Gerhard „Gerd“ Müller (* 3. November 1945 in Nördlingen; † 15. August 2021 in Wolfratshausen) war ein deutscher Fußballspieler.
Mit 365 Toren in 427 Partien ist der als „Bomber der Nation“ bezeichnete Müller Rekordtorschütze der Fußball-Bundesliga und gilt aufgrund seiner außergewöhnlichen Körperbeherrschung und Fähigkeit zur Antizipation als einer der besten Stürmer aller Zeiten. 1970 wurde er mit dem Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet.
Als Spieler des FC Bayern München (1964 bis 1979) gewann Müller vier deutsche Meisterschaften, viermal den DFB-Pokal, dreimal den Europapokal der Landesmeister, einmal den Europapokal der Pokalsieger sowie einmal den Weltpokal. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 1972 Europa- und 1974 Weltmeister. Im Verlauf seiner Karriere wurde Müller bei 18 unterschiedlichen Wettbewerben Torschützenkönig (u. a. siebenmal in der deutschen Bundesliga).
Nach dem Karriereende war er von 1992 bis 2014 als Co-Trainer im Trainerstab der zweiten Mannschaft des FC Bayern tätig.
Jugend Gerd Müller wurde 1945 im bayerisch-schwäbischen Nördlingen geboren. Er war das fünfte und jüngste Kind von Johann Heinrich Müller und dessen Ehefrau Christina Karoline Jung. Schon in jungen Jahren begann er, mit der Jugend von Nördlingen auf der Straße Fußball zu spielen, ehe ihn der hier ansässige Georg Münzinger, Mitglied der Jugendleitung des TSV 1861 Nördlingen, zu seinem Verein lotsen wollte.. In: bundesliga.com. Abgerufen am 17. August 2021. Aufgrund von Selbstzweifeln und seiner Schüchternheit soll sich Hadde, wie Müller in seiner Jugend oftmals gerufen wurde, nicht getraut haben, sich dem Verein anzuschließen.
Im August 1958 trat der mittlerweile zwölfjährige Müller auf Empfehlung Münzingers in die C-Jugend des TSV 1861 Nördlingen ein, nachdem ihn ein beim Verein bereits aktiver Freund zum Training mitgenommen hatte,Udo Muras, Patrick Strasser: Gerd Müller. Der Bomber der Nation. ISBN 978-3-86883-700-1, S. 35. und zeigte bereits als Jugendspieler Torjägerqualitäten. In der A-Jugend soll er während der Saison 1962/63 von insgesamt 204 Saisontoren 180 erzielt haben und wurde in die Jugendauswahl des Bayerischen Fußball-Verbands berufen.
Der aus einfachen Verhältnissen stammende Müller begann nach erfolgreichem Abschluss der Volksschule im Alter von 14 Jahren eine Weberlehre beim Nördlinger Unternehmen Wollspinnerei Busse GmbH & Co, die ihren Betrieb 2014 einstellte. Als er dort in den Schichtdienst wechseln sollte, bei dem er jede zweite Woche das Abendtraining verpasst hätte, trat er eine Stelle als Schweißer bei der Firma Bremshey an.kicker: Legenden & Idole, Gerd Müller. S. 18.
Müller freundete sich in seiner Jugend mit mehreren Mitgliedern der Nördlinger Familie Reinhardt an, die den Sinti angehörten.
Vereinskarriere TSV 1861 Nördlingen Am 27. April 1963 gab der 17-jährige Müller in der Partie gegen die TSG Augsburg 85 sein Debüt für die Herrenmannschaft des TSV (Bezirksliga Schwaben). In seiner ersten kompletten Saison (1963/64) hatte der bullige Mittelstürmer mit 47 Toren bei 28 Einsätzen erheblichen Anteil am Aufstieg des Vereins in die Landesliga.
Der Bundesligist TSV 1860 München wurde auf den Stürmer aufmerksam und wollte ihn für die kommende Saison verpflichten. Doch im Frühjahr 1964 erschien Walter Fembeck, Geschäftsführer des FC Bayern München, nur eine Stunde vor dem Kollegen der Sechziger bei den Müllers zu Hause, um ihm einen Vertrag anzubieten. Müller, der sich beim TSV 1860 kaum Chancen auf einen Stammplatz ausrechnete, gab schließlich den Bayern den Zuschlag. In der Wohnung von Vereinspräsident Wilhelm Neudecker unterschrieb er am 10. Juli 1964 einen Vierjahresvertrag und wechselte für die Ablösesumme von 4400 DM zum FC Bayern. Nebenher wurde Müller eine Anstellung als Halbtagskraft bei einem Münchner Möbelhändler vermittelt.
