mini|hochkant|Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald – Arminius ist Namenspatron von Arminia Bielefeld

Arminia Bielefeld (vollständiger Name Deutscher Sportclub Arminia Bielefeld e. V.) ist ein Bielefelder Sportverein, in dem neben Fußball die Sportarten Hockey, Eiskunstlauf, Billard, Rollstuhlsport und Tischfußball betrieben werden. Der Verein hat 30.883 Mitglieder (Stand: 1. Juli 2026) und gehört damit zu den größeren Sportvereinen in Deutschland. Die Vereinsfarben sind Schwarz, Weiß und Blau. Der Vereinsname leitet sich vom Cheruskerfürsten Arminius ab.

Bundesweit bekannt ist der Verein durch seine Fußballabteilung, die erfolgreichste in Ostwestfalen-Lippe. Die erste Herrenmannschaft spielte 19 Jahre lang in der ersten und 22 Jahre in der 2. Bundesliga. Seit dem Aufstieg im Jahre 2025 spielt der Verein in der 2. Bundesliga. Aufgrund ihrer vielen Auf- und Abstiege gilt die Arminia als „Fahrstuhlmannschaft“. Achtmal stiegen die Bielefelder in die Bundesliga auf und wieder ab. Damit sind sie gemeinsam mit dem 1. FC Nürnberg Rekordaufsteiger. Größter Erfolg im DFB-Pokal war der Einzug in das Endspiel 2025, welches mit 2:4 gegen den VfB Stuttgart verloren wurde.

Spielstätte der ersten Herrenmannschaft ist die SchücoArena mit einer Kapazität von 26.750 Plätzen. Bekannt ist das Stadion als „Bielefelder Alm“. Die Spieler werden von den Fans die Blauen und die Arminen genannt. Die Fußballerinnen von Arminia Bielefeld spielten von 2016 bis 2018 und von 2019 bis 2021 in der 2. Bundesliga und erreichten im Jahre 2020 das Halbfinale im DFB-Pokal. Die B-Jugend wurde im Jahre 2023 deutscher Meister.

Geschichte

1905–1918: Die frühen Jahre Saisondaten 1906–1918 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1906/07 1. Klasse RL I 3. 7:7 6:6 1907/08 1. Klasse RL, Abt. B I 1. 9:4 6:2 1908/09 A-Klasse RL I 2. 35:21 18:6 1909/10 A-Klasse RL I 5. 19:26 6:18 1910/11 A-Klasse RL, Gr. Ost II 2. 29:17 9:7 1911/12 A-Klasse RL, Gr. Ost II 7. 28:33 10:18 1912/13 A-Klasse RL, Gr. Ost II 1. 40:12 22:6 1913/14 Kreisliga Westfalen I 2. 34:16 20:8 1914/15 Bezirk RL I 2. ?:? 14:2 1915/16 Bezirk RL I 1. 24:3 12:0 1916/17 Bezirk RL I 1. 40:16 20:4 1917/18 Bezirk RL I 2. 20:10 11:5 grün unterlegt: WestfalenmeisterRL = Ravensberg/Lippe

Anfang des 20. Jahrhunderts existierten in Bielefeld die Gesellschaftsvereine Teutonia und Terpsichore. Die Aktivitäten dieser Vereine beschränkten sich auf das gesellige Beisammensein bürgerlicher junger Leute bei Tanztees und ähnlichem. Sport im Allgemeinen und Fußball im Besonderen waren in dieser gesellschaftlichen Schicht verpönt. Zwei zugezogene Mitglieder des Vereins Terpsichore, der Niederländer Alwin Bohlen und der Bremerhavener Jonny Henningsen versuchten im Dezember 1904 bei der Hauptversammlung, dem Verein eine Fußballabteilung anzugliedern. Der Antrag wurde allerdings abgelehnt. Der Vereinsvorsitzende Emil Schröder hatte jedoch mittlerweile Gefallen am Fußball gefunden. Gemeinsam mit Bohlen und Henningsen gab er Zeitungsanzeigen auf, um nach Gleichgesinnten zu suchen. Am 14. April 1905 versammelten sich vierzehn Männer im Restaurant Modersohn, welches sich im Keller des Alten Rathauses am Alten Markt befand, und beschlossen, einen Fußballverein zu gründen. Am 3. Mai 1905 wurde an gleicher Stelle der 1. Bielefelder Fußballclub „Arminia“ gegründet. Schröder wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. Die Vereinsfarben waren Blau-Weiß-Schwarz, der Monatsbeitrag betrug eine Mark.Kirschneck, Uhlig u. a., S. 18.

