mini|Britische Bofors-40-mm-L/60-Flugabwehrkanone mit Stiffkey-Zieleinrichtung. mini|Verteidigung von Leningrad (1. Oktober 1941)Foto: RIA Novosti archive, image #5634 / David Trahtenberg / CC-BY-SA 3.0
Unter einer Flugabwehrkanone (auch Fliegerabwehrkanone genannt, kurz Flak, oder FlaK) versteht man eine ursprünglich im Ersten Weltkrieg entwickelte Waffe, die zur Abwehr von Flugzeugen eingesetzt wird. Daraus abgeleitet wurde die Flakartillerie, eine Waffengattung, die neben diesen Geschützen auch Maschinenkanonen verwendete. Reichweite und Präzision (manchmal zusammenfassend Kampfkraft genannt) konnten über die Jahre immer weiter verbessert werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg traten an die Stelle der Flugabwehrkanonen, deren Überforderung bei der Bekämpfung moderner Strahlflugzeuge bald erkennbar war, zunehmend die neuentwickelten Flugabwehrraketen. Da beide Arten von Flugabwehrwaffen sowohl spezifische Vor- als auch Nachteile haben, werden sie heute, wenn möglich, in Kombination eingesetzt.
Frühe Versuche Der Einsatz von speziellen Waffen gegen Luftfahrzeuge fand nach heutigem Erkenntnisstand erstmals 1870 während des Deutsch-Französischen Krieges statt. Nach dem Sieg der deutschen Armee bei Sedan wurde Paris belagert, und die französischen Truppen innerhalb der Stadt versuchten, mit Ballons Nachrichten nach außerhalb zu befördern. Um diese Ballons abzuschießen, wurden Ballonabwehrkanonen (BAK) entwickelt.
Erster Weltkrieg
In Deutschland wurde die Entwicklung von Flugabwehrgeschützen schon vor Beginn des Ersten Weltkriegs vorangetrieben. 1909 präsentierte die Firma Krupp eine Anzahl von Varianten ihrer 6,5-cm-, 7,5-cm- und sogar 10,5-cm-Geschütze für die Flugabwehr. Versuche zeigten aber bald, dass normale Feldgeschütze aufgrund ihrer zu niedrigen Geschossgeschwindigkeit und der daher zu stark gekrümmten Flugbahn ungeeignet waren. 1913 und 1914 unternahm das Heer an der Ostsee Schießübungen mit Geschützen der Typen Krupp und Ehrhardt, die auf Pivot-Lafetten um 360° schwenkbar waren. Als Hauptziel sahen militärische Taktiker zunächst weniger das gegnerische Flugzeug, sondern Fesselballone oder Militärluftschiffe, daher setzte sich anfänglich die Bezeichnung BAK für Ballonabwehrkanone durch. Sie wurde im Mai 1916 in Flugabwehrkanone geändert.Hermann Cron: Geschichte des Deutschen Heeres im Weltkriege 1914–1918. Berlin 1937, S. 215 (Neudruck, Osnabrück 1990).
In anderen Ländern glaubte man damals noch nicht, dass Flugzeugen eine wichtige Rolle bei militärischen Konflikten zukommen könnte, wurde jedoch bald nach dem Kriegsbeginn durch die französischen Flieger eines Besseren belehrt, die mit Hilfe von kleinen Aufklärungsflugzeugen erstaunlich genaue Artillerieschläge leiteten. Alle Armeen setzten daher bald gegen Flugzeuge ihre kleineren Geschütze bis etwa 75 mm ein, die meist einfach aufgebockt wurden, damit das Rohr in den Himmel zeigte. Die britische Armee entwickelte eine neue Waffe des Kalibers 3 Zoll.
Allgemein erwiesen sich diese Ad-hoc-Lösungen jedoch als größtenteils unwirksam. Ohne Erfahrung in der Bekämpfung von Luftzielen und ohne Möglichkeit, die Lage ihrer Salven genau festzustellen, waren die Artilleristen überfordert, da sie die Höhe des Ziels nur schätzen konnten. Der größte Teil des Abwehrfeuers lag weit unter dem Ziel. Die Ausnahme zu dieser Regel bildeten die Geschütze, die durch Aufklärungsballons unterstützt waren. In diesem Fall konnte die Höhe des Ziels sehr genau durch die Länge des Fesselkabels, das den Ballon hielt, festgestellt werden. Die Krupp-Geschütze wurden später mit einem optischen Zielsystem ausgerüstet, das ihre Trefferquote deutlich verbesserte, andere Armeen setzten diese Techniken jedoch vorerst nicht ein.
