In diesem Artikel geht es um den Aufbau von Zahlennamen und die Benennung von Zahlen im Dezimalsystem.
Der Aufbau von Zahlennamen Am Beispiel der Zahl vierhundertsiebenundzwanzigtausendfünfhundertvierunddreißig (427.534) kann man den abgestuften Aufbau der Zahlennamen ersehen. Auffällig sind dabei in der deutschen Sprache die Blockbildung in 3-er Gruppen zu einem Individualzahlwort (wie Tausend) und die systematische Umkehrung der Zehner- und der Einerstelle.
Null bis neun Die Werte der Dezimalziffern sind: null, eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun. Der Name null steht immer alleine; auf den anderen neun Zahlennamen baut das gesamte Namenssystem auf.
Zehn Aus dem urgermanischen Wort *tehun, das unter anderem mit altgriechisch deka (δεκα) und lateinisch decem („zwei Hände“) verwandt ist, hat sich über althochdeutsch zehan das heutige Wort zehn entwickelt.
Elf und zwölf als Ausnahmen Die Zahlwörter elf und zwölf (von gotischDie Formulierung „von gotisch …“ ist hier als Kurzform von „aus dem Germanischen, verwandt mit gotisch …“ zu verstehen. ainlif und twalif mit der Nachsilbe -lif ‚das Darüberhinausgehende‘) bedeutet eins darüber hinausgehend bzw. zwei darüber hinausgehend, also eins bzw. zwei mehr als zehn.Onkel Dagobert und die großen Zahlen. In: Bild der Wissenschaft 11/2019, S. 89.
Auch in allen anderen germanischen Sprachen, beispielsweise im Englischen (eleven, twelve) oder Niederländischen (elf, twaalf), gibt es diese Ausnahmen. Hier merkt man den früheren Ansatz eines auf zwölf Zahlen basierenden Zahlensystems. Siehe auch Dutzend (= 12), Schock (fünf Dutzend = 60) und das Gros (zwölf Dutzend = 144).
Dreizehn bis neunzehn Im Gegensatz zu den Zahlen über zwanzig, bei denen die Einerstelle und die Zehnerstelle mit und verknüpft werden (siebenundzwanzig), entfällt dies bei den Zahlen von dreizehn bis neunzehn. Bei den Zahlen sechzehn und siebzehn wird die Einerstelle verkürzt ausgesprochen und geschrieben (sechzehn statt „sechszehn“ und siebzehn statt „siebenzehn“).
Im Französischen gibt es eine weitere Besonderheit: Die Werte von dreizehn bis sechzehn werden ebenfalls verkürzt ausgedrückt: treize, quatorze, quinze, seize. Ursprünglich entstanden die Formen aus dem Lateinischen, als z. B. „sedecim“ im Lauf der Zeit zu „seize“ verkürzt wurde (decim ⇒ dece ⇒ tse ⇒ ze). Erst ab siebzehn werden die regulären Formen dix-sept, dix-huit und dix-neuf verwendet. Die analoge Verkürzung bei siebzehn wäre von der sechzehn zu wenig unterscheidbar gewesen.
Zwanzig bis neunundneunzig Zwanzig: von gotisch twai tigjus (= „zwei Zehn-Einheiten“), später twai tig. Diese Bildungsform setzt sich bis neunzig fort, wobei auch hier die Endsilben der Sechs und der Sieben teils verkürzt sind (sechzig statt „sechszig“ und siebzig statt „siebenzig“). Eine Ausnahme bildet die Verwendung von dreißig (statt „dreizig“). Die Einereinheit wird zuerst genannt, dabei wird eins zu ein- verkürzt.
Andere Sprachen In manchen Sprachen sind noch Reste eines Vigesimalsystems erhalten: Zum Beispiel ist im Französischen (in Frankreich und Kanada) diese Reihe nur bis 60 nach diesem Muster aufgebaut. Danach folgen „sechzig-und-zehn“ (soixante-dix), „vier-mal-zwanzig“ (quatre-vingts) und „vier-mal-zwanzig-und-zehn“ (quatre-vingt-dix). Allerdings gibt es im belgischen Französisch abweichend für 70 und 90 die Zahlwörter septante und nonante und im Schweizer Französisch zusätzlich huitante und octante für 80. Das Dänische kennt für die Zahlen von 50 bis 90 das Vigesimalsystem; so heißt beispielsweise 60 im Dänischen tres(indstyve), d. h. „drei-mal-zwanzig“, oder 50 heißt halvtreds(indstyve), d. h. „halb drei-mal-zwanzig“ (für ).
