Yorkshire 150px|Flagge Yorkshires 200px Geografie Status: Traditionelle Grafschaft Region: Yorkshire and the Humber Fläche: – 1831:– 1901:– 1991:14.850 km²15.718 km²11.903 km² ISO 3166-2: GB-YKS DemografieBevölkerung:– 1831:– 1901:– 1991:1.371.359 – 92,35 Einw./km²3.512.838 – 223,49 Einw./km²3.978.484 – 334,24 Einw./km² Ridings 200px Einheiten: 1 North • 2 West • 3 East

Yorkshire ist die mit Abstand größte ehemalige Grafschaft in Nordengland und im Vereinigten Königreich. Wegen ihrer Größe wurden deren Funktionen im Laufe der Zeit immer mehr von Untereinheiten übernommen. Trotz zahlreicher territorialer Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte bewahrte sich Yorkshire seine Bedeutung als geografische Bezeichnung sowie als Kulturraum. Yorkshire wird von seinen Bewohnern oft auch als God’s Own County bezeichnet.

Die Grafschaft wird durch die Weiße Rose des Hauses York repräsentiert. Diese ist zentraler Bestandteil der Flagge Yorkshires, die am 29. Juli 2008 in ihrer heutigen Form vom Flag Institute offiziell beglaubigt wurde. Der Yorkshire Day ist ein traditioneller Festtag, an dem die Kultur Yorkshires aktiv vorgelebt wird.

Der Name der Grafschaft setzt sich aus der Endung -shire (vom englischen shire = „Grafschaft“) sowie aus York, dem Namen der historischen Hauptstadt zusammen. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name also: „Der zu York gehörende Teil [Englands]“.

Geografie Geografie Die Grafschaft liegt im Norden Englands und ist mit einer Fläche von 11.903 km² die mit Abstand größte ehemalige Grafschaft Englands.G. Gibbons, Yorkshire: Britain’s Largest County (London: Geographica Ltd., 1969). An Yorkshire angrenzende ehemalige Grafschaften sind (gegen den Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): County Durham, Westmorland, Lancashire, Cheshire, Derbyshire, Nottinghamshire und Lincolnshire.

Die größten Städte Yorkshires sind:Alle Zahlen gemäß Volkszählung 2011 Leeds – 751.485 Einwohner Sheffield – 552.698 Einwohner Bradford – 522.452 Einwohner Kingston upon Hull – 258.700 Einwohner York – 198.051 Einwohner

Geologie mini|Geologische Einteilung Yorkshires Yorkshire wird nördlich von der Tees, östlich von der Nordsee, südöstlich vom Humberdelta und südlich von der Ouse und dem Wharfe begrenzt.

Im Westen Yorkshires erheben sich die Pennines. Nach Osten schließen sich parallel die Cleveland-Region, das Vale of York sowie die Humberhead Levels an. Weiter östlich befinden sich die North York Moors und die Yorkshire Wolds, die voneinander durch das Vale of Pickering getrennt sind, sowie die Holderness-Ebene im Südosten des Gebietes.

Die Entstehungsgeschichte der Penninen reicht bis in das Karbonzeitalter zurück. In die Perm- und Triaszeit fällt die Entstehung der Ebenen wie zum Beispiel das Vale of York, und die North York Moors sowie die Yorkshire Wolds entstanden im Jura. In der Kreidezeit endete schließlich die Evolution der Landschaft Yorkshires durch die Entstehung der Holderness.

Landschaft Die Pennines sind das höchste Gebirge Yorkshires. Es durchzieht den Westen der Grafschaft von Nord nach Süd und ist meist von Heidelandschaften auf Kalkgestein geprägt. Historisch gesehen ist der Mickle Fell (788 m) die höchste Erhebung Yorkshires, jedoch kam er im Zuge des Government Act 1972 ab 1974 zum County Durham, sodass der Whernside (736 m) als höchster Berg des modernen Yorkshires gilt. Die Gebirgskette wird nach Osten über die Flüsse Tees, Swale, Ure, Nidd, Wharfe, Aire und Don entwässert.

