mini|hochkant=1.5|Höhle im Nationalpark Phong Nha-Kẻ Bàng, Vietnam Eine Höhle ist eine durch natürliche Prozesse gebildete unterirdische Hohlform, die ganz oder teilweise von anstehendem Gestein umschlossen ist. Der Hohlraum ist entweder ganz oder teilweise von gasförmigen, flüssigen Medien (in der Regel Luft oder Wasser) erfüllt, er kann aber nachträglich mit Sedimenten verfüllt worden sein. Höhlen sind in der Erdkruste häufig und befinden sich besonders in den Karstgebieten, wo die Kohlensäureverwitterung der maßgebliche Prozess der Höhlenbildung ist.

Die Erscheinungsformen von Höhlen sind vielfältig und sie können nach Größe, Entstehung und Rauminhalt unterschieden werden. Die Mammoth-Cave in den USA ist mit über 685 km Vermessungsstrecke aktuell die längste bekannte Höhle der Welt. Höhlen sind von großer Bedeutung für die Archäologie und Paläontologie, da aufgrund der geschützten Lage und relativ konstanten Umweltbedingungen gute Konservierungseigenschaften herrschen. Mit der Höhlenmalerei gibt es die ältesten Nachweise menschlichen Kunstschaffens. Die Wissenschaft, die sich mit der Erforschung von Höhlen beschäftigt, wird als Speläologie bezeichnet.

2025 erklärt die UNESCO den 13. September zum Internationalen Tag für Höhlen und Karst.UNESCO International Day of Caves and Karst Abgerufen am 15. November 2025.

Definition Eine exakte eindeutige Definition besteht noch nicht. Nach Hubert Trimmel ist folgende Definition günstig: Eine Höhle ist eine durch natürliche Prozesse gebildete unterirdische Hohlform, die ganz oder teilweise von anstehendem Gestein umschlossen wird. Eine Höhle ist ein Hohlraum innerhalb des Gesteins. Sowohl mit Luft gefüllte Hohlräume als auch wassergefüllte werden gleichermaßen als Höhle bezeichnet, auch solche, die nachträglich teilweise oder ganz mit festen Sedimenten angefüllt wurden. Um Höhlen von Nischen, Überhängen und dergleichen abzugrenzen, muss die horizontale bzw. vertikale Tiefenerstreckung und die maximale Weite der Tagöffnung mindestens im Verhältnis 1:1 stehen. Diese Definition des Begriffs in der Speläologie unterscheidet sich vom umgangssprachlichen Gebrauch. In Österreich und einigen anderen Ländern wird als Untergrenze für die Aufnahme einer Höhle ins Höhlenverzeichnis (bis auf wenige Ausnahmen) eine Ganglänge von 5 m vorausgesetzt.

Demnach sind durch Eingriffe des Menschen entstandene Hohlräume wie z. B. Bergwerke, Erdställe, Felsengräber, Hypogäen, Katakomben, Luftschutzstollen, Souterrains oder artifizielle Wohnhöhlen keine Höhlen. In letzter Zeit wird dafür auch der Begriff Subterranea benutzt (abgeleitet von dem lateinischen Wort für unterirdisch), bisher aber vorwiegend im Englischen.

Halbhöhle mini|Nestors Höhle bei Pylos Das Hauptmerkmal von Halbhöhlen ist, dass ihre Tiefe geringer ist als die Breite des Portals und sie keinen lichtlosen Höhlenteil aufweisen. Von großer Entfernung sehen solche Halbhöhlen oft aus wie Portale normaler Höhlen. Eine Halbhöhle, deren Portalbreite mit der Tiefe des Eindringens in den Gesteinskörper annähernd gleich ist oder diese sogar übertrifft, wird besonders dann, wenn auch die Höhe des Portals die Breite erreicht oder übertrifft, als Nischenhöhle oder Felsdach (Abri) bezeichnet. Derartige Felsdächer bieten Schutz gegen Witterungseinflüsse und sind häufig bedeutende archäologische Fundstätten.

