Heiligendamm () ist ein Stadtteil von Bad Doberan an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns in der Mecklenburger Bucht. Heiligendamm ist der älteste Seebadeort Deutschlands und Kontinentaleuropas, bereits 1793 erfolgte die Gründung. Der Ort wird wegen der von der See aus sichtbaren weißen Häuserreihe in Strandnähe auch die „Weiße Stadt am Meer“ genannt. 2004 wurde Heiligendamm als Seeheilbad anerkannt. Durch den G8-Gipfel in Heiligendamm im Juni 2007 erlangte der Ort internationale Bekanntheit.

Das Seebad als Ortsteil hat etwa 300 Einwohner,, abgerufen am 29. November 2014 die Stadt Bad Doberan hatte Ende 2013 insgesamt 11.607 Einwohner.Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2013 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011)

Heiligendamm ist an den Ostseeküsten-Radweg bzw. die europäische EuroVelo-Route EV 10 angeschlossen.

Geschichte Vor der Besiedlung und Namensherkunft mini|Grand Hotel, Perlenkette (Promenadenvillen) und Strand Der Ortsname Heiligendamm stammt vom Heiligen Damm, einer aus glatten, locker liegenden und eigentümlich gefärbten und gebildeten Kieseln bestehenden, 3–5 m hohen, etwa 30 m breiten und 4 km langen Erhöhung an der Ostsee. Obwohl es sich bei dieser natürlichen Ablagerung tatsächlich um von der Meeresflut bloßgelegten Moränenschutt der Eiszeit handelt,Ostseebäder und Städte der Ostseeküste, Meyers Reisebücher, Bibliographisches Institut, 4. Auflage, Leipzig und Wien 1910, S. 229–232. entstand die Sage, die Zisterziensermönche von Doberan hätten bei Sturmflut gebetet, und daraufhin sei der Heilige Damm von den erregten Ostseefluten aufgetürmt worden.

Im Mittelalter war der Conventer See noch eine offene Meeresbucht. Tatsächlich ist der Heilige Damm in seiner heutigen Form bei einer Sturmflut im frühen 15. Jahrhundert entstanden. Entgegen manchen Darstellungen war der Conventer See jedoch nicht der Auslauf eines bei Schwaan entstehenden Nebenarms der Warnow.

Gründung mini|hochkant|Gedenkstein: mini|links|Blick um 1841 Die Gründung des Seebads Heiligendamm – im Volksmund der Region kurz „Der Damm“ genannt – erfolgte 1793 durch Friedrich Franz I., Herzog von Mecklenburg-Schwerin (seit 1815 Großherzog); es wurde als solches von der großherzoglichen Domänenkasse verwaltet. Den eigentlichen Anstoß für die Gründung dieses ersten deutschen Seebades gab Georg Christoph Lichtenberg, damals Professor für Mathematik und Physik, als er im Göttinger Jahreskalender für das Jahr 1793 in einem Beitrag über den Nutzen des Badens im Meereswasser die Frage stellte: Georg Christoph Lichtenberg: Warum hat Deutschland noch kein öffentliches Seebad? In: Göttinger Jahreskalender 1793, Verlag Johann Christian Dietrich, Göttingen 1792. Bereits am 22. Juli 1793 wurde der Beschluss gefasst, am ‚Heiligen Damm‘ ein Seebad zu errichten. Nachdem er Lichtenbergs Artikel gelesen hatte, ermunterte der Leibarzt des mecklenburgischen Herzogs, Samuel Gottlieb Vogel, diesen zu dem Gründungsschritt. Er erhielt den Auftrag, die nötigen Pläne zu entwerfen, die er schon im August vorlegen konnte. Vorbilder waren ihm dabei die südenglischen Seebäder und das deutsche Bad Pyrmont. Schon am 9. September 1793 soll dann der Herzog mit einigen Kammerherren nahe dem Heiligen Damm in der Ostsee gebadet haben.Friedrich Rochow, Klaus Havemann, Bad Doberan - Heiligendamm, Droste Verlag 1993 Sein Leibarzt Dr. Vogel befand sich zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit dem Planungsleiter Johann Christoph Heinrich von Seydewitz auf einer Studienreise, um in anderen Badeorten, so auch in Bad Pyrmont, ein Bild von bereits bestehenden Badeeinrichtungen zu erhalten. Auf dem Rückweg machten sie bei Lichtenberg in Göttingen halt, um Informationen über englische Seebäder einzuholen. Das erste Badehaus am Heiligen Damm wurde am 21. September desselben Jahres in Betrieb genommen. Die erste Badesaison von 1794 eröffnete dann der Herzog als erster Badegast mit seinem Hofstaat. Zur Finanzierung verkaufte er dem König von Oranien tausend Männer für dessen Heer.Till Briegleb: Ganz schön ruinös. In: mare, No. 98, S. 88 ff. Bereits 1798 verzeichnet die Chronik 540 Badegäste am Heiligen Damm.

