Ober-Mörlen ist eine Gemeinde in der westlichen Wetterau im hessischen Wetteraukreis.
Geographie Geographische Lage Der Ort liegt an der Usa etwa 35 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main und grenzt an den Hochtaunuskreis. Die höchste Erhebung auf dem Gemeindegebiet ist der Winterstein. Auf dem Berg, nach dem auch die örtliche Grundschule benannt ist, befindet sich ein Aussichtsturm.
Nachbargemeinden Ober-Mörlen grenzt im Norden an die Stadt Butzbach, im Nordosten an die Gemeinde Rockenberg, im Osten an die Stadt Bad Nauheim, im Süden an die Stadt Friedberg (alle im Wetteraukreis) und die Gemeinde Wehrheim sowie im Westen an die Stadt Usingen (beide im Hochtaunuskreis).
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Ober-Mörlen und Langenhain-Ziegenberg. Das ehemalige Wochenendhausgebiet Maiberg sowie das Hofgut Hasselheck sind Bestandteile der Gemeinde Ober-Mörlen.
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Ober-Mörlen erfolgte unter dem Namen Moruller marca im Jahr 790 im Lorscher Codex, einem Güterverzeichnis des Klosters Lorsch.
Ober-Mörlen gehörte zu Kurmainz und blieb deshalb römisch-katholisch. 1803 kam der Ort zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die kurz darauf von Napoleon zum Großherzogtum Hessen erhoben wurde. 1821 wurden dort auch auf der unteren Ebene die Rechtsprechung von der Verwaltung getrennt. Die bisher von den Ämtern wahrgenommenen Aufgaben wurden Landräten (zuständig für die Verwaltung) und Landgerichten (zuständig für die Rechtsprechung) übertragen. Ober-Mörlen kam so zum Landratsbezirk Butzbach, dessen Sitz 1829 nach Friedberg verlegt und der in Landratsbezirk Friedberg umbenannt wurde. Ab 1832 gehörte es zum Kreis Friedberg. Hinsichtlich der Rechtsprechung gehörte der Ort ab 1821 zum Landgericht Friedberg, ab 1843 zum Landgericht Butzbach, ab 1853 erneut zum Landgericht Friedberg, ab 1867 zum Landgericht Nauheim, ab 1879 zum Amtsgericht Nauheim und seit 1968 zum Amtsgericht Friedberg.
Zum 1. Februar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Langenhain, bestehend aus den Orten Langenhain und Ziegenberg, im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis eingemeindet. Für den dadurch entstandenen Ortsteil Langenhain-Ziegenberg wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ober-Mörlen angehört(e):
vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Kurmainz, Oberamt Höchst und Königstein, Amt und Kellerei Vilbel und Rockenberg, Amtsvogtei Rockenberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Rockenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Rockenberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Amt Friedberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk ButzbachTrennung von Justiz (Landgericht Friedberg) und Verwaltung. ab 1829: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Verlegung und Umbenennung in Landratsbezirk Friedberg ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Friedberg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Ober-Mörlen 5760 Einwohner. Darunter waren 307 (5,3 %) Ausländer, von denen 113 aus dem EU-Ausland, 136 aus anderen europäischen Ländern und 58 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2019 erhöhte sich die Ausländerquote auf 10,5 %.) Nach dem Lebensalter waren 966 Einwohner unter 18 Jahren, 2421 zwischen 18 und 49, 1233 zwischen 50 und 64 und 1140 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2577 Haushalten. Davon waren 777 Singlehaushalte, 708 Paare ohne Kinder und 822 Paare mit Kindern, sowie 213 Alleinerziehende und 54 Wohngemeinschaften. In 504 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1755 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Historische Religionszugehörigkeit • 1961: 484 evangelische (= 14,68 %), 2781 katholische (= 84,34 %) Einwohner • 1987: 1721 evangelische (= 34,1 %), 2845 katholische (= 56,4 %), 482 sonstige (= 9,5 %) Einwohner • 2011: 1886 evangelische (= 32,7 %), 2229 katholische (= 38,7 %), 1645 sonstige (= 28,6 %) Einwohner
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Ober-Mörlen erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Ober-Mörlen 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 35,7 11 37,0 11 37,7 12 37,1 11 37,9 12 41,4 13 30,8 10 25,8 8 29,2 9 24,8 8 32,8 10 33,0 10 22,9 7 25,3 8 24,4 7 18,3 6 15,3 5 13,4 4 10,6 3 11,9 4 8,7 3 13,9 4 6,4 2 7,3 2 — — — — — — 6,0 2 5,7 2 5,0 2 — — — — — — — — 1,8 0 — — Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 60,0 59,9 53,9 49,7 53,0 50,6
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Ober-Mörlen neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und vier weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Oktober 2024 Mario Sprengel (SPD), der in der Kommunalpolitik zuletzt Vorsitzender der Gemeindevertretung war. Er wurde als Nachfolger von Kristina Paulenz (SPD), die nach einer Amtszeit nicht wieder zur Wahl antrat, am 23. Juni 2024 in einer Stichwahl bei 58,2 Prozent Wahlbeteiligung mit 65,9 Prozent der Stimmen gewählt.hessenschau: Bürgermeister-Stichwahl am 23. Juni 2024 in Ober-Mörlen
