mini|Maximilien Robespierre (anonymes Porträt, um 1793, Musée Carnavalet) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image
Maximilien de Robespierre ([]; * 6. Mai 1758 in Arras; † 28. Juli 1794 in Paris; getauft Maximilien Marie Isidore), häufig nur Maximilien RobespierreDie Familie Robespierre war nicht adelig. Der ohne weitere Bedingungen führbare Zusatz „de“ zeigte somit lediglich an, dass es sich nicht um Handarbeiter handelte., auch „der Unbestechliche“ («L'Incorruptible») genannt, war ein französischer Rechtsanwalt, Revolutionär und führender Politiker der Jakobiner. Er wirkte ab 1789 auf die Französische Revolution ein und gewann bis kurz vor seiner Hinrichtung 1794 einen zunehmend prägenden Einfluss auf ihre Entwicklung.
Nach dem Beginn des Ersten Koalitionskriegs war er auf der innenpolitischen Ebene der 1792 ausgerufenen ersten Französischen Republik einer der maßgeblichen Initiatoren für die als „Verteidigung der Republik“ begründete Terrorherrschaft (französisch la Terreur) von 1793/94.
Leben Herkunft, Familie und Ausbildung Robespierre wurde als erstes von vier Kindern des angesehenen Advokaten Maximilien-Barthélémy-François de Robespierre (1732–1777) im heutigen Département Pas-de-Calais geboren. Seine Geschwister waren Charlotte Robespierre (1760–1834), Henriette Robespierre (1761–1780) und Augustin Robespierre (1763–1794). Die Familie väterlicherseits stammte ursprünglich aus Irland, war aber aufgrund religiöser Verfolgung unter Heinrich VIII. nach Frankreich ausgewandert. Seine Mutter war Jacqueline Margarethe Carrault (1735–1764), die Tochter eines wohlhabenden Brauers.Brunnemann: Maximilian Robespierre. 1885, S. 1–2. Im Juli 1764, als er gerade sechs Jahre alt war, verstarb seine Mutter im Kindbett. Am 6. November 1777 starb sein Vater in München und wurde auf dem Friedhof bei St. Salvator begraben; einige Jahre zuvor hatte er Arras aus ungeklärten Gründen verlassen und war nur noch sporadisch in den Ort zurückgekehrt. Am Collège von Arras galt Robespierre als Musterschüler und erlangte eines von vier StipendienEs ist unklar, ob Robespierre jenes Stipendium eher für seine Leistungen, oder aufgrund proklamierter familiärer Verbindungen zur Kirche, welche die Stipendien vergab, erlangte. für das renommierte Pariser Collège Louis le Grand, das er ab 1769 besuchte.Brunnemann: Maximilian Robespierre. 1885, S. 2. Nach zwölf Jahren des Studiums, aufgeteilt in sieben Jahre allgemeiner Studien und vier Jahre rechtswissenschaftlicher Studien, legte Robespierre 1780 sein Examen als Anwalt (Bakkalaureus des Rechts) ab und wurde 1781 Lizenziat. In den Jahren 1772 und 1774 galt Robespierre als Klassenbester, 1775 wurde er zudem als bester Schüler der Universität ausgezeichnet und ausgewählt, die Begrüßungsrede beim Besuch von Ludwig XVI. zu halten.Gallo: Robespierre. 1989, S. 27–29. Noch als Student hatte er den von ihm verehrten Jean-Jacques Rousseau in dessen Sterbejahr 1778 besucht und mit ihm gesprochen.Jean Massin: Robespierre. 4. Auflage, Berlin 1976 (französische Originalausgabe 1956), S. 17; Winkler 2009, S. 224. Als Robespierre 1789 politisch aktiv wurde, erinnerte er sich dieser Begegnung, indem er notierte: „Ich will dein hochgeschätztes Werk fortsetzen, sollte mein Name auch in den kommenden Jahrhunderten vergessen sein; ich bin glücklich, wenn ich auf dem gefahrvollen Wege, den eine beispiellose Revolution vor uns eröffnet hat, ständig den Eingebungen treu bleibe, die ich aus Deinen Werken geschöpft habe.“ Zitiert nach Massin: ebenda, S. 18.
mini|Ein Plädoyer des Anwalts Robespierre: Mémoire pour les sieurs Antoine Pepin, fermier au village de Baillœul lez-Pernes, lieutenant dudit lieu; […]. Contre le nommé Jacques Dubois, maquignon, demeurant au village de St. Hilaire (um 1786).NuBIS, HLFA 4=241, pièce 1, online bei der Bibliothek der Sorbonne, abgerufen am 17. November 2017.