Vogel wollte die nutzen. Dies sollte nun auch in Heiligendamm möglich sein. Im Ort erinnert ein mächtiger Granitblock an die Gründung Heilgendamms als des ersten Seebads in Deutschland. Die folgenden 80 Jahre blieb Heiligendamm mit allen Einrichtungen Teil des großherzoglichen Domaniums und stand direkt unter der Aufsicht der großherzoglichen Behörden. Die Aufnahme der Badegäste und die Restauration waren einem Pächter überlassen; die Preise wurden ihm im Pachtcontract vorgeschrieben. Die „obere Leitung des ganzen Etablissements, wie auch Alles, was in Doberan in die Badeangelegenheiten einschlägt“, oblag dem „Großherzoglichen Bade-Intendanten“. Fast zwei Jahrzehnte hatte Hermann von Suckow diese Stellung inne.

Johann Christoph Heinrich von Seydewitz, Carl Theodor Severin, Georg Adolph Demmler und andere mecklenburgische Baumeister schufen zwischen 1793 und 1870 ein klassizistisches imposantes Gesamtkunstwerk aus Logier-, Bade- und Gesellschaftshäusern. Dies brachte dem Ort später den Beinamen „Weiße Stadt am Meer“ ein und begründete seinen Ruf als das schönste Seebad Deutschlands. Die Inschrift „Heic te laetitia invitat post balnea sanum“ („Hierher lädt die Freude dich, den nach dem Bade Gesunden“) 1816 vom Rostocker Altphilologen Immanuel Gottlieb Huschke verfasst. Vgl. Adolf Nizze: Doberan-Heiligendamm. Geschichte des ersten deutschen Seebades. Godewind Verlag, Wismar 1823 am Giebel des von Baumeister Severin zwischen 1814 und 1816 errichteten „Empfangs-, Gesellschafts-, Tanz- und Speisehaus“ wurde zum Leitspruch für das Leben im eleganten Badeort Heiligendamm.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde das Bad vom europäischen Hochadel frequentiert. Die Zeit, während der mecklenburgische Hof anwesend war, bildete die Höhe der Saison. Das wurde besonders dadurch geprägt, dass mit der Hochzeit 1822 von Paul Friedrich von Mecklenburg mit Alexandrine von Preußen, der Schwester Wilhelm I., zwei Herrscherhäuser am Heiligen Damm präsent waren. Selbst nach dem Tod ihres Gattens 1842 verbrachte Alexandrine bis wenige Jahre vor ihrem Tod 1892 die Sommermonate in ihrem geliebten Seebad. Für die den Luxus liebenden Gäste gewährten Konzerte, Tanzabende, Kinderfeste, Spiel- und Sportplätze, Segel- und Rudersport Unterhaltung und Genuss. Ab Ende Juli kam jährlich das Doberaner Pferderennen und im Anschluss daran ein vielbesuchtes internationales Tennisturnier, an dem auch der Hof teilnahm, mit dazu. Um 1850 erfolgte der Bau und die Inbetriebnahme eines Taubenschießstandes am Ortsrand Richtung Conventer See. Mehrfach wechselten auch die Tennisanlagen ihren Standort. Im Jahr 1908 hatte Heiligendamm 2480 Kurgäste.

Dafür, dass Friedrich Schiller, Marcel Proust oder Franz Kafka Urlaub in Heiligendamm gemacht haben sollen, fehlen die Belege im Gästebuch. Dagegen war Rainer Maria Rilke unter den Gästen.Till Briegleb: Ganz schön ruinös. In: mare No. 98, S. 87 Das Gerücht, der russische Zar sei hier Kurgast gewesen, ist falsch. Möglicherweise war die russische Großfürstin Maria Alexandrowna Romanowa zu Besuch; selbst das ist unbestätigt.

