mini|Schließung des Jakobinerklubs in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1794, zeitgenössischer Kupferstich

Die Jakobiner (franz: les Jacobins) waren im formellen Sinn die Mitglieder eines politischen Klubs während der Französischen Revolution. Der Name Jakobinerklub bezog sich auf den Versammlungsort, das ehemalige Jakobinerkloster Saint-Honoré in Paris. Historisch bedeutsam ist die inhaltliche Bezeichnung. So wurden in Frankreich ab 1793 die Anhänger Maximilien de Robespierres und Louis Antoine de Saint-Justs als Jakobiner bezeichnet. Der Begriff Jakobiner ist in dieser Hinsicht deckungsgleich mit dem Begriff Robespierristen. Sie strebten eine radikale Umgestaltung der Gesellschaftsordnung an und setzten sich u. a. für die Abschaffung der Monarchie ein. Die Jakobiner fanden ihre Anhänger zum großen Teil in der städtischen Unter- und Mittelschicht.

Im weiteren Sinn werden mit dem Begriff z. T. auch jene Anhänger der Revolution innerhalb und außerhalb Frankreichs bezeichnet, die zwar großmehrheitlich nicht Robespierristen waren, aber auch nach der Hinrichtung König Ludwigs XVI. noch die Revolution befürworteten und eine republikanische Staatsform anstrebten.

Inhaltliche Positionierung der Jakobiner Die Jakobiner richteten sich viel konsequenter als andere Revolutionsanhänger an Jean-Jacques Rousseau aus, während sie Voltaire und die Enzyklopädisten geringschätzten. Ihr Ideal war eine einfache, tugendhafte und sittenstrenge Gesellschaft, die durch den Gemeinwillen geleitet wird und auf eine endgültige göttliche Gerechtigkeit vertraut. Sie traten für die Abschaffung der Monarchie, des Feudalismus und der Privilegienherrschaft ein, an deren Stelle Volkssouveränität und Rechtsgleichheit in einer zentralistischen Einheitsrepublik treten sollten. Sie wollten ausgebaute Volksrechte und direktdemokratische Einrichtungen einführen. Die Jakobiner befürworteten die politische Partizipation breiter Volksschichten, also auch der Ungebildeten, der Besitzlosen, der jungen Erwachsenen, der Juden und der Schwarzen, wandten sich aber entschieden gegen jegliche politische Aktivität der Frauen. Sie traten für sozialen Ausgleich und etatistische Maßnahmen ein, betrachteten jedoch den Privatbesitz als Grundrecht und die Einkommens- und Vermögensgleichheit als Illusion.

Die Jakobiner passten ihre politischen Positionen im Verlauf der Revolution teilweise an, bis sie die von ihnen konzipierte Gesellschaftsordnung in der Französischen Verfassung von 1793 festhielten. Diese setzten sie indes nie in Kraft, weil sie es für unverzichtbar hielten, zuerst die Revolution zu Ende zu führen, jegliche Bedrohung der neuen Ordnung zu eliminieren und die Bevölkerung zur Tugendhaftigkeit zu erziehen. Dafür erschien ihnen grundsätzlich jedes Mittel legitim, also auch Gewalt und Schreckensherrschaft.

Die Jakobiner während der Revolution Gründungsphase Nach der Eröffnung der Generalstände durch König Ludwig XVI. am 5. Mai 1789 kam es in Frankreich und insbesondere in Paris zur Gründung politischer Klubs. Als sich am 17. Juni 1789 die Nationalversammlung konstituierte und drei Tage später schwor, erst dann wieder auseinanderzugehen, wenn sie eine Verfassung geschaffen hätte (Ballhausschwur), bildeten sich ausgehend von den Klubs politische Lager mit unterschiedlichen Auffassungen. In der Zeit von 1789 bis 1799 kann indes nicht von politischen Parteien im heutigen Sinne gesprochen werden. Es handelte sich vielmehr um Debattiervereine, in denen aktuelle gesellschaftspolitische Fragen und Gesetzesprojekte vorbesprochen wurden. Es war auch durchaus üblich, in mehreren Klubs Mitglied zu sein.

mini|Jakobinermütze (Heeresgeschichtliches Museum, Wien) Der Jakobinerklub wurde ursprünglich am 30. April 1789 als Bretonischer Klub gegründet. Dieser stellte seine Aktivitäten im August 1789 ein, da keine Einigung über das Vetorecht des Königs zustande kam. Nach einer Anregung von Sieyès im Oktober gründete Claude-Christophe Gourdan im Dezember des Jahres unter dem Namen Gesellschaft der Freunde der Verfassung den Klub neu. Als Versammlungsort bestimmte er die ehemalige Bücherei des Jakobinerklosters in Paris.

