Dienstgebäude Koblenz 250px|Das Bundesarchiv in KoblenzDas Bundesarchiv in Koblenz Aufsichtsbehörde Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Behördenleitung Michael Hollmann, Präsident Andrea Hänger, Vizepräsidentin Alexandra Titze, Vizepräsidentin Björn Deicke, Vizepräsident Anzahl der Bediensteten etwa 2200 (Stand: 17. Juni 2021) Standorte und Anschriften Hauptdienststelle Koblenz Potsdamer Straße 1
56075 Koblenz
() Dienststelle Berlin-Lichterfelde Finckensteinallee 63
12205 Berlin
() Dienststelle Berlin-Reinickendorf (OT Tegel) Am Borsigturm 130
13507 Berlin
() Dienststelle Bayreuth (Lastenausgleichsarchiv) Dr.-Franz-Straße 1
95445 Bayreuth
() Dienststelle Freiburg (Militärarchiv) Wiesentalstraße 10
79115 Freiburg
() Dienststelle Ludwigsburg (Außenstelle der Abteilung B: Unterlagen der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen) Schorndorfer Straße 58
71638 Ludwigsburg
() Dienststelle Rastatt (Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte) Herrenstraße 18
76437 Rastatt() Dienststelle Sankt Augustin (Zwischenarchiv) Bundesgrenzschutzstraße 100
53757 St. Augustin-Hangelar
() Dienststelle Hoppegarten (Zwischenarchiv) Lindenallee 55–57
15366 Hoppegarten()Dienststelle Berlin-Lichtenberg (Stasi-Unterlagen-Archiv) Ruschestraße 103
10365 Berlin
()Dienststelle Chemnitz (Stasi-Unterlagen-Archiv) Bruno-Salzer-Str. 5
09120 Chemnitz
()Dienststelle Dresden (Stasi-Unterlagen-Archiv) Seiteneingang „D“ Riesaer Straße 7
01129 Dresden
()Dienststelle Erfurt (Stasi-Unterlagen-Archiv) Petersberg Haus 19
99084 Erfurt
()Dienststelle Frankfurt (Oder) (Stasi-Unterlagen-Archiv) Fürstenwalder Poststraße 87
15234 Frankfurt (Oder)
()Dienststelle Gera (Stasi-Unterlagen-Archiv) Haus 3 Hermann-Drechsler-Straße 1
07548 Gera
()Dienststelle Halle (Saale) (Stasi-Unterlagen-Archiv) Blücherstraße 2
06122 Halle
()Dienststelle Leipzig (Stasi-Unterlagen-Archiv) Dittrichring 24
04109 Leipzig
()Dienststelle Magdeburg (Stasi-Unterlagen-Archiv) Georg-Kaiser-Straße 7
39116 Magdeburg
()Dienststelle Neubrandenburg (Stasi-Unterlagen-Archiv) Neustrelitzer Straße 120
17033 Neubrandenburg
()Dienststelle Rostock (Stasi-Unterlagen-Archiv) Straße der Demokratie 2
18196 Waldeck-Dummerstorf
()Dienststelle Schwerin (Stasi-Unterlagen-Archiv) Görslow, Resthof
19067 Leezen
()Dienststelle Suhl (Stasi-Unterlagen-Archiv) Weidbergstraße 34
98527 Suhl
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Das Bundesarchiv (BArch) ist eine 1952 gegründete deutsche Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Es hat das Archivgut des Bundes und weitere (Vorgänger-)Entitäten auf Dauer zu sichern, nutzbar und zugänglich zu machen und wissenschaftlich zu verwerten. 2021 wurde das Material des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) als Stasi-Unterlagen-Archiv übernommen.
Wesentliche Rechtsgrundlagen sind das Bundesarchivgesetz und (seit dem 17. Juni 2021) das Stasi-Unterlagen-Gesetz.
Die Hauptdienststelle befindet sich in Koblenz. Der Standort Berlin-Lichterfelde ist jedoch die räumlich und personell größte Einrichtung des Bundesarchivs mit besonders hohem Benutzungsaufkommen. Zudem verfügt die Bibliothek in Berlin-Lichterfelde mit rund 1,7 Millionen Bänden den mit Abstand umfangreichsten Bibliotheksbestand innerhalb des Bundesarchivs. Das Bundesarchiv hat etwa 2270 Mitarbeiter.
