mini|Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main mini|Hauptsitz der Zentralbanken der USA in Washington, D.C. (Eccles Building)

Eine Zentralbank (oder Notenbank, Zentralnotenbank, zentrale Notenbank, Nationalbank, Staatsbank, Währungsbehörde; ) ist eine nationale oder supranationale Behörde oder Institution, die meist vom Staat oder von einem Staatenverbund errichtet wurde und mit Hoheitsrechten auf dem Gebiet der Geld- und Währungspolitik ausgestattet ist.

Allgemeines Um eine Zentralbank von den Kreditinstituten zu unterscheiden, werden letztere auch als Geschäftsbanken bezeichnet. Zwischen Zentralbank und Geschäftsbanken besteht häufig eine Rechtsbeziehung und stets eine Geschäftsbeziehung. Organisatorisch gibt es Zentralbanken, die auch Bankgeschäfte mit jedermann abschließen dürfen und Zentralbanken, denen dies untersagt ist. Zentralbanken, meist im Staatsbesitz und mit hoheitlichen Aufgaben der Steuerung der Geld-, Devisen-, Kapital- und Kreditmärkte ausgestattet,Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Gabler Kompakt-Lexikon Wirtschaft, 2013, S. 499 fungieren dann als verlängerter Arm des Staates. Sie intervenieren ausschließlich im Bankensektor, so dass die Funktion des Kreditgebers letzter Instanz bei Nichtbanken weiterhin anderen staatlichen Institutionen überlassen bleibt (siehe Rettungsaktion).

In allen Staaten sind heute die Banknotenausgabe, die der Zentralbank erlaubten Geschäfte und deren Organisation gesetzlich geregelt.Gerhard Müller/Josef Löffelholz (Hrsg.), Bank-Lexikon: Handwörterbuch für das Bank- und Sparkassenwesen, 1983, Sp. 1589 Zentralbanken sind entweder als juristische Person des öffentlichen Rechts oder als juristische Person des Privatrechts organisiert. Bei letzteren ist der Staat der alleinige oder mehrheitlich beteiligte Gesellschafter. Überträgt der Staat der Zentralbank hoheitliche Aufgaben der Währungspolitik, wird sie auch Währungsbehörde genannt. Die Zentralbank eines Staates ist für die nationale Geld- und Währungspolitik zuständig, die Zentralbank eines Staatenverbundes (beispielsweise Europäische Union) für dessen Mitgliedstaaten (EU-Mitgliedstaaten).

Geschichte Mittelalter Aufgaben einer Notenbank übernahmen im Mittelalter die Zettelbanken. Als erste gilt die 1345 gegründete Circulations- und Zettelbank zu Genua, erst 1407 funktionsfähig unter dem Namen „Casa di San Giorgio“ und 1808 liquidiert.Karl Heinrich Rau, Lehrbuch der politischen Ökonomie: Volkswirtschaftslehre, Band 1, 1855, S. 387 Als Österreich im Jahre 1746 Genua eroberte, geriet die genuesische Zettelbank in Schwierigkeiten, weil das gesamte zur Deckung der Zettel (Banknoten) nötige Vermögen von den Eroberern konfisziert worden war. Die Girobanken stellten eine öffentliche Infrastruktur für bargeldlose internationale Zahlungen zur Verfügung.Christopher Collins, The Oxford Encyclopedia of Economic History, Volume 3: Banking: Middle Ages and Early Modern Period. Oxford University Press, 2012, S. 223 Hierdurch sollten sie die Effizienz des Handels steigern und die Geldwertstabilität gewährleisten. Die Girobanken erfüllten somit bereits wesentliche Funktionen moderner Zentralbanken.Ginette Kurgan-van Hentenryk, Banking, Trade and Industry: Europe, America and Asia from the Thirteenth to the Twentieth Century, Cambridge University Press, 1997, S. 39

Die am 31. Januar 1609 eröffnete Amsterdamer Wechselbank () gilt als die erste städtische Wechselbank in Westeuropa.Sina Rauschenbach, Judentum für Christen: Vermittlung und Selbstbehauptung Menasseh ben Israels in den gelehrten Debatten des 17. Jahrhunderts, S. 24 Ihr folgte im November 1656 die schwedische Palmstruch-Bank,Neil Irwin, The Alchemists: Inside the secret world of central bankers, 2013, S. 26 die als Privatbank ab dem 16. Juli 1661 weltweit das erste Papiergeld ausgab. Die Schwedische Reichsbank entstand im September 1668 als Zettelbank und gilt als die älteste heute noch existierende Zentralbank, die 1897 das Monopol auf die Emission von Banknoten erhielt. Am 2. März 1705 erfolgte die Gründung der Banco di gyro d’affrancatione in Köln, der ersten Zettelbank des Deutschen Reichs, welche die ersten Zahlungsmittel in Form von Bancozetteln in Deutschland ausgab („Churfürst Pfälzisch Gülich und Bergischer Banco Zettel“).