Als Anwalt 1781 ließ sich Robespierre in seiner Heimatstadt Arras als Anwalt nieder. Hier übernahm er verschiedenste Fälle und erarbeitete sich dabei einen Ruf als „Anwalt der Armen“. In einem gewissen Maße widersprüchlich zu dieser Position steht Robespierres juristische Karriere in Arras, die er mit Gutheiß und fortwährender Unterstützung der Mächtigen machte. Nationale Bekanntheit erreichte er 1783 durch den sogenannten „Blitzableiterfall“, in welchem er einen Mann, der sein Haus mit einem Blitzableiter versehen hatte, gegen Vorurteile der Gefährdung der Allgemeinheit verteidigte und ihn stattdessen als Förderer der wissenschaftlichen Erkenntnis darstellte.Ruth Scurr: Fatal Purtiy. Robespierre and the French Revolution. Vintage, London 2007, ISBN 0-09-945898-5, S. 8. Kurze Zeit war Robespierre auch als Richter an einem bischöflichen Patrimonialgericht tätig, legte sein Amt jedoch bald nieder, da er einen Verbrecher zum Tode verurteilen sollte, er jedoch zum damaligen Zeitpunkt ein strikter Gegner der Todesstrafe war.
Politische Anfänge Vornehmlich nach seiner Aufnahme in die Akademie von Arras 1783 publizierte Robespierre Flugschriften und Pamphlete, in denen er sich gegen die Privilegien des Adels und der Geistlichkeit aussprach, gleichzeitig Sippenhaftung verurteilte und sich für die Rechte unehelich geborener Kinder und für Frauen- sowie Menschenrechte im Allgemeinen einsetzte.Brunnemann: Maximilian Robespierre. 1885, S. 7–8. 1786 wurde er zum Vorsitzenden der Akademie gewählt.Gallo: Robespierre. 1989, S. 39–41.
Schließlich sah er in Paris die Möglichkeit, durch sein politisches Engagement die Gesellschaftsform des monarchistischen Frankreich nach der Staatstheorie seines geistigen Mentors Jean-Jacques Rousseau umzugestalten: 31-jährig wurde er gleich zum Delegierten des dritten Standes für die Stadt Arras in die Versammlung der Generalstände gewählt, die von Ludwig XVI. 1789 ursprünglich dazu einberufen worden war, das Steuerproblem des Staates zu lösen.
In der Nationalversammlung Am 17. Juni 1789 erklärten sich die Vertreter des dritten Standes (Bürger und Bauern) der Generalstände zur Nationalversammlung. Dies war die Geburtsstunde der Französischen Revolution. In der Nationalversammlung fiel Robespierre mit radikalen Forderungen auf, die aber zunächst von der gemäßigteren Mehrheit nicht geteilt wurden. So setzte er sich unter anderem für Pressefreiheit ein, für die Abschaffung der Sklaverei in den Kolonien, die Aufhebung der Todesstrafe, die Beseitigung der Privilegien des Klerus sowie für die Abschaffung des Zölibats.Gallo: Robespierre. 1989, S. 72–73. Außerdem war er gegen das aufschiebende Veto-Recht des Königs in der ersten Verfassung von 1791 und sprach sich für das allgemeine Wahlrecht für alle Männer aus. Für die Wahl der Volksvertreter dürften keine anderen Kriterien gelten als „die der Tugend und der Begabung“. Zudem forderte er eine Beschränkung für deren Amtszeit.Gallo: Robespierre. 1989, S. 60–67. Im August 1789 hatte Robespierre bereits einen Gesetzesentwurf ausgearbeitet, der eine „ruhige Beratung“ in der Versammlung garantieren sollte, so dass „ein jeder ohne Furcht vor Störungen […] seine Meinung darlegen“ könne.Gallo: Robespierre. 1989, S. 58.