mini|Das Flusssystem Yorkshires Die beiden zusammenhängenden Täler Vale of York und Vale of Mowbray besitzen eine Sand- und Tonschicht, gepaart mit Sedimenten, die sich am Ende der letzten Eiszeit nach Rückzug der Gletscher abgelagert hatten. Die North York Moors sind ein überwiegend bewaldetes Hügelgebiet, bestehend aus Schiefer-, Sand- und Kreidegestein. Vielerorts sind Versteinerungen von Korallen und anderen Lebewesen anzutreffen. Das Vale of York wird über den Derwent, die umliegenden Gebiete durch dessen Nebenflüsse entwässert. Am Derwent sind teilweise naturbelassene Aulandschaften anzutreffen. Auch die Holderness besteht aus von der Weichsel-Eiszeit stammenden Tonschichten. Sie formen eine relativ flache Tiefebene mit einigen torfgefüllten Vertiefungen, welche auf die frühere Existenz von Seen hinweisen. Der fruchtbare Boden in der Ebene ermöglicht intensiven Ackerbau; Waldgebiete gibt es jedoch kaum. Die Holderness wird durch den Hull entwässert.

mini|links|alt= A line of white cliffs topped with green turf protruding into the sea.|Flamborough Head Die Yorkshire Wolds haben die Form eines zur Holderness hin sanft abfallenden Plateaus, durchschnitten von einigen tiefen, am Grund jedoch ebenen Tälern glazialen Ursprungs. Das Kalkgestein sorgt für eine gute Entwässerung des Bodens, wodurch kaum Oberflächenwasser in Form von Bächen und Seen vorhanden ist. Bei Flamborough Head steigen die Wolds in Form eines steilen Kliffs in die Höhe; entlang des Ufers befinden sich Felstürme sowie ausgewaschene Höhlen. Eine Gefahr stellt die fortschreitende Erosion entlang des Kliffs für Spaziergänger dar – die Küstenlinie erleidet die größte Erosionsrate Europas: Jährlich gehen etwa 1,5 m bzw. zwei Millionen Tonnen Landmasse verloren. 3 % dieser Masse lagert sich weiter südlich an der Spurn-Nehrung wieder ab. Der Erosion sind in den letzten 2000 Jahren viele Siedlungen zum Opfer gefallen. Beispielhaft dafür ist der im 14. Jahrhundert untergegangene Hafen Ravenspurn. Seit 1951 werden von der Behörde des East Riding of Yorkshire Versuche unternommen, die Erosion einzudämmen.

Das Nidderdale, die North Pennines und die Howardian Hills wurden zu Areas of Outstanding Natural Beauty erklärt. Der Peak District, die North York Moors sowie die Yorkshire Dales sind als Nationalparks geschützt. Die Bempton Cliffs, die Blacktoft Sands, die Fairburn Ings und das Old Moor sind ausgewiesene Vogelschutzgebiete der RSPB, und die North Cave Wetlands, das Potteric Carr, Spurn Point und die Wheldrake Ings werden vom Yorkshire Wildlife Trust betreut.

Geschichte Zeitalter der Kelten Die Briganten und Parisier waren zwei den Kelten angehörige Stämme und stellten die ersten sesshaften Siedler auf dem Gebiet Yorkshires dar. Die Briganten kontrollierten ein Gebiet, das später das North und West Riding werden sollte. Damit waren sie der keltische Stamm, dessen Gebiet die größte Ausdehnung auf englischem Territorium hatte. Isurium Brigantum (das heutige Aldborough) war der Hauptort der civitas der Briganten. Sechs der neun von Claudius Ptolemaeus in seinem Atlas Geographike Hyphegesis beschriebenen brigantischen Poleis befanden sich auf dem Gebiet des heutigen Yorkshire.Ptolemäus, Geographike Hyphegesis 2.1, 2.2 Die Parisier siedelten im Gebiet des heutigen East Riding. Deren Hauptort Petuaria befand sich am Nordufer des Humberästuars. Im Jahre 43 v. Chr. begann die Eroberung Britanniens durch die Römer. Sie überließen den Kelten zwar weiterhin die Herrschaft über ihr Reich, erlangten aber de facto die Macht über das Klientelkönigtum.

Römische Besatzung

Cartimandua, die Königin der Briganten, ließ sich aus unbekannten Gründen von Venutius scheiden und nahm dessen Waffenträger Vellocatus zum neuen Gemahl. Aufgrund ihrer guten Verbindungen zu den Römern konnte sie die Herrschaft über das Reich übernehmen. Im zweiten Versuch gelang es Venutius jedoch, die Herrschaft wieder an sich zu reißen. Im Jahr 71 n. Chr. wurde das Gebiet schließlich von den Truppen Quintus Petillius Cerialis’ erobert.

Unter römischer Herrschaft konnte sich die Gegend konstant entwickeln. Eboracum (das heutige York) wurde von den Römern zur Hauptstadt der römischen Provinz Britannia inferior sowie von ganz Großbritannien erklärt. In den letzten beiden Lebensjahren des Feldherren Septimius Severus wurde von ihm das Imperium Romanum von Eboracum aus regiert.

