mini|Porträt von Ludwig Uhland, nach einem Gemälde von Gottlob Wilhelm Morff, Öl auf Leinwand, um 1818. Uhlands Unterschrift: rahmenlos|zentriert|150px|klasse=skin-invert-image Johann Ludwig „Louis“ Uhland (* 26. April 1787 in Tübingen; † 13. November 1862 ebenda) war ein deutscher Dichter, Literaturwissenschaftler, Jurist und Politiker. Er hat bedeutende Beiträge zur Mediävistik, der Erforschung des Mittelalters, geleistet und war Abgeordneter im ersten gesamtdeutschen Parlament, der Frankfurter Nationalversammlung.

Leben Herkunft und Jugend mini|hochkant|Ludwig Uhlands Geburtshaus, das stattliche Fachwerkhaus Neckarhalde 24, in Tübingen mini|hochkant|Eingangstür zum Geburtshaus mit Gedenktafel

Johann Ludwig Uhland wurde in Tübingen im Herzogtum Württemberg geboren. Der Stammbaum der Gelehrtenfamilie Uhland lässt sich bis ins 16. Jahrhundert nachweisen. Seit 1720 lebte die Familie Uhland in Tübingen (zuvor in Kleingartach). Ludwig Uhlands Großvater Ludwig Joseph Uhland (1722–1803) wirkte als Diakon in Marbach. 1761 erhielt er einen Ruf an die Eberhard Karls Universität Tübingen auf den Lehrstuhl für Geschichte, ab 1776 bekleidete er dort den Lehrstuhl für Theologie. Uhlands Vater Johann Friedrich Uhland (1756–1831) war Licentiat beider Rechte, Hofgerichtsadvokat und seit 1783 Universitätssekretär in Tübingen. Die Mutter Uhlands hieß Elisabeth geb. Hoser (1760–1831). Uhland gehörte demnach von Haus aus zu einer „altwürttembergischen Familie von bürgerlich-gelehrtem Zuschnitt“.

Ludwig Uhland hatte drei Geschwister; sein ältester Bruder war bald nach der Geburt verstorben, der zweitälteste, Friedrich, starb im Alter von zehn Jahren an Scharlach.Emilie Uhland: Ludwig Uhlands Leben. Aus dessen Nachlaß und aus eigener Erinnerung zusammengestellt von seiner Witwe. Cotta, Stuttgart 1874, S. 4. Seine jüngere Schwester Luise (1795–1836) wurde erst nach Friedrichs Tod geboren.

Ludwig Uhland wuchs in Tübingen auf. Sein Geburtshaus in der Tübinger Neckarhalde 24 ist bis heute – denkmalgeschützt mit unveränderter Fassade – der Nachwelt erhalten geblieben. Wenige Monate nach Ludwigs Geburt zog die Familie in das Haus des väterlichen Großvaters in die Hafengasse um. Von 1793 bis 1801 besuchte Ludwig Uhland die Schola Anatolica – die damalige Tübinger Lateinschule. Im Sprachunterricht war er begabt und bekam darin im Gegensatz zur Mathematik stets gute Noten.

Studium und Bildungsreise 1801 erhielt Uhland ein Stipendium für das Tübinger Stift, wo er sich vornehmlich philologischen Themen widmete. 1805 begann er mit dem Studium der Rechtswissenschaften. Der zurückhaltende Student war diszipliniert und eifrig.

Dies änderte sich erst, als 1804 der Medizinstudent Justinus Kerner nach Tübingen kam. Ludwig und er wurden gute Freunde. Zusammen mit anderen Kameraden gingen sie oft auf ausgedehnte Wanderungen. In diesem Zusammenhang entstanden manche Gedichte aus Uhlands Feder, etwa „Die Kapelle“ (1805). Die gleiche Gesinnung und die gemeinsame Richtung des Schreibens verbanden Uhland mit seinen Freunden Gustav Schwab, Justinus Kerner und Karl Mayer, die ebenfalls literarisch tätig waren und den so genannten Schwäbischen Dichterkreis bildeten. Sie alle blieben lebenslang miteinander in Kontakt.

mini|links|Der Seracher Dichterkreis im Kernerhaus, kolorierter Stich nach einem Ölgemälde von Heinrich von Rustige 1809 versuchte die Habsburgermonarchie, im fünften Koalitionskrieg die französische Vorherrschaft über Deutschland zu beenden. In diesem Zusammenhang kam es auch zur Erhebung der Tiroler, deren Land kurz zuvor von Napoleon an Bayern gegeben worden war. Nur mit Mühe konnte Bayern diesen von Andreas Hofer geführten Aufstand niederschlagen. Eine Zeit lang schien es, als ob auch württembergische Truppen auf der Seite Bayerns in den Kampf hineingezogen werden würden. Damals schrieb Uhland sein Gedicht Der gute Kamerad, das dann auf eine Melodie von Friedrich Silcher (1825) viel gesungen und in späteren Zeiten – bis hin zum Nationalsozialismus – häufig im Sinne des patriotischen Aufbruchs und der Kriegsverherrlichung umgedeutet wurde. Uhlands Text ist weit entfernt von alledem, er handelt – nüchtern und doch bewegend – von Freundestreue und Kriegsschicksal. Ohnehin eignete sich das Ereignis, aus dem das Gedicht hervorging, kaum zu vaterländischer Begeisterung, kämpften hier doch Deutsche gegen Deutsche.