FC Bayern München mini|Gerd Müller (1967) beim Signieren von Fußbällen; im Hintergrund Franz Beckenbauer und Werner Olk Bayern-Trainer Zlatko Čajkovski zeigte zunächst wenig Begeisterung für den jungen, gedrungenen Stürmer aus der schwäbischen Provinz: „Was soll isch mit dieses Junge, diese Figur, unmöglich“Ralf Grengel, Rafael Jockenhöfer: 100 Jahre FC Bayern München…und ein Paar Titel mehr. powerplay-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-9804611-3-0, S. 120. und „Was soll ich mit einem Gewichtheber?“ Daher fand Müller zunächst keine Berücksichtigung für den Kader der Mannschaft, die selbstbewusst den Aufstieg von der Regionalliga Süd in die Bundesliga anstrebte. Erst auf Druck des Präsidenten wurde die Neuverpflichtung am 18. Oktober 1964 in der Partie beim Freiburger FC aufgestellt und erzielte beim 11:2-Sieg einen Treffer. Anschließend schaffte Müller als Halbstürmer den Sprung in die Stammformation und mit Spielern wie Werner Olk, Rainer Ohlhauser, Dieter Brenninger, Franz Beckenbauer oder Sepp Maier gelang den Bayern am Saisonende souverän der Aufstieg in die Bundesliga. Gerd Müller gelangen dabei 33 Treffer und 6 weitere Treffer in der Aufstiegsrunde.
Am 14. August 1965 bestritt Müller sein erstes Bundesligaspiel (0:1 gegen 1860 München) und erzielte 14 Tore bei 33 Einsätzen in seiner Bundesliga-Premierensaison. Die Bayern belegten am Saisonende den dritten Tabellenplatz und mit dem Sieg im DFB-Pokal (4:2-Sieg über den Meidericher SV) konnte man den ersten Titel seit neun Jahren gewinnen. Eine Besonderheit für Müller in seiner ersten Ligasaison war auch ein Einsatz als Torwart. Im Auswärtsspiel gegen den Hamburger SV am 20. Oktober 1965 ersetzte er für kurze Zeit den verletzten Torhüter Sepp Maier.Broder-Jürgen Trede: Kurzbeinbomber Gerd Müller. Wie der Torjäger als Torhüter glänzte. In: spiegel.de. 3. November 2015, abgerufen am 17. August 2021. In der Saison 1966/67 gelang Müller der endgültige Durchbruch: Mit 28 Treffern wurde er erstmals Bundesliga-Torschützenkönig (gemeinsam mit Lothar Emmerich) und erhielt die Auszeichnung als „Fußballer des Jahres“. Mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1967 errangen die Bayern ihren ersten internationalen Titel. Parallel zur persönlichen Entwicklung Müllers gelang dem FC Bayern unter Trainer Branko Zebec Ende der 1960er Jahre der Aufstieg zur Spitzenmannschaft, der mit dem Gewinn des Doubles aus Meisterschaft und Pokalsieg 1968/69 gekrönt wurde. Müller, der durch das harte Konditionstraining Zebecs sieben Kilo Körpergewicht verloren hatte, war der überragende Spieler und er wurde abermals Torschützenkönig (30 Spiele / 30 Tore) sowie zum zweiten Mal „Fußballer des Jahres“. Im Pokalfinale erzielte er beide Tore zum 2:1-Sieg über den FC Schalke 04. Am siebten Spieltag der Folgesaison erzielte Müller in seinem 136. Bundesligaspiel seine Tore 97 bis 100 dieser Spielklasse (4:1 gegen SV Werder Bremen). Er war nach Lothar Emmerich und Uwe Seeler erst der dritte Spieler, der diese Marke erreichte, mit knapp 24 Jahren außerdem der bis dahin jüngste. Am 24. September 1977 brach Dieter Müller vom 1. FC Köln diese Marke mit nur 129 Spielen und war auch mit 23 Jahren jünger. Seit dem 18. September 2026 hält Harry Kane den Rekord für die schnellsten 100 Bundesliga-Tore: Er benötigte nur 98 Spiele für seine 100 Tore und unterbot damit die bisherige Bestmarke von Dieter Müller. Allerdings war Kane mit 33 Jahren älter.
1968 versuchte sich Gerd Müller wie viele Sportler und Sportlerinnen zuvor als Schlagersänger und nahm die Platte Das gibt ein Schützenfest auf. Damit platzierte er sich für ein paar Wochen im Schlagerderby des Deutschlandfunks. Den Sprung in die offiziellen Charts schaffte er jedoch nicht. mini|Gerd Müller (Mitte) mit Franz Beckenbauer (links) und Udo Lattek Die Verpflichtung von Udo Lattek als neuem Trainer läutete zu Beginn der 1970er Jahre die bis dahin erfolgreichste Ära der Vereinsgeschichte des FC Bayern ein. Nach dem Gewinn des DFB-Pokals 1971 gewann die Mannschaft zwischen 1972 und 1974 drei Meisterschaften in Folge. Trotz talentierter Neuzugänge wie Uli Hoeneß, Paul Breitner und Rainer Zobel war die Achse Maier-Beckenbauer-Müller zentrales Gerüst der Erfolgsmannschaft. Gerd Müller war ein Weltklassestürmer, der in der Saison 1971/72 40 Bundesligatore erzielte, eine Bestmarke, die 49 Jahre Bestand hatte und erst in der Saison 2020/21 von Robert Lewandowski, ebenfalls in Diensten des FC Bayern München, um ein Tor überboten wurde. Im Juli 1973 versuchte der FC Barcelona Gerd Müller zu verpflichten. Der Verein bot dem FC Bayern drei Millionen Mark Ablöse und dem Spieler die gleiche Summe als Gehalt. Der Wechsel scheiterte aber, weil der DFB Gerd Müller eine Sperre für die WM 1974 androhte. Daraufhin verzichtete Gerd Müller auf einen Wechsel, schrieb aber in einem offenen Brief: „Ich respektiere die Entscheidung des DFB. Meine persönliche Meinung dazu ist, daß ich entsprechend des [sic!] deutschen Grundgesetzes den Standpunkt vertrete, daß jeder Mensch in der Bundesrepublik das Recht der freien Berufswahl hat.“ Doch sein Verbleib sollte ihm nicht schaden. Dem nationalen Titel-Hattrick folgte nämlich der dreifache Gewinn des Europapokals der Landesmeister (1974, 1975, 1976) und des Weltpokals 1976.
Doch nach dreizehn Titelgewinnen in zehn Jahren neigte sich Ende der 1970er Jahre die große Zeit des FC Bayern ihrem Ende zu. Man hatte nicht mehr die Spitzenmannschaft vergangener Jahre und rutschte ins Mittelfeld der Bundesliga ab. Nach dem Abgang Beckenbauers in die USA wurde Müller vor Beginn der Saison 1977/78 dessen Nachfolger als Bayern-Kapitän und mit 24 Toren zwar zum siebten Mal Torschützenkönig (gemeinsam mit Dieter Müller), allerdings hatte der „Bomber der Nation“ aufgrund eines Bandscheibenvorfalls immer wieder mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Bereits in vorherigen Jahren hatten ihn mehrmals Verletzungen zurückgeworfen, darunter ein Handbruch im Jahr 1968, ein Wadenbeinbruch 1973 und ein Oberschenkel-Muskelriss 1975.
Am 3. Februar 1979 wurde Gerd Müller während der 1:2-Auswärtsniederlage bei Eintracht Frankfurt erstmals in seiner Karriere aus sportlichen Gründen vorzeitig ausgewechselt, was zum endgültigen Zerwürfnis mit Trainer Pál Csernai führte. Die Auswechslung sei aber am Ende nicht entscheidend gewesen, so Müller im Februar 1979, „all die anderen Dinge wiegen viel schwerer – und alles zusammen war einfach zuviel für mich“, sagte er. Müller, der dem Vorstand seinen Abschied zum Saisonende bereits angekündigt hatte, bat schriftlich um die Auflösung seines Vertrags und kündigte sein Karriereende an. Am 25. Februar wurde der Vertrag zwischen Spieler und Verein einvernehmlich aufgelöst. Somit war die Partie gegen Borussia Dortmund (4:0) am 10. Februar 1979 das letzte Bundesligaspiel Müllers. Sein letztes Tor hatte er am 18. November 1978 bei der 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern erzielt.
Erst für den 20. September 1983 wurde im Münchner Olympiastadion ein Abschiedsspiel zwischen dem FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft organisiert.
Der Wechsel nach Florida