Ein Viertelgeviertstrich (‐), auch Kurzstrich,DIN 5008:2020-03 ist in der Typografie ein kurzer waagerechter Strich. In der Rechtschreibung kann er verschiedenen Zwecken dienen, vor allem als Bindestrich (in Wörtern wie S-Bahn), als Trennstrich für die Worttrennung am Zeilenende oder als Ergänzungsstrich (z. B. in Ober- und Unterhaus). Die Bezeichnung Viertelgeviertstrich stammt aus der Zeit des Bleisatzes. Die Bleilettern, mit denen diese kurzen Striche gedruckt wurden, hatten die Breite (Dickte) eines Viertelgevierts. Die Striche selbst waren und sind in der Länge und Dicke variabel, abhängig von der Schriftart.
Divis (Betonung auf der zweiten Silbe) ist eine andere Bezeichnung der Setzersprache für diese kurzen Striche,Hans-Peter Willberg, Friedrich Forssmann: Lesetypografie. Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2010, S. 9: Im Glossar werden für Divis die Bedeutungen „Trennstrich, Bindestrich“ angegeben.In den gedruckten Ausgaben des Duden Band 1: Die deutsche Rechtschreibung wird korrekt angegeben, dass Divis im Druckwesen für „Trennungs- od. Bindestrich“ steht. Die Bedeutungsangabe in Duden Band 5: Das Fremdwörterbuch (6. Auflage 1997, S. 200) sowie auf Duden online zu Divis ist irreführend; hier wird jeweils nur „Bindestrich“ als Bedeutung genannt. die allerdings nicht genau dieselbe Bedeutung hat. In den meisten gebrochenen Schriften (zum Beispiel Fraktur) haben Binde- und Trennstriche die Form eines schräg aufsteigenden Doppelstrichs. Diese sogenannten Doppelbindestriche werden ebenfalls zu den Divisen gezählt, aber wegen ihrer abweichenden Gestalt nicht zu den Viertelgeviertstrichen.
Auf der Schreibmaschine, bei der alle Zeichen dieselbe Breite haben, wurden der kurze Viertelgeviertstrich (für das Divis) und der Halbgeviertstrich (für den Gedankenstrich), aber auch das Minuszeichen durch ein gemeinsames Zeichen ersetzt: das sogenannte Bindestrich-Minus. Dieses „Kompromiss-Zeichen“ zeigte einen etwas breiteren Strich als der typische Viertelgeviertstrich. Auch auf der Computer-Tastatur wird mit der „Bindestrich-Taste“ ein Bindestrich-Minus erzeugt.
Mit dem computergestützten zeichenbasierten Schriftsatz entstand dann die Situation, dass sowohl ein (laut Normung breiterer) „Schreibmaschinen-Bindestrich“ als auch ein (schmalerer) „Bleisatz-Bindestrich“ gesetzt werden konnte, zwei technisch unterschiedliche Zeichen (unabhängig von der Zeichenform). Während dieser Umstand in den Anfängen des DTP mitunter zu Problemen, aber auch hitzigen Diskussionen unter Typografen führte, geben heutige Satz-Schriften meistens bei beiden Zeichenpositionen denselben kurzen Viertelgeviertstrich wieder.
Verwendung
Bindestrich Der Bindestrich ist ein Zeichen, das beim Schreiben entweder zur Verbindung oder zur übersichtlichen Gliederung von Wörtern verwendet wird. Bei der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 gab es auch einige Neuerungen zur Schreibung mit Bindestrich.Rat für deutsche Rechtschreibung (Hrsg.): Amtliche Rechtschreibregelung. Abschnitt C Schreibung mit Bindestrich (Gültige Fassung 1. August 2006, S. 45 ff. (PDF), abgerufen am 30. April 2014).
Zum Begriff Der Begriff Bindestrich wird vorwiegend im Bereich der Rechtschreibung verwendet. Die Bezeichnung bezieht sich auf die Funktion des Bindestrichs, in zusammengesetzten Wörtern wie x-Achse die Teile des Kompositums miteinander zu verbinden.
Der sogenannte Ergänzungsstrich in Konstruktionen wie Ein- und Ausgang (= Eingang und Ausgang) wird oft als Bindestrich interpretiert und auch als „Ergänzungsbindestrich“ bezeichnet.Duden online: Bindestrich. Die Bedeutungsangabe „kurzer Querstrich, der […] für einen ausgesparten Wortteil steht“ bezieht sich auf Fälle wie Ein- und Ausgang (= Eingang und Ausgang), also auf den Ergänzungsbindestrich. Mitunter werden die Begriffe Ergänzungsstrich und Ergänzungsbindestrich sogar wie Synonyme behandelt. Es gibt aber auch Ergänzungsstriche, bei denen eine Interpretation als Bindestrich nicht möglich ist. Deshalb wird dieses Thema separat im Abschnitt Ergänzungsstrich behandelt.