Am 3. April 1810 wurde Uhland zum Doktor der Rechtswissenschaften promoviert. Einen Monat später begab er sich auf eine Bildungsreise nach Paris. Sein Interesse galt dabei französischen und altdeutschen Schriften. Seine schriftlichen Studien betrieb er in der Pariser Nationalbibliothek. Der Hauptzweck der Reise sollte jedoch – aus Sicht des Vaters – das Studium des Code Napoléon, der französischen Rechtsordnung, sein. Hier zeigte sich zum ersten Mal das Aufbegehren Uhlands gegen seinen Vater und gegen die Juristerei, die ihm nicht besonders am Herzen lag. Am 26. Januar 1811 kehrte der Sohn nach Tübingen zurück und eröffnete dort eine Anwaltskanzlei. Gleichzeitig arbeitete er seine Forschungsergebnisse aus, wobei ihm Gustav Schwabs Kenntnisse hilfreich waren.

In dieser Zeit (21. März 1812) entstand auch Uhlands wohl bekanntestes Gedicht „Frühlingsglaube“. Der romantische Charakter dieser Verse und die Wahl seiner lyrischen Themen (Natur, Mittelalter) darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr Verfasser nur in eingeschränktem Sinn als Romantiker betrachtet werden kann. Uhlands wortkarge und nüchterne Art schlägt sich auch in seinen Gedichten nieder, die weniger zu Schwärmerei und Gefühlsergüssen neigen als zur knappen, anschaulichen, präzisen Darstellung von Gegebenheiten. Der Ton ist schlicht und unpathetisch, häufig angelehnt an Volkslieder, mit denen der Autor sich auch wissenschaftlich beschäftigt hat. So wurde Uhland zum Volksdichter, dessen Gedichtbände immer wieder neu aufgelegt wurden und zum Grundbestand des deutschen Bücherschranks im 19. Jahrhundert gehörten.

Stuttgart: Sprecher der Landstände mini|hochkant|Uhlanddenkmal von Gustav Adolph Kietz in Tübingen. Fotografie von Paul Sinner, um 1900 Ende 1812 schloss Uhland seine Kanzlei in Tübingen und zog nach Stuttgart. Er erhielt eine Anstellung als zweiter Sekretär des württembergischen Justizministers, aber diese Stelle war unbesoldet, sie konnte allenfalls als Sprungbrett für eine anschließende Karriere betrachtet werden. Emilie Uhland zitiert hierzu in der Biographie ihres Gatten einen Brief des Freundes Karl Roser, der Uhland als „Olof“ anredet und ihm anbietet, mit Geld auszuhelfen:

Mit Datum 11. Mai 1814 notiert sie, dass Uhland die Anstellung quittiert und diesen Entschluss zuvor mit seinen Eltern besprochen habe:

Im September 1813 bekam Ludwig Uhland eine lang ersehnte Einladung zur Schattengesellschaft, einem Zusammenschluss von Universitätsstudenten, an deren Treffen und Diskussionen er von nun an regelmäßig teilnahm.

Am 15. Dezember 1814 erwähnt Uhland in seinem Tagebuch zum ersten Mal Emilie Vischer aus Calw, die seine spätere Ehefrau werden sollte. Im selben Jahr entstand auch eine der bekanntesten Balladen Uhlands: „Schwäbische Kunde“, die inspiriert ist durch das historische Ereignis des Dritten Kreuzzuges, an dem Kaiser Kaiser Friedrich I. „Barbarossa“ teilnahm, der im Verlauf dieses Unterfangens ertrank.