Kaiser Constantius I. starb in Yorkshire während eines Besuches im Jahre 306 n. Chr. vor den Augen seines Sohnes Konstantin, der danach durch seine Verdienste um das Christentum berühmt wurde. Im Verlauf des fünften Jahrhunderts verließen im Zuge des Zerfalls des Römerreiches die letzten römischen Truppen die Insel. Dies führte zu einem wirtschaftlichen Niedergang und massiven Bevölkerungsrückgang in großen Teilen Englands.

Zweite Keltenperiode und Angelsachsen Nach dem Rückzug der Römer konnten sich mit dem Königreich Ebrauc und dem bekannteren Königreich Elmet wiederum zwei kleine keltische Reiche in Yorkshire entwickeln. Elmet erstreckte sich vom Tal von York bis zur Wasserscheide der Pennines, wobei die Flüsse Sheaf im Süden und Wharfe im Osten dort die ungefähren Grenzen bildeten. Im Norden grenzte Elmet an das angelsächsische Königreich Deira und im Süden an das ebenfalls angelsächsische Mercia. Im Westen Elmets befand sich das ebenfalls keltische Gebiet Craven, erhalten im Namen des heutigen Districts Craven, das ein kleineres britisches Königreich gewesen zu sein scheint.D. Hey: A History of Yorkshire: “County of the Broad Acres”, S. 56. Elmet wurde 616 von Deira unter dessen König Edwin erobert und in das angelsächsische Königreich, das später zu Northumbria wurde, eingegliedert. Bei seiner größten Ausdehnung erstreckte sich Northumbria von der Irischen See bis zur Nordsee und von Edinburgh bis nach Hallamshire in South Yorkshire.

Königreich Jórvík

Eine aus dänischen Wikingern bestehende Armee, genannt das Große Heidnische Heer, drang im Jahr 866 in Northumbria ein. Nach der Eroberung von Eboracum wurde die Stadt in Jórvík umbenannt und zur Hauptstadt eines neuen dänischen Königreiches mit selbem Namen erhoben. Die Ausdehnung des Reiches entsprach dem südlichen Teil Northumbrias sowie in etwa dem heutigen Yorkshire.

Die Dänen zogen weiter und brachten eine noch weitläufigere Gegend auf dem Gebiet des heutigen England unter ihre Kontrolle, die später den Namen Danelag erhalten sollte. Nicht zuletzt die Wikinger sorgten dafür, dass der Handel zwischen den Britischen Inseln, Nordwesteuropa, den Anrainergebieten des Mittelmeeres sowie dem Mittleren Osten eine Blütephase erlebte.

mini|Münze aus der Zeit der Regentschaft Eriks I. Das Königreich wurde 875 vom Dänen Halfdan Ragnarsson gegründet, die meiste Zeit von dänischen Königen beherrscht und von den Familien bzw. Nachkommen der Wikinger bevölkert. In den letzten Jahren seiner Existenz glitt es jedoch allmählich in die Hände der Norweger. Erik I. war ein machtbewusster Regent, der das norwegische Recht in ganz Jórvík durchzusetzen gedachte.

Nach über 100 Jahren brisanter Existenz ging die Ära des Königreich Jórvík zu Ende. An seiner Stelle wurde nun das englische Königreich Wessex errichtet, das Northumbria eine gewisse Autonomie zugestand. Die englischen Könige respektierten die Sitten der norwegischstämmigen Einwohner und überließen die Gesetzgebung dem im Land lebenden norwegischen Adel.

Normannische Eroberung mini|links|York Minster In den Wochen vor der Schlacht bei Hastings 1066 wurde König Harald II. durch andere Vorgänge in Yorkshire abgelenkt. Sein Bruder Tostig Godwinson und Harald III., der König von Norwegen, planten nach der gewonnenen Schlacht bei Fulford eine Machtübernahme im Norden Englands. Der englische König marschierte mit seiner Armee nach Norden, wo sie in der Schlacht von Stamford Bridge auf das Heer von Tostig und Harald III. traf. Dabei wurde das norwegische Heer entscheidend geschlagen und seine beiden Heeresführer getötet. Harald II. musste seine Armee jedoch sofort wieder nach Süden verlegen, wo Wilhelm der Eroberer an Land ging. Der König wurde von Wilhelm bei Hastings geschlagen und dadurch England von den Normannen erobert.