Eppelheim (, mundartlich: EppeleRebmanns führen eine "Fernbeziehung" über elf Kilometer, Rhein-Neckar-Zeitung vom 16. August 2017) ist eine Stadt im Rhein-Neckar-Kreis. Sie liegt im Nordwesten Baden-Württembergs und im Einflussbereich des direkt benachbarten Oberzentrums Heidelberg. Sie gehört zur europäischen Metropolregion Rhein-Neckar.
Geographie Lage und Nachbargemeinden Die Gemeinde gehört zur Metropolregion Rhein-Neckar und liegt auf dem Neckarschwemmkegel in der Oberrheinischen Tiefebene, nur wenige Kilometer südwestlich der Erhebungen des Odenwaldes und direkt an der Bundesautobahn 5, welche Eppelheim vom Heidelberger Stadtteil Pfaffengrund trennt.
Das Stadtgebiet ist beinahe vollständig vom Stadtkreis Heidelberg umgeben, so grenzt Eppelheim an die Stadtteile Wieblingen im Norden, Pfaffengrund im Osten und Kirchheim im Süden. Im Westen liegt die zum Rhein-Neckar-Kreis gehörende Gemeinde Plankstadt.
Mit Mannheim liegt etwa 20 Kilometer nordwestlich ein weiteres Oberzentrum der Metropolregion Rhein-Neckar.
Stadtgliederung Zur Stadt Eppelheim gehört das Gehöft Birkighöfe.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 363–364
Aus Orientierungsgründen werden verschiedene Stadtgebiete oftmals nach ihrer Lage, in Bezug zu der die Stadt von Ost nach West durchquerenden Landesstraße 543 (Hauptstraße und Schwetzinger Straße), mit den entsprechenden Himmelsrichtungen bezeichnet (so zum Beispiel Nordost-Eppelheim), eine genaue Abgrenzung existiert jedoch nicht.
Geschichte
Archäologische Funde aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit, der Eisenzeit, der Römerzeit und des frühen Mittelalters legen nahe, dass das heutige Stadtgebiet schon früh von Menschen bewohnt wurde. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Eppelheim im Jahre 770 im Zusammenhang mit einer Schenkung im Lorscher Codex unter dem Namen Ebbelenheim.
mini|Eppelheim mit dem alten Ortskern in rot Ab dem 11. Jahrhundert war Eppelheim ein typisches kleines Dorf in der Kurpfalz. Die Macht des Pfalzgrafen beinhaltete die Blutgerichtsbarkeit, die Wehrhoheit und das Steuerrecht (die sogenannten Zeichen der hohen Obrigkeit). Zuständig war das pfälzische Zentgericht zu Kirchheim. Die niedrige Obrigkeit war das Dorf selbst: hierzu gehörte das Ortsgericht, welches ein Siegel führte, aus dem 1895 das Gemeindewappen entwickelt wurde.
Die Einwohnerzahl blieb bis ins 18. Jahrhundert hinein stets unter 150. Ein Grund hierfür war, dass Eppelheim am 28. Januar 1689 während des Pfälzischen Erbfolgekrieges von französischen Truppen niedergebrannt wurde. mini|280px|Bevölkerungsentwicklung Eppelheims In der Folge wurde Eppelheim wieder aufgebaut und erlebte einen stetigen Bevölkerungszuwachs, im 20. Jahrhundert gar eine Bevölkerungsexplosion. So stieg die Bevölkerung von 2.644 Einwohnern im Jahre 1905 auf 13.904 Einwohner im Jahre 1997.
1803 wurde Eppelheim badisch.
Im Rahmen einer Kreis- und Gemeindegebietsreform löste am 1. Januar 1973 der Rhein-Neckar-Kreis den Landkreis Heidelberg ab. Eppelheim sollte als Folge ebenso wie die selbständige Gemeinde Ziegelhausen ein Stadtteil von Heidelberg werden, wogegen sich die Einwohner vehement und letztlich erfolgreich wehrten. Zur Verhinderung der Eingemeindung haben auch die gute Infrastruktur und die gute wirtschaftliche Lage der Gemeinde beigetragen.
1998 wurde Eppelheim vom Land Baden-Württemberg zur Stadt erhoben.
2007 fand der Vorschlag des Bürgermeisters Mörlein überregionale Beachtung, die neu erhobenen Studiengebühren von den Studierenden zu übernehmen, wenn sie eine gemeinnützige Arbeit im Umfang von 60 Stunden pro Semester annehmen.„Studiengebühren. Eppelheim lockt Jungakademiker“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Februar 2007, Nr. 50, S. 5
zentriert|mini|783x783px|Eppelheim mit dem Wasserturm aus östlicher Richtung von Heidelberg betrachtet. Links vom Wasserturm ist die Pauluskirche und links von ihr die Josephskirche zu sehen.
