Die Zeil ist eine Straße in der nördlichen Innenstadt von Frankfurt am Main. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gilt sie als eine der bekanntesten und umsatzstärksten Einkaufsstraßen in Deutschland. Zuvor war sie vor allem für ihre prächtigen Gasthöfe und Palais aus der Zeit des Barock und Klassizismus berühmt. Der westliche, rund 500 Meter lange Teil der Straße ist seit den 1970er Jahren eine Fußgängerzone. Im Westen, wo am Platz An der Hauptwache die Katharinenpforte abzweigt, beginnt der Roßmarkt, im Osten ist der Platz Konstablerwache noch Teil der Fußgängerzone. Der östliche Teil der Zeil ist eine innerstädtische Verbindungsstraße zwischen Konstablerwache und Friedberger Anlage.

mini|hochkant=2.2|Blick auf die Dachlandschaft der Neubauten im Palaisquartier

Allgemeines Verlauf mini|Beginn der Zeil am Uhrtürmchen (im Hintergrund Friedberger Anlage)

Die Zeil beginnt an der Friedberger Anlage am Uhrtürmchen, einer aus der Gründerzeit stammenden Normaluhr und durchquert in zunächst südwestlicher Richtung die Wallanlagen. An der Abzweigung der Breiten Gasse knickt die Zeil ab und verläuft nun in westlicher Richtung durch das Gerichtsviertel. An der Kreuzung mit dem vierstreifigen Straßenzug Kurt-Schumacher- / Konrad-Adenauer-Straße endet der als Neue Zeil bezeichnete Abschnitt und die Fußgängerzone beginnt.

Die Zeil führt unter Beibehaltung ihrer Richtung nördlich an der Konstablerwache vorbei und erreicht schließlich an der Einmündung der Brönnerstraße, Stiftstraße und Hasengasse den Brockhausbrunnen, um nun in leicht südwestlicher Richtung bis zur Hauptwache zu führen.

Einzelhandel Die Zeil ist eine der meistbesuchten und umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands. Sie verfügt über zwei Einkaufszentren, zwei große Warenhäuser und zahlreiche Kaufhäuser, Boutiquen, Elektronikgeschäfte und Gastronomiebetriebe. Der jährliche Umsatz liegt nach Schätzungen zwischen 700 und 800 Millionen Euro. Nach der Eröffnung des Einkaufszentrums MyZeil im Februar 2009 wird damit gerechnet, dass der Umsatz deutlich steigt und die Milliardengrenze erreicht wird. Dies äußerte der Präsident des hessischen Einzelhandelsverbandes, Frank Albrecht, in einem Interview. In: hr-online.de, 26. Februar 2009, Interview mit Frank Albrecht.

Im Jahr 2014 waren auf der Zeil pro Stunde etwa 10.335 Menschen unterwegs, damit liegt sie an zehnter Stelle der meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands nach der Schildergasse (14.590) und der Hohe Straße (12.795) in Köln, der Stuttgarter Königstraße (12.655), dem Dortmunder Westenhellweg (12.420), der Flinger Straße in Düsseldorf (12.285), der Spitalerstraße in Hamburg (11.820), der Münchener Kaufingerstraße (11.150), der Wiesbadener Kirchgasse (11.070) sowie der Georgstraße (10.960) in Hannover.Magnus Danneck: Deutschlands meistbesuchte Einkaufsmeile 2014: Köln erstmals Double sic!-Sieger / JLL erhebt Passantenfrequenzen in 170 Einkaufsstraßen. In: Jones Lang LaSalle GmbH (JLL), 12. Mai 2014. Der Bruttomietpreis liegt bei etwa 290 Euro pro Quadratmeter. Damit nimmt die Zeil, nach der Kaufingerstraße in München, den zweiten Platz im bundesweiten Mietpreis-Vergleich ein. Die Spitzenmiete beträgt 485 Euro pro Quadratmeter im MyZeil. Der Filialisierungsgrad liegt bei 85 Prozent.