Bestand Das Bundesarchiv umfasst Überlieferungen des Heiligen Römischen Reiches (1495–1806), des Deutschen Bundes (1815–1866), des Deutschen Reiches (1871–1945), der Besatzungszonen (1945–1949), der Deutschen Demokratischen Republik (1949–1990) und der Bundesrepublik Deutschland (seit 1949). Neben der allgemeinen Dokumentation von zentralen militärischen und zivilen Stellen werden auch zeitgeschichtliche Sammlungen und Unterlagen von überregional bedeutsamen Parteien, Verbänden und Vereinen sowie schriftliche Nachlässe von bedeutsamen Persönlichkeiten und publizistische Quellen gesammelt. Zum Archivgut zählen neben Akten auch Filme, Fotos, elektronische Datenträger, elektronische Akten, Karten, Plakate, Urkunden und Pläne.
Die „Archivwürdigkeit“ der Dokumente wird vom Bundesarchiv selbst beurteilt und orientiert sich daran, ob durch die Archivierung ein bleibender Wert für die Erforschung und das Verständnis von Geschichte und Gegenwart, für die Sicherung berechtigter Interessen der Bürger oder für die Gesetzgebung, Verwaltung oder Rechtsprechung entsteht.
Das Bundesarchiv umfasst Stand 2022 etwa: 548 laufende Kilometer Schriftgut (inklusive Karteien) 60 Petabyte DatenF. de Weerth, B. Schürmann, J. Kollotzek, O. Leps und C. Winterhager, (2024). Zukunftsressource Archiv: Vom historischen Gedächtnis zur intelligenten Wissensplattform. possible. 15,7 Millionen Bilder 1,5 Millionen Filmrollen zu 210.000 Filmtiteln 67.000 Plakate 2,2 Millionen Karten, Pläne und technische Zeichnungen 2,2 Millionen Bände in der Bibliothek
Geschichte Erst 1919 und damit später als in anderen europäischen Staaten wurde in Deutschland ein zentrales Archiv für die Organe und Behörden des Reiches gegründet. Standort war der Brauhausberg in Potsdam. Das Reichsarchiv übernahm Unterlagen aller obersten Reichsbehörden seit Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 und im Jahr 1925 in seiner neu gegründeten Außenstelle in Frankfurt am Main auch Überlieferungen des Deutschen Bundes und des Reichskammergerichts. Die ältesten Dokumente im Bundesarchiv entstammen diesen Verfahrensakten des Reichskammergerichts und reichen bis ins Jahr 1411 zurück; eine durchgehende Überlieferung beginnt aber erst 1867 mit der Gründung des Norddeutschen Bundes, vier Jahre vor der Reichsgründung. Die Bestände wurden und werden aktiv um Schriftgut nichtstaatlicher Herkunft sowie um filmische und fotografische Dokumente ergänzt.
Trotz Auslagerung der wertvolleren Bestände traten im Zweiten Weltkrieg erhebliche Verluste ein. Nahezu vollständig vernichtet wurden die Bestände des bereits 1936 aus dem Reichsarchiv ausgegliederten Heeresarchivs. Durch Luftangriffe unwiederbringlich verloren ging auch Schriftgut von Reichsbehörden, das noch nicht an das Reichsarchiv abgegeben worden war. Angesichts des erwartbaren Zusammenbruchs ließen Funktionäre des NS-Staates zudem Unterlagen vernichten: Sie wollten belastendes Material, Spuren ihres verbrecherischen Handelns, beseitigen. Zu den Kriegsfolgen gehörte, dass Archiv- und Registraturgut von den Alliierten beschlagnahmt und erst später und zum Teil unvollständig zurückgegeben wurde.
In der Sowjetischen Besatzungszone wurde 1946 das Deutsche Zentralarchiv (ab 1973 das Zentrale Staatsarchiv) der DDR in Nachfolge des Reichsarchivs gegründet. Es nahm die durch Auslagerung auf dem Gebiet der SBZ/DDR verbliebenen Reichs(teil)bestände auf und erhielt ab Mitte der 1950er Jahre Teile des bei Kriegsende durch die Sowjetunion beschlagnahmten Schriftgutes zurück. Zudem war dieses Archiv für die Überlieferung der zentralen zivilen Behörden der DDR zuständig.
