Aix-en-Provence ( oder ) ist eine französische Universitätsstadt im Département Bouches-du-Rhône in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur und historische Hauptstadt der Provence. Die Stadt umfasst eine Fläche von 18.608 Hektar. Rund 40.000 der Einwohner (Stand ), die man Aixois nennt, sind Studenten. Als Unterpräfektur des Départements ist Aix, wie die Stadt kurz genannt wird, Hauptstadt des gleichnamigen Arrondissements.

Aix ist Sitz eines katholischen Erzbischofs. Bischofskirche ist die Kathedrale Saint-Sauveur (Heiliger Erlöser) (siehe unten). Siehe auch Erzbistum Aix und Liste der Erzbischöfe von Aix.

Geografie Aix liegt etwa 15 Kilometer westlich des Bergs Sainte-Victoire in einer Senke, die durch die Flüsse Arc und Torse geformt wurde.

Mit einem Stadtgebiet von 18.608 Hektar ist Aix flächenmäßig die elftgrößte Kommune des französischen Mutterlands. Das Gemeindegebiet umfasst allerdings eine Vielzahl an Dörfern in der näheren Umgebung wie Les Milles, Luynes, Puyricard, Célony, Couteron, Les Granettes sowie die neueste Ansiedlung La Duranne. 6219 Hektar der Fläche gelten als bewaldet.

Klima Das Klima ist mediterran mit heißen, trockenen Sommern und milden, sonnigen Wintern. Die im Norden gelegenen Hügelketten (Luberon und Trévaresse) bieten einen gewissen Schutz vor dem gefürchteten Mistral. Die mittlere Temperatur schwankt zwischen 6,5 °C im Januar und 24 °C im Juli. Gelegentlich fällt die Temperatur unter den Gefrierpunkt im Winter und steigt über 40 °C im Sommer. Hier ist die geografische Lage in einer Senke von Nachteil, da die Kaltluft gefangen bleibt. Im Herbst sind heftige Gewitter möglich. Größere Mengen an Schneefall im Winter sind selten, aber nicht ausgeschlossen.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1800 1851 1901 1954 1999 2017Einwohner 21.009 27.255 29.418 54.217 133.018 142.482 Quellen: Cassini und INSEE Der stetige Bevölkerungszuwachs seit dem 19. Jahrhundert ist im Wesentlichen auf die Zuwanderung von Teilen der Landbevölkerung (Landflucht) infolge der Reblauskrise im Weinbau und der zunehmenden Mechanisierung der Landwirtschaft zurückzuführen.

Geschichte Antike mini|hochkant|Gründung von Aix durch Sextius Calvinus (Joseph Villevieille, 1900, Rathaus)

Im vierten Jahrhundert vor Christus wurde die südliche Westprovence von keltisch-ligurischen Volksstämmen beherrscht. Auf dem Gebiet von Aix lebte der Stamm der Salluvier, der das nah gelegene Oppidum Entremont zu seiner Hauptstadt erklärte. Die in Massalia angesiedelten Griechen lebten lange Zeit friedlich mit den Einheimischen und brachten diesen Teile ihrer hochentwickelten Kultur bei. Im fühlten sie sich von dem benachbarten Stammesbündnis jedoch zunehmend bedroht und riefen die verbündeten Römer zu Hilfe. Der Prokonsul Gaius Sextius Calvinus besetzte die Provence und ließ Entremont zerstören. Der Feldzug diente gleichzeitig zur Sicherung des Landwegs in die spanische Provinz. Zur Konsolidierung der römischen Herrschaft auf dem eroberten Gebiet errichtete Calvinus ein Jahr später um eine bekannte Thermalquelle herum einen Festungswall und gründete damit die erste römische Stadt auf gallischem Boden, Colonia Aquae Sextiae Salluviorum. Aus dieser Namensgebung hat sich die heutige Bezeichnung Aix entwickelt.

Um die Stadt herum entstand die Provinz Gallia Narbonensis, deren Hauptstadt ab jedoch die Colonia Narbo Martius wurde. Am Fuße des Mont St. Victoire in der Umgebung der Stadt kam es im Jahr zur berühmten Schlacht von Aquae Sextiae, bei der das römische Heer unter Befehl von Feldherr Marius die Teutonen und Ambronen vernichtend besiegte. Der Sieg hatte großen Anklang bei der einheimischen Bevölkerung, was Marius beim provenzalischen Volk für lange Zeit den Titel „Sohn des Landes“ bescherte.Giovanna Magi: Provence. 1982, S. 5. Aufgrund ihrer verkehrsgünstigen Lage an der Via Aurelia wuchs die Stadt sehr schnell und wurde dank ihrer heilenden Thermalquellen zu einem beliebten Kurort. Unter Kaiser Augustus entwickelte sich Aquae Sextiae zur römischen Kolonie, bekamen die Einwohner das römische Bürgerrecht.Stefan Brandenburg, Ines Mache: Provence. 6. Auflage. 2008, S. 434–436.