Eine ähnliche Entstehungsgeschichte wie der Jakobinerklub hatte der Club des Cordeliers, der sich auch aus Mitgliedern des Bretonischen Klubs rekrutierte. Die Corderliers machten sich schon ab dem 27. April 1790 für eine Republik stark. Viele Cordeliers standen links der Jakobiner, andere vertraten fast identische Positionen. Zusammen bildeten diese beiden Klubs die sogenannte Bergpartei, eine Bezeichnung, die sich aus der Sitzordnung im Parlament ergab und die radikaleren Abgeordneten umfasste.

Der Jakobinerklub war straffer organisiert als andere politische Vereine und baute bald ein Netz von Filialgesellschaften in den Provinzen auf. So konnten die Jakobiner auch dort auf die öffentliche Meinung einwirken. Durch Flugblätter, Zeitungsartikel und einnehmende Reden beeinflussten sie die Haltung breiter Bevölkerungskreise und fanden vor allem Anhänger unter den Arbeitern und Kleinbürgern, insbesondere den Pariser Sansculottes. Die Jakobiner gewannen auch Unterstützer in anderen Bevölkerungsschichten, insbesondere bei Leuten, die von ihrer Politik profitierten. So begünstigte die auch von den Jakobinern vorangetriebene Enteignung von Kirchen- und Emigrantenbesitz die Käufer dieser sogenannten Nationalgüter und band sie an das Schicksal der Revolution.

Jakobinerherrschaft und Abgrenzung zu anderen Gruppierungen Am 18. Juli 1791, unter dem Eindruck des Massakers auf dem Marsfeld und der Flucht des Königs nach VarennesGustav Landauer in seiner Ausgabe von Kropotkins „Die Große Französische Revolution“ in der Anmerkung 49, spaltete sich ein Großteil der Mitglieder des Jakobinerklubs von der Gesellschaft ab, denen der Diskurs des Klubs zu radikal erschien. In der Nationalversammlung saßen nach der Spaltung nur noch ein knappes Dutzend Mitglieder des verkleinerten Jakobinerklubs, darunter auch Robespierre. Die nach ihrem neuen Sitzungsort Feuillants genannte neue politische Vereinigung befürwortete weiterhin eine konstitutionelle Monarchie und hielt die bisherige Revolution für weitreichend genug. Sie verlor jedoch rasch an politischem Einfluss, während jener der Jakobiner ständig zunahm.

Nach den Feuillants wandten sich die Jakobiner ab Herbst 1792 gegen die Girondisten. Mehrere von ihnen, auch ihr Anführer Jacques Pierre Brissot, waren bis zu ihrem Ausschluss im Oktober 1792 Mitglieder des Jakobinerklubs, unterschieden sich aber inhaltlich vom Jakobinismus robespierrscher Prägung. Obwohl auch die Girondisten eine Zentralisierung befürworteten, warfen ihnen die Robespierristen vor, den Föderalismus zu verteidigen, weil sie gegen eine zu starke Dominanz der Hauptstadt eintraten. Paris sei nur eines von 83 Départements, also dürfe seine Bevölkerung auch nur 1/83 des politischen Einflusses ausüben dürfen, meinte etwa der Abgeordnete Marc David Lasource.Jean Tulard, Jean-François Fayard und Alfred Fierro: Histoire et dictionnaire de la Révolution Francaise. Éditions Robert Laffont, Paris 1987, S. 815. Die Girondisten verfolgten zudem eine aggressive Aussenpolitik, in der die Jakobiner eine Gefährdung der Revolution sahen. In diesem Zusammenhang machte Robespierre seine berühmte Aussage „Niemand liebt bewaffnete Missionare“. Weiter wandten sich die Girondisten gegen eine zu starke Einschränkung des privatwirtschaftlichen Wettbewerbs – etwa durch Höchstpreise – und befürworteten generell einen moderateren Umbau der Gesellschaft.

1792 erzwangen die Jakobiner gegen den Willen der gemäßigteren Girondisten einen Prozess gegen den König. Unter der Führung von Maximilien de Robespierre errichteten sie ab Sommer 1793 ein Schreckensregime (franz. La Terreur), das hauptsächlich durch Massenhinrichtung politischer Gegner, energische und blutige Unterdrückung von konterrevolutionären Bewegungen in den Provinzen und durch eine Zwangswirtschaft mit Höchstpreisen gekennzeichnet war. Der Terrorherrschaft fielen auch zahlreiche Girondisten zum Opfer, darunter ihre führenden Köpfe, die den Jakobinern als Verräter an der Revolution erschienen.