Einwohnerentwicklung Jahr 1439 1577 1692 1727 1785 1802 1905 1933 1939 1960 1970 Einwohner 55 100 63 127 434 502 2.644 4.062 4.141 7.330 11.731 Jahr 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2020 Einwohner 13.605 13.360 13.927 14.461 15.014 15.177 15.276
Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: In Rot ein blauer Reichsapfel mit goldenem Beschlag und goldenem Kleeblattkreuz.
Es wurde 1900 angenommen und geht zurück auf ein Gerichtssiegel von 1699, auf dem das Fleckenzeichen von Eppelheim dargestellt wurde. Möglicherweise verweist es auf die volksetymologische Deutung des Ortsnamens von „Eppel“ bzw. „Äpfel“. Unwahrscheinlich ist ein Zusammenhang mit dem Herzschild der Kurpfalz, in dem der Reichsapfel auf die Kurwürde der Pfalzgrafen bei Rhein verwies. Die Flagge ist Gelb-Rot und wurde 1959 vom Innenministerium verliehen.Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis. Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4, S. 55
Religionen mini|Pauluskirche mini|Josephskirche
Wie in der ganzen Kurpfalz wurde auch in Eppelheim von Kurfürst Ottheinrich die Reformation eingeführt und Eppelheim somit protestantisch. Die am 22. März 1812 eingeweihte Eppelheimer Pauluskirche in der Hauptstraße gehört heute zum Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz der Evangelischen Landeskirche in Baden. Der älteste Teil der heutigen Kirche, das Portal des Turms stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In der Kirche befindet sich das von Harry MacLean 1953 geschaffene Michaelsfenster sowie „Jesus, der gute Hirte“ und „Ausgießung des Heiligen Geistes“. Die beiden Bilder „Die Schöpfung“ und „Speisung in der Wüste“ für das neue Gemeindehaus wurden im September 1993, nur wenige Monate vor seinem Tod, übergeben. Die Originalentwürfe dieser Arbeiten erhielt die evangelische Kirchengemeinde als Dauerleihgabe.
1876 bekamen aber auch die Katholiken wieder ein Gotteshaus, die Josephskirche. Diese wird heute nur noch gelegentlich genutzt, da die Hauptkirche der katholischen Gemeinde St. Joseph die Christkönigkirche in der Rudolf-Wild-Straße ist. Seit 2006 bildet die zum Erzbistum Freiburg gehörende Gemeinde mit den Gemeinden St. Marien im Pfaffengrund und St. Bartholomäus in Wieblingen die Seelsorgeeinheit Christophorus (ehemals Heidelberg-West) im Dekanat Heidelberg-Weinheim.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war für den Ort und die beiden Kirchengemeinden ein Meilenstein die Glockenweihe im Jahr 1948 durch die Pfarrer Gottlob Hees und Josef Ott. Hinsichtlich des Klangs der Glocken hatten sich die beiden Kirchengemeinden abgestimmt.
Konfessionsstatistik In der Gesamtbevölkerung bildeten 2006/2007 die Protestanten mit 5187 Bürgern noch die Mehrheit, während 4537 katholisch waren und 4412 sonstigen Religionen angehörten oder konfessionslos waren.[Quelle der Einwohnerzahlen Flyer der CDU Eppelheim Laut alte Eintragung aus März 2007] Während die Einwohnerzahl Eppelheims insgesamt in den vergangenen Jahren zugenommen hat, ist die Anzahl der Evangelischen rückläufig. Auch die Zahl der Katholiken ist gesunken. Laut der Volkszählung 2011 waren 33,5 % (4941) der Einwohner evangelisch, 28,7 % (4225) römisch-katholisch und 37,8 % (5565) waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. In Eppelheim sank die Zahl der katholischen Mitglieder von 3990 im Jahr 2018 auf 3618 (23,7 % der Gesamtbevölkerung) im Jahr 2021. Bei der evangelischen Kirchengemeinde nahmen die Mitgliederzahlen mit 4105 im Jahr 2021 (26,7 % der Gesamtbevölkerung) – statt zuvor 4114 im Jahr 2020 – kaum ab. 49,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.
Politik mini|Rathaus, erbaut 1959
Gemeinderat Der Gemeinderat der Stadt Eppelheim besteht aus dem Bürgermeister als Vorsitzendem und 22 Mitgliedern; der Bürgermeister ist stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):;
Gemeinderatswahl 2024Partei Stimmenanteil Sitze Grüne 27,1 % (−4,0) 6 (−1) CDU 26,7 % (+0,7) 6 (±0) SPD 19,2 % (−2,5) 4 (−1) Eppelheimer Liste 16,4 % (+1,7) 4 (+1) FDP 5,5 % (−0,9) 1 (±0) Die Linke 5,1 % (+5,1) 1 (+1) Wahlbeteiligung: 59,8 % (+0,5)
Bürgermeister 1919–1933: Andreas Jäger 1933–1934: Philipp Martin 1934–1941: Oskar Max Paul Hübner 1941–1945: Philipp Jakob Stephan 1945–1954: Andreas Jäger 1954–1978: Peter Böhm 1978–1994: Hugo Giese 1994–2017: Dieter Mörlein 2017–2025: Patricia Rebmann 2025– : Matthias Kutsch mini|hochkant|Hinweisschild am nördlichen Ortseingang
Städtepartnerschaften Eppelheim unterhält seit 1989 eine Städtepartnerschaft mit Wilthen in der Lausitz (Sachsen) und seit 3. Oktober 1996 mit Dammarie-les-Lys in Frankreich.