Als Flugzeuge auch zu taktischen Angriffen gegen Bodenziele genutzt wurden, erwiesen sich die großen Geschütze als zu schwerfällig, um auf die sich schnell bewegenden Flugzeuge gerichtet zu werden. Vorerst setzten die Truppen zur Flugabwehr ihre regulären Maschinengewehre ein, jedoch begann recht bald die Entwicklung kleinerer Kanonen; so beispielsweise bei den Briten, die basierend auf einem 1-Pfünder-(37-mm)-Geschütz eine Flugabwehrwaffe mit Munitionsversorgung über einen Gurt einführten. Das deutsche Heer benutzte im Gegenzug eine schnellfeuernde 3,7-cm-Maschinenkanone. Diese Kurzstreckenwaffen erwiesen sich als weit zielgenauer. Als der Krieg sich seinem Ende näherte, war klar, dass die Fähigkeit, Flugzeuge abzuschießen, ernsthaftere Ansätze erfordern würde.
Der deutsche Militärhistoriker George Soldan führte eine Statistik auf, der zufolge auf 12.000 Schuss der Fliegerabwehr ein Treffer kam.George Soldan: Der Weltkrieg im Bild: Originalaufnahmen des Kriegs-Bild- und Filmamtes aus der modernen Materialschlacht. National-Archiv, Berlin 1930. S. 137
Zweiter Weltkrieg mini|hochkant|Flakturm im Wiener Augarten mini|hochkant|Schautafel einer ehemaligen Flakstellung der Wehrmacht am Titschen-Stadlegg in Kohlern bei Bozen Der Erste Weltkrieg hatte gezeigt, dass der Luftraum zu einem wichtigen Teil des Schlachtfeldes geworden war. Als die Fähigkeiten der Flugzeuge, speziell durch leistungsstärkere Motoren, weiter verbessert wurden, wurde klar, dass ihre zukünftige Rolle im Kampf eine viel umfassendere sein würde als zuvor.
In den frühen 1930er Jahren entwickelten die meisten Länder spezielle Flugabwehrgeschütze. Häufig wurden mehrere Maschinengewehre zur Erhöhung der Feuerkraft zu einem Abwehrgeschütz zusammengefasst. Während Briten und US-Amerikaner traditionell den Schutz ihrer Flotte im Auge hatten, entwickelten andere Länder die Geschütze zum Schutz von Bodentruppen.
Vor dem Hintergrund der sogenannten Sudetenkrise beschäftigte man sich Ende Mai 1938 erstmals in Deutschland mit der Errichtung einer Flak-Zone (Luftverteidigungszone West) im Hinterland des im Bau befindlichen Westwalls. Bereits Anfang Juni 1938 ergingen die ersten Befehle zum Bau von verbunkerten, festungsmäßig ausgebauten Flakbatterien durch die deutsche Luftwaffe. Die angreifenden Luftstreitkräfte sollten bei ihren Einflügen in das Reichsgebiet behindert und zu Flügen in Höhen über 6000 Meter gezwungen werden. Auch auf dem Rückflug sollten diese Flakbatterien eine ernstzunehmende Bedrohung darstellen. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden in Deutschland Flakturmanlagen entwickelt, die aus einem Leit- und einem Gefechtsturm bestanden, da im eng bebauten Stadtgebiet eine Erhöhung der Position notwendig war. Darunter befanden sich Bunkeranlagen, unter anderem für die Zivilbevölkerung.
Deutschland Auch in Deutschland wurde eine Reihe neuer Flugabwehrgeschütze entwickelt, unter anderem ein 2-cm-Schnellfeuergeschütz für niedrige und ein 3,7-cm-Geschütz für niedrige und mittlere Höhen. Mitte der 1930er Jahre galt das 2-cm-Geschütz bereits als zu schwach gegen die zunehmend schnelleren Flugzeuge, aber anstatt ein neues Geschütz zu entwickeln, montierte Krupp vier dieser 2-cm-Kanonen auf eine gemeinsame Lafette, wodurch die Feuerkraft erheblich verstärkt wurde. Am Ende des Krieges war die 2-cm-Kanone längst nicht mehr ausreichend, aber da die 3,7-cm-Variante nur begrenzt verfügbar war und ein neues System auf Basis der 3-cm-MK 103 nie weite Verbreitung erlangte, konnte auf sie nicht verzichtet werden.
mini|Eine „Acht-Acht“ im Erdeinsatz mini|Flak-Treffer, hier bei einer B-24 mini|Sprengwolken von Flakgranaten, welche durch Zeitzünder gezündet wurden Der Bedarf an Flugabwehr für große Höhen sollte ursprünglich durch einen verbesserten 7,5-cm-Entwurf von Krupp erfüllt werden, aber der Anforderungskatalog wurde später dahingehend geändert, dass nun höhere Leistung gefordert war. Krupps Ingenieure arbeiteten daher mit Bofors in Schweden zusammen, um ein 8,8-cm-Geschütz zu entwickeln, die Flak 18. Die grundlegende Entwicklung war bereits zum Ende des Ersten Weltkrieges abgeschlossen. Die Flak 18 besaß unter anderem ein schnelles halbautomatisches Ladesystem und ein teilbares Rohr (der hintere Teil verschleißt durch die dort stattfindende Zündung stärker). Die umgangssprachlich „Acht-Acht“ genannte Kanone sollte eines der bekanntesten Geschütze des Zweiten Weltkrieges werden. Während ihrer ersten Einsätze im Spanischen Bürgerkrieg erwies sich die Kanone als eines der besten Flugabwehrgeschütze der Welt und auch als besonders wirksam gegen Panzer. Im Gegensatz zu vielen anderen Typen kann die Acht-Acht auch unter die Horizontale gerichtet werden, also auch „hügelabwärts“ schießen.