Höhlensystem Gesamtlänge ganz odernahezu unverzweigt  netzförmig oderlabyrinthartigverzweigt unter 50 m Kleinhöhle Kleinhöhlensystem 50 m bis 500 m Mittelhöhle Mittelhöhlensystem 500 m bis 5000 m  Großhöhle Großhöhlensystem über 5000 m Riesenhöhle Riesenhöhlensystem  Unter einem Höhlensystem versteht man ein zusammenhängendes, durch eine oder mehrere Tagöffnungen zugängliches, verzweigtes Netz von Höhlenräumen. Einzelne Verbindungsstrecken innerhalb eines Höhlensystems können durch festen oder flüssigen Rauminhalt unpassierbar geworden sein. In einem größeren Höhlensystem werden je nach den Dimensionen der einzelnen Höhlenstrecken Hauptgänge (Haupthöhlenzüge) und Nebenstrecken (Nebenhöhlenzüge) oder Seitenlabyrinthe unterschieden. Für Einzelräume innerhalb eines Höhlensystems (Hallen, Dome, Kammern) wird die Bezeichnung Höhle nicht verwendet. In der Speläologie ist es üblich, zwischen Höhlensystemen mit vorwiegender Horizontalentwicklung (Horizontalhöhlen) und Höhlensystemen mit vorwiegender Vertikalentwicklung (Schachthöhlen) zu unterscheiden. Die beiden Grundtypen lassen sich jedoch häufig nicht strikt trennen, da viele Systeme horizontale als auch vertikale Strecken aufweisen. Wenn es gelingt, eine Verbindung zwischen zwei benachbarten Systemen nachzuweisen, wird in der Regel der Name des vorher größeren Systems für das Gesamtsystem übernommen. Ein Beispiel ist das Unterwasserhöhlensystem Sac Actun in Yucatán. Zum Zeitpunkt der Vereinigung 2007 war Sac Actun 14,3 km länger als das benachbarte System Nohoch Nah Chich. Der offizielle Name ist daher Sistema Sac Actun (mit 378 km das zweitlängste Unterwassersystem).

Wenn man mehrere Höhlen durch künstliche Verbindungsgänge vereinigt, entsteht ebenfalls ein Höhlensystem. In diesem Fall bleiben zumeist die Namen der Höhlen erhalten. Der Name für das Gesamtsystem lautet dann zum Beispiel „Bergerhöhlen-Platteneckeishöhlen-Bierloch-System“. Dieses System besteht aus drei ursprünglich getrennten Höhlen im Tennengebirge in Salzburg.

Schächte mini|Die Riesending-Schachthöhle besitzt vertikale und horizontale Strecken. Schächte sind Höhlenstrecken mit vorwiegender Vertikalerstreckung. Schachthöhlen sind Höhlen, die an der Erdoberfläche mit senkrecht oder nahezu senkrecht verlaufenden Schächten ansetzen. Es kommt vor, dass durch Horizontal- oder auch Schrägstrecken in einem Höhlensystem zunächst der Schachtgrund erreicht wird, während die oberhalb eines Schachtes ansetzenden Strecken erst später durch Aufstieg durch die Schachtstrecke bekannt werden. In manchen Schachthöhlen befindet sich am Schachtgrund ein im Allgemeinen horizontal verlaufendes Höhlensystem.

Naturbrücken

Naturbrücken weisen eine Breitenausdehnung auf, die der Längserstreckung zwischen den beidseitigen Portalen gleichwertig ist oder diese übertrifft. Naturbrücken sind vielgestaltig und verschiedene Übergangsformen zwischen Naturbrücken und Durchgangshöhlen, bei denen die beiden Tagöffnungen weiter voneinander entfernt oder bei geringer Längenausdehnung ungleich groß sind, sind möglich. Die meisten Naturbrücken stellen Überreste einer Höhle oder eines eingestürzten Höhlenganges dar (Höhlenruine).

Bezeichnungen mini|Schauhöhlenbereich der Dachstein-Rieseneishöhle in Österreich Höhlen werden häufig nach einem kennzeichnenden oder besonders auffälligen Merkmal bezeichnet. Höhlen, in denen Tropfsteinbildungen in größerem Maße auftreten, werden als Tropfsteinhöhlen bezeichnet. Eishöhlen sind Höhlen mit Eisbildungen, in Wasserhöhlen werden unterirdische Gewässer angetroffen. Für Höhlen mit Knochenlagern als Überreste rezenter oder ausgestorbener Tiere ist die Bezeichnung Knochenhöhlen üblich. Für die vom Menschen genutzten Höhlen richtet sich die Benennung nach dem jeweiligen Verwendungszweck. Solche Bezeichnungen sind jedoch nicht eindeutig, da sich der Raumcharakter, insbesondere bei größeren Höhlen, ändern kann. In der Dachstein-Rieseneishöhle befinden sich neben Höhleneis auch ein eisfreier Teil mit Tropfsteinbildung und Abschnitte, in denen Überreste von Höhlenbären gefunden wurden.

Speläogenese Der Entwicklungsgang einer Höhle (Speläogenese) ist durch das Zusammenwirken vieler Faktoren beeinflusst. Das Zusammenspiel der formenden Einflüsse und Kräfte ist zu jeder Zeit und an jedem Ort anders. Das aktuelle Erscheinungsbild einer Höhle ist somit das Ergebnis eines erdgeschichtlich mehr oder weniger langen Werdeganges, aber nur eine vorübergehende, eben erreichte Phase im gesamten Entwicklungsgang. Innerhalb eines Höhlensystems gehören häufig nicht alle Höhlenräume der gleichen Phase der Entwicklung an. In diesem Fall bezieht sich die Entwicklung nicht auf das gesamte System, sondern immer nur auf einen einzelnen Höhlenraum bzw. -abschnitt.