Inzwischen hatte am 27. Juli 1694 in England ein königliches Privileg dafür gesorgt, dass eine Notenbank in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft unter der Firma „The Governor and Company of the Bank of England“ gegründet werden durfte. Die heute als Bank of England bekannte Zentralbank durfte Banknoten ausgeben und Bankgeschäfte betreiben. Der „Peelsche Bankakt“ () vom Juli 1844 sorgte dafür, dass die Bank of England in zwei Abteilungen aufgeteilt wurde, dem „Issue Department“ für die Banknotenausgabe und dem „Banking Department“ für die Bankgeschäfte. Das „Issue Department“ musste alle Banknoten voll durch Gold decken. Dieser so genannte Goldstandard wurde 1873 in Großbritannien eingeführt und in den meisten europäischen Ländern übernommen. Die Bankakte verbot die Gründung neuer Notenbanken.Encyclopædia Britannica, vol. 3, 1962, S. 43

Gründerzeit mini|Die Bank von Finnland in Helsinki Die Banque de France besaß lange Zeit nicht das alleinige Notenprivileg in Frankreich, sondern ab 1803 lediglich für Paris. Erst als am 15. März 1848 die Banknoten der Banque de France einen Zwangskurs für ganz Frankreich erhielten, wurden die anderen Banken geschwächt, so dass die Banque de France ab 1863 ein alleiniges Notenprivileg erhielt.Hans-Joachim Arndt, Politik und Sachverstand im Kreditwährungswesen, 1963, S. 86 Im März 1811 wurde die Bank von Finnland gegründet, die erst 1840 das Recht zur Notenausgabe erhielt.

In Hongkong wurde der Hong-Kong-Dollar seit 1872 von drei Geschäftsbanken parallel ausgegeben (Hongkong and Shanghai Banking Corporation – HSBC, Standard Chartered Bank) und (seit 1994) der Bank of China, was ungewöhnlich und weltweit einmalig ist. Seit dem Currency Ordinance vom 9. November 1935 wurden diese Banken von der Regierungsbehörde Hong Kong Monetary Authority (HKMA) zu legal tender banks (Banken für gesetzliche Zahlungsmittel) deklariert. Die Banknoten können sich je nach Nennwert in Motiv und Farbe unterscheiden, da jede der drei Banken ihr eigenes Design wählen kann.Discover Hong Kong, Money, abgerufen am 10. Oktober 2013. Die HKMA ist damit in Hongkong die tatsächliche (nicht aber formale) Zentralbank, die das Notenprivileg an drei Geschäftsbanken delegiert hat.

Die Österreichische Nationalbank entstand im Juni 1816, es folgten im Januar 1876 die Gründung der Reichsbank und im Januar 1906 die Schweizerische Nationalbank.

Neuzeit Mit der Zeit überstieg die Menge an Papiergeld die Menge an Münzen und Edelmetallen deutlich (siehe Geldschöpfung). 1914 wurde im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg die Golddeckungspflicht in vielen Ländern aufgehoben. Nach dem Ersten Weltkrieg, als Arbeitslosigkeit und Preisinstabilität eine große Rolle spielten, begannen die Zentralbanken mehr Wert auf die Erhaltung des wirtschaftlichen Gleichgewichts zu legen. Dies wurde vor allem während der Wirtschaftskrise von 1929 bis 1933 deutlich. Aufgrund der beiden Weltkriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestand die Hauptaufgabe der Zentralbanken in dieser Zeit in der Bereitstellung finanzieller Ressourcen zur Deckung der Kriegsausgaben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Einfluss des Staates auf die Zentralbanken größer. Die Ziele der Zentralbanken wurden auf die Förderung von Beschäftigung und Einkommenszuwachs erweitert. Die Notenbanken wurden damit zu einem Hauptinstrument zur Unterstützung staatlicher Ziele, was mitunter als Verlust von deren Autonomie bezeichnet wird.Arun Ghosh, Dilemmas of the Reserve Bank of India, in: Economic and Political Weekly, Vol. 31, No. 26. 29. Juni 1996. S. 1643, abgerufen am 8. Dezember 2009. Einige Banken wie die Reserve Bank of India wurden verstaatlicht. Andere wie das Federal Reserve System gelten zwar als institutionell unabhängig, müssen aber trotzdem der Regierung über die Geschäfte berichten.