In Aquae Sextiae wurde eine Weiheinschrift für einen ansonsten unbekannten Gott Accorus aufgefunden.

Residenz der Grafen und des „guten Königs René“ mini|links|König René

Dank der Reichsreform von Kaiser Diokletian stieg Aquae Sextiae im 3. Jahrhundert zur Hauptstadt der Provinz Narbonensis Secunda auf und machte damit der mächtigen Nachbarstadt Arles Konkurrenz. Erst recht spät, gegen Ende des 4. Jahrhunderts, entwickelte sich die Stadt zu einem Bischofssitz. Nach dem Aufstieg zum Erzbistum in karolingischer Zeit unterstanden ihr die Suffragane Sisteron, Apt, Riez und Fréjus.Droste: Provence. 7. Auflage. 2011, 231–232. In der Folgezeit war sie immer wiederkehrenden Germanen- und Sarazenenangriffen ausgesetzt, die zu schweren Zerstörungen führten. Zu Beginn des zwölften Jahrhunderts war die Stadt Hauptort der Provence. Die Grafen der Provence regierten in Aix ab 1182 als Vasallen des römisch-deutschen Kaisers und gründeten einen erlesenen Kunst- und Literaturhof. Im Bereich des heutigen Rathauses und Justizpalastes entstand die Ville Comtale, die „gräfliche Stadt“. Dem aufstrebenden Bürgertum wurde von den Grafen das Recht zur Selbstverwaltung eingeräumt. In den darauf folgenden zweihundert Jahren erlitt Aix einige schwere Rückschläge durch plündernde Raubritter und die schwarze Pest von 1348. Nach der Nichtanerkennung Ludwigs von Anjou als legitimem Nachfolger von Königin Johanna belagerte dieser die Stadt und ließ nach der Einnahme einen großen Teil des Stadtgebietes zerstören.

Bereits unter Raimund Berengar V. und zwei aufeinanderfolgenden Häusern der Anjou erlebte die Stadt einen Aufschwung. Es kam zu einer Verdopplung der Stadtfläche. Ludwig II. belohnte Aix 1409 mit der Gründung der Universität Aix, da die Stadt endlich das jüngere Haus Anjou anerkannte. Ihre Blütezeit erreichte sie jedoch erst Ende des fünfzehnten Jahrhunderts unter Herrschaft des „guten Königs René“, der Aix 1471 zu seiner Altersresidenz wählte. Unter René entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden Wirtschaft- und Kulturzentrum. Er galt als Mäzen zahlreicher Künstler, wie etwa Nicolas Froment, die durch ihr Wirken zur Verschönerung der Stadt beitrugen. Den Hofstaat und das Volk unterhielt er mit Festen, Spielen und Ritterturnieren. Mit seinem Tod 1480 ging die glanzvolle Epoche von Aix zu Ende. Graf Karl von Maine vermachte die bis dahin unabhängige Grafschaft der französischen Krone.

Goldenes Zeitalter und Wiedererweckung mini|Cours Mirabeau um 1792

Trotz der Degradierung zur Provinzhauptstadt blieb die Stadt relativ autonom und genoss als Sitz des königlichen Gouverneurs viele Privilegien. 1501 schuf Ludwig XII. in Aix das Parlement der Provence, ein oberster Gerichtshof, von dem aus die Provinzregierung geführt wurde. Das Parlement war bei der Bevölkerung nicht sehr beliebt und galt zusammen mit der Rhone und dem Mistral als eine Geißel der Provence. 1546 wurde die Stadt von einer fürchterlichen Pest heimgesucht, die so schlimm gewesen sein soll, dass sie den Namen Charbon provençal („provenzalische Kohle“) erhielt, da die Betroffenen nach wenigen Tagen so schwarz wie Kohle wurden. Im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert durchlebte Aix ein goldenes Zeitalter und galt in diesem Zeitraum als eine Stadt der Feste und Ausschweifungen.Cony Ziegler: Provence mit Camargue. 2. Auflage. 2009, S. 433–434. Es wurden große Prunkalleen wie der Cours Mirabeau angelegt und prachtvolle Stadtpalais errichtet. 1646 entstand das Quartier Mazarin mit edlen barocken Wohnsitzen der Amtsadligen und Parlamentarier, die heute noch das Stadtbild prägen. Am trat das Parlement vor seiner Auflösung zum letzten Mal zusammen. Einige Jahre später wurde Aix zu einer Unterpräfektur herabgestuft.