In der Bundesrepublik Deutschland beschloss die Bundesregierung 1950 die Gründung des Bundesarchivs, das 1952 in Koblenz errichtet wurde. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und in geringerem Umfang auch andere Länder gaben nach Kriegsende beschlagnahmtes Schriftgut an das Bundesarchiv ab.Astrid M. Eckert: Kampf um die Akten. Die Westalliierten und die Rückgabe von deutschem Archivgut nach dem Zweiten Weltkrieg. Steiner, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-515-08554-0. Dissertation (FU Berlin). Rezension bei Hsozukult. Im Unterschied zu den Nationalarchiven der meisten anderen Länder obliegt dem Bundesarchiv seit 1955 auch die dauerhafte Sicherung der militärischen Überlieferung des Bundes und seiner Vorläufer in der eigens dazu gebildeten Abteilung Militärarchiv. Diese befindet sich seit 1968 in Freiburg. In Potsdam wurde 1964 das Militärarchiv der Nationalen Volksarmee der DDR zunächst als „Deutsches Militärarchiv“ gegründet. Nach der Wiedervereinigung gingen die dort überlieferten Unterlagen in die Abteilung Militärarchiv des Bundesarchivs über.
1955 wurde das Staatliche Filmarchiv der DDR gegründet. Das Bundesarchiv sicherte seit 1958 ebenfalls Filme. Nach der Wiedervereinigung wurde das Staatliche Filmarchiv in die neu gegründete Abteilung Filmarchiv des Bundesarchivs integriert. Es ist heute eines der größten Filmarchive der Welt.
Auf Initiative des früheren Bundespräsidenten Gustav W. Heinemann wurde 1974 die „Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte“ als Außenstelle des Bundesarchivs im Rastatter Residenzschloss eröffnet. Eine Dauerausstellung informiert über die Geschichte der Freiheitsbewegungen des 19. Jahrhunderts sowie über Opposition und Widerstand in der DDR bis zur Friedlichen Revolution 1989.
In Bayreuth wurde 1988 das Lastenausgleichsarchiv als Teil des Bundesarchivs errichtet. Es verwahrt die Akten der Ausgleichsverwaltung, die Schäden der Vertriebenen und Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches sowie den deutschen Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentieren. Im Lastenausgleichsarchiv finden sich unter anderem auch die in den 1950er Jahren entstandene Ost-Dokumentation (darunter die sog. Gemeindeseelenlisten) sowie die Heimatortskarteien (HOK) des Kirchlichen Suchdienstes.
Mit der deutschen Einheit gingen zunächst die in der DDR überlieferten Teile der Reichsbestände sowie die Unterlagen zentraler staatlicher Stellen der DDR ins Bundesarchiv über. Es erfolgte die Eingliederung des Zentralen Staatsarchivs, des Militärarchivs der NVA, der Staatlichen Archivverwaltung der DDR im Ministerium des Innern, der Dokumentationszentrale der Staatlichen Archivverwaltung sowie des Staatlichen Filmarchivs der DDR in das Bundesarchiv.
Rechtlich problematisch stellte sich hingegen die Sicherung der Archive und Bibliotheken der Parteien und Massenorganisationen der DDR dar. Diese waren keine staatlichen Institutionen, standen jenen aber aufgrund der politischen Struktur der DDR sehr nahe und dominierten sie im Falle der SED sogar. Da der Einigungsvertrag keine diesbezüglichen Regelungen getroffen hatte, kam es 1991 zu einer Bundestagsinitiative mit dem Ziel, die Unterlagen der Parteien und Massenorganisationen der DDR ebenfalls dem Bundesarchiv zu unterstellen. Im Ergebnis entstand ein Gesetzentwurf zur Änderung des Bundesarchivgesetzes, der die Errichtung einer unselbständigen Stiftung im Bundesarchiv vorsah und der nach Zustimmung von Bundestag und Bundesrat am 13. März 1992 in Kraft trat. Gemäß den neu ins Bundesarchivgesetz aufgenommenen Vorgaben wurde unter dem Namen Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv (SAPMO) eine unselbständige Stiftung des öffentlichen Rechts in Berlin errichtet. Diese hat die Aufgabe, auf zentraler Ebene entstandene Unterlagen von Parteien sowie der mit ihnen verbundenen Organisationen und juristischen Personen der DDR zu übernehmen, auf Dauer zu sichern und nutzbar zu machen. Dies gilt auch für andere Unterlagen, Materialien und Bibliotheksbestände zur deutschen Geschichte. Die Stiftung nahm am 4. Januar 1993 ihre Arbeit auf.
Mit Abzug der amerikanischen Truppen aus Berlin übernahm das Bundesarchiv das Berlin Document Center (BDC). Zu diesen Unterlagen gehören u. a. die Mitgliederkartei der NSDAP und Personalakten von 62.000 SS-Führern.
Im Jahre 2000 wurden die Unterlagen der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in die neu errichtete Außenstelle Ludwigsburg des Bundesarchivs übernommen.