mini|Werner Enke (links) mit May Spils und Henry van Lyck 1970 bei einer Präsentation von Nicht fummeln, Liebling Werner Enke, als Drehbuchautor auch unter dem Pseudonym Peter Schlieper (* 25. April 1941 in Berlin; † 20. Juli 2026 in München), war ein deutscher Schauspieler, Autor und Maler. Seine größten Erfolge erzielte er mit den Filmen Zur Sache, Schätzchen (1968) und Nicht fummeln, Liebling (1970), bei denen er Autor und Hauptdarsteller war, während seine Lebensgefährtin May Spils Regie führte.
Leben Enke wuchs in Göttingen auf und zeichnete als Zehnjähriger seine ersten Daumenkinos. Nachdem er 1960 von den Schauspielschulen in Berlin und München abgelehnt worden war, nahm er Privatunterricht an der Schauspielschule Ruth von Zerboni und schrieb sich an der Universität München für Theaterwissenschaften, Französisch und Germanistik ein. 1965 lernte er Klaus Lemke und seine spätere Lebensgefährtin May Spils kennen, die bei Zur Sache, Schätzchen und Enkes folgenden Filmen Regie führen sollte.
Nach zwei Kurzfilmen mit der Gruppe um Spils und Lemke hatte Enke 1966 einen Auftritt in Volker Schlöndorffs Mord und Totschlag, in dem die von ihm dargestellte Figur bereits nach wenigen Minuten erschossen wurde. Seine erste Hauptrolle in einem Langfilm spielte er 1967 in Mit Eichenlaub und Feigenblatt unter der Regie von Franz-Josef Spieker.
Berühmt wurde er durch den Film Zur Sache, Schätzchen (1968), in dem er an der Seite von Uschi Glas spielte. Die Filme verkörperten ein neues Lebensgefühl in der Zeit der 68er-Bewegung, waren von der Nouvelle Vague beeinflusst. Auch der nächste Film, Nicht fummeln, Liebling, wieder mit May Spils als Regisseurin, wurde ein großer Publikumserfolg und popularisierte Wörter wie „fummeln“ und „Dumpfbacke“. Mit den folgenden Filmen, handwerklich immer routinierter, konnte Enke nicht an die früheren Erfolge anknüpfen. Sein letzter Film, Mit mir nicht, Du Knallkopp, den Enke selbst produzierte, wurde schon nach wenigen Tagen mangels Zuschauerresonanz aus den Kinos genommen. Weitere Filmprojekte scheiterten am Fehlen finanzieller Mittel.
Für seine darstellerische Leistung in Zur Sache, Schätzchen erhielt Enke das Filmband in Gold und zusammen mit May Spils ein weiteres Filmband in Gold für die Dialoge. Die Kategorie „Dialoge“ wurde eigens für diesen Film eingerichtet, und es wurde später nie wieder ein Preis darin vergeben. Für die komödiantische Darstellung in Nicht fummeln, Liebling erhielten Enke, der als Hauptdarsteller und Drehbuchautor agierte, und Spils 1970 den Ernst-Lubitsch-Preis.
Enke entwickelte in seinen Filmen eine eigene Art von Humor, die von schlagfertiger Lakonik und Sprachwitz geprägt ist, Autoritäten verspottet und das eigene Scheitern auf selbstironische Weise thematisiert. Einige von Enkes saloppen Aussprüchen gingen in die Umgangssprache ein, etwa „’s wird böse enden“ oder „Kerzen aus! Hier wird nicht gezündelt!“. Auch die aufkommende Popularität des Wortes „fummeln“ im Sinne von „hantieren“, aber auch von „sexuell erregende Berührungen austauschen“ ist seinem Schaffen zu verdanken.
Ab 1985 zog sich Enke aus der Öffentlichkeit zurück. Erst 2003 trat er wieder in Erscheinung, als er eine Sammlung eigener Cartoons unter dem Titel Es wird böse enden veröffentlichte. Am 12. November 2010 gab er dem Göttinger Tageblatt eines seiner seltenen Interviews. Im Jahr 2022 veröffentlichte er eine Neuauflage von Es wird böse enden mit dem bis dahin unveröffentlichten Daumenkino Der Hammerwerfer. 2023 stellte er in München erstmals eigene Landschaftsgemälde aus, die er als „Hobbyismus“ bezeichnete.
Enke lebte zusammen mit der Regisseurin May Spils in München-Schwabing und auf einem Bauernhof in Twistringen bei Bremen. Nach langer Krankheit starb er am 20. Juli 2026 im Alter von 85 Jahren in München.
Sonstiges Die Band Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen widmete Enke 2014 das Lied Kennst Du Werner Enke?, zu dem ein Musikvideo gedreht wurde und das als Singleauskopplung erschien. Außerdem schrieb die Indie-Rock-Band Painting By Numbers aus Darmstadt das Lied für Werner Enke.
Filmografie (Auswahl) 1965: Kleine Front (Kurzfilm, Regie: Klaus Lemke) 1966: Henker Tom (Kurzfilm, Regie: Klaus Lemke) 1966: Manöver (Kurzfilm, Regie: May Spils) 1966: Mord und Totschlag (Regie: Volker Schlöndorff) 1967: Mit Eichenlaub und Feigenblatt (Regie: Franz-Joseph Spieker) 1968: Zur Sache, Schätzchen (Regie: May Spils) 1968: Zuckerbrot und Peitsche 1970: Nicht fummeln, Liebling (Regie: May Spils) 1974: Hau drauf, Kleiner (Regie: May Spils) 1979: Wehe, wenn Schwarzenbeck kommt (Regie: May Spils) 1983: Mit mir nicht, du Knallkopp (Regie: May Spils) 2004: Wohnhaft (Dokumentarkurzfilm, Regie: Bernhard Marsch) 2005: Werner Enke, 2004 (Dokumentarfilm, Regie: Werner Enke) 2016: Bunt Film Nr. 15 – Werner Enke: Die Verfolgung (Animationskurzfilm, Regie: Werner Enke) 2021: Enke – Ausgebufft und Abgelatscht (Dokumentarfilm, Regie: Bernhard Marsch)
Buchveröffentlichungen Es wird böse enden – Enkes Sprechmännchen. München 2003, entstanden aus dem Daumenkino in Zur Sache, Schätzchen, ISBN 3-88897-325-2. Es wird böse enden. Neuauflage München 2022 mit Enkes Daumenkino Der Hammerwerfer, ISBN 978-3-00-074991-9.
Literatur Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 2: C – F. John Paddy Carstairs – Peter Fitz. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 564 f. Marco Abel: Mit Nonchalance am Abgrund: Das Kino der 'Neue Münchner Gruppe' (1964–1972). transcript Verlag, Bielefeld, 2024. Insbesondere S. 193–258. ISBN 978-3-8376-5195-9.
Weblinks
www.wernerenke.de (private Fanseite) Dreharbeiten zum Kinofilm „Wehe, wenn Schwarzenbeck kommt“ mit Hans Fries, Werner Enke, May Spils in München-Schwabing. (Erinnerungen des Filmfotografen Mike Gallus) Es wird böse enden (Private Webseite über das Comic-Buch Es wird böse enden mit dem Daumenkino Der Hammerwerfer von Werner Enke)
Einzelnachweise
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Maler (München) Kategorie:Träger des Deutschen Filmpreises Kategorie:Mitglied der Deutschen Filmakademie Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1941 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann