Rendezvous in Paris oder auch Das große Einmaleins ist ein emanzipatorischer Roman von Vicki Baum. Es ist der erste Roman, den die Autorin 1935 im Exil in Los Angeles schrieb.

Inhalt Evelyn Droste führt in Berlin ein gutbürgerliches, aber langweiliges Leben. Ihr Ehemann Kurt ist ein korrekter Amtsgerichtsrat, der völlig in seinen Akten und Fällen versinkt und Evelyn kaum Beachtung schenkt. Das Ehepaar Droste hat zwei kleine Kinder, Evelyn, von Natur aus zart und unselbstständig, ist seit der Geburt des kleinen Sohns gesundheitlich angeschlagen.

Eine gute Freundin der Drostes ist die Innenarchitektin Marianne, die als Gegenpol zu Evelyn beschrieben wird. Sie verkörpert den Typus der modernen, unabhängigen Frau der 1920er/30er Jahre, die das enge Korsett der damaligen Moralvorstellungen hinter sich gelassen hat. Es wird angedeutet, dass Marianne und Kurt Droste eine kurze Beziehung hatten, bevor dieser Evelyn kennenlernte und heiratete.

Bei einem Tennisturnier in Mariannes Bekanntenkreis lernt Evelyn den amerikanischen Geschäftsmann Frank kennen. Sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn und projiziert all ihre Sehnsüchte nach Freiheit und Abenteuer auf den charmanten Fremden.

Als Frank nach einer Party Berlin verlässt und geschäftlich nach Paris weiterreist, ist Evelyn untröstlich. Sie vertraut sich schließlich Marianne an und bittet diese, sie offiziell in ihr Landhaus einzuladen und ihr damit ein Alibi für ein Wochenende nach Paris zu verschaffen.

Für ein Rendezvous mit Frank reist sie nach Paris. Schnell zeigt sich das emotionale Ungleichgewicht. Während Evelyn die Affäre mit absolutem Ernst und großer Hingabe lebt, ist sie für Frank eher ein angenehmer Zeitvertreib und ein flüchtiges Abenteuer. Frank ist verheiratet, seine Frau ist per Schiff auf dem Weg nach Europa. Außerdem hat er in Paris noch eine Geliebte, die ihm sonst bei Geschäftsreisen Gesellschaft leistet.

Parallel zu den Ereignissen in Paris ist eine Kriminalhandlung rund um Kurts Drostes Arbeit am Landgericht Moabit eingewoben. Eine Frau wird beschuldigt, ihre Schwiegermutter mit Rattengift getötet zu haben. Der Fall nimmt eine dramatische Wendung, als Droste die Schuld des untreuen Ehemanns der Angeklagten beweisen kann.

Auf Evelyns Heimflug von Paris nach Berlin stürzt das Flugzeug ab. Erst jetzt erfährt Kurt von ihrer Reise nach Paris und der Affaire mit Frank. Kurt und Marianne fahren zum Unfallort, um Evelyn zu identifizieren. Marianne steht Kurt zur Seite.

Stilmittel und Hintergrund Der Roman entfaltet eine besondere Dynamik durch den Wechsel der Perspektiven. Dieselben Tage werden parallel aus der Sicht von drei verschiedenen Figuren – Evelyn, Frank und Kurt – geschildert. Eine ähnliche Erzählweise hatte auch Gina Kaus in den 1928 erschienenen Roman „Die Verlieben“ verwendet. Vicki Baum und Gina Kaus waren eng befreundet. Sie hatten sich in den 1920er-Jahren in Berlin kennen gelernt. Vicki Baum arbeitete von 1926 bis 1931 als Redakteurin für den Ullstein Verlag, wo auch Gina Kaus verkehrte.

Verfilmung 1950 wurde der Roman von René Clément unter dem Originaltitel Le Château de verre (dt. Rendezvous in Paris (1950)) erstmals mit Michèle Morgan verfilmt. 1982 erfolgte die Verfilmung durch Gabi Kubach mit Claude Jade als Evelyne, ebenfalls unter dem Titel Rendezvous in Paris (1982).

Literatur Vicki Baum: Das große Einmaleins. Querido Verlag, Amsterdam 1935. Vicki Baum: Rendezvous in Paris. Naumann und Göbel, Köln 1992, ISBN 3-625-20170-4. Vicki Baum: Rendezvous in Paris. Edition Ebersbach, Berlin 2012, ISBN 978-3-86915-063-5.

Kategorie:Werk von Vicki Baum Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Exilliteratur