Als Doppelkirche im engeren Sinne wird ein Kirchengebäude bezeichnet, das aus zwei getrennten Hauptschiffen besteht. Diese können durch nachträgliche Aufteilung einer Kirche mittels einer Zwischenwand entstanden sein oder wurden separat über-, neben- oder hintereinander gebaut.
Im Gegensatz dazu wird bei einer Simultankirche ein und derselbe Innenraum von mehreren Konfessionen abwechselnd genutzt.
Zwei durch eine Mauer getrennte Kirchenschiffe in einem Kirchengebäude mini|Laurentiuskirche Dirmstein, Grundriss von Franz Rothermel (1741): protestantischer Teil (linkes Drittel) | Trennwand | katholischer Teil (mit Turm)
Nach der Reformation wurden einige bestehende Kirchen durch eine Trennwand in zwei Gottesdiensträume aufgeteilt – einen für die römisch-katholische Gemeinde und einen für die evangelische Gemeinde. Bei Neubauten sah mitunter bereits der Bauplan eine Trennmauer vor, so bei der Laurentiuskirche in Dirmstein, die 1746/1747 fertiggestellt wurde.
Deutschland mini|Rückseite der Garnisonkirche in der Dresdner Albertstadt mit evangelischem (links) und katholischem Teil (rechts) Dirmstein: Laurentiuskirche mit geplanter Trennwand Dresden: Garnisonkirche Dorsheim: ehemalige Simultankirche St. Laurentius, heute mit einer TrennwandDie Kirche in Dorsheim dorsheim.de Freiburg im Breisgau: (St.-)Maria-Magdalena-Kirche im Stadtteil Rieselfeld Kaub: St. Trinitatis (evangelisch) und St. Nikolaus-Kirche (katholisch)St. Trinitatis (ev.) und St. Nikolaus-Kirche (kath.) Marburg: Ökumenisches Zentrum Thomaskirche auf dem Richtsberg Poxdorf (Oberfranken): Unsere liebe Frau in Jerusalem Neustadt an der Weinstraße: Stiftskirche
Übereinander liegende Kirchenschiffe in einem Kirchengebäude Im Mittelalter entstanden in einigen Kirchen zwei Kirchenschiffe übereinander, zum Beispiel durch Ausbau einer Krypta zu einem eigenen Kirchenschiff. Grund war oft eine Trennung von Stifts- und Pfarrkirche.Zur Typologie der Doppelkirche siehe E. Hertlein: Die Basilika von S. Francesco in Assisi, Florenz 1964, S. 140 ff.
Deutschland Greifenstein (Hessen): oben Schlosskirche, unten Katharinenkapelle München: Bürgersaal (München) Schwarzrheindorf: St. Maria und Clemens Wasserburg am Inn: St. Michaels-Kapelle (unten Gruftkirche, oben Pfarrkirche)
Italien Assisi: Doppelkirche San Francesco über dem Grab von Franz von Assisi Trani: San Nicola Pellegrino Verona: San Fermo Maggioreidro-verona
Österreich Doppelkirche Haigermoos/OberösterreichMühlviertel, upperaustria.org. Doppelkirche Straden, Steiermark
Polen Breslau: Stiftskirche zum Hl. Kreuz und St. Bartholomäus Zgorzelec: Kirchen St. Josef (Oberkirche) und St. Barbara (Unterkirche)
Als Doppelkapellen werden Gebäude bezeichnet, in denen zwei sakrale Räume übereinander gebaut wurden, die durch eine Öffnung miteinander verbunden waren, so dass in beiden Räumen ein gemeinsamer Gottesdienst stattfinden konnte.
Seitlich aneinander gebaute Kirchen Einige wenige Doppelkirchenanlagen bestehen aus zwei seitlich aneinander gebauten Kirchen.
Deutschland Brehna: St. Jakobus und St. Clemens (Brehna) Schönecken: St. Leodegar und Unserer lieben Frau,Schönecker Doppelkirche Unserer lieben Frau und St. Leodegar. an der Südseite angebauter länglicher Neubau Vetschau/Spreewald: Wendisch-Deutsche Doppelkirche
Russland mini|Kirche Mariä Schutz und Geburt in Pskow
Pskow: Kirche Mariä Schutz und Geburt Weliki Nowgorod: Kirche Apostel Philipp und Nikolaus der Wundertäter
Längs aneinander gebaute Kirchen In den folgenden Jahrhunderten wurden auch Kirchenanlagen errichtet, bei denen zwei Kirchen längsseitig aneinander gebaut wurden, oft durch einen gemeinsamen Turm in der Mitte voneinander getrennt.
Deutschland Doppelkirche Althaldensleben, Haldensleben Wallonisch-Niederländische Kirche, Hanau Kirche Lettgenbrunn Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, Hohenpeißenberg Wilnsdorf: Pfarrkirche St. Johannes Baptist
Frankreich St-Pierre-St-Michel-Sts-Innocents, Bueil-en-Touraine
Baukomplex mit Profangebäude Mannheim: Konkordienkirche, Kirche mit Turm und Mozartschule
Kirchen in geringer räumlicher Entfernung mini|Doppelkirchenanlage in Trier; vorne der Dom, dahinter Liebfrauen
Eine weitere Konstellation, die als Doppelkirche bezeichnet wird, besteht aus in geringer räumlicher Distanz zueinander gebauten separaten Kirchen meist der gleichen Konfession. Diese sind römischen (Trierer Dom und Liebfrauen), mittelalterlichen oder späteren Ursprungs und dienten zwei getrennten Gemeinden, oft als räumliche Trennung der Stifts- oder Klosterkirche von der dazugehörigen Pfarrkirche.
Nach der Säkularisation der katholischen Kirchen im frühen 19. Jahrhundert und der damit verbundenen Aufhebung zahlreicher Stifte wurden diese – oft sehr verschwenderisch ausgestatteten – Kirchen häufig von den Pfarrgemeinden übernommen, während die – meist viel kleineren – alten Pfarrkirchen abgebrochen wurden. Einige Ausführungen haben sich dennoch erhalten.
Deutschland Aachen: Aachener Dom und St. Foillan Aachen-Burtscheid: St. Johann Baptist und St. Michael Augsburg: Ulrichskirche (ev.) und St. Ulrich und Afra (kath.) Augsburg: Katholisch Heilig Kreuz (ursprünglich die Stiftskirche der Chorherren) und Evangelisch Heilig Kreuz (Vorgängerbau diente als katholische Leutekirche für die Bevölkerung) Bonn: Münster und ehemalige St. Gangolfskirche Erfurt: Dom und St. Severi Essen: Dom und St. Johann Baptist Halle (Saale): In den vier Türmen der heutigen Marktkirche verbergen sich die Türme der früheren St. Gertruden- und der unmittelbar angrenzenden St. Marienkirche, die 1529/30 dem Neubau weichen mussten. Köln: St. Cäcilien und St. Peter Magdeburg: Dom und 1968 sowie ab 2003 archäologisch ergrabene Kirche bislang unbekannten Patroziniums (evtl. St. Mauritius-Kloster oder St. Laurentius-Kirche) Trier: Dom und Liebfrauen Würzburg: Dom und Neumünster
Österreich Globasnitz in Kärnten, Österreich: Zwei Doppelkirchen am Hemmaberg, suedkaernten.at.
Zypern Famagusta: Ehemalige Templer- und Johanniterkirchen
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchenbautyp