Düren ist mit über 94.000 Einwohnern eine große Mittelstadt in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt am Nordrand der Eifel zwischen Aachen und Köln und ist die Kreisstadt bzw. der Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises sowie Mitglied der Euregio Maas-Rhein. Die von der Rur durchflossene Stadt nennt sich auch Das Tor zur Nordeifel.

Bedeutung Die Geschichte geht zurück bis zu einer jungsteinzeitlichen Siedlung. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Düren 747 zur Zeit der Franken, in der auch Karl der Große in die Stadt kam. Mit dem Annahaupt, einer Reliquie der Heiligen Anna, wurde Düren im 16. Jahrhundert zum Ziel vieler Pilger. Darauf beruht nicht nur die Annakirmes als großes Volksfest, sondern auch die Tradition als Stadt der Märkte. Der Dreißigjährige Krieg, die Pest und ein großes Erdbeben 1756 schwächten die Stadt. Einen neuen Aufschwung erlebte Düren durch die Industrie. Familien wie Schoeller und Hoesch brachten die Papier- und Textilindustrie sowie das metallverarbeitende Gewerbe in die Stadt. Am 16. November 1944 wurde Düren durch einen Bombenangriff der Alliierten zu 99 % zerstört, Düren war im Zweiten Weltkrieg die am schwersten zerstörte Stadt Deutschlands. Mit der kommunalen Neugliederung vergrößerte sich das Stadtgebiet am 1. Januar 1972 erheblich. Heute pflegt Düren Partnerschaften mit Städten in Frankreich, Osteuropa und China.

Zur Kultur gehören das Leopold-Hoesch-Museum und Papiermuseum Düren, Aufführungen im Haus der Stadt und in der Arena Kreis Düren. Dort spielt auch der erfolgreichste Sportverein, der Volleyball-Bundesligist SWD Powervolleys Düren; auch einige bekannte Fußballspieler hat Düren hervorgebracht. Neben der Annakirmes und dem rheinischen Karneval gehören das Stadtfest, die Jazztage und diverse Märkte zum regelmäßigen Veranstaltungsprogramm. Das Schloss Burgau grenzt direkt an den Stadtwald und neben mehreren weiteren Burgen und Herrenhäusern gehört der Schillingspark zu den Baudenkmälern in Düren. Wirtschaftlich wird die Stadt weiterhin von den historisch dort angesiedelten Branchen Papier- und Metallverarbeitung geprägt, aber auch neuere Entwicklungen wie Elektromobilität sind in der Industrie vertreten. Zur medizinischen Versorgung gibt es mehrere Krankenhäuser und die psychiatrische LVR-Klinik, deren Gebäude teilweise denkmalgeschützt sind. Bildung wird u. a. in fünf Gymnasien, drei Berufskollegs und der Stadtbücherei vermittelt. Über die Autobahn A4, die Bahnstrecke Köln–Aachen und mehrere Radwanderwege ist Düren mit diversen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt als Teil der Euregio Maas-Rhein zwischen den Großstädten Aachen und Köln am Nordrand der Eifel. In nördlicher Richtung erstreckt sich die fruchtbare Jülich-Zülpicher Börde als Teil der Niederrheinischen Bucht. Im Südwesten liegt die Rureifel mit der Rurtalsperre als Deutschlands zweitgrößter Talsperre und dem Nationalpark Eifel. Von Süden (Lendersdorf) nach Norden (Merken) durchfließt die Rur das Stadtgebiet. Dürens höchster Punkt liegt mit auf der Abraumhalde Beythal an der Bundesstraße 399 in Berzbuir-Kufferath, der niedrigste Punkt mit an der Rur bei Merken.

Geologie Während im südlichen Stadtgebiet bei Berzbuir Schichten mit Konglomeratgestein des Devons und Karbons zu Tage treten, wird die Jülicher Börde im nördlichen Stadtgebiet aus einer mächtigen Löss­platte gebildet, unter der Kiese und Sande aus der letzten Eiszeit anstehen, die Rhein und Maas angelagert haben. Zahlreiche tektonische Verwerfungen aus dem Tertiär mit bis zu 400 Meter Höhenunterschied sind nachgewiesen. Die Jülicher Scholle ist der nördliche Teil einer kleinen Scholle zwischen Rur- und Erftscholle und gegenüber der Rurscholle angehoben aber gegenüber der Erftscholle abgesunken. Dazwischen liegen mächtige Braunkohlenflöze aus dem Tertiär. Düren gehört zum Erdbebengebiet der Kölner Bucht.