Im Sommer 1793 ließen die Jakobiner eine von den Ideen Rousseaus beeinflusste Verfassung verabschieden, die die direkte Demokratie stärkte, ein verpflichtendes Staatsziel (das „allgemeine Glück“) festlegte und soziale Rechte (auf Arbeit und Bildung) enthielt. Diese Verfassung wurde aber nicht in Kraft gesetzt, da die Jakobiner die Bedingungen hierfür noch nicht als gegeben erachteten und die Terreur bis zum Sieg über alle Feinde der Republik fortsetzen wollten.

Schließlich wandten sich die Jakobiner auch gegen ihre Gegner zur Linken. Im Herbst 1793 zerschlugen sie die Bewegung der Enragés unter Jacques Roux, die eine Verschärfung der Terreur sowie radikalere Massnahmen gegen die Reichen und Besitzenden gefordert hatte. Im März 1794 folgte dann der Schlag gegen die Hébertisten. Die Revolutionäre um Jacques-René Hébert und Pierre-Gaspard Chaumette hatten viele Anhänger bei den Pariser Sansculottes und hielten die Jakobiner für zu wenig entschlossen. Sie wollten härter gegen Revolutionsgegner vorgehen und verlangten drastischere wirtschaftliche Eingriffe des Staates zugunsten der Unterschicht sowie die Entchristianisierung der französischen Gesellschaft. Robespierre war indes gegen fundamentale Einschränkungen der Wirtschaftsfreiheit und des Privateigentums. Bezüglich der Religionsfrage war er zwar gegen den romtreuen Katholizismus respektierte aber den konstitutionellen Katholizismus in Frankreich und deren Bischöfe und Priester, welche sich der Zivilverfassung des Klerus untergeordnet hatten. Den Atheismus hielt Robespierre für eine gefährliche und gesellschaftsfeindliche Haltung, deren Propagierung die Todesstrafe verdiente. Basierend auf entsprechenden Anklagen und jener der Verschwörung gegen die Republik, ließ der von den Jakobinern kontrollierte Wohlfahrtsausschuss die wichtigsten Vertreter der Hébertisten verhaften und guillotinieren.

Parallel zum Schlag gegen die radikalen Hebertisten gingen die jakobinischen Machthaber gegen die sogenannten Indulgenten vor. Diese Gruppe gemäßigterer Cordeliers, allen voran Georges Danton und Camille Desmoulins, forderte im Gegensatz zu den Hebertisten u. a. ein Ende der Terreur. Obschon es sich um frühere Weggefährten Robespierres handelte, die nach wie vor populär waren, wurden sie vom Revolutionstribunal am 5. April 1794 zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. mini|Sitzung im Jakobinerklub (Januar 1792)

Ende der Jakobinerherrschaft und Schließung des Klubs Die Zerschlagung verschiedener Gruppierungen zur Rechten und zur Linken wegen zu lascher Haltung bzw. zu exzessivem Vorgehen und die Hinrichtung teils populärer Persönlichkeiten ließen den Rückhalt der Jakobiner unter den Sansculotten schwinden. Die Phase des „Großen Schreckens“ vom 10. Juni bis 27. Juli 1794, als die Angeklagten vor dem Revolutionstribunal keinen Rechtsbeistand mehr erhielten, bei einem Schuldspruch das Strafmaß nur die Guillotine sein konnte und die Zahl der Hingerichteten nochmals stark anstieg, vergrößerte das allgemeine Gefühl der Unsicherheit. Das Zusammenwirken ihrer sich bedroht fühlenden Feinde unterschiedlichster Couleur, später Thermidorianer genannt, führte Ende Juli 1794 zum Sturz und zur Hinrichtung Robespierres, St-Justs und Couthons sowie ihrer engsten Gefolgsleute und damit zum Ende der Jakobinerherrschaft.

Am 27. Juli 1794 nahm Louis Legendre symbolisch den Schlüssel zur Tagungsstätte des Jakobinerklubs an sich. Nach einer Säuberung von allen Robespierristen konnte der Klub kurzfristig erneut tagen. Endgültig schloss der dazu beauftragte Legendre den Klub in Paris dann am 12. November 1794.Otto Flake Die französische Revolution, Ausgabe Manesse S. 342

Jakobiner nach 1794