Mit dem Aufstieg von Marseille zum regionalen Zentrum und zur Hauptstadt des neu geschaffenen Départements Bouches-du-Rhône verlor Aix seinen politischen Einfluss und seine Bedeutung als Universitätsstadt. Die von Ludwig II. gegründete Universität verlor einige ihrer Fakultäten. Das Parlement wurde zu einem Gerichtsgebäude umfunktioniert. Die Stadt zog aber weiterhin Künstler, Dichter und Schriftsteller an. Aix blieb vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont. In den 1950er und 1960er begann die Wiedererweckung der Stadt, die sich seit dem 19. Jahrhundert in einer Art Dornröschenschlaf befunden hatte. Nach dem Algerienkrieg und der Unabhängigkeit des Landes siedelten sich in Aix wie in anderen Städten des Südens viele nach Frankreich eingewanderte Algerienfranzosen (Pieds Noirs) an, denen muslimische Einwanderer aus den Maghrebstaaten folgten. Die Bevölkerung wuchs daher rasant, und es entstanden Großwohnsiedlungen am Stadtrand. Die Stadt ist zudem ein Anziehungspunkt für Studenten. Ab 1970 entwickelten sich Hightech-Ansiedlungen an der Universität. Zudem führte die Stadt eine dem Tourismus zuträgliche Altstadtsanierung durch. Seit 1948 findet alljährlich im Sommer das Festival d’Aix-en-Provence statt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Männlicher Rhône und weibliche Durance auf dem Giebel der ehemaligen Kornhalle

Altstadt Die Altstadt gliedert sich in einen römischen und einen mittelalterlichen Stadtkern. Zentrale Anlaufstellen sind die Cathédrale St-Sauveur und der Place de l’Hôtel de Ville. Über die Rue Espariat gelangt man zunächst zum 1675 entstandenen Hôtel Boyer d’Éguilles, in dem das Musée d’Histoire Naturelle mit seinen versteinerten Dinosauriereiern untergebracht ist. Schräg gegenüber dem Eingang befindet sich der Place d’Albertas, der als einer der schönsten Plätze von Aix giltStefan Brandenburg, Ines Mache: Provence. 6. Auflage. 2008, S. 437. und der 1745 von einer Parlamentarierfamilie als private Terrasse erbaut wurde. Die Fassaden dienen im Sommer als Hintergrundkulisse für Konzerte (Aix en Musique). Über die Rue Aude und Rue Maréchal Foch gelangt man zum Place Richelme, wo jeden Morgen ein Gemüsemarkt stattfindet. Auf dem Place de l’Hôtel de Ville weiter nördlich findet man hingegen einen Blumenmarkt. Der Giebel der ehemaligen Kornhalle aus dem 18. Jahrhundert wird von personifizierten Darstellungen der männlichen Rhône und der weiblichen Durance geschmückt. Die Kornhalle wird heute von der Post und der Bibliothek genutzt. An der Westseite des Rathausplatzes befindet sich das zwischen 1655 und 1671 erbaute Hôtel de Ville mit Barockfassade. Den gepflasterten Innenhof erreicht man durch ein schönes kunstgeschmiedetes Tor. Der angrenzende Tour de l’Horloge diente als Stadttor und wurde auf römischen Fundamenten errichtet. In dem Uhrturm aus dem Jahr 1510 schlägt eine astronomische Uhr. Der Rathausplatz und der daneben befindliche Place des Cardeurs mit seinem ansehnlichen Keramikbrunnen wird von vielen Cafés gesäumt, die als beliebte Studententreffpunkte dienen.

Über die Rue Gaston de Saporta gelangt man zum römischen Stadtteil, wo im Hôtel d’Estiennes de St-Jean das Heimatmuseum untergebracht ist. Etwas weiter nördlich steht der ehemalige Erzbischofspalast aus dem 17. Jahrhundert. Sein Innenhof dient alljährlich im Sommer als Schauplatz des internationalen Festival d’Aix-en-Provence. An den Palast schließen sich die Kathedrale Saint-Sauveur mit Kreuzgang und frühchristlichem Baptisterium sowie die ehemalige juristische Fakultät an. Am westlichen Ende der Altstadt befinden sich in einem 1990 komplett umgestalteten Badekomplex die schon bei den Römern bekannten Thermalquellen Les Thermes Sextius.

Im östlichen Teil der Altstadt liegt der imposante Palais de Justice, der Ende des 18. Jahrhunderts das Schloss der Provencegrafen ersetzte. Unweit des nach Plänen von Claude-Nicolas Ledoux entworfenen Justizpalastes befindet sich die Église de la Madeleine. Die Kirche ist ein barocker Bau und enthält das berühmte Triptychon der Verkündung. Bei dem unbekannten Meister des Werkes handelt es sich wahrscheinlich um den flämischen Maler Barthélemy d’Eyck.