Entstehung Primäre Höhlen Primäre Höhlen sind Höhlen, die annähernd gleichzeitig mit dem sie umgebenden Gestein entstanden sind.

Lavaröhren mini|Lavaröhre auf Hawaii

Lavaröhren entstehen beim Erkalten schnellfließender Lava von relativ niedriger Viskosität. Da die Fließgeschwindigkeit und die Temperatur der Lava an den Rändern und vor allem an der Oberfläche des Lavastroms am niedrigsten sind, erstarrt die Lava dort zuerst und es bilden sich ein Dach und Dämme an den Seiten. Die Lava fließt in einer thermisch isolierten Röhre und kann über sehr lange Strecken flüssig bleiben. Solche Höhlen befinden sich häufig auf Hawaii, Island und den Kanarischen Inseln. Die Kazumura Cave auf Hawaii ist mit einer Länge von 65,5 Kilometern die längste bekannte Lavaröhre.

Blasenhöhlen Bei Blasenhöhlen handelt es sich um Hohlräume, die zur Zeit der Erstarrung von Lava mit Gasen erfüllt waren und die von der erstarrenden Schmelze umschlossen wurden. Erst später entstand durch Erosion oder die Bildung von Störungslinien eine Öffnung zur Oberfläche. Mit dem Entstehen einer Tagöffnung trat an Stelle der Gase atmosphärische Luft ein und die Höhle wurde zugänglich. Blasenhöhlen sind selten und haben meist nur eine geringe Ausdehnung von weniger als 100 m. Die meisten und größten Blasenhöhlen befinden sich in der Umgebung des Fentale in Äthiopien. Die Grotte du Chien in Frankreich ist die einzige Blasenhöhle, die als Schauhöhle zugänglich ist.

Tuffhöhlen Zahlreiche kleine Primärhöhlen entstanden, wenn bei der Bildung von Karbonat-Sedimenten (z. B. bei der Kalktuffbildung) die Hohlräume während der Sedimentation ausgespart blieben, oder sie entstanden, bevor Prozesse der Zementation oder Diagenese einsetzten.

Sekundäre Höhlen mini|Höhle Terra Ronca, Goiás, Brasilien Sekundäre Höhlen sind Höhlen, die später als das sie umgebende Gestein entstanden.

Unter diese Kategorie fallen Höhlen, die durch Korrosion (chemische Verwitterung), Erosion (mechanische Verwitterung), Tektonik (Bewegungen der Erdkruste bzw. von Gesteinsschichten) oder eine Kombination dieser Einflüsse entstanden.

Sekundäre Höhlen befinden sich in Gesteinen, die im weitesten Sinne wasserlöslich sind, also vor allem in den verschiedenen Arten von Kalksteinen. Regenwasser enthält Kohlenstoffdioxid, das es abhängig von seiner Temperatur lösen kann. Kälteres Wasser kann mehr Kohlenstoffdioxid lösen. Abhängig von der Kohlenstoffdioxidkonzentration des Wassers kommt es zur Kohlensäureverwitterung des Kalks.

Durch Kapillarwirkung dringt das Wasser in feine Ritzen des Gesteines ein und löst Kalk. Das alleine erklärt noch keine wesentliche Höhlenbildung. Da jedoch die Fähigkeit des Wassers, Kalk zu lösen, nicht linear mit der Kohlenstoffdioxidkonzentration verläuft, kommt es zur so genannten Mischungskorrosion: Treffen im Berg zwei verschiedene mit Kalk gesättigte Lösungen aufeinander und vermischen sich diese, entsteht eine neue Konzentration von Kohlenstoffdioxid, die zusätzlich Kalk lösen kann. So kann an dieser Stelle ein größerer Hohlraum entstehen. Dies ist sozusagen der Schlüssel zur Höhlenbildung.

Epigene und hypogene Entstehung mini|Die Lechuguilla-Höhle in New Mexico ist eine hypogene Höhle, entstanden durch aufsteigende schwefelige Gase. Der Kalkstein wurde durch Schwefelsäure gelöst In der neueren Literatur wird zwischen epigenen und hypogenen Höhlen unterschieden.

Epigene Höhlen werden durch Oberflächenwasser gebildet, dessen Lösungskapazität von Bedingungen an der Oberfläche bestimmt wird. Das gelöste Kohlendioxid entstammt der Atmosphäre und dem Boden. Mindestens 80–90 % der bekannten Höhlen sind epigene Höhlen.