockgekröse), Teil des Ligamentum latum uteri Ligamentum suspensorium ovarii (oberes/vorderes Keimdrüsenband) Ligamentum ovarii proprium (Eierstockeigenband, zieht zur Gebärmutter)

Mesovarium, Mesosalpinx und Ligamentum ovarii proprium bilden bei vielen Säugetieren die Eierstocktasche (Bursa ovarica). Dieser abgegrenzte Bauchfellraum umgibt den Eierstock teilweise wie beim Pferd oder ganz. Die Öffnung der Bursa ovarica ist entweder groß (Rind) oder ein kleiner Schlitz (Foramen bursae ovaricae bei Hund und Nagetieren). Man nimmt an, dass die Eierstocktasche verhindert, dass Eizellen in die Peritonealhöhle gelangen.Marina Hosotani et al.: Anatomy and histology of the foramen of ovarian bursa opening to the peritoneal cavity and its changes in autoimmune disease‐prone mice. In: Journal of Anatomy. 2020, Band 238, Nummer 1, S. 73–85.

Versorgung des Eierstocks Die Blutversorgung erfolgt über die direkt aus der Aorta entspringende Arteria ovarica, bei der Frau auch über den Eierstockast (Ramus ovaricus) der Arteria uterina. Das venöse Blut fließt über die Vena ovarica ab – links in die Vena renalis und rechts in die Vena cava inferior (Untere Hohlvene). Ein Nebenabfluss existiert über die Venengeflechte (Plexus venosi) der Nachbarorgane.

Die Nervenversorgung erfolgt über Fasern des vegetativen Nervensystems. Sie bilden an der Arteria ovarica ein Nervengeflecht, den Plexus ovaricus.

Der Lymphabfluss erfolgt primär zu den Lendenlymphknoten (Nodi lymphatici lumbales), Nebenwege gibt es zu den Lymphknoten der Beckenwand.

Die Gefäße und Nerven verlaufen im Mesovarium und treten über die Gefäßpforte (Hilus ovarii) in das Organ ein.Marion Kiechle: Gynäkologie und Geburtshilfe. Elsevier, Urban&Fischer Verlag, 2007 ISBN 978-3-43-742406-9, S. 15

Erkrankungen und Funktionsstörungen mini|Brenner-Tumor Eine Entzündung des Eierstocks wird als Oopheritis bezeichnet. Sie tritt zumeist in Kombination mit Entzündungen des Eileiters auf und wird dann als Adnexitis bezeichnet.Günther Kern: Gynäkologie. Thieme-Verlag, New York 1985, ISBN 3-13-460604-6. Eine Verstopfung der abführenden Blutgefäße führt zu einer Ovarialvenenthrombose, die vor allem in der Nachgeburtsperiode auftritt.Jörg Baltzer: Praxis der Gynäkologie und Geburtshilfe. Georg Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-13-129151-6, S. 326.

Der Eierstock kann Sitz verschiedener Tumoren sein. Eierstocktumoren machen etwa 15 % aller Tumoren der Frau aus, etwa ein Viertel davon sind bösartig. Das Ovarialkarzinom und der Klarzelltumor sind bösartige Tumoren. Das Kystadenom, das Oberflächenpapillom, die Struma ovarii, das Kystadenofibrom, der Adenomatoidtumor und der Brenner-Tumor sind gutartige Tumoren der Eierstöcke. Fibrome des Eierstocks können mit Bauchwassersucht einhergehen (Meigs-Syndrom). Das Zystom ist ein Drüsengeschwulst, bei der sich ein Sekrethohlraum bildet.Guenter Strauss et al.: Praktische Gynäkologie für Studium, Klinik und Praxis. De Gruyter 2011, ISBN 978-3-11-084488-7, S. 347–350.

Eine Unterfunktion der Keimdrüsen wird als Hypogonadismus bezeichnet. Funktionsstörungen des Eierstocks sind Ovarialinsuffizienz, Ovarialzysten und das polyendokrine metabolische Ovarsyndrom. In der Menopause kommt der Ovarialzyklus zum Erliegen. 1896 wendeten Richard Werth und Leopold Landau Eierstockpräparate bei Ausfallserscheinungen an.Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 50.

Das gleichzeitige Auftreten von Hodengewebe im Eierstock bezeichnet man als Ovotestis. Die fehlende Anlage während der Embryonalentwicklung nennt man Gonadendysgenesie oder Agonadismus. Die Dermoidzyste ist eine embryonale Fehlentwicklung, bei der ein mit Oberhautgewebe ausgekleideter Hohlraum entsteht.

Eierstock bei Vögeln mini|hochkant=0.5|Eierstock mit Dotterkugeln (1) und Ovidukt (2) eines Haushuhns Bei Vögeln ist zumeist nur der linke Eierstock ausgebildet. Bei wenigen Arten sollen auch Anteile des rechten Eierstocks erhalten bleiben. Der rechtsseitige Eileiter (Oviductus) wird zwar auch beim Embryo angelegt, bildet sich aber ausnahmslos bis zum Schlüpfen wieder zurück. Die Eierstöcke liegen bei Vögeln vor den Nieren. Im Gegensatz zum kompakten Organaufbau der Säugetiere erscheint der Eierstock der Vögel traubenförmig. Er besteht aus vielen Dotterkugeln, die dem späteren Eigelb entsprechen und mit kurzen Stielen aufgehängt sind. In der Legezeit wachsen ständig gelbe Dotterkugeln heran, so dass der Eierstock eine beträchtliche Größe erreichen kann. Bei einer Legehenne erreicht der Eierstock eine Masse von 60 g und besteht aus 4 bis 6 großen Dotterkugeln und bis zu 1600 kleinen Follikeln. In der Legepause sind die Dotterkugeln sehr klein und gräulich.Salomon, Geyer, Gille (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. 4. Auflage. Enke, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-13-242675-7, S. 808–809.

Eierstöcke bei anderen Arten

Auch andere vielzellige Tierarten besitzen zumeist Eierstöcke oder eierstockartige Gonaden, dies gilt sowohl für Arten mit getrennten Geschlechtern als auch für zwittrige Arten.

Eine Besonderheit sind Schleimaale: Bei ihnen sind Eierstöcke und Hoden nicht ausdifferenziert, beide Arten von Keimzellen (Eizellen und Spermien) werden folglich in einer einzigen Gonade produziert. Trotzdem ist Selbstbefruchtung ausgeschlossen, da die Produktion zeitversetzt stattfindet.

Zu den kompliziertesten Eierstöcken gehören die der Plattwürmer.Adolf Remane, Volker Storch, Ulrich Welsch: Systematische Zoologie. 6., bearbeitete und erweiterte Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg / Berlin 2004, ISBN 3-8274-1112-2. Die meisten Plattwürmer besitzen zwei Arten von Ovarien: Keimstöcke (auch Germarien, Ez. Germarium): Die eigentlichen Eierstöcke, in denen die befruchtungsfähigen Eizellen gebildet werden. Dotterstöcke: Hier werden die sogenannten Dotterzellen gebildet, welche später den Embryo mit Nahrung versorgen.