Geschichte Das Entstehen der Zeil im Mittelalter mini|Zeil mit noch einseitiger Bebauung, 1552(Holzschnitt von Conrad Faber von Creuznach)

Die heutige Zeil verläuft parallel zur ehemaligen staufischen Stadtmauer, die Ende des 12. Jahrhunderts entstand.Die genaue Erbauungszeit der Staufenmauer ist bis heute umstritten und schwankt in der Literatur zwischen der Mitte des 12. und dem frühen 13. Jahrhundert, da es keine erhaltenen schriftlichen Belege gibt, die sich direkt auf den Mauerbau beziehen. Tendenziell wird von der Forschung eine Zeit um 1200 als am wahrscheinlichsten angesehen, siehe hierzu z. B. Elsbet Orth: Frankfurt am Main im Früh- und Hochmittelalter, in: Für die nächsten hundert Jahre bildete sie mit einem vorgelagerten trockenen Graben die äußerste Stadtgrenze. In ihrem nördlichen Verlauf erlaubten die romanischen Stadttore Katharinenpforte (zwischen Holz- und Hirschgraben) und Bornheimer Pforte (am nördlichsten Punkt der Fahrgasse) den Einlass in die Stadt. Außerhalb der Mauer wurde auf dem Gebiet zwischen den beiden Stadttoren Viehmarkt gehalten,Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band VI. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1871, S. 102; bereits 1332 wird ein Haus an der späteren Zeil urkundlich als „sitae in foro pecorum“ genannt, 1348 ist die Rede von „dem Vehemerkete“. westlich der Katharinenpforte der Pferde- oder Roßmarkt.Battonn VI, S. 268; um 1350 beschreibt der früheste Frankfurter Stadttopograph, Baldemar von Petterweil, die Lage eines Zins an das Bartholomäusstift zahlenden Hauses in der Neustadt: „extra muros, novo opido, foro equorum, contigua ramhof“, 1359 ist urkundlich die Rede vom „rossmerkete“ vor der „Bockenheimer porten“, also vor der Katharinenpforte. Letztere Bezeichnung hat sich bis in unsere Zeit erhalten.

Mit Erlaubnis des Kaisers Ludwig IV. kam es 1333 zur Zweiten Stadterweiterung,Johann Friedrich Böhmer, Friedrich Lau: Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurt. Bd. II 1314–1340, J. Baer & Co, Frankfurt am Main 1901–1905, S. 352 u. 353, Urkunde Nr. 467. die die bisherige Fläche der Stadt verdreifachte, welche ab 1343 dann auch sukzessive mit einer neuen Mauer umschlossen wurde.Rudolf Jung, Carl Wolff: Die Baudenkmäler von Frankfurt am Main – Band 2, Weltliche Bauten. Selbstverlag/Völcker, Frankfurt am Main 1898, S. 7. Zwischen der alten Staufenmauer und der neuen Stadtgrenze entwickelte sich eine lose Bebauung, die damals als Neustadt bezeichnet wurde und über Jahrhunderte von ausgedehnten Höfen, Gärten und landwirtschaftlicher Nutzung bestimmt war.Konrad Bund: Frankfurt am Main im Spätmittelalter 1311–1519, in:

Auch das Gebiet des Vieh- und Roßmarkts war damit zum Stadtgebiet geworden. Zwischen den beiden romanischen Stadttoren entstand ein Straßenzug, der nur an der Nordseite bebaut war, was ihm im Volksmund alsbald die Bezeichnung als Zeil (Häuserzeile) einbrachte.Johann Georg Battonn: Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main – Band VI. Verein für Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt am Main, Frankfurt am Main 1871, S. 103; 1382 findet sich urkundlich erstmals die Bezeichnung „in der Zyle […] gein dem Vehemarkte gelegin“. An der Südseite verlief zunächst weiterhin der trockene Graben der staufischen Mauer.

Bedeutungswandel in der frühen Neuzeit mini|links|Klaus Bromms Haus, historisierende Ansicht(Zeichnung von Carl Theodor Reiffenstein nach Matthäus Merian d. Ä.)

Mit der für eine Reichsstadt von Frankfurts Größe vergleichsweise späten Rezeption der Renaissance gegen Mitte des 16. Jahrhunderts entstand auch der Wunsch hochstehender Bürger, sich neue, repräsentative Wohnbauten zu schaffen. Vorbild waren die traufständigen, italienischen Palazzi, deren Errichtung in der von gotischen, giebelständigen Häusern bestimmten Altstadt jedoch ein schwieriges wie kostspieliges Unterfangen war. Aufgrund der Breite eines solchen Neubaus hatte man nicht nur zahlreiche Grundstücke zu erwerben, sondern auch der repräsentative Charakter eines solchen Gebäudes wäre in den engen Gassen kaum zur Geltung gekommen.