Kaiserreich, Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus mini|Große Panoramaansicht von Heiligendamm. Holzschnitt, 1887 Im Jahr 1872 kaufte eine Aktiengesellschaft die Anlage für 500.000 Taler. 1885 wurde der Aktionär Rittmeister a. D. Otto Baron von Kahlden Alleineigentümer. Um 1910 verkaufte dessen Sohn Rudolf das Unternehmen an Walter John, den Neffen der Bestseller-Autorin E. Marlitt (1825–1887). In dieser Zeit wurde der Wunsch laut, gezielte Aktivitäten für einen Bädertourismus und gesellschaftliche Attraktionen für das gehobene Bürgertum zu organisieren, um wenigstens in den Sommermonaten einen gewissen Anziehungspunkt zu bilden. So begannen im Frühjahr 1909 die Bauarbeiten für den Bahnanschluss von Doberan aus, in die Badeorte Heiligendamm und Arendsee. Bereits im Mai 1910 wurde der planmäßige Bahnbetrieb aufgenommen. Das verhalf der Pferderennbahn zwischen Doberan und Heiligendamm zu neuem Glanz. Der Schiffsverkehr mit Anlagestelle an der Seebrücke bescherte den Ausflugsgaststätten nun auch Kurzzeitgäste, vor allem an den Wochenenden, zum Flanieren und Promenieren entlang der Dünen und auf dem Vorplatz des Kurhauses. Gezielt wurden Höhepunkte geschaffen, um auch Besucher aus anderen Landesteilen anzuziehen. So wurde 1912 über mehrere Tage vom 29. August und 5. September der „1. Deutsche Wasserflugmaschinen-Wettbewerb“ in Heiligendamm veranstaltet. Für den Segel-, Tennis- und Schießsport wurden Ausscheide direkt nach Heiligendamm geholt. Doch der Beginn des Ersten Weltkrieges machte das alles in wenigen Tagen zunichte.

Das Seebad geriet in den Konkurs und wurde schließlich zwangsversteigert. Um diese Zeit bestand der Ort aus einem Kurhaus nebst 16 dazugehörigen Pensionshäusern und Villen (mit etwa 200 Zimmern und Wohnungen), drei großherzoglichen Villen und einigen Gasthöfen und Privathäusern; den Mittelpunkt bildete der hart am Strand liegende Kurplatz mit Seesteg und fester Landungsbrücke für Passagierschiffe. Drei Hamburger Gläubiger und ein Leipziger Großhändler boten 1,5 Millionen Mark und gründeten die Ostseebad Heiligendamm GmbH. Während des Ersten Weltkrieges verschuldete sich der Betrieb weiter, kam schrittweise in den Besitz des Bankhauses Louis Wolff. Im Jahr 1924 übernahm der Bankier Oskar Adolf Baron von Rosenberg sämtliche Anteile an der GmbH und rettete sie dadurch. Im Jahr 1939 wurde das Bad für Heereszwecke beschlagnahmt und als Reserve-Lazarett genutzt. 1941 zahlte das Deutsche Reich an die Dresdner Bank, die im Zuge einer schleichenden Arisierung die Kontrolle über die Heiligendamm-GmbH übernommen hatte, 1,7 Millionen Reichsmark für alle Immobilien.Peter Schubert: Die heikle Geschichte Heiligendamms. Erst im Jahr 2007 wurden die Hintergründe über die in der Nazi-Zeit erfolgte schleichende Arisierung wieder bekannt, wonach die Nazis den Bankier Baron von Rosenberg und dessen Nachkommen schrittweise um ihren Besitz Heiligendamms gebracht hätten, weshalb sich die Jewish Claims Conference des „Vorgangs Heiligendamm“ angenommen hat. Im Erfolgsfall könnten mögliche Rosenberg-Erben von der Bundesregierung Schadenersatz einfordern. Der Verkehrswert Heiligendamms wurde auf 500 Millionen D-Mark geschätzt, dem ein Kaufpreis der Fundus-Gruppe von nur 18 Millionen DM gegenübersteht.

1888 war eine Katholische Herz-Jesu-Kapelle im Wald bei Heiligendamm geweiht worden, die der Initiative des Kammerherrn von Suckow gegenüber dem Großherzog zu verdanken war. 1904 folgte die Einweihung einer Evangelischen Waldkirche. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Waldkirchen geplündert und zeigten in den folgenden Jahrzehnten deutliche Verfallserscheinungen. mini|Plan des Ostseebads Heiligendamm aus der Zeit um 1908, zehn Minuten Gehweg östlich des Kurhauses der idyllisch gelegene Teich Spiegelsee Als Sommerresidenz verblieb der herzöglichen Familie auch nach der Novemberrevolution das etwas abseits gelegene Demmlersche Alexandrinen-Cottage, das erst 1945 enteignet und 1947 in Volkseigentum überführt wurde.