Klima Die Stadt liegt in der gemäßigten Klimazone, die hier vom atlantischen Golfstrom im Übergang zwischen ozeanischem und kontinentalem Klima geprägt wird. Westwinde herrschen vor und Niederschläge gibt es das ganze Jahr hindurch. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 617 mm. Dabei sind Juni und Juli die niederschlagsreichsten, Februar und September die niederschlagsärmsten Monate des Jahres. Die Sommer sind warm und die Winter mild. Im Juli liegt die mittlere Temperatur bei 17 °C, im Januar bei 2 °C. Den meisten Sonnenschein gibt es im Juli, den wenigsten im Dezember.

Nachbargemeinden Düren liegt im Zentrum des Kreises, zu dem auch alle Nachbargemeinden gehören. Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Düren; sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt:

Ausdehnung des Stadtgebietes und Flächennutzung Das Stadtgebiet erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 85 km². Die Ausdehnung beträgt in Nord-Süd-Richtung maximal 12,5 km und in Ost-West-Richtung maximal 10 km. Die Stadtgrenze ist etwa 50 km lang. Den größten Anteil der Fläche beanspruchte Ende 2016 die Landwirtschaft, die mit 4054 Hektar fast das halbe Stadtgebiet nutzte.

Flächennutzung in der Stadt Düren Nutzungsart Fläche in ha Anteil Landwirtschaftsfläche 4054 47,7 % Wohnbaufläche 1033 12,2 % Verkehrsfläche 806 9,5 % Waldfläche 785 9,2 % Industrie- und Gewerbefläche 543 6,4 % Freizeit- und Erholungsfläche 375 4,4 % Gehölz 208 2,4 % Fläche besonderer Prägung 198 2,3 % Gewässer 186 2,2 % Flächen gemischter Nutzung 172 2,0 % Sonstiges 140 1,7 %

Stadtgliederung Das alte Stadtgebiet umfasst die inneren Stadtbezirke Düren-Nord, Düren-Ost (mit der Satellitenstadt und Distelrath), Düren-Süd und Rölsdorf sowie das aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts stammende Siedlungsgebiet Grüngürtel. Die weiteren Stadtteile entstanden aus 15 ehemals selbstständigen Orten: Arnoldsweiler, Berzbuir, Birgel, Birkesdorf, Derichsweiler, Echtz, Gürzenich, Hoven, Konzendorf, Krauthausen, Kufferath, Lendersdorf, Mariaweiler, Merken und Niederau. Diese heutigen Stadtteile wurden am 1. Januar 1972 auf Grund des Aachen-Gesetzes eingegliedert.

Im Rahmen der kommunalen Neugliederung durch das Köln-Gesetz lehnte die Stadt aus kommunalpolitischen Gründen eine Eingemeindung von Merzenich ab, was ein Novum in der Geschichte der nordrhein-westfälischen Gemeindeumstrukturierung darstellte. Mit Merzenich hätte Düren eine Einwohnerzahl von mehr als 100.000 erreicht und damit die Grenze zur Großstadt überschritten.

Die heutigen Einwohner verteilen sich folgendermaßen auf die Stadtteile (Stand: 31. Dezember 2022).

mini|Übersicht der Stadtteile von Düren Stadtteil Einwohner Postleitzahl Altes Stadtgebiet 54.942 52349–52351 Arnoldsweiler 3.241 52353 Berzbuir 468 52355 Birgel 1.728 52355 Birkesdorf 8.728 52353 Derichsweiler 2.736 52355 Echtz-Konzendorf 2.052 52353 Gürzenich 6.730 52355 Hoven 1.504 52353 Krauthausen 312 52355 Kufferath 337 52355 Lendersdorf 3.712 52355 Mariaweiler 2.807 52353 Merken 3.012 52353 Niederau 2.644 52355 Gesamt 95.359

Geschichte

Vor- und Frühgeschichte mini|hochkant|Skelett „Lilith“ aus der jungsteinzeitlichen Siedlung bei Arnoldsweiler

Zu den ältesten Zeugnissen menschlicher Besiedlung im Dürener Stadtgebiet gehört eine jungsteinzeitliche Siedlung mit Kastenbrunnen und über 40 Häusern, die auf die Zeit um 5100 v. Chr. datiert wird und zwischen Arnoldsweiler und Ellen freigelegt wurde. Zu der Siedlung gehört außerdem ein Gräberfeld mit mehr als 200 Skeletten. Eines von ihnen wurde „Lilith“ genannt und ist nach dem Neandertaler und einem Doppelgrab in Bonn-Oberkassel das älteste bekannte Exemplar im Rheinland. Beide Funde belegen, dass die aus dem Osten kommenden Menschen westlich des Rheins Ackerbau betrieben. Jungsteinzeitliche Pfeilspitzen aus Feuerstein und eine steinerne Streitaxt wurden bei Berzbuir gefunden.Wolfhard Guthausen: Steinzeit im Dürener Land. 1978. Funde aus dieser Zeit gab es auch auf dem Gebiet des ehemaligen Ortes Miesheim.