Zwei Wochen später fand auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz in der Stadtmitte das erste Spiel der Vereinsgeschichte statt. Gegner war eine Mannschaft aus Osnabrück. Entgegen den eigenen Vereinsfarben trugen die Spieler der Arminia orange Trikots. Das Ergebnis der Partie ist nicht überliefert. Der Club fand schnell neue Mitglieder und im Herbst 1905 nahm der Verein Kontakt zum Deutschen Fußball-Bund auf. Wegen der geographischen Lage war zunächst fraglich, ob der 1. BFC West- oder Norddeutschland zugeordnet werden sollte. Der Westdeutsche Spiel-Verband gründete daraufhin seinen siebten Fußballbezirk Westfalen und nahm die Arminia auf. In der Saison 1906/07 nahmen die Bielefelder zum ersten Mal am Ligenspielbetrieb teil und trafen dabei auf die Osnabrücker Vereine Teutonia, Olympia 1903 und FC 1899. Nach mehreren Fusionen entstand 1924 aus diesen Vereinen der VfL Osnabrück. Arminia belegte mit 7:7 Toren und 6:6 Punkten den dritten Platz.Kirschneck, Uhlig u. a., S. 227. In Bielefeld gründeten sich weitere Vereine, so dass 1907 auf Initiative der Arminia der Bielefelder Ballsportverband gegründet wurde. Im gleichen Jahr schloss sich der FC Siegfried der Arminia an, die einen neuen Platz an der Kaiserstraße (heute: August-Bebel-Straße) bezog.

Mit dem neuen Platz wurde der Verein jedoch nicht glücklich und nach nur fünf Monaten beschlagnahmte die Stadt das Gelände.Kirschneck, Uhlig u. a., S. 20. Gleichzeitig plagten die Arminia finanzielle Probleme. Mit Julius Hesse wurde ein neuer Präsident gewählt, der den Club ins Vereinsregister eintragen ließ und durch geschickte Verhandlungen mit den Gläubigern die Schuldenlast minderte. 1910 bezog die Arminia einen neuen Platz an der Pottenau. Das erste Spiel auf dem neuen Gelände ging mit 1:4 gegen den Essener Turnerbund verloren.Kirschneck, Uhlig u. a., S. 21.

mini|Mannschaftsfoto aus dem Jahre 1911 In der Saison 1912/13 feierte der Verein seinen ersten großen Erfolg. Zum ersten Mal gewann die Arminia die Runde in der A-Klasse Westfalen, Gruppe Ost und besiegte anschließend den Meister der Westgruppe, den BV Dortmund 04, mit 5:1. Als Westfalenmeister nahm die Arminia an der westdeutschen Meisterschaft teil. Nach der Halbfinalniederlage gegen den Düsseldorfer SC Union stellte sich heraus, dass beide Mannschaften im Viertelfinale gegen einen falschen Gegner gespielt hatten. Der Westdeutsche Verband meldete aus Zeitnot den Duisburger SpV als Vertreter zur deutschen Meisterschaft.Kirschneck, Uhlig u. a., S. 22. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges stoppte den Höhenflug der Arminen. In den folgenden vier Jahren spielte der Verein nur noch auf Bezirksebene. Die Arminia gewann 1916 und 1917 die Meisterschaft im Bezirk Ravensberg-Lippe.

1918–1933: Arminia in der Weimarer Republik Saisondaten 1918–1933 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1918/19 abgebrochen 1919/20 Kreisliga I 2. 39:22 23:11 1920/21 Kreisliga, Gr. Ost I 1. 51:11 28:6 1921/22 Gauliga I 1. 57:10 36:0 1922/23 Gauliga, Gr. Ost I 1. 32:12 14:0 1923/24 Gauliga I 1. 75:20 34:4 1924/25 Gauliga I 1. 52:8 24:4 1925/26 1. Bezirksklasse I 1. 108:18 50:6 1926/27 1. Bezirkskl., Gr. Ost I 1. 68:14 28:0 1927/28 1. Bezirkskl., Gr. Ost I 2. 67:17 22:6 1928/29 1. Bezirkskl., Gr. Ost I 1. 28:12 20:8 1929/30 Bezirksliga I 5. 26:33 12:16 1930/31 Bezirksliga, Gr. Ost I 2. 50:23 26:10 1931/32 Bezirksliga, Gr. Ost I 6. 45:33 23:17 1932/33 Bezirksliga, Gr. Ost I 1. 55:22 30:6 grün unterlegt: Westdeutscher Meisterorange unterlegt: WestfalenmeisterArminia gehörte dem Bezirk Westfalen an

Nachdem die erste Nachkriegsspielzeit abgebrochen werden musste, gestaltete sich ebenfalls die Saison 1919/20 in der eingleisigen Bezirksklasse Westfalen als schwierig. Aufgrund eines von den Alliierten verhängten Reiseverbotes konnte die Meisterschaft nur teilweise ausgetragen werden. Während die Arminen zu 17 der 18 Spiele antreten konnten, trug der FC Osnabrück 99 beispielsweise nur acht Partien aus. Mit dem Ziel, einen Großverein mit vielen Abteilungen zu schaffen, ging die Arminia eine Fusion mit der Bielefelder Turngemeinde 1848 ein. Fortan nannte sich der Verein TG Arminia Bielefeld.