Im Bereich Typografie werden jene Zeichen, mit denen Bindestriche dargestellt werden, ebenfalls oft als „Bindestrich“ bezeichnet. Dieser eher laienhafte Sprachgebrauch hat mehrere Nachteile. Zum einen haben die typografischen Zeichen streng genommen nichts mit der Funktion als Bindestrich zu tun – dieselben Striche können auch anderen Zwecken dienen. Zum anderen gibt es in der Typografie verschiedene Zeichen für den Bindestrich: Divis und Bindestrich-Minus. Siehe dazu die Abschnitte Entwicklung der Typografie und Umsetzung in Computersystemen.
Das englische Wort hyphen kann sowohl „Bindestrich“ als auch „Trennstrich“ bedeuten. Im Deutschen wird das englische Fremdwort Hyphen vor allem für das Unicode-Zeichen verwendet, das dem Divis entspricht. Das Zeichen Bindestrich-Minus heißt im Englischen .
Fälle, in denen der Bindestrich gesetzt werden muss In diesen Fällen sehen die Regeln die Schreibweise mit Bindestrich vor: Zusammensetzungen mit Abkürzungen, Einzelbuchstaben und Ziffern wie Kfz-Brief Dipl.-Ing. H-Milch i-Punkt 100-prozentig 15°-MeridianVerbindungen mit Suffixen werden dagegen nur dann abgetrennt, wenn es sich um eine Zusammensetzung mit einem Einzelbuchstaben handelt, also zum Beispiel der x-te, aber 32stel und DGBler. Das Suffix -fach darf auch als eigenständiges Wort aufgefasst werden. Wird das Wort nach einer Verbindung aus Ziffern und Suffix fortgesetzt, tritt dort ein Bindestrich ein, zum Beispiel 24er-Gruppe. In Verbindung mit „Jahr“ ist die Schreibweise mit oder ohne Bindestrich wählbar (20er Jahre oder 20er-Jahre). Substantivisch gebrauchte Wortgruppen wie das Entweder-oder das Auf-die-lange-Bank-SchiebenAusgenommen davon sind übersichtliche Zusammensetzungen mit Infinitiv wie das Autofahren oder das Inkrafttreten. Regulär gebildete Substantive (Komposita) fallen unabhängig von ihrer Länge nicht unter diese Regel, sondern werden zusammengeschrieben. Zusammensetzungen aus gleichrangigen, nebengeordneten Adjektiven wie deutsch-polnische Grenze manisch-depressives Verhalten Als übersichtlich gelten dagegen kurze Zusammensetzungen wie süßsauer, insbesondere Farbkombinationen wie schwarzweiß. Nicht gleichrangig sind Adjektive, wenn der erste Bestandteil den zweiten näher bestimmt oder lediglich verstärkende Funktion hat, zum Beispiel bei bitterkalt. Übergeordnete Zusammensetzungen, die einen Bestandteil mit Bindestrich enthalten, müssen ebenfalls mit Bindestrich gekoppelt werden, zum Beispiel S-Bahn-Wagen S-Kurven-reich Bei Zusammensetzungen mit Wortgruppen muss durchgekoppelt werden. Leerzeichen (oder Kommata bei Aufzählungen) müssen also durch Bindestriche ersetzt werden, zum Beispiel Kopf-an-Kopf-Rennen 3-Zimmer-Wohnung Hals-Nasen-Ohren-Arzt Service-Center-Mitarbeiterin Das gilt auch für Zusammensetzungen mit mehrteiligen Eigennamen wie Karl-Marx-Straße, selbst dann, wenn lediglich ein Suffix angefügt wird (zum Beispiel die sankt-gallischen Klosterschätze). Nur beim Suffix -er kann das Leerzeichen erhalten bleiben, zum Beispiel New Yorker statt New-Yorker. Zusammensetzungen mit Eigennamen als hinterem Bestandteil wie Frau Müller-Weber die Bäcker-Anna Möbel-Schmidt (laut Regelwerk; viele Firmen mit einem solchen Namen schreiben diesen jedoch mit Leerzeichen statt Bindestrich) Meier‑Oldenburg (für: Meier aus Oldenburg) sowie Zusammensetzungen gleichberechtigter Eigennamen im Falle von Länder- oder Städtefusionen: Rheinland-Pfalz Neukirchen-Vluyn Ortsbezeichnungen mit Sankt und Bad werden abweichend davon getrennt geschrieben. Die Kombination von Vor- und Nachname gilt nicht als Zusammensetzung. Zusammensetzungen, die als Ganzes Eigennamen sind, folgen nicht unbedingt der regulären Rechtschreibung.Wenn nur der vordere Bestandteil einer Zusammensetzung ein Eigenname ist, wird zusammengeschrieben (zum Beispiel Nildelta), außer wenn der Name besonders hervorgehoben werden soll oder wegen anderer Regeln durch einen Bindestrich abzutrennen ist. Nachgestellte Substantive, die nähere Bestimmungen zu einem geografischen Eigennamen sind, können mit Bindestrich oder getrennt geschrieben werden (München-Ost oder München Ost). Aus dem Englischen stammende Substantivierungen aus Verb plus Adverb wie Make-up Stand-by Sofern die Lesbarkeit nicht leidet, ist hier auch Zusammenschreibung zulässig, zum Beispiel Standby.