Freundschaftliche Kontakte bestehen zu Vértesacsa in Ungarn und Montebelluna in Italien.
Nachbarschaftsverband Eppelheim gehört zum Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim, dessen Aufgabe es ist, den regionalen Flächennutzungsplan zu erstellen.
Sehenswürdigkeiten und Kultur
mini|hochkant|Wasserturm mini|Rhein-Neckar-Halle mini|Rudolf-Wild-Halle Wasserturm Der Eppelheimer Wasserturm wurde 1907 fertiggestellt und ist mit seiner Höhe von 47,6 Metern (einschließlich der Spitze) und dem 220 Kubikmeter fassenden Sammelbehälter auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts das Wahrzeichen der Stadt. Von 1902 bis 1905 wurde zudem die Kanalisation aus- und das Wasserwerk mit Pumpstation (heute: Jugendtreff Altes Wasserwerk) gebaut und damit die Brunnenwasserversorgung abgelöst.
Der Wasserturm wurde am 27. April 1983 stillgelegt und vom 31. August 1993 bis 31. März 1994 rechtzeitig vor dem 100. Jubiläum renoviert. Seit 2009 befindet sich im Turm das von Josef Walch gestiftete Deutsche Hasenmuseum.
Im Mai 2014 schlug der amtierende Bürgermeister Dieter Mörlein der bayrischen Staatskanzlei in einem Schreiben vor, den wegen Steuerbetrug verurteilten Uli Hoeneß (ehemaliger Präsident FC Bayern München) von seiner Gefängnisstrafe zu entbinden und stattdessen für die Haftdauer im Eppelheimer Wasserturm unterzubringen.
Rhein-Neckar-Halle Die Rhein-Neckar-Halle wurde 1970 als Großsporthalle erbaut. Sie ist aufteilbar in drei Hallen, mit zusätzlich vier Kegelbahnen und einem Body-Building-Raum im Untergeschoss und Räumen für eine Gaststätte. In der Rhein-Neckar-Halle spielten internationale Größen wie Bob Marley 1977 oder Deep Purple 1974/1987/1996 Konzerte. Im Januar 2024 begannen die Abrissarbeiten an der Halle.
Eppelheimer Feldkreuz Auf dem Allmendgartenbuckel wurde 1984 das Eppelheimer Feldkreuz in Form eines Knospenkreuzes errichtet, gestiftet von Günther und Kurt Fath sowie Linus Wiegand. Seit 1984 werden an dieser Stelle ökumenische Gottesdienste an „Christi Himmelfahrt“ abgehalten.
Vehikelsammlung Eppelheim Bert Grimmer sammelt seit 1976 Klein- und Kleinstwagen, Motorroller und Motorrollstühle.Dieter Lammersdorf: Oldtimermuseen in Deutschland. Johann Kleine Vennekate-Verlag, Lemgo 2014, ISBN 3-935517-06-8, S. 204. Seit etwa 1997Jens Kraus: Chromglanz und Ölgeruch. Automobil- und Motorradmuseen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Verlag Peter Kurze Bremen, Bremen 1998, ISBN 3-927485-19-5, S. 31. ist seine Vehikelsammlung Eppelheim der Öffentlichkeit zugänglich. Sie umfasst Raritäten wie Grewe & Schulte-Derne und P. Vallée,Kristiane Müller-Urban, Eberhard Urban: Automobilmuseen in Deutschland und seinen Nachbarländern. Steiger-Verlag, Augsburg 1999, ISBN 3-89652-176-4, S. 45. Brütsch MopettaNorbert Bauer: Automuseen und Sammlungen in Europa. Ein Führer durch Historie, Kultur, Design und Technik des Automobils. München 2004, Eintrag D83. und Hurst.
Plätze und Gärten Größere Grün- oder am Ende parkähnliche Anlagen sucht man in Eppelheim vergeblich. Allerdings gibt es neben der Kunstmeile im Konrad-Adenauer-Ring einige kleinere Plätze und Gärten:
Hugo-Giese-Platz Gottlob-Hees-Platz Jakob-Neu-Garten Günther-Rühle-Platz Leonie-Wild-Platz
Vereine