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: das Einzelergebnis 2000 ist nicht archiviert 2024–2030 Mario Sprengel (SPD)FR, 4. Juni 2024: Ober-Mörlen hat am Sonntag die Wahl: „Mario Sprengel (SPD) ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Der selbstständige Unternehmer ist in Ober-Mörlen aufgewachsen und Vorsitzender der Gemeindevertretung.“ - FNP, 29. September 2024: Ein neues Kapitel beginnt: „Die Ernennungsurkunde zum Bürgermeister erhält Mario Sprengel durch seine noch amtierende Vorgängerin Kristina Paulenz“ 2018–2024 Kristina Paulenz (SPD)FR, 2018: Mit 72 Jahren nochmal Bürgermeisterin: „Im September wird die 72-Jährige Bürgermeisterin von Ober-Mörlen im Wetteraukreis. … Ich übe ja schon eine Weile, weil ich Bürgermeister Wetzstein als Erste Beigeordnete häufig vertreten musste.“ - SPD-Ortsverein Ober-Mörlen: Vorstellung der Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahl am 14.3.2021, Kristina Paulenz (Listenplatz 1): „Seit 1. Oktober 2018 bin ich Bürgermeisterin“ 2012–2018 Jörg Wetzstein (CDU)Wetterauer Zeitung, 2018: Ende September 2018 läuft die Amtszeit von Ober-Mörlens Bürgermeister Jörg Wetzstein ab. Warum er kein zweites Mal zur Wahl antreten wollte, erklärt er im WZ-Gespräch. 2000–2012 Sigbert Steffens 1992–2000 Erika Schäfer (SPD)FWG Ober-Mörlen: Unsere Chronik: „In der entscheidenden Gemeindevertretersitzung wurde Frau Erika Schäfer … zur Bürgermeisterin gewählt. Über den Amtsantritt am 22. Januar 1992 berichteten die regionale und auch die überregionale Presse sehr ausführlich“ … „im Gemeindeparlament wurde ein Abwahlantrag gestellt, der selbst von 4 SPD-Abgeordneten unterstützt wurde. … Als (Ab-) Wahltermin wurde der 7. Mai 2000 festgelegt; 56,6 % der gültigen Stimmen waren der Beweis für die Abwahl von Frau Erika Schäfer als Bürgermeisterin. In Hessen war dies die erste Abwahl eines von den Bürgern und Bürgerinnen gewählten Ortsoberhauptes. … Der damalige 1. Beigeordnete Horst Wagner von der CDU führte die Amtsgeschäfte bis zur Neuwahl.“ 1986–1992 Karl Heinz Burk (1930–2023)Traueranzeigen Karl Heinz Burk - Nachruf der Gemeinde Ober-Mörlen
+ Ergebnisse der Bürgermeister-Direktwahlen Jahr Wahlbeteili-gung in % Kandidaten Partei Stimmenin % 2024Stichwahl 58,2 Mario Sprengel SPD 65,9 Maria Keller CDU 34,1 2018 57,3 Kristina Paulenz SPD 60,9 Matthias Heil CDU 39,1 2012 61,3 Jörg Wetzstein CDU 50,7 Joachim Reimertshofer SPD 24,3 Jan Wölfl FWG 25,1 2006 52,9 Sigbert Steffens 83,5 2000 43,7 Sigbert Steffens 87,4 1997Stichwahl 68,3 Erika Schäfer SPD 50,3 Sigbert Steffens 49,7 1997 69,2 Erika Schäfer SPD 49,2 Sigbert Steffens 29,3 Thomas Senger CDU 16,9 Harald Stipp-Lass Grüne 4,5
Wappen links|100px|Altes Wappen Das alte Wappen wurde nach einem Gerichtssiegel von 1716 gestaltet. Es wird als redendes Wappen bezeichnet. Es zeigt in der oberen Hälfte die roten Sparren der Herren von Eppstein, belegt mit einem roten Kurmainzer Rad (Kurfürstentum Mainz) und unten einen rechtsgewendeten Kopf eines Mohren.
rechts|80px|Aktuelles Wappen Am 17. Juli 1967 wurde der Gemeinde Ober-Mörlen im damaligen Landkreis Friedberg ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Silber über drei roten Sparren je ein rechtsgewendeter Mohrenkopf, im Schildfuß ein rotes sechsspeichiges Mainzer Rad. Die Verleihung erfolgte im Zuge der hessischen Wappenreform, in der alle Wappen die typische Schildform erhielten. Hierbei wurden die bereits erwähnten Wappenfiguren beibehalten, der Mohrenkopf wurde aus gestalterischen Gründen verdoppelt und in der oberen rechten und linken Ecke platziert.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Schloss Ober-Mörlen
Ehemaliges Schloss, das heute als Rathaus und Veranstaltungsort genutzt wird.
Katholische Marienkapelle mini|Katholische Marienkapelle Außerhalb des Ortes, an der B 275 von Bad Nauheim kommend rechts, liegt die katholische Marienkapelle. Der eingeschossige Achteckbau mit spitzem Zeltdach wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut. Er und das vor der Kapelle stehende Wegekreuz kennzeichneten einen historisch bedeutsamen Verkehrsknotenpunkt. 2009 wurde die Kapelle saniert. Im selben Jahr erhielt sie ein geschnitztes Marienbild.Gießener Anzeiger vom 18. Juni 2009
Katholische Pfarrkirche St. Remigius mini|hochkant|Katholische Pfarrkirche St. Remigius In einer Urkunde vom 19. Oktober 1213 wird erstmals eine Kirche in Ober-Mörlen erwähnt. Darin bestätigt König Friedrich II. die Übertragung der Hälfte des Patronats der Kirche von (Ober-)Mörlen durch König Philipp an die Deutschordensherren. Im Jahre 1220 erhielt der Deutsche Orden auch die andere Hälfte von Heinrich von Ysenburg und Euphemia, der Gräfin von Cleeberg. Bis 1814 stellte der Deutsche Orden nahezu alle Pfarrer des Ortes.
Die alte Kirche wurde 1591 durch durchziehende anhaltische Truppen in Brand gesteckt und zerstört und 1607 wieder aufgebaut. Ober-Mörlen war auch nach der Reformation ein katholischer Ort geblieben.