Fälle, in denen der Bindestrich freigestellt ist mini|Mögliches Missverständnis als „kein Parkplatz für große Golfspieler“: kein Bindestrich oder zwei In diesen Fällen bleibt es dem Schreiber überlassen, ob er mit Bindestrich schreiben will: Wörter, bei denen ein Bindestrich das richtige Verständnis erleichtert<li> Druck-Erzeugnis bzw. Drucker-Zeugnis anstelle von unklarem Druckerzeugnis Wörter, bei denen das Zusammentreffen bestimmter Buchstaben an den Fugen den Lesefluss stört, zum Beispiel re-integrieren Lebens-AuEvangelisches Gesangbuch (alle Ausgaben), Nr. 450. Ur-Instinkt Wörter, die aufgrund ihrer Länge oder Komplexität nicht mehr schnell erfasst werden können, wie Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz Ultraschall-Messgerät Der Bindestrich sollte dabei (zunächst) an der Fuge höchster Ordnung gesetzt werden. Beim Zusammentreffen von drei gleichen Buchstaben, zum Beispiel Schluss-Stein neben Schlussstein (vgl. unreformiert: Schlußstein) Tee-Ernte neben Teeernte Aus fremden Sprachen stammende Zusammensetzungen aus zwei Substantiven wie Midlife-Crisis neben Midlifecrisis Science-Fiction neben Sciencefiction Hervorhebung von Wortbestandteilen als Stilmittel Soll-Stärke Nach-Denken be-greifen zer-zähltKurt Marti: Warum ich keine Weihnachtserzählungen mehr schreibe. In: Walter Jens (Hrsg.): Es begibt sich aber zu der Zeit. Radius, Stuttgart 1988, ISBN 3-87173-768-2, S. 304.
Problematische und falsche Schreibweisen mini|Unnötiger Bindestrich: Fehl-Alarm statt üblicherweise Fehlalarm (Hinweistext an einem Rauchmelder) Kurze, gut lesbare Zusammensetzungen wie Golfplatz werden ohne Bindestrich geschrieben. Ein Bindestrich ist nur für den Fall vorgesehen, dass das zusammengesetzte Wort ohne Bindestrich zu unübersichtlich wäre. Die Grenze zwischen „gut lesbar“ und „schlecht lesbar“ ist jedoch nicht allgemeingültig zu bestimmen. Die Schreibweise Golf-Platz ist deshalb nicht falsch, aber stilistisch schlecht. Bastian Sick führt in seiner sprachkritischen Kolumne Zwiebelfisch neben Golf-Platz auch Atom-Krieg, Ausnahme-Zustand, Partei-Tag, Spar-Plan und Seh-Test als Beispiele an. Umgangssprachlich werden unnötige Bindestriche dieser Art als Deppenbindestriche bezeichnet, vergleichbar mit dem „Deppenapostroph“. In der Leichten Sprache ist die Verwendung des Bindestrichs in zusammengesetzten Wörtern jedoch ausdrücklich vorgesehen und soll das Verständnis dieser Wörter erleichtern.
Die Schreibweise mit Leerzeichen („Kräuter Lexikon“) ist hingegen immer falsch und kann sogar die Bedeutung verfälschen (siehe Leerzeichen in Komposita). Sie wird aber dennoch in bestimmten Bereichen verwendet, etwa auf Produktverpackungen („Gulasch Suppe“) oder in Buch- und Filmtiteln (Die Bourne Verschwörung, Ein Minecraft Film). Ungeachtet ihrer Verbreitung ist eine solche Schreibweise standardsprachlich nicht korrekt und wird abwertend als Deppenleerzeichen bezeichnet. Diese falsche Schreibweise greift jedoch in den 2020er Jahren massiv um sich, so dass sie nicht nur in den Fernsehnachrichten verwendet wird, sondern auch dauerhaft an Gebäuden, auf Informationstafeln oder im Internet erscheint, Beispiel Humboldt Forum. In dieser Schreibung hat jedes Wort seine eigene Bedeutung; es liegt hier also eine grammatisch unverständliche Folge zweier Wörter vor.
Auch Leerzeichen vor oder nach dem Bindestrich („Kräuter - Lexikon“) sind nicht korrekt. Im Netzjargon werden falsch gesetzte Leerzeichen als „Plenks“ bezeichnet.
Trennstrich + Vergleich von Zeilenumbrüchen gleichmäßigmit Trennstrichen ungleichmäßigohne TrennstricheWikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzy- klopädie aus freien Inhal-