Siedler aus der Bronzezeit errichteten bei Arnoldsweiler eine Erdbefestigung. Weitere Funde, darunter Gräber, stammen aus römischer Zeit. Aus dieser Zeit sind auch Siedlungsplätze bei Berzbuir, Distelrath, Mariaweiler und Teile einer Wasserleitung in Lendersdorf bekannt. Römische Ziegel und ein Tempel fanden sich bei Hoven.

Bei der Ankunft des römischen Feldherrn Gaius Iulius Caesar 54 v. Chr., im fünften Jahr des Gallischen Krieges, siedelte zwischen Rhein und Maas der keltische Stamm der Eburonen unter seinem Anführer Ambiorix. In dem zentral gelegenen, aber nicht genau lokalisierten Hauptort Aduatuca erlitt Cäsar eine empfindliche Niederlage. Dass er die Eburonen bei seinem Rachefeldzug im Jahr darauf tatsächlich vernichtet haben soll, wie er selbst angibt,Julius Caesar: De Bello Gallico, VI 29 wird überwiegend in Zweifel gezogen. Die Ubier übernahmen die Siedlungen der getöteten und vertriebenen Eburonen und trafen auf die Römer. Dabei entstand die religiöse Verehrung der Matronen, die Elemente aus den Kulturen verband. In den folgenden 460 Jahren hielten die Römer das Land besetzt und siedelten zum Schutz der Rheingrenze germanische Stämme von rechts des Rheines als Foederaten an, die sich dann mit der keltischen Bevölkerung vermischten.

Ortsname Der römische Historiker Tacitus berichtet, dass die im Kölner Raum siedelnden Ubier im Winter 69/70 n. Chr. in einem Kampf gegen rechtsrheinische Germanen bei „Marcodurum“ unterlegen waren.Tacitus, Historiae 4,28 (online). Das Suffix „-durum“ in dieser Ortsbezeichnung geht aus der keltischen Wurzel „-duor“ zum gallischen Wort „duron“ hervor, das sich in vielen gallischen Ortsnamen findet und Tür oder Tor bedeutet. Damit waren durch Umwallung und Tore befestigte Handels- und Verwaltungsorte gemeint, weswegen bereits antike Schriftsteller das gallische „duron“ mit dem lateinischen „forum“ für Markt oder Handelsplatz übersetzten. Zwar liegen aus der Dürener Kernstadt keine antiken Zeugnisse vor, aber die Funde bei Arnoldsweiler lassen auf einen uralten Siedlungsplatz schließen, der Namensgeber der heutigen Stadt Düren war. Dem lang ausgesprochenen u in dem Wortbestandteil „Durum“ wurde später zur Kenntlichmachung ein Dehnungs-i hinzugefügt („Duirum“), woraus sich schließlich die heutige Schreibweise „Düren“ entwickelte.Johannes Heinrichs: Eine römische Siedlung bei Mariaweiler und der vicus Marcodurum. Universität zu Köln, Institut für Altertumskunde.

Mittelalter mini|Der Dicke Turm und weitere Reste der mittelalterlichen Stadtmauer, dahinter Gebäude des Stiftischen Gymnasiums

In der Zeit Völkerwanderung strömten am letzten Tag des Jahres 406 n. Chr. Vandalen, Alanen und Sueben auf ihrem Zug nach Westen in gewaltigen Scharen über den zugefrorenen Rhein ins Römische Reich und zwangen es an der Rheingrenze zur Aufgabe. Daraufhin drangen von Norden aus mehreren Stämmen kommende Germanen, die sich zum Volk der Franken vereinten, in das Rheinland vor.Chronik der Deutschen. Chronik-Verlag, Dortmund 1983, S. 90, 98 ff. Die Ortsnamen auf „-weiler“ im Stadtgebiet geben Zeugnis von dieser frühen merowingischen Siedlungsperiode, während die Ortsnamen auf „-hausen“, „-rath“ und „-dorf“ der karolingischen Zeit um die Mitte des 8. Jahrhunderts zuzurechnen sind. Fränkische Siedlungsspuren wurden in Birkesdorf und Distelrath gefunden.