In der napoleonischen Zeit war Württemberg durch den Anschluss umliegender Gebiete vor allem im Süden, in der Region zwischen Donau und Schweizer Grenze, erheblich vergrößert worden; Fläche und Bevölkerungszahl hatten sich glatt verdoppelt. In diesem Zusammenhang hatte der Herzog 1806 die alte landständische Verfassung, die auf der Mitwirkung von Bürgertum und Kirche an der Landespolitik beruhte, außer Kraft gesetzt. Dies war nicht gegen das Recht, da die ausgedehnten neuen Ländereien außerhalb dieser Verfassung standen; um eine möglichst effektive Eingliederung in das alte Württemberg zu ermöglichen, mussten neue Regelungen ausgearbeitet werden. Das bisherige Herzogtum wurde nach Ende des Reichs auf Weisung Napoleons zum Königreich erhoben.

mini|hochkant|König Wilhelm I. von Württemberg im Jahr 1827 Im Jahr 1815 berief Friedrich I., der unter der Oberhoheit von Napoleon Bonaparte den Königstitel angenommen hatte, eine allgemeine Ständeversammlung ein, um ihr den Entwurf einer neuen Verfassung vorzulegen. Nun kam es zu einem jahrelangen Ringen um die Bestimmungen dieses württembergischen Grundgesetzes, da die Abgeordneten an den alten Regeln festhalten wollten. In dieser erbitterten Auseinandersetzung wurde Ludwig Uhland am 26. Juli 1815 führender Sprecher der Landstände. Für die Sache des „Alten Rechts“ verfasste er eine Reihe von Gedichten, in denen er die Grundsätze einer Verfassung im Sinn der Landstände darlegte. Da seine Verse bei vielen Versammlungen vorgetragen wurden, wuchs seine Beliebtheit noch weiter.

Erst unter dem neuen König Wilhelm I. wurden die Beratungen über die Verfassung 1819 mit einem Kompromiss abgeschlossen. Auch Uhland musste schließlich zugeben, dass in ihr viel Gutes enthalten sei: Steuerbewilligung durch den Landtag sowie Mitwirkung an der Gesetzgebung, Einrichtung eines Staatsgerichtshofs zum Schutz der Verfassung, volle Pressefreiheit. Nicht gutheißen konnte er die Teilung des Landtags in zwei Häuser, die Einrichtung einer Adelskammer neben der herkömmlichen Volkskammer. Die feierliche Verkündigung des Grundgesetzes wurde am 29. Oktober 1819 in Stuttgart mit der Aufführung von Uhlands Drama Ernst, Herzog von Schwaben begangen.

Bereits im Mai 1817 hatte der Jurist sein Arbeitsverhältnis aufgelöst: Ihm wurde die Bezahlung nach wie vor verweigert, dazu fühlte er sich nicht wohl in einer Stellung, in der er dem Staat zuarbeiten sollte. Er beschloss nun, freier Anwalt in Stuttgart zu werden. Aber auch hier verdiente er nicht viel, weil er mit seiner schüchternen, wortkargen Art kaum in der Lage war, seine Mandanten vor Gericht erfolgreich zu vertreten. So ist es kein Zufall, dass er in vielen seiner Fälle als Armen- und Pflichtverteidiger auftrat. In dieser Zeit befand er sich in akuter Geldnot.

Heirat und Tätigkeit im Landtag Ende 1819 war Uhland ohne besonderes Zutun wieder in den Landtag gewählt worden. Einen Tag nach dessen Eröffnung verlobte sich Uhland am 16. Januar 1820 mit Emilie Auguste Vischer und ließ sich am 29. Mai desselben Jahres mit ihr in der Stuttgarter Hospitalkirche trauen.

Emilie Vischer (1799–1881) war die Tochter von Johann Martin Vischer (1751–1801), einem wohlhabenden Kaufmann aus Calw, und seiner Ehefrau Auguste Emilie Friederike geb. Feuerlein (1776–1816). Ihr Geburtshaus ist das Palais Vischer in Calw, erbaut nach den Plänen ihres Großonkels Reinhard Fischer.familienverband-feuerlein.de. Sie war eine Cousine von Friedrich Theodor Vischer.Siehe Deutsche Biographie, Eintrag Friedrich Theodor Vischer. Ihr Großvater Carl Friedrich Feuerlein war Geheimer Kabinettssekretär in Diensten des Herzogs Carl Eugen von Württemberg gewesen.Feuerlein war Präsident des Lokalwohltätigkeitsvereins, Kanzleiadvokat, Geh. Kabinettssekretär und Ordensregistrator; Sohn des Willibald Feuerlein, herzoglich württembergischer Regierungs- und Kriegsrat in Stuttgart, und der Rosine Euphrosine Georgii, Tochter des Rats Georgii in Ansbach. familienverband-feuerlein.de. Mit ihrer verwitweten Mutter kam sie von Calw nach Stuttgart ins Haus ihrer Großvaters Feuerlein und zum Stiefvater Ferdinand von Pistorius. Emilie Uhland ermöglichte ihrem Mann später die Arbeit in finanzieller Unabhängigkeit und nahm Anteil an seinen Tätigkeiten. Nach seinem Tod schrieb sie die erste Biographie über ihn.Emilie Uhland: Ludwig Uhlands Leben. Aus dessen Nachlaß und aus eigener Erinnerung zusammengestellt von seiner Witwe. Cotta, Stuttgart 1874. Sie überlebte ihn um 19 Jahre und starb in Stuttgart. Die Ehe war kinderlos geblieben.