Bis zum Ende der 1980er Jahre hat faktisch keine Zentralbank ein numerisches Inflationsziel zur Unterstützung der Preisstabilität vorgegeben. In den 1990er Jahren setzten sich jedoch immer mehr Zentralbanken ein explizites Inflationsziel. Einigen Zentralbanken wird eine solche Zielinflationsrate durch die jeweilige Regierung vorgeschrieben (so die Bank of England). Gegenwärtig gibt es keine einheitliche Handhabung der Zentralbanken hinsichtlich der numerischen Bezifferung der Preisniveaustabilität.Michael Heine/Hansjörg Herr, Die Europäische Zentralbank, 2004, S. 58 f.

Heute konzentrieren sich die Zentralbanken auf drei Hauptziele, die sich im Laufe der Geschichte entwickelt haben: Preisstabilität, wirtschaftliches Gleichgewicht und finanzielle Stabilität. Derzeit gestaltet sich die Erreichung dieser Ziele im Hinblick auf die Finanzkrise seit 2007 recht schwierig.

Am 1. Januar 1994 begann mit der Errichtung des Europäischen Währungsinstituts die zweite Stufe der Währungsunion. Die Aufgaben des Instituts waren die Verstärkung der Zusammenarbeit der nationalen Zentralbanken, eine stärkere Koordinierung von deren Geldpolitik und die Durchführung der Vorarbeiten für die Errichtung des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) für die Durchführung einer einheitlichen Geldpolitik und für die Schaffung der einheitlichen Währung. Die Europäische Zentralbank (EZB) wurde am 1. Juni 1998 Nachfolgerin des Europäischen Währungsinstituts, das alle Aufgaben rechtzeitig beendet hatte. Im Oktober 1998 legte die EZB ihre geldpolitische Strategie fest, die Stabilität und Vertrauen in die EZB und den Euro bringen sollte. Die Durchführung der einheitlichen Geldpolitik übernahm die EZB mit Beginn der dritten und letzten Stufe am 1. Januar 1999. Der letzte Schritt zur gemeinsamen Währung war am 1. Januar 2002 die Einführung des Euro als gesetzliches Zahlungsmittel.

Das Eurosystem stellte inzwischen im Dezember 1998 die Rediskontierung von Wechseln ein, so dass den Geschäftsbanken diese Refinanzierung für ihr Diskontgeschäft entfallen ist und sie deshalb den Diskontkredit abgeschafft haben. Wechsel sind seit Januar 2006 auch nicht mehr notenbankfähig,Deutsche Bundesbank, Rundschreiben 12/2006 vom 5. April 2005, Einstellung der automatisierten Abwicklung des Wechselgeschäfts zum Jahresende 2006, S. 1 so dass die einstmals bedeutende geldpolitische Maßnahme der Diskontpolitik entfiel. Wechselzahlungen kommen heute nur noch vereinzelt bei Nichtbanken vor.Guido Toussaint, Das Recht des Zahlungsverkehrs im Überblick, 2020, o. S.

Funktionen und Aufgaben Die rechtlichen Regelungen über das Zentralbankwesen unterscheiden sich erheblich von Land zu Land. Dennoch ist es möglich, anhand der Zentralbankbilanz, vier grundsätzliche Notenbankfunktionen zu identifizieren.

Aktiva Passiva Währungsreserven (1) Gold und Goldforderungen Devisen Forderungen an Geschäftsbanken (2) Hauptrefinanzierungsgeschäfte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte Feinsteuerungsoperationen in Form von befristeten Transaktionen Forderungen an öffentliche Haushalte (3) Sonstige Aktiva (z. B. Wertpapiere) (4) Banknotenumlauf (5) Einlagen der Geschäftsbanken (6) Einlagen auf Girokonten einschließlich Mindestreserveguthaben Einlagefazilität Einlagen des Staates (7) Sonstige Passiva (8)

Halten der Währungsreserve Zu den Währungsreserven (Position (1) der Zentralbankbilanz) zählen der Bestand an Gold und die Goldforderungen sowie die konvertiblen Devisen (umtauschbare Währungen). Die konvertiblen Devisen umfassen die Forderungen in Fremdwährungen in Form von Bargeld, Bankguthaben, Wertpapieren und Auslandskrediten abzüglich der Auslandsverbindlichkeiten in Fremdwährung (Nettoauslandsforderung).Otmar Issing, Einführung in die Geldpolitik, 5. Auflage. Vahlen Verlag/München, 1993, S. 7.

Bank der Banken