Ein Jahr später wurde Arminia zwar Meister der Ostgruppe der Kreisliga Westfalen, durfte jedoch nicht zum Finale der Westfalenmeisterschaft gegen Preußen Münster antreten. Die Bielefelder hatten mit illegalen Mitteln den Spieler Friemauth von der Hammer SpVg abgeworben und wurden für drei Monate gesperrt.Kirschneck, Uhlig u. a., S. 27. Keine zwölf Monate später sollte die Arminia von einer Entscheidung am grünen Tisch profitieren. In der Bezirksklasse gewann die Mannschaft alle Spiele und beendete die Endrunde um die westdeutsche Meisterschaft punktgleich mit dem Kölner BC 01 auf dem ersten Platz. Das Entscheidungsspiel in München-Gladbach entschieden die Rheinländer mit 2:1 für sich.

Wenige Tage nach dieser Partie setzte der Verband das Endrundenspiel der Kölner gegen den Essener Turnerbund neu an. Grund war eine fehlende Spielberechtigung für Kölns schottischen Verteidiger Gregor Smith. Köln trat nicht an und das Spiel wurde für Essen als gewonnen gewertet. Dadurch hatte die Arminia in der korrigierten Endrundentabelle einen Punkt Vorsprung und erlangte somit die Meisterschaft.Kirschneck, Uhlig u. a., S. 28. Damit nahm die Arminia erstmals an der Endrunde zur deutschen Meisterschaft teil. Hier kam jedoch im Viertelfinale das Aus. Gegen den FC Wacker München gab es in Karlsruhe eine 0:5-Niederlage.

→ Daten zur Viertelfinalpartie um die deutsche Meisterschaft 1922

Am 20. Oktober 1922 wurde die TG Arminia auf Antrag der ehemaligen Mitglieder des BFC Arminia aufgelöst. Am 6. November 1922 wurde der 1. Bielefelder FC Arminia wieder gegründet und auch die Bielefelder Turngemeinde 1848 wurde wieder ins Leben gerufen. Durch die Neugründung der Stammvereine kam die Vereinsführung der reinlichen Scheidung zuvor, die 1924 reichsweit unzählige Vereine spalten sollte.

In der Saison 1922/23 blieben die Blauen unter Trainer Frantisek Zoubek in der Bezirksklasse ohne Punktverlust. Über die Stationen Preußen Münster und Jahn Siegen drang die Mannschaft in das Finale der westdeutschen Meisterschaft vor. Gegner im Essener Uhlenkrugstadion war TuRU Düsseldorf. Die Rheinländer führten zur Halbzeit mit 3:1 und die Düsseldorfer Anhänger schickten bereits Brieftauben mit der Siegesnachricht nach Hause. Doch die Arminen gaben nicht auf und konnten eine Verlängerung erzwingen. In dieser fiel der Siegtreffer und Arminia errang zum zweiten Mal die westdeutsche Meisterschaft.Kirschneck, Uhlig u. a., S. 194. Unterstützt wurden die Arminen bei dieser Partie von zahlreichen Anhängern, die erstmals in der Vereinsgeschichte mit einem eigens gebuchten Sonderzug anreisten.

Im Viertelfinale der deutschen Meisterschaft trafen die Bielefelder auf den SC Union Oberschöneweide aus Berlin. Die in Bochum ausgetragene Partie wurde nach zweieinhalb Stunden Spielzeit torlos abgebrochen. Das Wiederholungsspiel in Berlin verlief dramatisch. Willi Pohl brachte die Bielefelder nach 85 Minuten in Führung. Kurz vor Abpfiff fiel der Ausgleich. In der Verlängerung sorgte Lux für den Berliner Siegtreffer.

→ Daten zur Viertelfinalpartie um die deutsche Meisterschaft 1923

Arminias Spielmacher Walter Claus-Oehler wurde als erster Armine – und als erster Westfale überhaupt – in die deutsche Fußballnationalmannschaft berufen. Er debütierte am 10. Mai 1923 gegen die Niederlande. Insgesamt absolvierte er zwei Länderspiele und erzielte ein Tor. Es sollten fast 75 Jahre vergehen, bis wieder ein Bielefelder das Trikot der deutschen Nationalmannschaft trug.Kirschneck, Uhlig u. a., S. 175.

Ab dem Jahr 1923 war der sportliche Höhenflug auf nationaler Ebene zunächst vorbei. Zwar konnten die Blauen noch vier weitere westfälische Meisterschaften feiern, bei den westdeutschen Meisterschaften hatten die Bielefelder jedoch nichts mehr zu bestellen. In diese Zeit fiel allerdings ein Ereignis mit Bielefelder Beteiligung, das Geschichte schreiben sollte. Das Auswärtsspiel der Arminia bei Preußen Münster am 1. November 1925 auf dem Münstermannplatz war die erste Liveübertragung eines Fußballspiels im deutschen Rundfunk und endete 5:0 für Arminia.