Vor allem im Erdeinsatz zeigte sich diese Waffe bis zum Erscheinen verbesserter Panzerabwehrkanonen als einzige wirksame Waffe gegen schwere Panzer und war in dieser Rolle vor allem bei den Alliierten bekannt und gefürchtet. Wegen ihrer hohen Durchschlagskraft wurde eine modifizierte Version der „Acht-Acht“ als Kampfwagenkanone in den Panzerkampfwagen Tiger eingebaut. Ihre Schuss- und Durchschlagleistung wurde hauptsächlich durch Weiterentwicklung der Munition und Verlängerung des Rohres verbessert. Die am Ende leistungsfähigste Version – die 8,8-cm-Flak 41 – hatte eine Kadenz von bis zu 25 Schuss pro Minute und galt als leistungsfähigste deutsche Flugabwehrkanone.
Den hohen Verlusten bei den alliierten Bomberverbänden wie beispielsweise am Mitteldeutschen Flakgürtel stand ein hoher Materialeinsatz gegenüber: der Generalquartiermeister der Luftwaffe errechnete für den Abschuss eines viermotorigen Bombers einen Verbrauch von 16.000 Schuss mit der „8,8-cm-Flak 36“ und 8.500 Schuss mit der „8,8-cm-Flak 41“. Die 10,5-cm-Flak 38 benötigte im Schnitt 6.000 Schuss und die schwere 12,8-cm-Flak 40 3.000 Schuss.Ralf Schabel: Die Illusion der Wunderwaffen. Die Rolle der Düsenflugzeuge und Flugabwehrraketen in der Rüstungspolitik des Dritten Reiches. (= Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 35). Oldenbourg-Verlag, München 1994, ISBN 3-486-55965-6, S. 260.
Bis kurz vor Kriegsende hatten die Geschosse der größeren Flugabwehrkanonen über dem Kaliber 4 cm nur Zeitzünder. Im Kopf der Granate war ein von den Uhrenwerken Gebr. Thiel (→ Gerätebau GmbH) entwickeltes Uhrwerk (Typ ZtZ S/30) eingebaut, das nach einer einstellbaren Laufzeit von 1,5 bis 29,5 Sekunden die Granate zündete. Die Verzögerungszeit wurde durch das sogenannte „Kommandogerät“ errechnet. Dieser mechanische Analogrechner bestimmte aus den ermittelten Werten von Kurs und Höhe des Flugzeugs den Vorhalt und damit die Laufzeit des Geschosses. Vor dem Abschuss musste die Verzögerungszeit in der „Zünderstellmaschine“ an jeder Granate eingestellt werden. Da kein Aufschlagzünder vorhanden war, kam es oft vor, dass die Flakgranate ein Flugzeugteil durchschlug und erst weit dahinter explodierte. Durch die Einführung von zusätzlichen Aufschlagzündern (Doppelzündern), die trotz Anforderung erst 1945 stattfand, konnte deshalb die Abschussrate etwa verdreifacht werden.
Nach den Dambuster-Angriffen 1943 wurde ein neues System entwickelt, um niedrig anfliegende Flugzeuge („Tiefflieger“) zu bekämpfen. Zunächst wurden Versuche mit einer 5-cm-Kanone durchgeführt; da sich diese jedoch als ungenau erwies, wurde sie später durch eine 5,5-cm-Variante ersetzt. Das System nutzte ein zentrales Kontrollsystem, das sowohl Such- als auch Feuerleitradar enthielt, den Zielpunkt für die Geschütze errechnete und entsprechende Steuerkommandos an die hydraulischen Antriebe der Geschütze sendete. Die Besatzung musste lediglich die Geschütze nachladen und die Ziele wählen. Das System war für den damaligen Stand der Technik sehr modern und befand sich am Ende des Krieges in der letzten Entwicklungsphase.
Ab 1943 wurden zur Unterstützung der Flaksoldaten klassenweise die OberschülerOberrealschulen und Realgymnasien wurden in der Zeit des Nationalsozialismus 1937–1945 reichseinheitlich in „Oberschule“ umbenannt. Sie führten zum Abitur. der Jahrgänge 1926 bis 1928 eingezogen. Diese Flakhelfer, offiziell Luftwaffenhelfer genannt, wurden an allen damals verwendeten Geräten und Waffen zum Schutz des Reichsgebietes eingesetzt.
Leichte Flak mini|2-cm-Flak-Vierling 38