Bei zusammengesetzten Zahlwörtern wird meistens abnehmend (z. B. Tausender vor Hunderter) gesprochen. Abweichend davon stehen in den Zahlwörtern vieler europäischer Sprachen (z. B. Latein, Russisch, Englisch, Deutsch) bei den Zahlen 13 bis 17 die Einer vor der Zehn, implizit verstanden als z. B. drei plus zehn oder vier über zehn. Im Gegensatz zur deutschen Sprache kommt in anderen Sprachen, wie der russischen, ukrainischen, englischen, schwedischen oder französischen, bei Zahlen über zwanzig die Zehnereinheit zuerst (z. B. im Englischen twenty-five). Weitere Sprachen, in denen Einer- und Zehnernamen wie im Deutschen gereiht werden, sind das Niederländische, das Dänische, das Luxemburgische, das Slowenische, das Arabische und Hindi. Im Tschechischen sind beide Varianten möglich, d. h. „Zwanzig und eins“ oder „Einundzwanzig“; desgleichen im Norwegischen, wo die dem Deutschen oder Dänischen entsprechende Reihung offiziell per Gesetz durch die dem Englischen oder Schwedischen entsprechende abgelöst wurde, in der gesprochenen Sprache aber nach wie vor üblich ist.
Hunderter Hundert: von gotisch hunda und lateinisch centum. Ursprünglich nur als Mehrzahlwort verwendet, das heißt, erst ab zweihundert. Das erste Hundert wurde noch bis ins Mittelhochdeutsche durch das Zahlwort zehen-zec/ic, zehent-, zên-zicNach Beate Hennig: Kleines Mittelhochdeutsches Wörterbuch. ISBN 978-3-484-10809-7, S. 481. („zehnzig“) abgeschlossen. Heutzutage wird entweder die Hundert, oder die einfache Hundert, also Einhundert, verwendet. Um ein Mehrfaches von hundert auszudrücken, wird eine einstellige Zahl vor die Hundert gestellt. So ist der Zahlname für das Dreifache von hundert dreihundert. Wenn das Mehrfache von hundert größer als 9 ist, wechselt man zum Tausender.
Für den speziellen Zahlenbereich von 1100 bis 1999, also eigentlich schon im nachfolgenden Tausenderbereich, gibt es jedoch im Deutschen – und ähnlich in diversen anderen Sprachen – die Bezeichnungen Elfhundert, Zwölfhundert bis Neunzehnhundert, die bei Jahreszahlen fast ausschließlich verwendet werden (je höher die Zahl, desto seltener ist die Verwendung mit tausend) und ansonsten gelegentlich auch dann, wenn Einer und Zehner fehlen oder sehr einfach sind. Abweichend vom Deutschen wird dies im Englischen auch bis zu Zahlenwerten von 9999 fortgesetzt.
Tausender Tausend: von gotisch thusundi. Für Zahlen über Einhundert hat sich im indogermanischen Sprachraum keine einheitliche Bezeichnung entwickelt. Der Wortstamm „Tausend“ kommt nur im germanischen, slawischen und baltischen Sprachraum vor, während im romanischen die Bezeichnung von lateinisch mille hergeleitet ist und im griechischen von χιλιοι.
Million und Milliarde Million: von lateinisch mille (= tausend) und -one (vergrößerndes Suffix); also eigentlich „Großtausend“. Die Million ist das Quadrat der Tausend.
Die Milliarde ist die dritte Potenz zur Tausend oder auch tausend Millionen. Bei Guillaume Budé findet sich 1516 Milliartum.Guillaume Budé: De Asse et partibus eius Libri quinq[ue] Guillielmi Budei. 1516 (online).
Billion, Billiarde und darüber hinaus Ab einer Milliarde wiederholt sich das Schema -illion und -illiarde, wobei Stämme lateinischer Herkunft zum Einsatz kommen: Bi- für 2 (Billion und Billiarde), Tri- für 3, Quadri- für 4 und so weiter. Sie geben Potenzen der Million an: eine Billion ist 1 000 0002, eine Trillion ist 1 000 0003, eine Quadrillion ist 1 000 0004 und so weiter. Eine Billiarde sind tausend Billionen, eine Trilliarde sind tausend Trillionen und so weiter.
Die Wörter bymillion und trimillion sind bei Jehan Adam (1475) nachgewiesen, während Nicolas Chuquet in einem 1484 fertiggestellten und zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlichten Manuskript byllion und tryllion gebrauchte. Keiner der beiden Autoren hat für sich beansprucht, die Benennung erfunden zu haben, aber als Gemeinsamkeit wurde festgestellt, dass sie eng mit Paris verbunden sind und dass ein gewisser Bartholomäus von beiden erwähnt wird.Lynn Thorndike: The Arithmetic of Jehan Adam, 1475 A.D. In: The American Mathematical Monthly. Band 33, Nr. 1, Januar 1926, S. 24–28, doi:10.2307/2298533.