Bald galt Robespierre als radikaler Demokrat und trat dem linken „Klub der Jakobiner“ bei, der sich regelmäßig im Dominikanerkloster Saint-Jacques in Paris traf. Im März 1790 wurde er zum Präsidenten des Klubs und zum stellvertretenden Sekretär der Nationalversammlung gewählt.Gallo: Robespierre. 1989, S. 68. Im Oktober wurde er auch zum Richter am Distriktgericht von Versailles gewählt.Gallo: Robespierre. 1989, S. 75. mini|Maximilien Robespierre, Terracotta von Claude-André Deseine (1791), Schloss Vizille
Bis 1791 war Robespierre ein Anhänger der konstitutionellen Monarchie. Allerdings war er gleichwohl der Ansicht, dass der König nicht das Recht haben sollte, über Krieg und Frieden zu entscheiden. Dieser würde nämlich im Zweifel immer ein Interesse daran haben, seine eigenen Machtbefugnisse zu erweitern, die Vertreter der Nation würden hingegen ein Interesse daran haben, den Krieg zu stoppen.Gallo: Robespierre. 1989, S. 71. Er änderte jedoch seine Meinung im Juni 1791, als Ludwig XVI. mit der Flucht nach Varennes heimlich versuchte, Frankreich zu verlassen, um die Revolution von außen zu zerstören. Ludwig wurde nach Paris zurückgebracht, blieb König und bemühte sich weiterhin, die Revolution mit Hilfe der anderen Königreiche rückgängig zu machen. Dadurch brachte er sowohl Robespierre und die Jakobiner als auch die regierenden Girondisten weiter gegen sich auf. Allerdings war für Robespierre die Revolution weniger durch einen Krieg mit den anderen europäischen Nationen gefährdet als durch die Helfer des Königs in Paris und die Konterrevolutionäre.Gallo: Robespierre. 1989, S. 96. Nachdem die Nationalgarde am 17. Juli 1791 eine antimonarchistische Demonstration der Cordeliers auf dem Marsfeld zusammengeschossen hatte, spaltete sich der Jakobinerclub: Die große Mehrheit der gemäßigten Anhänger der Verfassung bildete den Club der Feuillants, die kleine Minderheit unter Führung Robespierres behielt den Namen und dadurch auch das Netzwerk der zahlreichen Tochterclubs im Land.Hans-Ulrich Thamer: Die Französische Revolution. 4., durchgesehene Auflage, C.H. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-50847-9, S. 52.
Im Juni 1791 wurde Robespierre – ohne sein Wissen – zum öffentlichen Ankläger am Kriminalgericht von Paris gewählt.Gallo: Robespierre. 1989, S. 91–92. In der Parlamentsdebatte über das neue Strafgesetzbuch, den Code pénal, sprach Robespierre sich im Herbst 1791 entschieden gegen die Todesstrafe aus, blieb aber in der Minderheit.William Schabas: The Abolition of the Death Penalty in International Law. 3. Auflage, Cambridge University Press, Cambridge/New York 2002, S. 5. In der Debatte, ob Frankreich nach der Pillnitzer Deklaration Preußen und Österreich den Krieg erklären sollte, wie es die Girondisten unter Jacques Pierre Brissot forderten, sprach Robespierre am 2. Januar 1792 dagegen: Ein Revolutionsexport sei keine erfolgversprechende Strategie, denn niemand liebe Missionare, die in Waffen kämen.Axel Kuhn: Die Französische Revolution. Reclam, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-15-017068-7. S. 55. Seit dem 1. Oktober des Jahres war er nicht mehr Abgeordneter der Nationalversammlung, da er zuvor die Begrenzung der Amtszeit durchgesetzt hatte.Gallo: Robespierre. 1989, S. 108. Im April 1792 legte Robespierre auch sein Amt als Ankläger am Kriminalgericht von Paris nieder, um sich seinen Ruf als „der Unbestechliche“ (frz. l’Incorruptible) zu bewahren.Gallo: Robespierre. 1989, S. 133, 147.
In der aufständischen Kommune von Paris und im Nationalkonvent mini|Louis Antoine de Saint-Just, ein Anhänger Robespierres; Porträt von Christophe Guérin aus dem Jahre 1793.