Die gleichen Gedanken beschäftigten wohl Klaus Bromm, einen reichen Patrizier, der fast genau in der Mitte der Zeil kurz nach 1541 seinen Wohnsitz errichten ließ. Durch seine Höhe und Breite sowie einen mittigen, spätgotischen Erker mit Spitzhelm, ganz ähnlich dem des nur wenig später erbauten Großen Engels am Römerberg, war das Gebäude seinerzeit wohl nicht nur ein inmitten der ansonsten vorstädtischen, kaum über zwei Stockwerke hinausgehenden Bebauung ungewöhnlicher Anblick, sondern auch ein erstes Zeichen für den beginnenden Wandel des Straßenzuges. Nach Norden besaß das Gebäude einen Treppenturm mit welscher Haube sowie einen bis fast an die Kleine Eschenheimer Straße stoßenden, tiefen Innenhof mit ebenfalls in frühen Renaissanceformen gestalteten Wirtschaftsgebäuden.Jung, Wolff, S. 455–466; Monographie zum Darmstädter Hof und seinem direkten Vorgängerbau, Klaus Bromms Haus auf Basis der im Zweiten Weltkrieg vernichteten Unterlagen des Stadtarchivs.

Doch nicht nur die Ansprüche der Bürger an ihre Behausung änderten sich. Als zeitweise bedeutendste Messestadt Europas kamen in der Blütezeit der Messe, also dem späten 15. Jahrhundert bis zum Dreißigjährigen Krieg, zweimal jährlich jeweils über 10.000 Menschen für drei Wochen in die Stadt,Wolfgang Klötzer: Zu Gast im alten Frankfurt. Hugendubel, München 1990, S. 11. die noch bis tief ins 19. Jahrhundert hinein kaum mehr als 40.000 Einwohner hatte.Wolfgang Klötzer: Frankfurt am Main 1789–1866, in: Seit 1562 war Frankfurt dann auch Krönungsstätte der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und hatte anlässlich einer jeden solchen Zeremonie den Hochadel des gesamten Reichs unterzubringen, der noch weit höhere Ansprüche stellte als die Messgäste.Klötzer, Zu Gast im alten Frankfurt, S. 10. mini|Zeil mit zweiseitiger Bebauung, 1628(Kupferstich von Matthäus Merian d. Ä.) mini|Valentin Wagner: Katharinentor in Frankfurt, die Zeil, 1631

Auch das Beherbergungswesen sollte dadurch zwangsläufig einen Wandel erfahren. Im Mittelalter war die Unterbringung der Gäste hauptsächlich Privatsache, indem sich die immer wiederkehrenden Personen aus bestimmten Regionen des Reichs über Generationen bei den immer gleichen Familien einmieteten, wovon erhaltene Verträge zeugen. Spätestens seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts war dies aufgrund des zunehmenden Missverhältnisses zwischen Bevölkerung und Anzahl der zu versorgenden Gäste schon organisatorisch nicht mehr möglich, der Bruch mit dem mittelalterlichen Gemeinwesen infolge der Reformation tat ein Übriges.

Die vorgenannten Gründe lieferten dem Entstehen eines kommerziellen Beherbergungswesens Vorschub, das sich zunächst in der Fahrgasse, ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts dann aber auch zunehmend entlang der Zeil etablierte.Klötzer, Zu Gast im alten Frankfurt, S. 12 u. 13. Ende des 16. Jahrhunderts wurde der Graben vor der Stadtmauer zugeschüttet und allmählich bebaut.Anton Schindling: Wachstum und Wandel vom Konfessionellen Zeitalter bis zum Zeitalter Ludwigs XIV. Frankfurt am Main 1555–1685. In: Der Vergleich des sogenannten Faberschen Belagerungsplans von 1552 und des Merianplans von 1628 zeigt diese Entwicklung deutlich. Die Maßnahme war wohl auch in der anwachsenden Bevölkerung durch die Aufnahme von reformierten Glaubensflüchtlingen begründet, was die Bevölkerungszahl bis 1600 auf etwa 20.000 Menschen verdoppelt hatte.Schindling, S. 228.

Auch nach der beidseitigen Bebauung, mit der auch die erstmalige Anlage eines Straßenpflasters aus Kieselsteinen einherging,Helmut Nordmeyer: Die Zeil: Bilder einer Straße vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1997, S. 11. blieb die Zeil die mit Abstand breiteste Straße der Stadt.Nordmeyer, S. 9. Die aus der Entstehungsgeschichte gewachsene Situation, dass die Grundstücke auf der Nordseite über wesentlich mehr Tiefe verfügen als auf der Südseite hat sich bis in die Gegenwart wenig geändert. Sie bedingte in den folgenden Jahrhunderten und bis heute, dass die prächtigeren und aufwändigeren Gebäude der Zeil tendenziell eher auf der Nord- als auf der Südseite angesiedelt waren und sind.

Die ersten Gasthäuser mini|links|Gastkarte des Weidenhofs, um 1770(Kupferstich)